Apr 10

In meiner Praxis habe ich sehr h√§ufig mit KlientInnen zu tun, die in irgendeiner Weise darunter leiden, nicht den geeigneten Partner oder die geeignete Partnerin zu finden. Dies hat nat√ľrlich fast immer psychische Gr√ľnde – auf die eine oder andere Weise sabotierten sie sich selbst, sie leiden an Formen sozialer √Ąngste oder (meiner Erfahrung nach der h√§ufigste Grund) an zu geringem Selbstwertgef√ľhl.

Image source: imhomir.com

Die Probleme rund um Partnersuche, Attraktivit√§t und sexuelle Anziehungskraft befl√ľgeln Forscher und K√ľnstler schon seit Menschengedenken. Unter diesem – eher ironisch gemeinten – Blogtitel m√∂chte ich die Ergebnisse einschl√§giger Studien und Forschungsergebnisse zusammenfassen – diese Sammlung wird laufend erweitert und aktualisiert.

Doch Achtung: Garantie f√ľr Plausibilit√§t oder gar Erfolg √ľbernehme ich keine! ūüėČ

Attraktivität und Partnerwahl

  • “Attraktive K√∂rper und Gesichter sind symmetrisch” – bei der Partnerwahl springen wir auf √§sthetische Eindr√ľcke an, die indizieren, dass es um die Gesundheit und Fitness, also auch um Reproduktionsf√§higkeit, gut bestellt ist (Quelle)
  • Menschen mit symmetrischem K√∂rperbau kommen beim Tanzen besser an und haben bei der Partnerwahl die Nase vorn.” (Quelle)
  • Frauen ohne Idealma√üe sind st√§rker, robuster und krisenresistenter” – im Westen gelten Frauen mit einer gr√∂√üeren Waist-Hip-Ratio (Taille-H√ľft-Verh√§ltnis) als 0,7 als weniger attraktiv als in anderen Weltregionen, sind f√ľr Krisenzeiten aber besser ger√ľstet (Quellen: [1],[2],[3])
  • √Ėstrogen macht Frauengesichter attraktiver.” – w√§hrend der fruchtbaren Tage wirken die Gesichter von Frauen offenbar attraktiver (Link)
  • Testosteron macht M√§nnergesichter attraktiver.” – hohe Testosteronwerte in Kombination mit wenig Stresshormonen st√§rken die Abwehrkr√§fte und lassen das Gesicht eines Mannes in den Augen von Frauen attraktiv erscheinen (Link zu Markus J. Rantala et.al., “Evidence for the stress-linked immunocompetence handicap hypothesis in humans”)
  • Frauen werden eher gew√§hlt, wenn sie sch√∂n sind, M√§nner eher, wenn sie dominant wirken“- dies bezieht sich auf politische Wahlen ..aber vielleicht nicht nur, wenn man die weiter unten angef√ľhrten Forschungsergebnisse liest (Quelle)
  • Sch√∂nheit verunsichert.” – dies, und da√ü es attraktive Frauen und M√§nner bei der Partnersuche schwerer haben als durchschnittlich attraktive Personen, w√§re eine m√∂gliche Schlu√üfolgerung aus dem sog. “Gehwegexperiment” von James Dubbs u. Neil Stokes (“Beauty is Power: The Use of Space on the Sidewalk”, 1975): auf einem Gehweg √§nderten Fu√üg√§nger ihre Gehrichtung, um mehr von M√§nnern als Frauen auszuweichen, mehr von 2 als von 1 Person, und weiter von einer h√ľbschen als von einer unattraktiven Frau. Ihre Theorie war, da√ü Attraktivit√§t, Gruppengr√∂√üe und Geschlecht Aspekte von Macht sind, die territorialen Anspruch und damit das genannte Ausweichverhalten begr√ľndeten (Quelle).
  • Von der Attraktivit√§t der Kleidung wird auf andere Attraktivit√§ts-Attribute geschlossen.” – attraktiv gekleidete Testpersonen wurden kompetenter und sozialer eingesch√§tzt als nicht attraktiv gekleidete, und, wie die Forscher vermuteten, wohl auch als physisch attraktiver (Quelle).
