Aug 05

“Was kann ich schon tun, es liegt in meinen Genen!” Diesen Stehsatz hört man hĂ€ufig, wenn jemand von gesundheitlichen Problemen spricht. Und tatsĂ€chlich existieren nur wenige Krankheiten, zu denen nicht mindestens eine Studie versuchte, “genetische Ursachen” ausfindig zu machen – auch bei psychischen Problemen. Doch bemerkenswerterweise können selbst 150 Jahre, nachdem Gregor Mendel (der “Vater der Genetik”) seine Regeln der Vererbung beschrieb, Krankheitsgeisseln der Menschheit wie Krebs, SĂŒchte, Diabetes oder Gewalt immer noch nicht auf genetischem Wege beseitigt werden. Das soll nun nicht heißen, dass die Genetik kein wichtiges Potential hĂ€tte – aber offenbar ist es zum heutigen Zeitpunkt immer noch klug, sĂ€mtliche nicht-genetischen Einflussfaktoren fĂŒr unsere Krankheiten und Störungen auch weiterhin zu berĂŒcksichtigen.

Einer der haarstrĂ€ubendsten Aspekte der Theorie, dass unser gesamtes Leben genetisch “programmiert” ist, besteht darin, dass diese Sichtweise uns komplett von unserer Umwelt abkoppelt. Da unser Schicksal ohnehin unabĂ€nderlich sei, könnten wir uns demnach eigentlich den Versuch sparen, persönliche oder gesellschaftliche Energien in die Verbesserung unserer Lebenssituation oder Gesundheit zu stecken. TatsĂ€chlich jedoch ist nur ein sehr kleine Gruppe sehr seltener Krankheiten wirklich rein genetisch verursacht. FĂŒr komplexe Störungen wie ADHS, Schizophrenie, eine Neigung zu Gewalt oder AbhĂ€ngigkeit mag es zwar genetische Veranlagungen geben, dies ist aber nicht das gleiche wie eine Vorbestimmung. Gene scheinen uns vielmehr unterschiedliche Möglichkeiten zu geben, auf unsere Umwelt zu reagieren. So wirken EinflĂŒsse in unserer Kindheit und die Art unserer Erziehung ganz entscheidend auf die Art, in der sich unsere genetische Neigung spĂ€ter entwickelt. Wie Untersuchungen zeigen, können diese EinflĂŒsse sogar verschiedene Gene “ein- oder ausschalten”, um uns optimal auf die Anforderungen unserer Umwelt einzustellen.

Eine in Montral durchgefĂŒhrte Studie beispielsweise, die die Gehirne von Suizidopfern untersuchte, fand heraus, dass ein wĂ€hrend der Kindheit stattgefundener Missbrauch offenbar gewisse Gehirngene verĂ€nderte, was bei anderen Menschen nicht. feststellbar war. Derartiges wird als “epigenetischer Effekt” bezeichnet: ein Umwelteinfluss, der bestimmte Gene aktivieren oder deaktivieren kann.

So könnte man in einer Variation zu Shakespeare’s Zitat vielleicht sagen: “Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich die Wissenschaft auszumalen vermag.” Und es gibt mehr Möglichkeiten, unser Leben zielfĂŒhrend zu verĂ€ndern, als wir es uns vorstellen mögen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:psychcentral.com)

Jul 23

“Schönheitschirurgen” und die Kosmetikindustrie leben davon (und Kritiker behaupten, sie tun ihr Bestes, um es zu fördern): das “Dorian-Gray-Syndrom” beschreibt ein PhĂ€nomen, bei dem Menschen regelrecht zwanghaft kosmetische Produkte kaufen und medizinische Prozeduren auf sich zu nehmen – im Versuch, ihre Jugend zu erhalten. Oscar Wilde griff in seinem berĂŒhmten Roman “Das Bildnis des Dorian Gray” sehr eindrĂŒcklich das psychologische Dilemma der Betroffenen auf, nicht altern und seelisch reifen zu wollen. Der Protagonist des Romans wurde in Folge zum Namensgeber fĂŒr das einschlĂ€gige Verhaltensbild.

