{"id":1378,"date":"2010-11-03T08:24:29","date_gmt":"2010-11-03T08:24:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1378"},"modified":"2010-11-03T08:31:08","modified_gmt":"2010-11-03T08:31:08","slug":"drogen-folgen-kriminalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/drogen-folgen-kriminalisierung\/","title":{"rendered":"Drogen: Neues \u00fcber Folgen und Kriminalisierung"},"content":{"rendered":"<p>Als im letzten Jahr der damalige Drogenbeauftragte der Regierung, der Neuropsychopharmokologe David Nutt vom Imperial College, die &#8220;k\u00fcnstliche&#8221; Aufteilung von erlaubten und verbotenen Drogen kritisierte und sagte, dass die erlaubten Drogen Alkohol und Nikotin viel gef\u00e4hrlicher seien als die verbotenen LSD, Ecstasy oder Cannabis, musste er sofort zur\u00fccktreten. Offenbar hatte er damit ein Tabu verletzt, denn die Aufteilung der Drogen ist auch eine kommerzielle, kulturelle und politische Entscheidung.<!--adsense--> <\/p>\n<p>In einer Studie, die im Wissenschafts-Magazin <a href=\"http:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Lancet<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde erschienen ist, versucht der Drogenexperte nun noch einmal wissenschaftlich zu belegen, dass Alkohol die gef\u00e4hrlichste Droge ist. In der Studie wurde eine Rangliste der Gef\u00e4hrlichkeit von 20 Drogen f\u00fcr die Konsumenten (9 Kriterien) und deren Umfeld (7 Kriterien) erstellt, die Kriterien daf\u00fcr waren vom Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD) festgelegt worden. Daraus wurde f\u00fcr die Bewertung eine Entscheidungsanalyse entwickelt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/33\/33593\/33593_1.jpg\" alt=\"\" width=\"470\" height=\"270\" \/><br \/>\n<span style=\"font-size: 80%;\">Die kombinierte Rangliste der Drogen. Bild: Lancet\/Nutt et al.<\/span><\/p>\n<p>Zu den Gefahren f\u00fcr die Konsumenten rechneten die Experten die von den Drogen verursachte Mortalit\u00e4t, die Krankheiten und k\u00f6rperlichen sowie psychischen Folgen, die Abh\u00e4ngigkeit und soziale sowie \u00f6konomische Folgen (Verlust an Freunden, Jobverlust, Gef\u00e4ngnisstrafen etc.). Bei den Folgen f\u00fcr das Umfeld der Drogenkonsumenten wurden steigende direkt oder indirekte Verletzungs- oder Sch\u00e4digungsgefahr (Gewalt, Autounf\u00e4lle etc.), Kriminalit\u00e4t, \u00f6konomische Kosten, Beeintr\u00e4chtigung der Familien, internationale Folgen (Kriminalit\u00e4t, Entwaldung, Destabilisierung von L\u00e4ndern), Umweltsch\u00e4den und Folgen f\u00fcr das Wohnviertel ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Zieht man nur die Folgen f\u00fcr den Konsumenten selbst in Betracht, sind Heroin, Crack und die Designerdroge Metamfetamin (Crystal, Crystal Speed, Ice) am gef\u00e4hrlichsten. F\u00fcr die Mitmenschen ist der hingegen der Konsum von Alkohol, Heroin und Crack am gef\u00e4hrlichsten. Nimmt man beide Gef\u00e4hrdungen zusammen, so liegt Alkohol deutlich an der Spitze, gefolgt von Heroin und Crack. Tabak rangiert hinter Kokain, aber vor Marihuana. Khat, Steroide, Ecstasy, LSD, Buprenorphin und Pilze sind am wenigsten gef\u00e4hrlich und praktisch nur f\u00fcr den Konsumenten. Beim Alkohol schlagen vor allem die wirtschaftlichen Kosten, Gewalt und Verletzungen, Familie, Kriminalit\u00e4t und Schaden f\u00fcr das Wohnviertel durch.<\/p>\n<p>Im diesbez\u00fcglichen <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/33\/33593\/1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Vollartikel<\/a> auf tp findet sich auch der Link zu einer \u00dcbersichtskarte, welche die unterschiedliche H\u00e4ufigkeit des Alkoholkonsums in der Weltbev\u00f6lkerung plastisch darstellt:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/33\/33593\/33593_4.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"197\" \/><\/p>\n<p>In stehen demnach nach Rum\u00e4nien Deutschland und \u00d6sterreich an der Spitze des Alkoholkonsums, gefolgt von Spanien und Gro\u00dfbritannien. Die Italiener trinken deutlich weniger, die Letten, Slowenen oder Schweden am wenigsten. Die meisten Alkoholabstinenten, genauer diejenigen, die im letzten Jahr kein alkoholisches Getr\u00e4nk zu sich genommen haben, findet man in Italien (40 Prozent), gefolgt von Ungarn, Portugal, Malta, Spanien und Polen (28 Prozent). In Deutschland sind es 19 Prozent.<br \/>\nDer durchschnittliche Westeurop\u00e4er trinkt ein Drittel mehr Alkohol als jede andere Person in einer anderen Region. In weiten Teilen des Nahen Ostens und von Nordafrika wird praktisch gar nicht getrunken: dort herrscht, alkoholisch zumindest, N\u00fcchternheit. Nach der Statistik trinken weltweit die Ugander am meisten, dann die Luxemburger, die Tschechen, die Moldavier und die Franzosen. Den siebten Platz teilen sich die Deuschen mit den \u00d6sterreichern, Kroaten und Portugiesen. Alkoholische Trockenheit herrscht in Indonesien, Bangladesch und Pakistan.