  • Gro√üe M√§nner kommen sexuell und sozial besser weg.” – M√§nner haben mit starken, attraktiven und reichen Konkurrenten ihre gr√∂√üten Schwierigkeiten, mit zunehmender K√∂rpergr√∂√üe scheint die Beeindruckung von Konkurrenten abzunehmen. Kleine M√§nner sind tendenziell am eifers√ľchtigsten. Bei Frauen hingegen sind die kleinen und die gro√üen eifers√ľchtiger als die durchschnittlich gro√üen. Allerdings werden die durchschnittlich gro√üen Frauen am ehesten von gro√üen und sozial dominanten Konkurrentinnen beeindruckt (Link)
  • Frauen ziehen √§ltere M√§nner und diese j√ľngere Frauen vor.” – Eine Erkl√§rungsm√∂glichkeit f√ľr die biologischen Ursachen dieses Ph√§nomens lieferte eine Studie, die herausfand, da√ü¬† Frauen mit einem vier Jahre √§lteren Partner und M√§nner mit einer sechs Jahre j√ľngeren Partnerin den gr√∂√üten Reproduktionserfolg haben (Quelle)
  • Der Mensch verlor vielleicht seine K√∂rperbehaarung, da dies sexy auf das andere Geschlecht wirkte.” – eine Hoffnung f√ľr Glatzentr√§ger? (Quelle)
  • Ergebnisse einer √∂konometrischen Analyse von Online-Dating-Verhalten: M√§nner, die angaben, sie seien auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung, schnitten sehr viel besser ab als jene, die lediglich auf eine Aff√§re aus waren. F√ľr M√§nner ist das Aussehen der Frauen von herausragender Bedeutung, f√ľr Frauen das Einkommen eines Mannes von gr√∂√üter Wichtigkeit: je reicher der Mann ist, desto mehr Mails erh√§lt er. Die Attraktivit√§t einer Frau w√§chst f√ľr M√§nner zwar auch mit dem Einkommen, aber nur bis zu einer bestimmten H√∂he. [..] M√§nner f√ľhlen sich angezogen von Studentinnen, K√ľnstlerinnen, Musikerinnen, Tier√§rztinnen, und Ber√ľhmtheiten, sie meiden Sekret√§rinnen, Rentnerinnen sowie Frauen, die beim Milit√§r oder der Polizei arbeiten. Frauen bevorzugen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrm√§nner, au√üerdem Rechtsanw√§lte und Finanzexperten in leitender Position. Frauen meiden Arbeiter, Schauspieler, Studenten [..]. Die Analyse der Daten von etwa 30.000 Nutzern ergab weiterhin, dass M√§nner vor allem erhebliche Nachteile haben, wenn sie klein sind. F√ľr Frauen hingegen ist √úbergewicht t√∂dlich. Deswegen wird in diesen Bereichen offenbar h√§ufig auch etwas nachgeholfen: der interessierte Online-Dater ist z.B. etwas gr√∂√üer als der Durchschnittsmann und die typische Online-Daterin 10 kg leichter als ihre reale Kollegin. Im Buch “Freakonomics“, in dem die Ergebnisse komplett nachzulesen sind, beschrieben die Autoren ihre durch mathematische Methoden gewonnenen Erkenntnisse so: “In der Welt des Online-Dating ist ein Kopf voller blonder Haare f√ľr eine Frau ungef√§hr so viel wert wie ein College-Abschluss.
  • In Partnerb√∂rsen, speziell solchen in Dating-Apps, waren als Ersteindruck Fotos, die eine offene, gestreckte K√∂rperposition zeigten, am erfolgreichsten – und zwar sowohl bei M√§nnern als auch bei Frauen (Quelle).
  • “”Fiese” M√§nner bekommen die meisten und sch√∂nsten Frauen ab” – in den meisten einschl√§gigen Studien zu diesem Thema wiesen die betreffenden M√§nner eine (auch unterschiedlich ausgepr√§gte) Kombination aus¬†Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus auf (Quellen: [1], [2], [3])
  • M√§nner sollten nicht “hingerissen” wirken: Ungewissheit √ľber die Gef√ľhle des Gegen√ľbers erh√∂ht dessen Attraktivit√§t (Quelle: E. Whitchurch et.al in: “Uncertainty Can Increase Romantic Attraction”, Psychological Science, 01/2011).


