Jan 16

Psychotherapie TV Serien FilmeFrasier Crane und sein Bruder Niles sind beide Psychiater in der populĂ€ren NBC-Sitcom “Frasier“. Mafia-Boss Tony Soprano hatte seine Therapeutin in der Hit-Show “The Sopranos” auf HBO – einem Sender, der Psychotherapie mit “Tell Me You Love Me” und “In Treatment” vorĂŒbergehend sogar zu einem Schwerpunkt seiner Neuproduktionen machte.

Doch all diese Darstellungen im TV fĂŒhren Zuseher im Endeffekt weit seltener in die therapeutische Praxis, wie eine Studie an der Iowa State University (p=369) gezeigt hat. In ihr wurde untersucht, wie Exposition gegenĂŒber Fernsehshows zu negativen Wahrnehmungen ĂŒber psychologische Dienstleistungen fĂŒhren kann, die letztlich die Absicht verringert, solche Dienstleistungen auch selbst in Anspruch zu nehmen. Das Papier mit Titel “The Influenct of Television on Willingness to Seek Therapy” wurde 2008 in der Fachzeitschrift “Journal of Clinical Psychology” veröffentlicht.

Begleitend wurden die Indikatoren fĂŒr die psychische Gesundheit und das professionelle Agieren der gezeigten “Profis” analysiert. Das Ergebnis war alles andere als gĂŒnstig: “Die agierenden Therapeuten werden tendentiell unethisch dargestellt – sie schlafen mit ihren Klienten, induzieren falsche Erinnerungen oder sprechen mit Dritten ĂŒber ihre Klienten,” so D. Vogel, einer der Studienleiter. “Das sind Dinge, die bei echten Therapeuten fast nie geschehen, in einer TV-Show aber passieren sie viel hĂ€ufiger – vermutlich, weil sie die Spannung erhöhen.”

“Therapeuten werden hĂ€ufig auch als Possenreißer dargestellt, entweder als Spaßvogel, so wie Frasier, oder als Zielscheibe des Spotts. In jedem Fall sind dies keine positiven Darstellungen, und zeigen nicht die FĂ€higkeit, das Fachwissen und die Ethik professioneller Therapeuten.”

Aber es ist nicht nur die Darstellung der Therapeuten, die Menschen von einer Therapie abhalten kann. Es ist auch die Darstellung derer, die in den betreffenden TV-Shows UnterstĂŒtzung suchen: “Sieht man sich die Darstellung der Klienten an, wird es noch schlimmer… WĂŒrden Sie eine Therapie beginnen wollen, wenn Sie mit einer derart negativen Wahrnehmung rechnen mĂŒĂŸten oder jemandem Inkompetenten anvertraut wĂŒrden, der nicht in der Lage ist, Ihnen zu helfen oder Sie zu verstehen?” (R. L. Fellner: ĂŒberraschenderweise blieb der ĂŒberstarke Fokus auf SexualitĂ€t in vielen dieser Serien in der Studie unerwĂ€hnt – einen Raum, den dieses Thema in regulĂ€ren Psychotherapien nur selten in dieser IntensitĂ€t einnimmt)

Weitere Analysen ergaben eine positive Korrelation zwischen der Exposition der Zuseher gegenĂŒber Komödie und Drama und deren Wahrnehmung einer Stigmatisierung bei der Suche nach professioneller Hilfe. Dieses Stigma wurde als Indiz fĂŒr eine niedrigere Bereitschaft, professionelle psychosoziale Angebote in Anspruch zu nehmen, interpretiert. “Letztlich bestĂ€rken diese Sendungen das Vorurteil, dass man als ‘verrĂŒckt’ gilt, wenn man sich in Therapie begibt.”

Das ist ein Problem fĂŒr diejenigen, die wirklich von professionellen psychosozialen Angeboten profitieren können. Laut Vogel hat aktuellen Studien zufolge etwa die HĂ€lfte der Bevölkerung zumindest eine Situation in ihrem Leben erlebt, nach der psychologische Therapie hilfreich sein und die LebensqualitĂ€t wieder erhöhen könnte – etwa 20% davon allein in einem einzigen Jahr. Aber in einem bestimmten Jahr werden nur von etwa 10% der Menschen, die von Therapie profitieren könnten, professionelle Hilfe gesucht

“Psychische Gesundheits-Dienstleistungen werden deutlich zu wenig genutzt, und das damit verbundene kulturelle Stigma ist dafĂŒr ein Mitgrund”, so Vogel. “Und diese Studie legt nahe, dass diese kulturelle Stigmatisierung teils wegen der Art und Weise besteht, in der Therapeuten und ihre Patienten im Fernsehen dargestellt werden.”

(frei ĂŒbersetzt vom Originalartikel “TV Portrayals Of Mental Health Professionals Make Audiences Less Likely To Seek Psychological Services Themselves” auf Science Daily, issue 2008-05-01)

Hinweis: auf dieser Seite hier auf der Website finden Sie eine regelmĂ€ĂŸig ergĂ€nzte Sammlung von Filmen (basierend aus dem Empfehlungen im Psychotherapie-Forum) zum Thema Psychologie, Psychotherapie und SpiritualitĂ€t.

ï»ż21.03.20