<\/p>\n<p>Auch die interaktive Karte von <a href=\"http:\/\/show.mappingworlds.com\/world\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ShowWorld<\/a> stellt die Verteilung gut dar. Klicken Sie in ihr auf die Rubrik &#8220;Living &#8211; Food\/Dining&#8221;.<\/p>\n<p>Bemerkenswerte neue \u00f6ffentliche Stimmen gibt es auch in Sachen Drogenkriminalit\u00e4t: so w\u00fcrden repressive Ma\u00dfnahmen durch Polizei und Justiz das Problem f\u00fcr Drogens\u00fcchtige und damit auch die Bek\u00e4mpfung von Aids versch\u00e4rfen, wie Experten anl\u00e4\u00dflich der 18. Internationalen Aids-Konferenz in Wien im Juli dieses Jahres verlautbarten. Sie fordern deshalb nun in einem internationalen Aufruf &#8211; der &#8220;Wiener Deklaration&#8221; &#8211; das Ende von kontraproduktiven &#8220;Drogenkriegen&#8221;.<!--adsense--> <\/p>\n<p>&#8220;Viele von uns in der Aids-Forschung und in der Betreuung der Betroffenen sehen jeden Tag die verheerenden Effekte von falschen Strategien in der Drogenpolitik. Sie heizen die Aids-Epidemie noch weiter an und bedeuten Gewalt, steigende Kriminalit\u00e4tsraten und die Destabilisierung ganzer Staaten. Trotzdem gibt es noch keinen Beweis, dass sie den Drogenkonsum oder die Versorgung mit Drogen reduzieren&#8221;, erkl\u00e4rte dazu Julio Montaner, Pr\u00e4sident der IAS.<br \/>\nAls Wissenschaftler sei man verpflichtet, Strategien auf Basis von gesicherten Erkenntnissen vorzuschlagen. In Sachen illegaler Drogen w\u00fcrden sie dort beginnen, wo man &#8220;Sucht als Krankheit und nicht als Verbrechen&#8221; akzeptiere.<\/p>\n<p>Die Verfasser f\u00fchren im Einzelnen folgende Konsequenzen falscher Anti-Drogen-Strategien an:<\/p>\n<ul>\n<li>Die HIV-Epidemie wird durch die Kriminalisierung von Benutzern illegaler Drogen noch vergr\u00f6\u00dfert, ebenso durch die Verhinderung von Opiat-Substitutions- und von Spritzentausch-Programmen.<\/li>\n<li>Die Inhaftierung von Drogenkranken als Konsequenz von Strafgesetzen f\u00fchrt zu HIV-Ausbr\u00fcchen unter den H\u00e4ftlingen. Gerade in Gef\u00e4ngnissen gebe es aber einen Mangel an Pr\u00e4ventions-Ma\u00dfnahmen.<\/li>\n<li>In vielen Staaten sei es durch die Drogengesetzgebung zu einer Rekordrate an Inhaftierungen gekommen. Gleichzeitig h\u00e4tte das die Rassendiskriminierung erh\u00f6ht. Die Autoren: &#8220;&#8230;dieser Effekt war besonders stark in den Vereinigten Staaten, wo zu jedem gegebenen Zeitpunkt jeder neunte B\u00fcrger afro-amerikanischer Herkunft in der Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren inhaftiert ist &#8211; zum gr\u00f6\u00dften Teil wegen Drogendelikten.&#8221;<\/li>\n<li>Ein riesiger illegaler Markt im Umfang von j\u00e4hrlich 320 Milliarden US-Dollar (260 Mrd. Euro). Die Autoren: &#8220;Die Profite bleiben g\u00e4nzlich au\u00dferhalb der Kontrolle des Staates. Sie f\u00f6rdern Kriminalit\u00e4t, Gewalt und Korruption in zahllosen St\u00e4dten und haben ganze Staaten destabilisiert, wie Kolumbien, Mexiko und Afghanistan.&#8221;<\/li>\n<li>&#8220;Milliarden von Steuergeldern (US-Dollars, Anm.) sind in diesem &#8216;Krieg gegen Drogen&#8217; fehlinvestiert worden, ohne das Ziel der Kontrolle des Problems zu erreichen. Stattdessen hat das massiv zu den angef\u00fchrten Sch\u00e4den beigetragen.&#8221;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Verfasser der &#8220;Wiener Deklaration&#8221; fordern deshalb eine transparente Analyse der Wirksamkeit der derzeitigen Drogenpolitik, die Verwendung und die Bewertung von Ma\u00dfnahmen, die auf wissenschaftlicher Basis stattfinden.<\/p>\n<p>Drogenkonsumenten sollten &#8220;entkriminalisiert&#8221; werden. Auch alle Zwangstherapie-Zentren sollten geschlossen werden, da sie die Menschenrechte verletzen. Und schlie\u00dflich sollte es mehr Geld f\u00fcr die Verhinderung von HIV-Infektionen geben.<\/p>\n<p><span style=\"font-size:80%;\">(Quellen: tp, APA, <a href=\"http:\/\/science.orf.at\/stories\/1652128\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">ORF.at<\/a>)<\/span> <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im letzten Jahr der damalige Drogenbeauftragte der Regierung, der Neuropsychopharmokologe David Nutt vom Imperial College, die &#8220;k\u00fcnstliche&#8221; Aufteilung von erlaubten und verbotenen Drogen kritisierte und sagte, dass die erlaubten Drogen Alkohol und Nikotin viel gef\u00e4hrlicher seien als die verbotenen LSD, Ecstasy oder Cannabis, musste er sofort zur\u00fccktreten. 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