Sexualität

  • “Schon die blo√üe Anwesenheit einer Frau erh√∂ht den Testosteronspiegel” – unabh√§ngig vom Aussehen einer im gleichen Raum befindlichen Frau steigt der Testosteronspiegel von M√§nnern innerhalb von 300 Sekunden um 8% an ([1],[2])
  • Die H√§ufigkeit weiblicher Orgasmen steigt mit dem Einkommen ihrer Partner” – Sex mit wohlhabenden oder m√§chtigen M√§nnern wird von Frauen wom√∂glich als besser erlebt, weil sie sich damit einen Zugang zu Reichtum und Macht verschaffen und diesen erhalten wollen (Quellen: [1], [2], [3])
    Nachtrag 04/2010: Hierzu existiert allerdings nun eine andere Ergebnisse zeigende Gegenstudie.
  • Je attraktiver sich Frauen finden, desto h√∂here Anspr√ľche stellen sie an ihren Sexualpartner” – bei M√§nnern gibt es diese Korrelation nicht, was hei√üen k√∂nnte, da√ü sie weniger w√§hlerisch oder auch weniger geneigt sind, dauerhafte Beziehungen zur Reproduktion einzugehen (Quellen: [1], [2])
  • (indirekter) “Zusammenhang zwischen Stimme und sexueller Aktivit√§t” – Probanden mit als attraktiv empfundener Stimme hatten an ihren beiden H√§nden ungef√§hr gleich lange Finger (Hinweis auf Zusammenhang mit Attraktivit√§t durch Symmetrie, siehe oben), eher in j√ľngerem Alter Geschlechtsverkehr, mehr Sexualpartner und mehr au√üerpartnerschaftliche Aff√§ren (Quellen: [1], [2])
  • Frauen reagieren unterschiedlich auf m√§nnlichen Schwei√ügeruch.” – ihr Hirn kann normalen von unter sexueller Erregung entstandenen Schwei√ügeruch von M√§nnern unterscheiden (Quelle)
  • Frauentr√§nen wirken “abt√∂rnend” auf M√§nner, sie reduzieren den Testosteronspiegel. Quelle: Shani Gelstein et.al, “Human tears contain a chemosignal” in: Science 01/2011, DOI: 10.1126/science.1198331)
  • Z√§hlt “die Gr√∂√üe”? Ja.” – Befragungen, denen zufolge die Penisgr√∂√üe f√ľr Frauen keine Rolle spiele, waren angeblich h√§ufig “zu direkt”; beurteilen Frauen dagegen ohne Wissen um den eigentlichen Inhalt der Befragung Computer-generierte Gestalten, bei denen sich u.a. die Penisgr√∂√üen unterscheiden, werden jene mit gr√∂√üerem Penis als mehr attraktiv eingestuft (Quellen: [1], [2])

Familie / Kinder / Fertilität (Fruchtbarkeit)

  • Korrelation zwischen Wohlstand und Reproduktionserfolg“: bei reichen britischen M√§nnern wurde in einer Studie h√∂herer Reproduktionserfolg nachgewiesen, bei Frauen sinkt mit zunehmender Bildung und zunehmenden Einkommen die Zahl der Kinder (Quelle)

Dieser Artikel wird laufend erweitert und mit neuen Forschungsergebnissen ergänzt (Erstveröffentlichung: 01/2009; zuletzt aktualisiert: 04/2016)

Weiterer Artikel zum Thema “Partnersuche”:
Partnersuche ‚Äď wie der Ausbruch aus dem Teufelskreis gelingen kann

Nov 08

Photo source: businessinsider.com

Testosteron gilt als das M√§nnlichkeitshormon schlechthin – es steht f√ľr Aggression und Imponiergehabe, sorgt f√ľr die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, f√∂rdert die Libido und steigert den Muskelaufbau. Ihm wird nachgesagt, dass es aggressiv macht sowie riskantes Verhalten und Imponiergehabe steigert. Doch nicht nur verf√ľgen auch Frauen √ľber dieses Geschlechtshormon (wenn auch in viel geringerem Ma√ü), sondern nun deutet eine aktuelle Studie auch noch darauf hin, dass das Geschlechtshormon auch das Sozialverhalten f√∂rdert.

Wissenschaftler von der Universit√§t Bonn konnten zusammen mit Kollegen der Maastricht University n√§mlich zeigen, dass das Geschlechtshormon auch soziales Verhalten f√∂rdert. In Spielsituationen erwies sich, dass Probanden nach Gabe von Testosteron deutlich seltener logen als Personen die nur ein Placebo erhielten. “Der Nachteil vieler Studien ist jedoch, dass sie lediglich den Testosteronspiegel der Probanden mit deren Verhalten vergleichen”, schildert Erstautor M. Wibral. Dieser Ansatz gebe aber lediglich statistische Zusammenh√§nge wieder und erlaube keine Einblicke in die Ursachen des Verhaltens. “Denn das Testosteron beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern das Verhalten umgekehrt auch den Hormonspiegel.” Die Wissenschaftler des CENS suchten deshalb nach einem experimentellen Ansatz, der auch R√ľckschl√ľsse auf Ursache und Wirkung erlaubt.

Die Forscher gewannen insgesamt 91 gesunde M√§nner f√ľr ein Verhaltensexperiment. Von diesen Probanden wurden 46 mit Testosteron behandelt, indem das Hormon als Gel auf die Haut aufgetragen wurde. Endokrinologen des Bonner Universit√§tsklinikums √ľberpr√ľften am Tag danach, ob bei ihnen der Testosteronspiegel im Blut tats√§chlich h√∂her war als in der Placebogruppe. Die anderen 45 Testpersonen bekamen lediglich ein Placebo-Gel. “Weder die Probanden selbst, noch die durchf√ľhrenden Wissenschaftler wussten, wer Testosteron bekommen hat und wer nicht”, berichtet Wibral. Damit sollten m√∂gliche Einfl√ľsse auf das Verhalten ausgeschlossen werden.

