Mar 18

(Bild: R.L.Fellner)

Wieder mal regte mich ein Beitrag aus dem Diskussionsforum meiner Website an, ĂŒber ganz bestimmte Aspekte meiner eigenen Rolle als Therapeut zu reflektieren. Eine Diskussionsteilnehmerin fragte sich nach ihren Erfahrungen in ihrer Psychotherapie, inwieweit Patienten ihren Therapeuten denn auch persönlich wichtig sind, und wieviel emotionales Engagement tatsĂ€chlich besteht – bzw. ob dieses ĂŒberhaupt echt sei?

NatĂŒrlich ist es nicht möglich, eine derartige Frage generalisierend zu beantworten. Genauso, wie jeder Mensch anderes ‘gedrahtet’ ist, sind es (natĂŒrlich) auch TherapeutInnen! Die dafĂŒr erforderliche Ausbildung verĂ€ndert ja nicht die Persönlichkeitsstruktur, sondern schafft nur eine wissensmĂ€ĂŸige Grundlage und zielt darauf ab, dass trotz aller persönlichen “Macken” ProfessionalitĂ€t in der therapeutischen Arbeit möglich ist. Was oft, aber natĂŒrlich nicht immer gelingt.

Persönlich habe ich im Laufe meiner Ausbildung und TĂ€tigkeit entsprechend auch die volle Bandbreite kennengelernt: von ĂŒberemotionalen, kaum abgrenzungsfĂ€higen Therapeutinnen, die im Leben nichts anderes haben als “die Praxis” bis hin zu Ă€ußerst kĂŒhlen und m.M. nach kaum empathiefĂ€higen Therapeuten. Und ganz vielen, die irgendwo dazwischen liegen. Von solchen, die ihre Klienten vor allem als “Kunden” sehen bis zu solchen, die anfĂ€llig sind fĂŒr emotionale Übergriffe (in beide Richtungen). Und vielen, die aber gerade in der Praxis dann durchaus so agieren, wie ich das bei TherapeutInnen fĂŒr erforderlich halte. Und natĂŒrlich gibt es auch “professionelle Freundlichkeit”, “professionelle NĂ€he”. Diese sollte sich von herkömmlicher Freundlichkeit, NĂ€he und emotionaler Beteiligung meiner Ansicht nach dadurch unterscheiden, dass im Kopf gewissermaßen eine höhere (professionelle) Instanz darĂŒber “wacht”, ob das, was zwischen beiden Personen ablĂ€uft, noch heilsam ist, und nicht womöglich das, was da zwischenmenschlich möglich wĂ€re, letztendlich fĂŒr mehr Komplikationen oder Verwicklungen sorgen wĂŒrde.

Ganz persönlich geht es mir so, dass ich leidenschaftlich gerne mit Menschen arbeite, und mich im Prinzip auf jeden freue, der zur nĂ€chsten Stunde kommt, um mit meiner ‘guidance’ ein weiteres StĂŒck seines persönlichen Wegs zurĂŒckzulegen. Manche KlientInnen sind aber durchaus “herausfordernder” im Sinne von “schwieriger” als andere. Das heißt aber nicht, dass ich mich deshalb ĂŒber sie weniger freue, sondern es steigert nur etwas meinen Blutdruck 😉 – Ă€hnlich wie an einer schwierigen Stelle eines Bergaufstieges.

Auch wenn ich mich persönlich (wovon viel mit der systemischen Therapiemethode zu tun hat) nicht in allzu tiefe persönliche Verbindungen mit Klienten einlasse, so “lebe” ich doch mit allen mit und bin Ă€ußerst interessiert, wie es ihnen so ergeht … und wie es nach der Therapie weiterging in ihrem Leben. Insofern ist mit Abschieden tatsĂ€chlich hĂ€ufig auch ein gewisser Schmerz verbunden. Allerdings kann ich recht gut akzeptieren, dass ich halt von Beginn an nur vorĂŒbergehender Wegbegleiter war. Ich “benötige” meine KlientInnen nicht als Freunde oder Bezugspersonen, und bin eigentlich ĂŒberzeugt davon, dass das fĂŒr diese lĂ€ngerfristig auch ganz gesund ist – auch wenn es manchmal natĂŒrlich wichtig und gut ist, wenn ich in bestimmten Lebenssituationen auch mal als bester Freund zur VerfĂŒgung stehen kann.

ï»ż01.09.19