{"id":1113,"date":"2010-06-03T09:34:48","date_gmt":"2010-06-03T08:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1113"},"modified":"2013-12-20T23:48:15","modified_gmt":"2013-12-20T22:48:15","slug":"pharmaindustrie-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/pharmaindustrie-kinder\/","title":{"rendered":"Neuroleptika und Antidiabetika f\u00fcr das junge Volk"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/healthpsych.psy.vanderbilt.edu\/2008\/MedicationNation_files\/image002.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"110\" \/>Kinder und Jugendliche waren gem\u00e4\u00df einer Studie der US Pharmaproduktions- und Gesundheitsmanagement-Firmengruppe MedCo Health Solutions die in den USA am st\u00e4rksten wachsende Medikamenten-Konsumentengruppe &#8211; sie nahmen 4x so viel verschreibungspflichtige Arzneimittel wie der Rest der Bev\u00f6lkerung ein. Jedes 4. Kind unter 10 Jahren erhielt Mittel gegen chronische Beschwerden, und bei den 10-19 J\u00e4hrigen stieg dieser Anteil sogar auf 30 %.<\/p>\n<p>Zwei Medikamentengruppen verzeichneten w\u00e4hrend der letzten Jahre den gr\u00f6\u00dften Anstieg &#8211; Medikamente, die man normalerweise eigentlich nicht mit Heranwachsenden in Verbindung bringt: <em>Antidiabetika und Neuroleptika (Antipsychotika)<\/em>. So stieg seit 2001 die Anzahl der 10-19 j\u00e4hrigen Jugendlichen, die cholesterinsenkende Arzneimittel einnahmen, um unglaubliche 50%. Die Gruppe der Neuroleptika wird aber in den USA keineswegs nur gegen Psychosen wie z.B. <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/schizophrenie\/\" title=\"Psychose mit St\u00f6rungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivit\u00e4t\" target=\"_blank\">Schizophrenie<\/a><\/span>, sondern zunehmend auch bei Angstzust\u00e4nden und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span> eingesetzt. Der Gebrauch dieser Arzneimittel-Gruppe hat sich in den USA seit 2001 deshalb verdoppelt, w\u00e4hrend der von <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/antidepressiva\/\" title=\"Antidepressiva\" target=\"_blank\">Antidepressiva<\/a><\/span> seit 2004 um \u00fcber 20% abnahm &#8211; etwa zur gleichen Zeit hatte die Arzneimittelbeh\u00f6rde <acronym title=\"Federal Drug Administration \/ US-Lebensmittel- und Medikamentenbeh\u00f6rde \">FDA<\/acronym> eine Warnung ver\u00f6ffentlicht, dass einige Antidepressiva Selbstmordgedanken bei Jugendlichen verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Seither setzen die behandelnden \u00c4rzte eher Neuroleptika ein. Doch ironischerweise vergr\u00f6\u00dfert der Konsum dieser Neuroleptika wiederum die Chance auf das Entstehen einer Typ 2 <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/diabetes\/\" title=\"Diabetes\" target=\"_blank\">Diabetes<\/a><\/span>.<!--adsense--><\/p>\n<p>Auch die oft kritisierte Vergabe von Medikamenten gegen <acronym title=\"Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rung (engl.: Attention-Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD))\">ADHS<\/acronym> ist weiterhin im Anstieg begriffen (2009: 9,1%) und hat sich &#8211; wohl aufgrund der Sensibilisierung bez\u00fcglich des vielpublizierten &#8220;<acronym title=\"Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivit\u00e4ts-St\u00f6rung (engl.: Attention-Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD))\">ADHS<\/acronym> bei Erwachsenen&#8221; &#8211; auf die Gruppe der 20-34 J\u00e4hrigen ausgeweitet. Dort stiegen die Verschreibungszahlen um \u00fcber 21% an.<\/p>\n<p>Medco analysierte f\u00fcr den Report seine 200 Top-Kunden, die \u00fcber 40 Millionen Menschen repr\u00e4sentieren. Die Firma sieht eine bl\u00fchende Zukunft f\u00fcr Pharma-Hersteller: bis 2012 sollen die Ausgaben f\u00fcr Arzneimittel <em>um weitere 18% steigen<\/em>.<\/p>\n<p><em>Kommentar <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"R.L.Fellner\" target=\"_blank\">R.L.Fellner<\/a><\/span>:<\/em><br \/>\nDer schon in einer US-Studie vom <a href=\"\/pt-blog\/pressespiegel\/kinder-medikamente\/\">November letzten Jahres<\/a> festgestellte Trend in der Sozial- und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/gesundheitspolitik\/\" title=\"Gesundheitspolitik\" target=\"_blank\">Gesundheitspolitik<\/a><\/span> wird damit ein weiteres Mal best\u00e4tigt: er f\u00fchrt offenbar weg von Ans\u00e4tzen, <em>die Ursachen<\/em> psychischer, sozialer und k\u00f6rperlicher Probleme und Erkrankungen mit all den uns heute zur Verf\u00fcgung stehenden wirksamen Methoden (&#8216;ganzheitlich&#8217;) zu behandeln und ihnen damit letztlich -hoffentlich- dauerhaft Herr zu werden, sondern der Mensch soll prim\u00e4r mit einer auf ihn abgestimmten Palette von parmakologischen Produkten versorgt werden, deren diverse Nebenwirkungen dann im (f\u00fcr den Betroffenen..) ung\u00fcnstigsten Fall wiederum weitere Arzneimittel n\u00f6tig machen. Und wer sich von Kindern und Jugendlichen heute zu sehr herausgefordert oder provoziert f\u00fchlt, findet entweder einen Arzt, der nach ein paar Minuten Konsultation ADS \/ AHDS diagnostiziert und dazu auch gleich <a href=\"\/pt-blog\/pressespiegel\/anpassung-durch-medikamente\/\">das passende Rezept ausstellt<\/a>, oder eine Beh\u00f6rde, die (t\u00e4gliche Realit\u00e4t im heutigen England) eine sog. &#8220;<a href=\"\/pt-blog\/pressespiegel\/kinder-jugendliche-stoeren\/\">ASBO<\/a>&#8221; verfasst &#8211; mit den damit verbundenen &#8220;sozialen&#8221; Anpassungsma\u00dfnahmen. Die vielgepriesene &#8220;freie Gesellschaft&#8221; des Westens scheint zu immer gr\u00f6\u00dferen Teilen in ein potemkinsches Dorf &#8211; abgelenkt durch glitzernde Konsumprodukte und &#8220;mind- &amp; behavior- optimiert&#8221; durch immer neue Produkte der <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/pharmaindustrie\" title=\"Pharmaindustrie\" target=\"_blank\">Pharmaindustrie<\/a><\/span> &#8211; umgesiedelt zu werden.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quelle: <a href=\"http:\/\/phx.corporate-ir.net\/phoenix.zhtml?c=131268&amp;p=irol-newsArticle&amp;ID=1428970\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Kids&#8217; Consumption of Chronic Medications on the Rise<\/a> (May 19, 2010), tp; Image src:healthpsych.psy.vanderbilt.edu)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder und Jugendliche waren gem\u00e4\u00df einer Studie der US Pharmaproduktions- und Gesundheitsmanagement-Firmengruppe MedCo Health Solutions die in den USA am st\u00e4rksten wachsende Medikamenten-Konsumentengruppe &#8211; sie nahmen 4x so viel verschreibungspflichtige Arzneimittel wie der Rest der Bev\u00f6lkerung ein. 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