Dann folgten die Verhaltensexperimente: Die Testpersonen f√ľhrten ein einfaches W√ľrfelspiel in separaten Kabinen durch. Je h√∂her die gew√ľrfelte Augenzahl, desto gr√∂√üer war der Geldbetrag, den es als Belohnung gab. “Diese Versuche waren so konzipiert, dass die Probanden l√ľgen konnten”, berichtet Weber. “Niemand bekam in den abgeschirmten Kabinen mit, ob sie tats√§chlich die gew√ľrfelte Zahl in den Computer eingaben – oder eine h√∂here, um mehr Geld zu bekommen.” Allerdings konnten die Wissenschaftler im Nachhinein feststellen, ob die verschiedenen Testpersonengruppen geschummelt hatten oder nicht. “Statistisch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit f√ľr alle W√ľrfelzahlen von eins bis sechs gleich hoch”, erl√§utert der Neurowissenschaftler. “Wenn also bei diesen Zahlen ein Ausrei√üer nach oben vorkommt, ist dies ein klares Indiz, dass Probanden gelogen haben.”

Die Forscher verglichen die Ergebnisse der Testosterongruppe mit der Kontrollgruppe. “Dabei zeigte sich, dass die Probanden mit den h√∂heren Testosteronwerten deutlich seltener logen als die unbehandelten Testpersonen”, berichten die Direktoren des CENS. “Dieses Ergebnis widerspricht klar dem sehr verk√ľrzten und eindimensionalen Ansatz, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten f√ľhrt.” Das Hormon steigere wahrscheinlich den Stolz und das Bed√ľrfnis, ein positives Selbstbild zu entwickeln. “Vor diesem Hintergrund reichten offenbar ein paar Euro als Anreiz nicht aus, das Selbstwertgef√ľhl aufs Spiel zu setzen”, vermutet Falk.

Das Ph√§nomen zu l√ľgen ist mit gro√üen Tabus behaftet. So verbietet etwa das achte Gebot im Christentum, “falsch Zeugnis” zu reden. “L√ľgen spielen jedoch auf gesch√§ftlicher als auch privater Ebene eine wichtige Rolle”, sagt Falk. H√§ufig werde nicht nur aus Eigennutz gelogen, sondern auch, um einen anderen Menschen zu sch√ľtzen oder zu beg√ľnstigen. In vielen Studien sei dieses Verhalten und seine √∂konomischen Auswirkungen untersucht worden. “Es gibt allerdings nur sehr wenige Untersuchungen zu den biologischen Ursachen der L√ľge”, sagt der √Ėkonom der Universit√§t Bonn. “Hier sind wir nun mit unserer Studie einen gro√üen Schritt vorangekommen.”

(Quellen und Textausz√ľge: C. Eisenegger, M. Naef, R. Snozzi, M. Heinrichs, E. Fehr: Prejudice and truth about the effect of testosterone on human bargaining behaviour. In: Nature. 463, 2010, S. 356-359; Der Standard v. 11.10.2012; “Testosterone administration reduces lying in men” in: “PLoS ONE”, DOI: 'Noch keine Kommentare » | Link zum Artikel

Abgelegt unter: Psy-Pressespiegel von r.l.fellner
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Nov 05

Sexuelle Lustlosigkeit belasted zumeist beide Beziehungspartner stark. (photo source: doesitreallywork.org)

“Sind Sexualprobleme bei Frauen eher psychischer oder k√∂rperlicher Natur? Welche Faktoren spielen da mit?”

Man ist in diesem Bereich auf Sch√§tzungen angewiesen, da zu diesem Thema sehr unterschiedliche Studien existieren. Manche Studien behaupten bis zu 80% k√∂rperliche (i.d.R. stoffwechselbedingte / hormonelle) Ursachen, andere vermuten mehr als 70% psychische Gr√ľnde f√ľr sexuelle Lustlosigkeit bei Frauen. Das Problem f√ľr die Betroffenen: sie k√∂nnen sich gewissermassen “aussuchen”, welchen Theorien sie Glauben schenken und sind am Ende so schlau wie zuvor… Seri√∂se √Ąrzte oder Therapeuten werden deshalb – letztlich auch, beide Ans√§tze respektierend – beide Erkl√§rungsmodelle pr√ľfen.

Besonders im Fall lang anhaltender und emotional unerkl√§rlicher sexueller Lustlosigkeit ist somit zun√§chst eine √§rztliche Abkl√§rung empfehlenswert, um k√∂rperliche Ursachen wie etwa St√∂rungen des Hormonspiegels, Stoffwechselerkrankungen u.dgl. auszuschliessen. Werden dabei keine eindeutigen Hinweise gefunden, d√ľrften zumindest psychische Mit-Ursachen vorliegen – von denen aber gibt es viele, die in Frage kommen. Bei Frauen unterscheiden sich diese meinen Erfahrungen in der Sexualberatung zufolge √ľbrigens bemerkenswerterweise gar nicht so sehr von jenen, die auch bei M√§nnern zu sexuellen Problemen f√ľhren k√∂nnen: etwa Probleme in der Partnerschaft, sexueller¬†Leistungsdruck oder Depression, um nur einige davon zu nennen.