WĂ€hrend das Syndrom als solches zwar noch nicht in die medizinischen DiagnoseschlĂŒssel aufgenommen wurde, zeigen viele Patienten, die daran leiden, jedoch klar diagnostizierbare Elemente sogenannter Körperbildstörungen (mit starken Sorgen rund um – mitunter nur von ihnen selbst – wahrgenommene Defekte ihrer körperlichen Erscheinungsbildes), narzißtische Persönlichkeitselemente (etwa ein GefĂŒhl der Überlegenheit anderen gegenĂŒber oder starke BeschĂ€ftigung mit sich selbst), sowie Zeichen verzögerter psychischer Reifung (Maturation) in bestimmten Teilbereichen ihrer Persönlichkeit. In ihrer Sorge um ihr Ă€ußeres Erscheinungsbild und ihrer Schwierigkeit, ihr körperliches Altern zu akzeptieren, sind DGS-PatientInnen hĂ€ufig intensive Benutzer (oder Mißbraucher) von Haarwuchs- und DiĂ€tprodukten, Stimmungsaufhellern und Potenzmitteln, oft sind sie Mitglieder in Fitneßclubs und hĂ€ufig auch wiederholt Patienten fĂŒr kosmetische Operationen (Laser-Korrekturen, Botox-Injektionen oder andere Ă€sthetische Eingriffe).

Falls Sie jemanden kennen, der Anzeichen des Dorian-Gray-Syndroms zeigt, dĂŒrften Ihnen vielleicht auch depressive Tendenzen auffallen, die sich – wenn sie unbehandelt bleiben – selbstschĂ€digend auswirken können: etwa wenn der oder die Betroffene versucht, das negative Selbstbild durch den Gebrauch von Medikamenten, Drogen oder wiederholten Operationen zu unterdrĂŒcken. Wer aber hĂ€tte das Recht, das jeweilige Verhalten als “schĂ€dlich” zu bezeichnen? FĂŒr manche Menschen wĂ€re es wohl inakzeptabel, ihr Leben stĂ€ndig nach derartigen Zwangsgedanken auszurichten, andere dagegen verĂ€ndern lieber ihren Körper, als ihre Psyche zu hinterfragen.

Was lĂ€ĂŸt sich gegebenenfalls tun? Bei manchen Betroffenen stellt sich eine Persönlichkeitsstörung als eigentliche Ursache fĂŒr die Körperbildstörung heraus, bei anderen ist es ein Mangel an SelbstwertgefĂŒhl. WĂ€hrend zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen unterschiedliche Maßnahmen (hĂ€ufig eine Kombination aus Psychopharmaka und Psychotherapie) erforderlich sind, kann das SelbstwertgefĂŒhl sehr effizient mit Methoden aus der Psychotherapie alleine verbessert werden. Dies erfordert nicht unbedingt jahrelange “GesprĂ€che” – klare und auch dauerhafte Verbesserungen sind in der Regel schon nach einigen Monaten regelmĂ€ĂŸiger Sitzungen möglich. Diese haben unter anderem das Ziel, hinsichtlich der körperlichen VerĂ€nderungen, die unser Leben mit sich bringt, selbstsicherer und gelassener zu werden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:Dorian Gray Movie 2009)

May 23

Bei Kindern und Jugendlichen bewĂ€hren sich psychotherapeutische PrĂ€ventionsprogramme definitiv – die einjĂ€hrige Studie „Saving and Empowering Young Lives in Europe (SEYLE): Gesundheitsförderung durch PrĂ€vention von riskanten und selbstschĂ€digenden Verhaltensweisen“, die in Deutschland an der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg durchgefĂŒhrt wurde, zeigt vielversprechende Ergebnisse und wies eine Reduktion psychischer Probleme bei den teilnehmenden SchĂŒlern sowie einen deutlichen RĂŒckgang von depressiven Symptomen, selbstschĂ€digenden Verhaltensweisen und Selbstmordgedanken insbesondere bei MĂ€dchen nach.

Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit von PrĂ€ventionsmaßnahmen zu ĂŒberprĂŒfen und effiziente Programme langfristig an bundesweit allen Schulen zu etablieren. Sie lief unter der FederfĂŒhrung des Karolinska-Instituts in Stockholm gleichzeitig in neun anderen EU-Staaten sowie Israel.

„Es gibt ein hohes Maß an gefĂ€hrdeten Jugendlichen, doch viele von ihnen kommen nicht bei den Therapeuten an”, erklĂ€rt Studienleiter R. Brunner. „Bei psychischen Problemen gibt es eine immer noch ausgeprĂ€gte Stigmatisierung.” Viele Jugendliche haben Angst, von ihren MitschĂŒlern ausgelacht zu werden. „Wir waren im Vorfeld mehrfach in den Klassen, um AufklĂ€rung zu betreiben”, sagt Studienkoordinator M. Kaess, „etwa darĂŒber, dass die vertrauliche Kommunikation mit den SchĂŒlern und ihre AnonymitĂ€t gewĂ€hrleistet sind.” Rund 70 Prozent entschlossen sich daraufhin zur Teilnahme.

