{"id":1454,"date":"2011-01-26T16:22:06","date_gmt":"2011-01-26T16:22:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1454"},"modified":"2013-12-21T23:37:35","modified_gmt":"2013-12-21T22:37:35","slug":"migration-psychosomatik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/migration-psychosomatik\/","title":{"rendered":"Migration kann krank machen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.womenhealthzone.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/signs-and-symptoms-of-chlamydia.jpg\" width=\"170\" height=\"160\" \/>Migration kann indirekt krank machen. Das in etwa ist die Schlu\u00dffolgerung von Andrea Topitz, der Leiterin der Abteilung f\u00fcr Transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte psychische St\u00f6rungen am AKH.<\/p>\n<p>Besonders h\u00e4ufig sei sie in ihrer T\u00e4tigkeit mit PatientInnen konfrontiert, die entweder <em>der Landessprache nicht m\u00e4chtig<\/em> sind &#8211; und daher ihre Probleme nur unzureichend oder gar nicht beschreiben k\u00f6nnen. Und gerade bei ungekl\u00e4rtem Asylstatus verf\u00fcgen sie h\u00e4ufig auch \u00fcber <em>keine Versicherung<\/em>, was dann nicht nur f\u00fcr die Patienten selbst problematisch und riskant ist, sondern auch f\u00fcr die medizinischen Einrichtungen ein gro\u00dfes Problem darstellt. Gar nicht selten kommt es zu beidem: sehr geringe prachliche Ausdrucksm\u00f6glichkeiten der Patienten UND keine Versicherung.<\/p>\n<p>Wie ich auch im Zuge meiner eigenen bikulturellen Arbeit immer wieder feststelle, ist der Einsatz von Kindern, Verwandten und Bekannten der Patienten und Klienten als &#8220;Gratis-Dolmetsch&#8221; nicht generell anzuraten: besonders wenn es auch um psychische Probleme geht, besteht dabei das Risiko einer Rollenumkehr oder einem Verlust von Intimit\u00e4t und Integrit\u00e4t.<!--adsense--><\/p>\n<p>Hinzu kommen <em>kulturspezifische Faktoren<\/em> in Behandlung und Beratung: &#8220;Psychosomatik gibt es in jedem Kulturkreis, aber der Umgang damit variiert&#8221;, schildert Topitz. So neigen etwa s\u00fcdosteurop\u00e4ische Frauen dazu, Schmerzen viel dramatischer und massiver zu schildern als \u00d6sterreicherinnen: &#8220;Die Patientinnen dr\u00fccken ihre Schmerzen anders aus, diffuser und weniger differenziert, es tut alles weh und st\u00e4ndig, und auch die Affektlabilit\u00e4t ist gesteigert, die Frauen weinen und klagen viel&#8221;, erz\u00e4hlt Topitz. Die Schmerzen k\u00f6nnen dann ein Ausdruck f\u00fcr die prek\u00e4re Gesamtsituation sein, denn es ist leichter, \u00fcber k\u00f6rperliche Beschwerden eine Anlaufstelle und eine Ansprechperson zu finden. Der eine oder andere Arzt versorge dann die Patienten ohne Rezept mit Medikamenten, aber solche Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen nur Tropfen auf den hei\u00dfen Stein sein.<\/p>\n<p>Die Patientengruppe der Migranten zeichne sich dar\u00fcber hinaus durch einen <em>\u00fcberm\u00e4\u00dfigen und wahllosen Umgang mit Medikamenten<\/em> aus. Das kann unter anderem daran liegen, dass \u00c4rzte normalerweise nicht die M\u00f6glichkeit haben, sprachunkundigen Patienten gen\u00fcgend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen und diese mit Tabletten &#8220;abfertigen.&#8221;<\/p>\n<p>Manche Klienten der transkulturellen Ambulanz stehen unter hohem Druck, weil ihr <em>Aufenthaltsstatus<\/em> nicht gekl\u00e4rt ist und sie st\u00e4ndig von einer Abschiebung bedroht sind (Fellner: bzw. eine R\u00fcckkehr in das Heimatland aus anderen, etwa finanziellen Gr\u00fcnden unm\u00f6glich erscheint). Solche Umst\u00e4nde generieren einen Teufelskreis von Angst, R\u00fcckzug und Schmerzen, aus dem die Patienten selbst mit Medikation und Betreuung kaum herausfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quellen: Der Standard v. <a href=\"http:\/\/dastandard.at\/1295570803069\/Transkulturelle-Psychiatrie-Wir-bleiben-nicht-bei-den-Schmerzen-stehen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">25.01.2011<\/a>, Fellner, &#8220;<a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/paartherapie\/bikulturelle_partnerschaft.phtml\" target=\"_blank\">Wenn zwei Welten aufeinander treffen &#8211; Bikulturelle Partnerschaft<\/a>&#8221; (2011); Image src:womenhealthzone.com)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Migration kann indirekt krank machen. Das in etwa ist die Schlu\u00dffolgerung von Andrea Topitz, der Leiterin der Abteilung f\u00fcr Transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte psychische St\u00f6rungen am AKH. Besonders h\u00e4ufig sei sie in ihrer T\u00e4tigkeit mit PatientInnen konfrontiert, die entweder der Landessprache nicht m\u00e4chtig sind &#8211; und daher ihre Probleme nur unzureichend oder gar nicht beschreiben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"","footnotes":""},"categories":[16],"tags":[584,458,575,203,572,150],"class_list":["post-1454","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pressespiegel","tag-expat-syndrom","tag-expats","tag-kultur","tag-medikamentenabhangigkeit","tag-migration","tag-psychosomatik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1454","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1454"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1454\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2125,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1454\/revisions\/2125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1454"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1454"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1454"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}