{"id":1163,"date":"2010-06-21T17:06:36","date_gmt":"2010-06-21T17:06:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1163"},"modified":"2013-12-20T23:42:19","modified_gmt":"2013-12-20T22:42:19","slug":"rudas-zitate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/rudas-zitate\/","title":{"rendered":"Psychiater Stephan Rudas verstorben"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/static1.kleinezeitung.at\/system\/galleries_520x335\/upload\/6\/3\/2\/2378138\/2477088_BLD_Online.jpg\" width=\"200\" height=\"120\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Bild: Kleine Zeitung<\/p><\/div>\n<p>Stephan Rudas, <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/gute_therapie.phtml#tit\" title=\"Psychiater\" target=\"_blank\">Psychiater<\/a><\/span>, &#8220;Vater&#8221; der Psychiatriereform der 70er-Jahre (Verlagerung der psychiatrischen Versorgung von den Kliniken zu ambulanter Versorgung) und Gr\u00fcnder der Psychosozialen Dienste (PSD) in Wien, verstarb dieses Wochenende im Alter von 66 Jahren. Eine der S\u00e4ulen und Wegbereiter der moderneren psychosozialen Versorgung in \u00d6sterreich ist damit von uns gegangen. Auch wenn er immer wieder ins Visier von Kritikern geriet, war ihm doch stets der Abbau von Vorurteilen, Diskriminierung und Stigmata von an psychischen Leiden Erkrankten ein Anliegen. Sein gro\u00dfes Talent, Zusammenh\u00e4nge f\u00fcr jedermann verst\u00e4ndlich zu erkl\u00e4ren, verschafften ihm gro\u00dfe Medienpr\u00e4senz. Hier einige seiner Zitate, entnommen aus einem Artikel der &#8220;Kleinen Zeitung&#8221;:<\/p>\n<p>&#8211; Aus einem Arztbrief des Psychiaters an einen Dermatologen-Kollegen: &#8220;In der kranken Haut, die Sie behandeln, steckt auch ein leidender Mensch. Ich bitte dies zu ber\u00fccksichtigen.&#8221;<!--adsense--><\/p>\n<p>&#8211; &#8220;Psychische Erkrankungen sind h\u00e4ufig und keine Schande. Die k\u00f6rperliche Gesundheit bekommt erfreulicherweise seit Jahren mehr Aufmerksamkeit. Das unsichtbare Organ Psyche hingegen wird noch zu oft vernachl\u00e4ssigt.&#8221;<\/p>\n<p>&#8211; &#8220;Psychische Erkrankungen sind genau so gut behandelbar wie organische Erkrankungen. Aber das sind sie nur, wenn die vorhandene Hilfe auch angenommen wird. Daher kann die Forderung nur lauten: &#8216;Weg mit den Vorurteilen&#8217;.&#8221;<\/p>\n<p>&#8211; &#8220;Gef\u00fchle sind erlaubt! (&#8230;) Jetzt ist es aus mit der Schwarzwaldklinik. Wir brauchen auch eine neue Einstellung zu Krankheit, Leiden, Spital, Patienten, \u00c4rzten und Schwestern. (&#8230;) Es muss Schluss sein mit dem verlogenen Spiel rund um die Krankenh\u00e4user. Das Bild vom armen, aber lieb und brav im Bett liegenden Patienten entspricht nicht der Wirklichkeit. Wir d\u00fcrfen auch nicht erwarten, dass die Schwestern stets freundlich, adrett gekleidet, immer verf\u00fcgbar und aufopfernd sind.&#8221; (Rudas nach dem Bekanntwerden der Mordf\u00e4lle am Krankenhaus Lainz im Jahr 1989)<\/p>\n<p>&#8211; &#8220;Mir reicht es. Mir reicht auch die wiederholte Diskussion \u00fcber die Unf\u00e4higkeit und Dummheit der Pflichtsch\u00fcler. Ich schlage Alarm. Nicht die Kinder, sondern die Lehrpl\u00e4ne und Lehrmethoden sind dumm. (&#8230;) Nicht die Kinder sollen ein Jahr l\u00e4nger die Schulbank dr\u00fccken, sondern die Lehrer und die Verfasser der Lehrpl\u00e4ne. Als Arzt sage ich, ein unwirksames Medikament wird nicht besser, indem man seine Einnahme verl\u00e4ngert.&#8221; (Rudas nach dem Bekanntwerden einer Studie \u00fcber Rechtschreib- und Mathematikdefizite bei Berufsschulanf\u00e4ngern im Jahr 1991)<\/p>\n<p>&#8211; &#8220;Die Uhr tickt. Es wird sehr, sehr viel darin liegen, dass man jetzt keine Verzagtheit bei den Menschen zul\u00e4sst. Alle sind aufgerufen, in die Zukunft zu schauen. Es geht darum, sofort mit dem Wiederaufbau zu beginnen. (&#8230;) Wir m\u00fcssen signalisieren: &#8216;Wir sind eine Gemeinschaft. Wir lassen Euch nicht im Stich. (&#8230;) Wenn das nicht geschieht, kommen die <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span>. Das sind &#8216;Furchen der Seele&#8217;, die jahrelang erhalten bleiben.&#8221; (Rudas im August 2002 zur psychologischen Katastrophenhilfe nach den \u00dcberschwemmungen in \u00d6sterreich)<\/p>\n<p>&#8211; &#8220;Saddam ist schlimm genug. Aber der Ausdruck &#8216;Achse des B\u00f6sen&#8217; erspart das Nachdenken und erspart eine differenzierte Sichtweise. Man vergisst all zu leicht die anderen Probleme, die es auch gibt. Saddam l\u00f6st nicht das Problem, dass Millionen Amerikaner keine Sozialversicherung haben.&#8221; (Rudas im Jahr 2003 zum Irak-Konflikt)<\/p>\n<p>&#8211; &#8220;Das &#8216;Kaspar-Hauser-Syndrom war zun\u00e4chst ein eher literarischer Begriff. Und bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts haben <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/gute_therapie.phtml#tit\" title=\"Psychiater\" target=\"_blank\">Psychiater<\/a><\/span> weltweit eine &#8216;literarische Ader&#8217; gehabt. Heute w\u00fcrde man einen solchen &#8216;Kaspar-Hauser-Komplex&#8217; als ein schlampiges und wissenschaftlich unzul\u00e4ngliches Bouquet an Folgewirkungen von Isolierung und fehlender sozialer Bindungen im Kindesalter ansehen. Auf der Unfallchirurgie vermerkt man ja als Zustand f\u00fcr einen Patienten auch nicht &#8216;Armer Mensch nach schwerem Unfall&#8217;.&#8221; (der <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/gute_therapie.phtml#tit\" title=\"Psychiater\" target=\"_blank\">Psychiater<\/a><\/span> im Jahr 2008 gegen Mythen rund um die psychischen Folgen f\u00fcr die Opfer von &#8220;Amstetten&#8221;)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan Rudas, Psychiater, &#8220;Vater&#8221; der Psychiatriereform der 70er-Jahre (Verlagerung der psychiatrischen Versorgung von den Kliniken zu ambulanter Versorgung) und Gr\u00fcnder der Psychosozialen Dienste (PSD) in Wien, verstarb dieses Wochenende im Alter von 66 Jahren. Eine der S\u00e4ulen und Wegbereiter der moderneren psychosozialen Versorgung in \u00d6sterreich ist damit von uns gegangen. 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