Über 1.400 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren waren an der Studie beteiligt. Sie kamen von 26 Gymnasien, Real- Hauptschulen des Rhein-Neckar-Kreises und Heidelberg. ZunĂ€chst beantworteten die Acht- und NeuntklĂ€ssler bei der Eingangsuntersuchung im Januar 2010 einen Fragebogen, der unter anderem die Themenbereiche SuizidgefĂ€hrdung, Selbstverletzung, Angst, Depression, Delinquenz, gestörtes Essverhalten, exzessiver Medienkonsum, SchulschwĂ€nzen und Mobbing abhandelte. Je eines von vier PrĂ€ventionsprogrammen wurde den Schulen per Zufall zugeteilt. Beim sogenannten Professional Screening erhielten ĂŒber 60 Prozent der SchĂŒler aufgrund ihrer Antworten eine Einladung zu einem Interview. Bei 30 Prozent derer, die zum Termin erschienen waren, stellten die Psychiater einen Behandlungsbedarf fest.

In einem der anderen drei PrĂ€ventionsprogramme nahmen etwa 100 Lehrer an einem Training teil, dass sie in die Lage versetzte, betroffene Jugendliche zu erkennen und mit ihnen umzugehen („Gatekeeper-Training”). 450 SchĂŒler wurden im Rahmen von fĂŒnf Unterrichtsstunden ĂŒber riskante und selbstschĂ€digende Verhaltensweisen sowie den Umgang damit aufgeklĂ€rt („Awareness Training”). An anderen Schulen wurden den KlassenrĂ€umen Informationsplakate aufgehĂ€ngt und den Jugendlichen Visitenkarten mit den Kontaktinformationen der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgehĂ€ndigt („Minimal Intervention”).

Bei etwa 25 Prozent der SchĂŒler sank die SuizidgefĂ€hrdung im Laufe der Folgeuntersuchungen. Besonders bei den MĂ€dchen verringerten sich die psychischen Probleme. „Eine genaue Analyse der unterschiedlichen Gruppen und Wirkfaktoren steht noch aus”, betont Brunner. „Diese ersten Ergebnisse stellen ausschließlich Tendenzen bezogen auf die Heidelberger Gesamtstichprobe dar. Es fehlen allerdings noch genaue Analysen im Vergleich mit anderen EU-Staaten, die sicher noch weitere Erkenntnisse bringen werden.”

(Quelle: http://www.seyle.eu , Der Standard v 20.01.2011; Photo:Matthias Cremer)

Jan 14

Wenn sie das Wort “Depression” hören, denken viele Leute an traurige oder hoffnungslose Menschen, die nach einem nicht verkrafteten Lebensereignis zurĂŒckgezogen und hĂ€ufig weinend ihr Dasein fristen.

Doch tatsĂ€chlich ist das nur in den seltensten FĂ€llen so. In einer US-Studie aus dem Jahr 1996 konnte beispielsweise nur ein Drittel der an einer Depression Leidenden ein belastendes oder einschneidendes Erlebnis vor der Erkrankung nennen. Und es sind auch keineswegs nur negative Ereignisse, die bei manchen Menschen Depressionen auslösen können, sondern auch solche wie etwa die Geburt eines Kindes oder das Gelingen eines GeschĂ€ftsabschlusses. Dass nicht alle Menschen bei einschlĂ€gigen Ereignissen Depressionen entwickeln, legt darĂŒber hinaus nahe, dass auch andere Faktoren, wie etwa genetische oder Stress-Faktoren mitbeteiligt sein dĂŒrften. FĂŒr die Betroffenen selbst und ihre Umwelt also ist in der ĂŒberwiegenden Zahl der FĂ€lle auf Anhieb gar kein klarer Grund fĂŒr eine etwaige Depression auszumachen – was in aller Regel zu langjĂ€hrigen Verzögerungen auf der Suche nach der korrekten Diagnose fĂŒr das eigene Unwohlbefinden fĂŒhrt.

Körperliche Symptome sind eine weitere, hÀufig fehlinterpretierte Facette depressiver Störungen. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, reduzierte GedÀchtnisleistung und KonzentrationsfÀhigkeit, aber auch andere körperliche Schmerzen, Probleme der Verdauungsorgane oder Energielosigkeit sind typische körperliche Symptome einer vorliegenden Depression.

Die mit der Depression hĂ€ufig verbundene Perspektivenlosigkeit fĂŒhrt viele Betroffenen zu selbstschĂ€digendem Verhalten. Die meisten Menschen, die Suizid begingen, litten vorher an einer (hĂ€ufig nicht erkannten oder behandelten) Depression. Doch es muß nicht gleich Suizid sein: auch andere selbstschĂ€digende Formen des Verhaltens, wie etwa Alkohol- und Drogenmißbrauch, selbstschĂ€digendes Eßverhalten oder riskantes Verhalten im Verkehr sind, wie Untersuchungen zeigen, in mehr als 60% der FĂ€lle an Depressionen gekoppelt.