“Was gibt es f√ľr Therapiem√∂glichkeiten – psychologisch und medikament√∂s?”

Wenn eindeutige physiologische Ursachen gefunden werden, ist eine medikament√∂se Therapie sinnvoll, etwa die Einnahme von Testosteron bei hormonell bedingtem Libidoverlust. Viele Frauen sind zun√§chst √ľberrascht, wenn sie dies h√∂ren, da Testosteron bekanntlich doch ein “m√§nnliches” Sexualhormon ist. Tats√§chlich aber wird es auch in den weiblichen Eierst√∂cken produziert, wenn auch in weitaus geringeren Mengen als es in den m√§nnlichen Sexualorganen geschieht. Testosteron ist damit sozusagen ein “gender-neutrales” Hormon ūüėČ , das bei beiden Geschlechtern eine wichtige Rolle f√ľr den Sexualtrieb und sexuelle Lust, aber auch wie bei den M√§nnern f√ľr Knochendichte und Muskelbildung spielt. Wichtig ist es mir allerdings, darauf hinzuweisen, dass k√ľnstliche Testosteron-Gaben speziell in h√∂herem Alter indiziert sind, also dann, wenn die k√∂rpereigene Testosteron-Produktion abnimmt. Bis zu den weiblichen Wechseljahren sollten Testosteron-Behandlungen nur in Ausnahmef√§llen erfolgen – denn speziell bei Frauen sind die Langzeitfolgen solcher Gaben noch nicht gut erforscht, bei M√§nnern haben sie sich als risikoreich (etwa durch ein deutlich gesteigertes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken) erwiesen.

Die “Falle”, aber auch die Chance liegt in der Ber√ľcksichtigung der psychischen Komponenten, die ihrerseits ebenfalls die Produktion der Sexualhormone beeinflussen: diese Produktion l√§√üt nach, wenn es uns schlecht geht, und sie nimmt zu, wenn wir gl√ľcklich sind und Lust auf unseren Partner haben. Es gibt eine enge Wechselwirkung zwischen unserem Hormonhaushalt, unserem psychischen Wohlbefinden und der sexuellen Lust. So w√ľrde ich Betroffenen, die an sexueller Lustlosigkeit leiden, als ersten Schritt “daheim” empfehlen, sich zu fragen, ob sie in ihrer Partnerschaft gl√ľcklich sind und aktuell einen entspannten Zugang zur Sexualit√§t haben.
Wenn dies nicht der Fall ist oder auch keine klaren k√∂rperlichen Ursachen identifiziert werden k√∂nnen, w√§re es im Sinne sexueller Zufriedenheit empfehlenswert, sexualtherapeutische Beratung einzuholen. H√§ufig gelingt es meiner Erfahrung nach recht rasch, zumindest den Ursachen der “gebremsten Lust” auf die Spur zu kommen. Wie diese dann zu aufzul√∂sen sind, ist nat√ľrlich von Person zu Person (und mitunter von Paar zu Paar) sehr unterschiedlich.

(Interview mit A. Iiosa / “Die Presse”, Nov 2012)

Jan 05

Photoquelle: thetastingnote.com

Bei ihrer Einf√ľhrung wurde Viagra als neue Hoffnung f√ľr all jene beworben (und prompt gefeiert), die unter Erektionsst√∂rungen litten. Tats√§chlich wurden Belege daf√ľr gefunden, was manche Sexualtherapeuten (unter anderem auch ich) bereits von Beginn an vermuteten: √§hnlich den Effekten bei sog. “Testosteron-Kuren” (k√ľnstlicher Testosteron-Verabreichung) l√§√üt die Wirkung der Potenzpille bei l√§nger dauernder Einnahme zum Teil massiv nach.

Wissenschaftler dreier Universit√§ten in den USA und in Saudiarabien untersuchten, ob die Wirkung von Viagra, Cialis und Levitra auch anh√§lt, wenn das Medikament l√§ngerfristig eingenommen wird und ver√∂ffentlichten die Ergebnisse der Studie im Journal of Urology. Per Telephoninterview wurden 151 Patienten befragt, die im Jahre 1997 Viagra verschrieben bekommen hatten. Die Ursachen f√ľr die Erektionsst√∂rungen der Patienten waren operative Prostataentfernungen, Diabetes, oder neurologische St√∂rungen.

