{"id":1536,"date":"2011-05-10T18:56:07","date_gmt":"2011-05-10T18:56:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1536"},"modified":"2011-05-10T19:11:49","modified_gmt":"2011-05-10T19:11:49","slug":"black-swan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/black-swan\/","title":{"rendered":"&#8216;Black Swan&#8217; &#8211; die Integration des abgespaltenen Selbst"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B004GKM1OS\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B004GKM1OS\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/images-na.ssl-images-amazon.com\/images\/I\/51jE5nFe3oL._SL500_AA300_.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" \/><\/a> Das letzte filmische Werk des kontroversiellen Regisseurs Darren Aronofsky lie\u00df wohl viele Zuseher sprachlos und aufgew\u00fchlt zur\u00fcck &#8211; nun, wie so manche seiner Filme wie etwa auch &#8216;<strong><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B000V2SGXK\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B000V2SGXK\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Pi<\/a><\/strong>&#8216;&#8230;<\/p>\n<p>In <strong><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B004GKM1OS\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B004GKM1OS\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Black Swan<\/a><\/strong> lernen wir zun\u00e4chst ein fragiles Doppelgespann kennen: Nina ist Ballett-T\u00e4nzerin, und lebt \u00fcberf\u00fcrsorglich kontrolliert und von der Au\u00dfenwelt weitgehend gesch\u00fctzt mit ihrer Mutter in New York. Ihr Zimmer wirkt wie ein Kinderzimmer, und sie selbst wie ein Teenager im K\u00f6rper einer jungen Frau. Ihre Mutter ist selbst Ex-Ballerina, und versucht ihre Tochter &#8220;mit Zuckerbrot und Peitsche&#8221; bei ihrer Karriere im New York City Ballet zu unterst\u00fctzen. Emotionen bleiben dabei weitgehend unterdr\u00fcckt und werden der Leistung und harten Arbeit untergeordnet sowie der Angst der Mutter, ihre Tochter k\u00f6nnte unter dem Druck der bevorstehenden Herausforderung &#8211; der Hauptrolle in einer Neuinszenierung von &#8220;Schwanensee&#8221; &#8211; in fr\u00fchere selbstdestruktive Verhaltensmuster (Selbstverletzung) zur\u00fcckfallen. Die destruktive Beziehung zwischen beiden wird besonders in einer Szene illustriert, in der Nina&#8217;s Mutter zur Feier eine kitschige Torte vorbereitet. Als Nina erkl\u00e4rt, keinen Appetit darauf zu haben, droht die Mutter in vorwurfsvollem Ton, die Torte wegzuwerfen. Nina lenkt ein &#8211; und mu\u00df daraufhin ein St\u00fcck der Glasur vom ausgestreckten Zeigefinger ihrer Mutter lecken. Die Botschaft: die Mutter hat immer recht, und Nina hat sich gef\u00fcgig so zu verhalten, wie &#8220;man&#8221; (ihre Mutter) das von ihr erwartet.<!--adsense--><\/p>\n<p>Nina war offenbar schon vom fr\u00fchesten Kindheitsalter an gezwungen, sich an den Erwartungen ihrer Mutter zu orientieren, die identische Berufswahl und die Ausrichtung ihres Alltags am Gelingen der Ballett-Karriere verst\u00e4rken diesen Eindruck. Im Zuge der Arbeit am St\u00fcck &#8220;Schwanensee&#8221; wird der Zuseher nun Augenzeuge einer zunehmenden Aufl\u00f6sung der Grenze zwischen dem, was in der kleinen Welt daheim vorzeigbar und &#8220;akzeptabel&#8221; ist, und den d\u00fcnkleren Seiten nicht nur der Welt drau\u00dfen, sondern auch Ninas. Der Choreograph des St\u00fccks beschleunigt diese Entwicklung durch seine Bemerkung, dass Nina zwar bestens f\u00fcr die Rolle des &#8220;<em>wei\u00dfen<\/em> Schwans&#8221; geeignet, aber nicht leidenschaftlich genug sei, den &#8220;<em>schwarzen<\/em> Schwan&#8221; glaubw\u00fcrdig darzustellen. Vermutlich gef\u00f6rdert durch die Angst, die Hauptrolle zu verlieren, brechen sukzessive die &#8220;dunklen&#8221;, bisher von Nina in keiner Weise zugelassenen und ungelebten Seiten durch: sie zeigt Aggression, beginnt, ihren K\u00f6rper zu erforschen (sie beendet dies schockiert, als sie ihre Mutter im Raum erblickt) und sich in einzelnen Bereichen von ihrer Mutter abzugrenzen. Eine Kollegin verf\u00fchrt sie zu einer rauschenden, ja trance\u00e4hnlichen Nacht, von der Nina nach dem Erwachen nicht mehr sicher sagen kann, ob sie dabei tats\u00e4chlich auch erste sexuelle Erfahrungen machte oder nicht. Immer \u00f6fter bricht ab diesem Zeitpunkt die &#8220;andere&#8221; Seite durch: zun\u00e4chst flackernd und sekundenlangen <span class='wp_keywordlink'><a href=\"\tteilweiser oder v\u00f6lliger Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit, des Identit?tsbewusstseins, der unmittelbaren Empfindungen sowie der Kontrolle von K\u00f6rperbewegungen (Selbsttest auf dieser