Besonders bei Ă€lteren MĂ€nnern Ă€ußert sich Depression hĂ€ufig auch ĂŒber Aggression, speziell verbale Unfreundlichkeiten, Zynismus, Schimpfen und andere Formen aggressiver Ausdrucksweise. Auch hier ist es den Betroffenen nur selten bewußt, dass sie an einer Depression leiden, sondern sie fĂŒhren ihre innere Unzufriedenheit und ihren Ärger auf Ă€ußere UmstĂ€nde zurĂŒck, ĂŒber die sie sich regelmĂ€ĂŸig und nicht selten auch lautstark beschweren.

Etwa 4 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen, die Dunkelziffer dĂŒrfte aber aufgrund der hĂ€ufigen Fehldiagnosen und jahrelangen Leidenswege ohne passenden Befund und adĂ€quate Therapie deutlich höher liegen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:TRBfoto)

Sep 30

Suizid / PrÀsuizidales Syndrom / Depression

img source: menstylefasion.com

Der Begriff “prĂ€suizidales Syndrom” stammt vom Wiener Psychiater Dr. Erwin Ringel, der die Gemeinsamkeiten im seelischen Erleben von Überlebenden untersuchte. Er spricht von drei Punkten:

  1. Einengung
  2. Gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression
  3. Selbsttötungsphantasien

Durch das Zusammenspiel dieser drei “Bausteine” kommt es nahezu unvermeidbarerweise zu einem Teufelskreis, in dem sich diese gegenseitig verstĂ€rken.

  1. Einengung
    • Situative Einengung (Einengung der persönlichen Möglichkeiten): Das menschliche Leben ist durch eine FĂŒlle von Gestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten geprĂ€gt. Im Zustand des prĂ€suizidalen Syndroms ist dieses GefĂŒhl jedoch weitestgehend nicht mehr vorhanden. Die LebensumstĂ€nde werden als bedrohlich, unverĂ€nderbar und unĂŒberwindbar erlebt. Die eigene Person wird als klein, hilflos, ausgeliefert und ohnmĂ€chtig empfunden, die den ĂŒbermĂ€chtigen UmstĂ€nden ausgeliefert ist.
    • Dynamische Einengung (Einengung der GefĂŒhlswelt): Die Stimmung, Gedanken, Vorstellungen und Assoziationen gehen nur mehr in eine Richtung. Durch diese einseitige Ausrichtung kommt es zu Depression, Verzweiflung, Angst und Panik oder zumindest nach außen hin zu einer unheimlichen Ruhe. Im Moment der Selbsttötung erreicht die dynamische Einengung ihren Höhepunkt. Nur ein gefĂŒhlsmĂ€ĂŸiger Vorgang und nicht eine bloß rationale Überlegung vermag dies zu bewirken.
    • Einengung der zwischenmenschlichen Beziehung:
      FĂŒr die Selbsttötung gefĂ€hrdete Menschen sind einsam, isoliert, fĂŒhlen sich von anderen Menschen verlassen und unverstanden.
    • Einengung der Wertewelt: Es tritt eine Störung der Wertbezogenheit auf, nichts hat mehr einen “Wert”. Mangelnde Wertbezogenheit resultiert in Interessenslosigkeit, GleichgĂŒltigkeit, “VerdĂŒnnung” des Lebens, Langeweile. Eine Folge ist die unzureichende praktische Wertverwirklichung, wodurch das SelbstwertgefĂŒhl weiter geschĂ€digt oder zerstört wird. Das Überhandnehmen subjektiver Wertungen verstĂ€rkt die gefĂŒhlsmĂ€ĂŸige Außenseiterposition.
  2. Gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression: Adler definiert Selbsttötung als eine klassische Racheaktion, wobei man zwar sich selbst treffe, damit aber zugleich andere fĂŒr alle Zeiten vorwurfsvoll belaste. Selbsttötung erfordert eine enorm aggressive Haltung, in der sich die Aggression gegen die eigene Person richtet, obwohl im Grunde andere Menschen, auch in ihre Gesamtheit, also als “die Gesellschaft”, das in Wirklichkeit gemeinte Ziel darstellen. Damit dies eintritt, mĂŒssen ein starkes Aggressionspotential vorhanden sein und eine Abreaktion nach außen muß verhindert sein.
  3. Selbsttötungsphantasien: Viele Menschen haben schon einmal mit dem Gedanken gespielt, sich umzubringen. BĂŒrger-Prinz meinte einmal, dass wir alle tot wĂ€ren, wenn wir an unserem Körper eine Vorrichtung hĂ€tten, die Ă€hnlich einem Lichtschalter auf “aus” gestellt werden kann. Solche gelegentlichen Ideen fĂŒhren ĂŒblicherwiese nicht zum Suizid, sie sind an sich auch nicht als krankhaft zu sehen. Im Zustand des prĂ€suizidalen Syndroms unterscheidet sich die intensive gedankliche BeschĂ€ftigung mit der Selbsttötung davon grundlegend. Es lĂ€ĂŸt sich zwischen den zunĂ€chst aktiven, das heißt willentlich intendierten, Suizidvorstellungen unterscheiden und den spĂ€teren passiven, welche sich einfach, oft gegen den Willen und auch in Form von Zwangsgedanken aufdrĂ€ngen. Was zunĂ€chst Ă€hnlich wie ein Entlastungsmechanismus wirkt, kann sich zu einer heftigen Bedrohung entwickeln, wenn sich die Phantasien verselbstĂ€ndigen. Jede derartige Phantasie ist allerdings eine Flucht aus der Wirklichkeit. Dies gilt auch fĂŒr die Vorstellung tot zu sein. Meist verstehen die Betroffenen schon einige Tage spĂ€ter nicht mehr, wie sie ursprĂŒnglich nur auf derartige Gedanken kommen konnten.