Anfangs verbesserte sich bei drei Viertel der Teilnehmer die Erektionf√§higkeit soweit, dass sie wieder normalen Geschlechtsverkehr haben konnten. Bei 15% dieser Patienten waren dazu 100mg Sildenafil (die maximale f√ľr m√§nnliche Erwachsene angeratene Dosis), notwendig, 83% der Patienten kamen mit 50mg aus und 2% ben√∂tigten nur 25mg.
Nach drei Jahren wurden die Patienten nochmals befragt, und es stellte sich heraus: die neuen Sexfreuden hatten nicht lange angehalten. Etwa die Hälfte der Patienten hatte die Potenzpille wegen Wirkungslosigkeit bereits ganz abgesetzt. Und 37% jener Männer, die noch auf Viagra bauten, waren mittlerweile auf die Maximaldosis umgestiegen.

Die Ern√ľchterung √ľber die angeblichen Wunderkr√§fte der blauen Pille ist in der Fachwelt gro√ü. “Nach meinen Beobachtungen wirkt Viagra nur bei der H√§lfte aller Patienten mit k√∂rperlich bedingten Erektionsst√∂rungen”, erkl√§rt P. Derahshani, Leiter der Urologischen Abteilung der K√∂lner Klinik am Ring. Ein gesundheitlich problematischer Aspekt bestehe darin, dass beim Auftreten von Gew√∂hnungseffekten die Dosis nur bei jenen Patienten gesteigert werden kann, die vorher 25 oder 50mg eingenommen haben, denn eine Dosis √ľber 100mg erh√∂ht das Risiko von Nebenwirkungen wie Kreislaufsschw√§che, √úbelkeit oder Kopfschmerzen betr√§chtlich.

Kein Ersatz f√ľr Psychotherapie bzw. Sexualtherapie

“Man sollte nicht vergessen, dass bei Erektionsproblemen Viagra nur bei solchen M√§nnern indiziert ist, deren Potenzschw√§che k√∂rperliche Ursachen hat”, sagte der Wiener Urologe Werner Reiter von der Impotenz-Ambulanz am Wiener Allgemeinen Krankenhaus in einem Interview mit der “S√ľddeutschen” (SZ). Vor allem bei √§lteren M√§nnern, die viel rauchen und an Bluthochdruck oder Herzerkrankungen leiden, verliere Viagra nach l√§ngerer Einnahme an Wirkung. Bei M√§nnern mit stabilem Gesundheitszustand beobachtet der Spezialist hingegen selten einen Gew√∂hnungseffekt.
“Wenn die Gr√ľnde f√ľr die Impotenz im psychischen Bereich liegen, deckt Viagra im besten Fall anfangs die Impotenz-Symptome zu”, warnt Reiter. Langfristig k√∂nne diesen Patienten nur mit einer Psychotherapie bzw. Sexualtherapie geholfen werden.

Gesundheitsrisiken mitunter fatal unterschätzt

Fatalerweise wird von vielen M√§nnern das Risiko von Selbstmedikation ignoriert. Doch stattliche 40 Prozent der M√§nner, die wegen Erektionsproblemen zum Arzt gehen, leiden an einer Arteriosklerose der Herzkranzgef√§√üe (welche jedoch nicht immer die Ursache der Erektilen Dysfunktion darstellen muss). Impotenz “kann jedoch das Anzeichen einer Erkrankung oder einer beginnenden Erkrankung sein. Symptome aber einfach blind wegbringen zu wollen hat sich weder in der Medizin, noch in der Psychotherapie als gewinnbringend erwiesen”, so Sexualtherapeut Karl F. Stifter. Es gehe darum, den Menschen ganzheitlich im Auge zu behalten, und dazu geh√∂rt auch, bei Erektionsproblemen zun√§chst einmal k√∂rperliche Ursachen und Symptome abzukl√§ren.

Der in den Pillen enhaltene Wirkstoff (Sildenafil bei Viagra, Vardenafil bei Levitra und Tadalafil bei Cialis) f√∂rdert die Entspannung der glatten Muskulatur im Schwellk√∂rper und unterst√ľtzt so die Erektionf√§higkeit. Die Besonderheit ist, dass die Wirkung erst mit einer sexuellen Erregung einsetzt – Erektionsprobleme werden also insbesondere dann nicht von ihr gel√∂st, wenn psychische Ursachen die Erektion behindern.

In geringem Ma√üe beeinflussen die Wirkstoffe auch chemische Reaktionen innerhalb unseres K√∂rpers, die unsere visuellen Empfindungen steuern. Daher geh√∂rt zu ihren Nebenwirkungen auch eine spezielle Form der Sehst√∂rung, bei der man alles leicht blau get√∂nt sieht. Piloten d√ľrfen daher mindestens 12 Stunden vor einem Flug kein Viagra einnehmen. Auf die mittlerweile nachgewiesene Sch√§digung des H√∂rverm√∂gens durch eine Langzeiteinnahme der Potenzmittel habe ich bereits in einem fr√ľheren Blog-Artikel hingewiesen.