Website verf\u00fcgbar, Link oben)\" title=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/icd-10\/gf40.phtml#f44\" target=\"_blank\">Dissoziationen<\/a><\/span> \u00e4hnelnd, dann immer h\u00e4ufiger und l\u00e4nger, wobei Nina zunehmend den \u00dcberblick dar\u00fcber verliert, was noch Phantasie, Wunschdenken und Einbildung, und was Realit\u00e4t ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/wildinthestreetsblog.files.wordpress.com\/2010\/12\/black-swan-natalie-portman-1.jpg?w=225&amp;h=150\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"150\" \/> Das Thema der Spaltung und Dualit\u00e4t zieht sich durch den gesamten Film und beklemmenderweise kann schliesslich nicht einmal mehr der Zuseher mit Sicherheit sagen, was denn nun tats\u00e4chlich geschah und ob einige der verdr\u00e4ngten Phantasien Nina&#8217;s tats\u00e4chlich durchbrachen &#8211; oder es bei diesen blieb. An diesen Stellen l\u00e4\u00dft sich ansatzweise der be\u00e4ngstigende Zustand einsetzender psychotischer Sch\u00fcbe und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"\tteilweiser oder v\u00f6lliger Verlust der normalen Integration von Erinnerungen an die Vergangenheit, des Identit?tsbewusstseins, der unmittelbaren Empfindungen sowie der Kontrolle von K\u00f6rperbewegungen (Selbsttest auf dieser Website verf\u00fcgbar, Link oben)\" title=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/icd-10\/gf40.phtml#f44\" target=\"_blank\">Dissoziationen<\/a><\/span> erf\u00fchlen.<\/p>\n<p>Zunehmend zeigt sich jedoch, dass Nina durch die Integration der &#8220;anderen&#8221;, abgespaltenen Seite (in der <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/psychoanalyse\/psychoanalyse.phtml#inh_modelle\">Analytischen Psychologie C.G. Jung<\/a>&#8216;s: des &#8220;Schattens&#8221; bzw. des &#8220;Schatten-Selbst&#8221;)\u00a0 insgesamt lebendiger und st\u00e4rker wird. Nach der Integration der Gef\u00fchlsaspekte des &#8220;schwarzen Schwans&#8221;: Eifersucht, Neid, Hass, Leidenschaft, Erotik und Sexualit\u00e4t u.dgl., wird Nina &#8220;komplett&#8221;. Ohne das Ende des Films vorwegzunehmen zeigt sich aber auch, dass das brutale Hineingetrieben-werden in eine solche Erfahrung f\u00fcr die Betreffenden mitunter nur schwer verkraftbar ist, da die psychischen Strukturen um die damit verbundenen inneren Konflikte verarbeiten zu k\u00f6nnen, nur langsam wachsen &#8211; was Zeit (und h\u00e4ufig auch <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span>) erfordert. Im Film ist jedoch meinem Eindruck nach der Weg das Ziel &#8211; die Darstellung eines pers\u00f6nlichen Entwicklungsweges, des in-Erscheinung-Tretens abgespaltener Pers\u00f6nlichkeitsanteile und Triebe, und schlie\u00dflich die f\u00fcr uns alle herausfordernde ad\u00e4quate Integration dieser Teile in den Alltag.<\/p>\n<p>Insgesamt ein packender und aufw\u00fchlender Film, den sich insbesondere Psychologie-Interessierte nicht entgehen lassen sollten!<\/p>\n<p><strong>Links zu den erw\u00e4hnten Filmen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B004GKM1OS\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B004GKM1OS\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Black Swan<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B000V2SGXK\/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B000V2SGXK\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Pi<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das letzte filmische Werk des kontroversiellen Regisseurs Darren Aronofsky lie\u00df wohl viele Zuseher sprachlos und aufgew\u00fchlt zur\u00fcck &#8211; nun, wie so manche seiner Filme wie etwa auch &#8216;Pi&#8216;&#8230; In Black Swan lernen wir zun\u00e4chst ein fragiles Doppelgespann kennen: Nina ist Ballett-T\u00e4nzerin, und lebt \u00fcberf\u00fcrsorglich kontrolliert und von der Au\u00dfenwelt weitgehend gesch\u00fctzt mit ihrer Mutter in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"","footnotes":""},"categories":[294],"tags":[608,261,214,607,609,385,432,159,305,91,306],"class_list":["post-1536","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gefunden","tag-abspaltung","tag-borderline","tag-dissoziation","tag-filme","tag-kunst","tag-narzissmus","tag-psychose","tag-psychosen","tag-selbstverletzung","tag-sexualitat","tag-svv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1536","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1536"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1536\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1538,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1536\/revisions\/1538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}