Die Inhalte der Phantasien lassen sich in drei Stufen unterteilen:

  • Die Vorstellung, tot zu sein: Es geht bei dieser Phantasie um den Lustgewinn und Effekt, den dieses Ereignis bei den Mitmenschen auslöst und nicht um den Akt des Sterbens selbst. Es geht nicht um den Akt der Selbsttötung, sondern nur um das Ergebnis. Der Vorgang des Sterbens selbst wird ĂŒbersprungen. Als “Toter” bleibt man in der Phantasie sozusagen am Leben und genießt den “Lustgewinn”. Wie in den Phantasien oder TagtrĂ€umen von Kindern kann der Tod dabei jederzeit ungeschehen gemacht werden.
  • Die Vorstellung, Hand an sich zu legen: Die zweite Stufe besteht in der Vorstellung, Hand an sich zu legen, ohne dass dabei konkrete Methoden oder Vorgehensweisen phantasiert werden.
  • Die detaillierte Vorstellung der Methode der Selbsttötung: In der dritten Stufe, in welcher höchste Gefahr besteht, wird die konkrete DurchfĂŒhrung, oft bis in das kleinste Detail gehend, geplant. Von hier zur aktuellen DurchfĂŒhrung ist es nur mehr ein kleiner Schritt.

Suizidphantasien und Suizidgedanken treten auf, wenn ein fortgeschrittenes depressives Störungsbild vorliegt. Depressionen sind heute gut behandelbar, auch wenn es mitunter eine gewisse Zeit dauern kann, bis Psychotherapie (und fallweise erforderliche Antidepressiva) ansprechen.

Wenn Sie Symptome eines prĂ€suizidalen Syndroms an sich bemerken, wenden Sie sich umgehend an einen Facharzt fĂŒr Psychiatrie oder Neurologie oder an einen/Ihren Psychotherapeuten(in).

(Quellen:  Fellner, R.L.: “Depressionen – Mythen und Fakten rund um eine “Zeitkrankheit” (2007), Fellner, R.L.: “Erwin Ringel” (1990); persönlichkeit & psyche)

Sep 14

Jeder von uns genießt es, zu spielen – ob es um Pferde-Wetten oder ein kleines Pokerspiel am Computer geht. Die meisten von uns haben damit auch keinerlei Problem, einige jedoch verlieren die Kontrolle: sie wetten beim Kartenspiel um hohe Summen oder verbringen Stunden in Casinos oder an Spielautomaten. Heute muss man nicht einmal mehr seine Wohnung verlassen, um zu spielen: das Internet ermöglicht es, ganze NĂ€chte spielend oder mit Online-Wetten zu verbringen, ohne dass jemand störende Fragen stellt. TatsĂ€chlich versuchen viele derartige Websites betreibende Firmen dazu zu verlocken, möglichst lange online zu bleiben und dabei so viel Geld wie möglich einzusetzen. Sobald man aber einmal an den „Kick“ des Spielens gewöhnt ist, fĂ€llt es schwer, der Verlockung zu widerstehen und wieder einzusteigen – und sei es nur, um „nur noch 1 Mal!“ zu versuchen, die dabei bereits entstandenen Verluste umzukehren…

Typische Anzeichen fĂŒr SpielabhĂ€ngigkeit sind:

  • sehr hĂ€ufig an das Spiel zu denken
  • die HĂ€ufigkeit des Spielens zu verschleiern
  • wĂ€hrend der Arbeit zu spielen
  • lieber mit dem GlĂŒcksspiel als der Familie Zeit zu verbringen
  • sich nach dem Spielen schlecht zu fĂŒhlen – aber letztlich dennoch nicht damit aufzuhören
  • mit Geld, das eigentlich anderen Zwecken dienen sollte, zu spielen, Freunde oder Familienmitglieder um Geld zu fragen oder das Gesetz zu brechen, um Geld zum Spielen aufzutreiben