Noch weitaus problematischer als dieses “blaue Wunder” ist aber wie erw√§hnt die Gefahr, bei bestehender Herzschw√§che einen Infarkt zu erleiden. Denn als Medikamente, die in die Blutzirkulation des K√∂rpers eingreifen, haben Viagra & Co. besondere Risiken f√ľr Herz und Kreislauf. Insbesondere Patienten, die Nitroglycerin oder Blutdruck senkende Mittel einnehmen m√ľssen, welche ebenfalls die glatte Muskulatur entspannen, d√ľrfen die Tabletten nicht einnehmen, da sich die Wirkung der Mittel gegenseitig verst√§rkt. Zusammen mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. f√ľr Angina pectoris) kann der Wirkstoff zu einem t√∂dlichen Blutdruckabfall und bei M√§nnern mit Herzkrankheiten zu Kreislaufversagen f√ľhren. Eine entsprechende Untersuchung durch einen Arzt ist daher unbedingt angezeigt, bevor man diese einnimmt.

Tats√§chlich sind keine anderen Medikamente aufgrund fahrl√§ssiger Anwendung f√ľr so viele Todesf√§lle verantwortlich wie die neuen “Erektionshelfer”. Europaweit wurden allein w√§hrend der ersten 3 Jahre nach dessen Einf√ľhrung weltweit 616 Todesf√§lle nach der Einnahme von Viagra gemeldet. Die leichte Verf√ľgbarkeit der Tabletten √ľber das Internet oder den Schwarzmarkt stellt ein gro√ües Problem dar, da sie zum einen zur Selbstmedikation regelrecht einl√§dt, und es sich zum anderen bei manchen so bezogenen Tabletten um gesundheitsgef√§hrdende Imitate handelt. Der Markt der Imitate, die gr√∂√ütenteils aus Indien und China stammen, ist n√§mlich kaum zu kontrollieren, mit den damit verbundenen Risken f√ľr die Endanwender, die die so bezogenen Tabletten h√§ufig nicht nur in viel zu jungen Jahren, sondern auch auf eigene Faust als “Lifestyle”-Droge einsetzen.

Zu bef√ľrchten ist also einmal mehr, dass bereits derzeit die Zahl der “Viagra-Veteranen” mit multisystemischen Erektionsst√∂rungen (= psychogene Erektile Dysfunktion plus bereits organisch bedingter Wirkungslosigkeit erektionshelfender Mittel) massiv zunimmt. Diese M√§nner d√ľrften sich speziell dann, wenn die Erektionsf√§higkeit aus ganz nat√ľrlichen Gr√ľnden (altersbedingt oder als Nebeneffekt k√∂rperlicher Erkrankungen) abnimmt, in einer ungl√ľcklichen Sackgasse wiederfinden.
Nachgewiesenerma√üen sind bei der √ľberwiegenden Mehrheit der M√§nner unter dem 50. Lebensjahr Erektionsprobleme psychisch bedingt – selbst diesen aber ist aus sexualtherapeutischer Sicht unbedingt angeraten, diese zun√§chst √§rztlich abkl√§ren zu lassen. Werden dabei keine klaren Indizien f√ľr k√∂rperliche Ursachen gefunden, sollte man im Interesse seiner Gesundheit (und vielleicht auch, um sich die “Trumpfkarte” der Pillen f√ľr schwierigere Zeiten aufzuheben) sexualtherapeutische Beratung suchen, statt reflexartig zu den einfach verf√ľgbaren problematischen “blauen Pillen” zu greifen.

(Quellen: Reuters.com; Rizk El-Galley et.al., “Long-Term Efficiacy of Sildenafil and Tachyphylaxis Effect” in: The Journal of Urology – September 2001 (Vol. 166, Issue 3, Pages 927-931); Image source: creakyeasel.com)

Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen Рauf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei Männern einsetzende hormonelle Veränderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste m√§nnliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle K√∂rperzellen und ist nicht nur f√ľr die Geschlechtsentwicklung zust√§ndig, sondern auch f√ľr den bei M√§nnern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es f√ľr die Produktion der roten Blutk√∂rperchen, welche den K√∂rper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron f√§llt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, f√ľr seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch l√§sst die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen M√§nnern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der Vitalit√§t.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erh√∂htes Gewicht und K√∂rperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes Kurzzeitged√§chtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder st√§rkere M√ľdigkeit als fr√ľher
  • Reduzierter Wunsch nach Intimit√§t und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber Gef√ľhl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger h√§ufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes Selbstwertgef√ľhl
  • Hitzewallungen und Nachtschwei√ü
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach k√∂rperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen betr√§chtliche Auffassungsunterschiede dar√ľber,¬† welche der genannten Symptome tats√§chlich auf eine sog. “m√§nnliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zur√ľckzuf√ľhren sind. F√ľr jedes der Symptome k√∂nnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tats√§chlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert w√ľrde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schu√ü ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen √Ąrzten und Kliniken werden heute M√§nnern ohne viel Z√∂gern Ersatztherapien zur Erh√∂hung des Testosteron-Spiegels angeboten – h√§ufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zur√ľckzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich pr√§ventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt f√ľr Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegen√ľber gut “argumentieren” l√§√üt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie n√ľtzt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zuf√§llig, dass viele M√§nner, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchf√ľhren zu lassen (oder diesbez√ľglich gar Selbstmedikation betreiben), h√§ufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer k√ľnstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und Leistungsf√§higkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bew√§hrte Gesundheitstipps f√ľr M√§nner, welche – im Unterschied zu k√ľnstlichen Zuf√ľhrung von Testosteron – zuverl√§ssig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin f√ľr einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen M√§nner zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene Ern√§hrung achten (vitaminreich: mehr Obst und Gem√ľse; fettarm: fettige, √∂lige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate k√∂nnen zu √úbergewicht f√ľhren, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erh√∂hen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein f√ľr die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber Fr√ľchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. Granat√§pfel, Zitrusfr√ľchte, Mangosteen, Datteln, Kokosn√ľsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und S√ľ√üigkeiten aller Art sind m√∂glichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • √Ėstrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb Getr√§nke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel m√∂glichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • gen√ľgend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird w√§hrend der REM-Phasen produziert, insofern sollten gen√ľgend davon stattfinden k√∂nnen.
  • Achten Sie auf eine gesunde und m√∂glichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. Unterst√ľtzung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn M√§nner dagegen (wom√∂glich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen Dr√ľsen signifikant weniger m√§nnliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise √ľbersch√ľssiges √Ėstrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol besch√§ftigt, kann sie das nicht.
  • nat√ľrliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteron√§hnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die Spr√ľnge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und K√ľrbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die Testosteronaussch√ľttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbez√ľglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen Vertr√§glichkeit – knapp √ľber seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die Aussch√ľttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. Sucht√§hnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel √ľber einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf nat√ľrliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei M√§nnern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade Männer können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stärker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verändert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten Selbsteinsch√§tzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fach√§rztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

Apr 16

Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass hormonbedingte Stoffwechselst√∂rungen bei M√§nnern zu einem fr√ľheren Tod f√ľhren.

Wissenschafter des Instituts f√ľr Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, der Kardiologie und der Community Medicine der Universit√§t Greifswald sowie der Universit√§t Erlangen-N√ľrnberg konnten k√ľrzlich einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon Testosteron und dem Sterblichkeitsrisiko belegen. Von ca. 2000 untersuchten M√§nnern verstarben jene signifikant h√§ufiger an Herz-Kreislauferkrankungen, die zur Zeit der Erstuntersuchung niedriger Testosteronspiegel aufwiesen. In begleitenden Analysen der Daten der Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass eine erniedrigte Testosteronkonzentration h√§ufig mit Fettleibigkeit, Fettstoffwechselst√∂rungen und einer Leberverfettung verkn√ľpft sind. Niedrige Testosteronspiegel f√ľhren zu einer vermehrten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und erh√∂hten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich. Zudem zeigte sich, dass ein niedriger Testosteronspiegel f√ľr die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes mit verantwortlich ist. “Diese hormonbedingten Stoffwechselst√∂rungen sind bei M√§nnern zu einem fr√ľhen Tod verkn√ľpft”, betonte einer der Untersuchungsleiter. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben.

Testosteron ist als wichtigstes m√§nnliches Sexualhormon f√ľr viele k√∂rperliche und psychische Vorg√§nge beim Mann verantwortlich. Die Testosteronkonzentration sinkt mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich – bei 15 bis 20 Prozent der untersuchten M√§nner √ľber dem 50. Lebensjahr wurde im Rahmen der Studie eine erniedrigte Testosteronkonzentration nachgewiesen. “In Zukunft wird die hormonelle Vorsorge beim reifen Mann genauso selbstverst√§ndlich werden wie bei der Frau”, sind die Studienautoren √ľberzeugt.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der letzten Ausgabe des medizinischen Fachmagazins “European Heart Journal” ver√∂ffentlicht, nach diesen Ergebnissen sind weitere Forschungen in Zusammenarbeit von Andrologen, Kardiologen, Gyn√§kologen und Psychiatern geplant.

Zum Selbst-Check: Testosteron-Selbsttest auf dieser Website

(Quelle: “Low serum testosterone levels are associated with increased risk of mortality in a population-based cohort of men aged 20‚Äď79” in: European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehq009)

11.10.17