{"id":1343,"date":"2010-10-01T19:27:35","date_gmt":"2010-10-01T19:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1343"},"modified":"2013-12-21T23:15:56","modified_gmt":"2013-12-21T22:15:56","slug":"pelvipathie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/pelvipathie\/","title":{"rendered":"Pelvipathie &#8211; die &#8216;indirekte&#8217; Sexualst\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.medfuehrer.de\/images\/pics\/sN_fp_header_5.jpg\" width=\"180\" height=\"130\" \/>Der Begriff Pelvipathie (Pelvipathia) steht f\u00fcr chronische (= l\u00e4nger als sechs Monate anhaltende) Unterbauchschmerzen (Schmerzen im unteren Bauchabschnitt bzw. kleinen Becken, meist in Form von Krampfzust\u00e4nden) bei Frauen. Die Schmerzen treten unabh\u00e4ngig von Geschlechtsverkehr und Zyklus auf.<\/p>\n<p>Weitere gebr\u00e4uchliche Bezeichnungen sind <em>Pelvipathia, chronic pelvic pain (CPP)<\/em> und <em>Hysteralgie.<\/em><\/p>\n<p>In den USA leiden ca. 15% oder ca. 9,2 Mio. Frauen zwischen 18 und 55 Jahren an chronischen Unterbauchschmerzen. Etwa 10% aller ambulanten Patientinnen, 30\u201340% aller <acronym title=\"Untersuchung des Bauchraumes mit einem r\u00f6hrenf\u00f6rmigen, mit Lichtquelle und optischem System ausgestatteten Instrument\">Laparoskopien<\/acronym> und ca. 10\u201320% der <acronym title=\"operative Entfernung der Geb\u00e4rmutter\">Hysterektomien<\/acronym> werden j\u00e4hrlich wegen Pelvipathie in den USA durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Doch eine Frau, die st\u00e4ndig Unterleibsschmerzen hat, streicht das Thema Sexualkontakt selbstverst\u00e4ndlich. Dies und die H\u00e4ufigkeit des St\u00f6rungsbildes d\u00fcrften ein Grund daf\u00fcr sein, dass von dieser versteckten Sexualst\u00f6rung \u2013 im Vordergrund stehen ja die Schmerzen, die den Gedanken an Geschlechtsverkehr erst gar nicht aufkommen lassen \u2013 den USA etwa 15 Prozent der Frauen betroffen sind. Die bei den Betroffenen h\u00e4ufige depressive Symptomatik wiederum kann den Teufelskreis von Schmerzen und Beeintr\u00e4chtigung der Lebensqualit\u00e4t noch weiter anheizen.<!--adsense--><\/p>\n<p>Beim Gyn\u00e4kologen werden die Patientinnen meist mit einer invasiven Diagnostik und Therapie versorgt &#8211; die einseitig organbezogenen Eingriffe wie Adh\u00e4siolysen und <acronym title=\"operative Entfernung der Geb\u00e4rmutter\">Hysterektomien<\/acronym> verst\u00e4rken die Symptomatik aber h\u00e4ufig sogar noch. Denn ganz wesentlich d\u00fcrften psychovegetative Zusammenh\u00e4nge an der Entstehung von Pelvipathien zumindest mitbeteiligt sein. In den zahlreichen F\u00e4llen (etwa 40%) ohne ausreichenden Organbefund handelt es sich meist um stressbedingte Erkrankungen. Die Schmerzen k\u00f6nnen ferner auch ein Ausdruck unbew\u00e4ltigter Konflikte sein, etwa in der Partnerschaft, aber auch nach Missbrauch oder anderen traumatischen Erlebnissen. Der psychische Druck \u00e4u\u00dfert sich dann in einer Anspannung des Unterleibs, was auf Dauer Schmerzen verursacht. Oft r\u00fchren die st\u00e4ndigen Beschwerden auch von Myomen, Bindegewebsverwachsungen oder einer <acronym title=\"versprengte Geb\u00e4rmutterschleimhautzellen\">Endometriose<\/acronym>. F\u00fcr 60 Prozent der Pelvipathief\u00e4lle k\u00f6nnten sogar Erkrankungen verantwortlich sein, die nicht im gyn\u00e4kologischen Bereich liegen, etwa Darm-, Nieren- oder R\u00fcckenleiden, wie eine amerikanische Studie im Jahre 2006 (s.u.) aufzeigte. Ein &#8220;blinder Fleck&#8221; scheint in der Studie allerdings bestanden zu haben, dass ja auch psychische Ursachen dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass keine Befunde in den Fortpflanzungsorganen zutage gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen.<br \/>\nSo haben Frauen mit chronischen Unterbauchbeschwerden h\u00e4ufig auch andere (etwa somatoforme) St\u00f6rungen oder <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span> (60%). Von den Betroffenen beklagen 65\u201379 % ein Reizdarmsyndrom, 30\u201370 % &#8220;abdominale myofasziale Schmerzen&#8221; (h\u00e4ufig in der N\u00e4he von Operationsnarben) und 5\u201310 % urologische Symptome (Reizblase, Schmerzen beim oder nach dem Harnlassen, <acronym title=\"h\u00e4ufiges Wasserlassen in kleinen Mengen\">Pollakisurie<\/acronym>,..). Daneben besteht mitunter auch ein nichtorganischer <acronym title=\"Scheidenausfluss\">Fluor vaginalis<\/acronym> als Ausdruck der vegetativen Erregung, ein genitaler Juckreiz (meist im Vulva-Bereich, aber auch in der Scheide), ein analer Juckreiz, eine Dysmenorrh\u00f6, pr\u00e4menstruelle Beschwerden und funktionelle Sexualst\u00f6rungen. Bei manchen Patientinnen besteht auch eine nichtorganische <acronym title=\"chronische Schmerzen im Bereich der Vulva mit Brennen, Stechen, Rei\u00dfen, Wundsein\">Vulvodynie<\/acronym>.<\/p>\n<p>Aus den angef\u00fchrten Gr\u00fcnden sollten sorgf\u00e4ltige k\u00f6rperliche Untersuchungen, die nicht nur die Genitalorgane einschlie\u00dfen, am Beginn der Behandlung stehen und deren weiteren Verlauf bestimmen. Je nach Befund k\u00f6nnen dann etwa Medikamente, eine Operation oder physikalische Ma\u00dfnahmen erfolgen. Wurden keine k\u00f6rperlichen Ursachen gefunden, sollte <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> oder <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/sexualtherapie\/sexualtherapie_wien.phtml\" title=\"Sexualtherapie\" target=\"_blank\">Sexualtherapie<\/a><\/span> in Anspruch genommen werden &#8211; nicht nur, um herauszufinden, welche psychischen Ursachen zu den k\u00f6rperlichen Schmerzen f\u00fchren, sondern auch im Laufe der Behandlung wieder zu einer entspannten und erf\u00fcllten Sexualit\u00e4t zur\u00fcckfinden zu k\u00f6nnen. <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/hypnose\/hypnotherapie_wien.phtml\" title=\"Hypnotherapie\" target=\"_blank\">Hypnotherapie<\/a><\/span> kann sich speziell f\u00fcr die Schmerztherapie sowie als Entspannungsverfahren als n\u00fctzlich erweisen. Die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit zwischen Arzt und Therapeut ist bei Pelvipathie eine Vorgangsweise, die sich f\u00fcr die effiziente Behandlung gut bew\u00e4hrt hat.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quellen: Leserman J, Zolnoun D, Meltzer-Brody S, Lamvu G, Steege JF. Identification of diagnostic subtypes of chronic pelvic pain and how subtypes differ in health status and trauma history. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2006;195(2):554-560; Wikipedia, Pelvipathie.de; Image src:medfuehrer.de)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff Pelvipathie (Pelvipathia) steht f\u00fcr chronische (= l\u00e4nger als sechs Monate anhaltende) Unterbauchschmerzen (Schmerzen im unteren Bauchabschnitt bzw. kleinen Becken, meist in Form von Krampfzust\u00e4nden) bei Frauen. Die Schmerzen treten unabh\u00e4ngig von Geschlechtsverkehr und Zyklus auf. 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