Der Unterschied zwischen einem Gelegenheitsspieler und einem Spiel-AbhĂ€ngigen ist, dass sich letzterer unruhig und gereizt fĂŒhlt, wenn er nicht spielen kann: nur das Spiel kann diese Spannung auflösen. Versuche, das Spielen zu reduzieren oder auszusteigen, waren langfristig nicht erfolgreich. Letztendlich verliert der Spieler aber nicht nur Geld, sondern auch wertvolle Lebenszeit: die LebensqualitĂ€t leidet, und mitunter entsteht massiver, langfristiger Schaden. Eine australische Studie zeigte kĂŒrzlich, dass 17% der Menschen, die Suizidversuche unternahmen, SpielabhĂ€ngige sind.

Die wirksamste Behandlungsmethode fĂŒr Spielsucht stellt heute eine Kombination von Beratung, step-by-step-Programmen, Selbsthilfe und Austausch in der Gruppe dar, manchmal werden auch Medikamente verschrieben. Eine einzelne dieser Behandlungsmethoden allein ist jedoch zumeist nicht ausreichend, auch wurden bislang durch die US Food and Drug Administration (FDA) noch keine Medikamente als fĂŒr die Behandlung von Spielsucht empfehlenswert eingestuft.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:dailymail.co.uk)

Aug 10

“Erwin? Den habe ich auch schon lĂ€ngere Zeit nicht mehr gesehen!”

Wenn sich das anfĂ€ngliche HochgefĂŒhl ĂŒber das Leben im Ausland gelegt hat, warten verstörende Kultureigenheiten, Desillusionierungen, Sprachbarrieren, ein fehlendes UnterstĂŒtzungssystem und damit hĂ€ufig auch ein GefĂŒhl der Einsamkeit auf Expats. Auch jene Ausgewanderten, die mit den Herausforderungen der Lebensumstellung relativ gut fertigwerden, vermissen hĂ€ufig einen vertrauten und ausreichend großen Freundeskreis. Viele haben zwar Freizeitbekanntschaften und Hobbypartner, aber niemanden, den sie als wirklich guten Freund, gute Freundin bezeichnen könnten. So kann sogar das Leben in Thailand, Gran Canaria oder Neuseeland zu einer phasenweise deprimierenden, weil einsamen Erfahrung werden.

JĂŒngere Menschen tun sich mit dieser Herausforderung normalerweise am leichtesten: ihnen fĂ€llt es zumeist noch leichter, die neue Sprache zu erlernen, Kontakte zu Einheimischen zu knĂŒpfen und sich in die Umgebung zu integrieren. Ältere Menschen dagegen neigen eher dazu, sich zurĂŒckzuziehen. HĂ€ufig reduzieren sich im Verlauf der Jahre sogar ihre Kontakte zu jenen Menschen, mit denen sie in der neuen Stadt recht gut auskamen. Sie verlassen ihre Wohnung nur mehr, um einzukaufen oder das wöchentliche Expat-Treffen zu besuchen. Irgendwann fĂŒhlt sich das dann womöglich auch zu anstrengend an. So kommt es, dass wir in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden in der Zeitung davon lesen mĂŒssen, dass Menschen – ob krankheitsbedingt oder gar durch die eigene Hand – vereinsamt starben. Aus meiner Sicht das schlimmste Lebensende angesichts der TrĂ€ume, die viele Expats mit ihrer Auswanderung verbanden.

Sieht man sich Einsamkeit, GefĂŒhlen von Depression oder AngstzustĂ€nden gegenĂŒber, sollte man aktiv bleiben und nicht vergessen: gut Ding braucht Weile. Pflegen Sie Ihre Kontakte, behalten Sie aber auch Ihre Freunde und Bekannten im Auge: wie geht es eigentlich denen aktuell?

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image source:echinacities.com)

Jun 03

Kinder und Jugendliche waren gemĂ€ĂŸ einer Studie der US Pharmaproduktions- und Gesundheitsmanagement-Firmengruppe MedCo Health Solutions die in den USA am stĂ€rksten wachsende Medikamenten-Konsumentengruppe – sie nahmen 4x so viel verschreibungspflichtige Arzneimittel wie der Rest der Bevölkerung ein. Jedes 4. Kind unter 10 Jahren erhielt Mittel gegen chronische Beschwerden, und bei den 10-19 JĂ€hrigen stieg dieser Anteil sogar auf 30 %.

Zwei Medikamentengruppen verzeichneten wĂ€hrend der letzten Jahre den grĂ¶ĂŸten Anstieg – Medikamente, die man normalerweise eigentlich nicht mit Heranwachsenden in Verbindung bringt: Antidiabetika und Neuroleptika (Antipsychotika). So stieg seit 2001 die Anzahl der 10-19 jĂ€hrigen Jugendlichen, die cholesterinsenkende Arzneimittel einnahmen, um unglaubliche 50%. Die Gruppe der Neuroleptika wird aber in den USA keineswegs nur gegen Psychosen wie z.B. Schizophrenie, sondern zunehmend auch bei AngstzustĂ€nden und Depressionen eingesetzt. Der Gebrauch dieser Arzneimittel-Gruppe hat sich in den USA seit 2001 deshalb verdoppelt, wĂ€hrend der von Antidepressiva seit 2004 um ĂŒber 20% abnahm – etwa zur gleichen Zeit hatte die Arzneimittelbehörde FDA eine Warnung veröffentlicht, dass einige Antidepressiva Selbstmordgedanken bei Jugendlichen verstĂ€rken können. Seither setzen die behandelnden Ärzte eher Neuroleptika ein. Doch ironischerweise vergrĂ¶ĂŸert der Konsum dieser Neuroleptika wiederum die Chance auf das Entstehen einer Typ 2 Diabetes.

Auch die oft kritisierte Vergabe von Medikamenten gegen ADHS ist weiterhin im Anstieg begriffen (2009: 9,1%) und hat sich – wohl aufgrund der Sensibilisierung bezĂŒglich des vielpublizierten “ADHS bei Erwachsenen” – auf die Gruppe der 20-34 JĂ€hrigen ausgeweitet. Dort stiegen die Verschreibungszahlen um ĂŒber 21% an.

Medco analysierte fĂŒr den Report seine 200 Top-Kunden, die ĂŒber 40 Millionen Menschen reprĂ€sentieren. Die Firma sieht eine blĂŒhende Zukunft fĂŒr Pharma-Hersteller: bis 2012 sollen die Ausgaben fĂŒr Arzneimittel um weitere 18% steigen.

Kommentar R.L.Fellner:
Der schon in einer US-Studie vom November letzten Jahres festgestellte Trend in der Sozial- und Gesundheitspolitik wird damit ein weiteres Mal bestĂ€tigt: er fĂŒhrt offenbar weg von AnsĂ€tzen, die Ursachen psychischer, sozialer und körperlicher Probleme und Erkrankungen mit all den uns heute zur VerfĂŒgung stehenden wirksamen Methoden (‘ganzheitlich’) zu behandeln und ihnen damit letztlich -hoffentlich- dauerhaft Herr zu werden, sondern der Mensch soll primĂ€r mit einer auf ihn abgestimmten Palette von parmakologischen Produkten versorgt werden, deren diverse Nebenwirkungen dann im (fĂŒr den Betroffenen..) ungĂŒnstigsten Fall wiederum weitere Arzneimittel nötig machen. Und wer sich von Kindern und Jugendlichen heute zu sehr herausgefordert oder provoziert fĂŒhlt, findet entweder einen Arzt, der nach ein paar Minuten Konsultation ADS / AHDS diagnostiziert und dazu auch gleich das passende Rezept ausstellt, oder eine Behörde, die (tĂ€gliche RealitĂ€t im heutigen England) eine sog. “ASBO” verfasst – mit den damit verbundenen “sozialen” Anpassungsmaßnahmen. Die vielgepriesene “freie Gesellschaft” des Westens scheint zu immer grĂ¶ĂŸeren Teilen in ein potemkinsches Dorf – abgelenkt durch glitzernde Konsumprodukte und “mind- & behavior- optimiert” durch immer neue Produkte der Pharmaindustrie – umgesiedelt zu werden.

(Quelle: Kids’ Consumption of Chronic Medications on the Rise (May 19, 2010), tp; Image src:healthpsych.psy.vanderbilt.edu)

Nov 20

Je intensiver Menschen Pestiziden ausgesetzt sind, desto eher denken sie an Selbstmord. Das zeigen Psychiater vom Londoner King’s College gemeinsam mit chinesischen Kollegen in einem Bericht der WHO. Bei 10.000 Bauern Chinas verglichen sie durch eine reprĂ€sentative Befragung, wie diese Pestizide zur SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung aufbewahrten und wie es um ihre geistige Gesundheit stand.

Menschen, die Pestizide zuhause aufbewahrten, waren viel hÀufiger von Suizidgedanken betroffen als andere, auch hatten Regionen, in denen die meisten Menschen Pestizide zuhause aufbewahrten, die vergleichsweise höchste Selbstmordrate.

Die hohe GefĂ€hrlichkeit der Einnahme großer Mengen an Pestiziden ist schon lange bekannt. Ein Gesundheitsrisiko ist jedoch speziell die chronische Aussetzung von Pestiziden in niedrigen Konzentrationen, wenn Landwirte etwa bei der Feldarbeit die Giftstoffe ĂŒber Lunge und Hautatmung aufnehmen. Bisherige Forschungen zeigen einen Zusammenhang mit hĂ€ufigerem Auftreten einer Krebs-Vorstufe sowie auch NervenschĂ€digungen und Probleme der geistigen Gesundheit.

Pestizide sind allerdings wohl nicht der alleinige Grund fĂŒr Suizidgedanken – sehr wohl aber könnten sie die Toleranzschwelle dafĂŒr senken. Vergleichbare Beobachtungen gab es auch in Deutschland, wo 1984 im geschlossenen Zweigwerk Hamburg-Moorfleet des Chemieproduzenten Boehringer, wo Ausgangsprodukte fĂŒr Herbizide hergestellt wurden, viele Arbeiter nicht nur körperlich schwer erkrankten, sondern auch sehr hĂ€ufig Suizid begingen”.

Die Forscher sehen den Beweis erbracht, dass der hohe Kontakt mit Pestiziden und Toxinen mit hohem Selbstmordrisiko zusammenhĂ€ngt. “Teilweise dĂŒrfte das den Grund zeigen, warum es in lĂ€ndlichen Regionen Chinas zu viel mehr Selbstmorden kommt als in den StĂ€dten”, so Jianmin Zhang, Psychiater am Tongde Hospital der Provinz Zhejiang. Die Ergebnisse könnten China bei Maßnahmen zur SuizidprĂ€vention helfen und Forderungen verstĂ€rken, dass der Zugang zu Pestiziden in der Landwirtschaft weltweit strenger kontrolliert wird.

(Quelle: WHO report “Pesticide Exposure and suicidal ideation in rural communities in Zhejiang Province, China” in: Bull World Health Organ 2009; 87:745-753; Presseveröffentl. d. Dt. Gesellschaft fĂŒr SuizidprĂ€vention. Photo src:eva-lichtenberger.eu)

Oct 20

In einer in der aktuellen Ausgabe des Lancet veröffentlichten Studie wurden erstmals die globalen Sterblichkeitsraten von jungen Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren erfasst. Die ĂŒberwiegende Mehrheit der TodesfĂ€lle in dieser Altersgruppe (97 Prozent) ereignet sich dieser zufolge in LĂ€ndern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus. DarĂŒber hinaus scheint die derzeitige Konzentration auf MĂŒttersterblichkeit, HIV/AIDS und andere Infektionskrankheiten wie Tuberkulose in dieser Altersgruppe zwar wichtig, aber dennoch unzureichend, da weltweit 40 Prozent dieser TodesfĂ€lle durch Verletzungen und Gewaltanwendung verursacht werden.

Die Autoren zogen die Daten der ‘Global Burden of Disease’-Studie des Jahres 2004 sowie fĂŒr den Weltgesundheitsbericht 2006 entwickelte SchĂ€tzungen der Sterblichkeitsraten heran. Die Muster der Sterblichkeitsraten wurden anhand der WHO-Region, des Einkommensstatus und der Ursache je nach Altersgruppe untersucht.

Nahezu zwei Drittel der im Jahre 2004 verstorbenen Jugendlichen starben im sĂŒdlich der Sahara gelegenen Afrika sowie in SĂŒdostasien, obwohl diese Regionen nur 42 Prozent der Altersgruppe 10 bis 24 Jahre stellen. Industrienationen verzeichneten nur 3 Prozent der TodesfĂ€lle, obwohl sie 11 Prozent der entsprechenden Altersgruppe stellen. Die Sterblichkeitsraten lagen unter den jungen Erwachsenen höher als bei den jĂŒngeren Pubertierenden, die Ursachen hierfĂŒr variierten jedoch je nach Region und Geschlecht. VerkehrsunfĂ€lle waren bei beiden Geschlechtern (kombiniert 10%) die hĂ€ufigste Todesursache, mit 14% bei den MĂ€nnern und 5% bei den Frauen. Andere hervorstechende Ursachen umfassten Gewalt (12% der mĂ€nnlichen Toten) und Selbsttötungen (6% aller TodesfĂ€lle).

Die Autoren bemerken: “Die Sterblichkeitsraten in den LĂ€ndern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus lagen nahezu um das Vierfache höher als jene in den Industrienationen, ein insbesondere unter jungen Frauen hervorstechender Unterschied.”

(Quellen: MedAustria, Lancet 2009, 374: 881-892. Photo:Reuters)

ï»ż01.09.19