{"id":1591,"date":"2011-06-25T17:26:50","date_gmt":"2011-06-25T17:26:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1591"},"modified":"2013-12-22T00:17:53","modified_gmt":"2013-12-21T23:17:53","slug":"online-stalking","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/online-stalking\/","title":{"rendered":"Cyber-Bullying: Online l\u00e4sst es sich leichter hassen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/rsrc.psychologytoday.com\/files\/imagecache\/article-top\/blogs\/45296\/2012\/05\/95458-91929.jpg\" width=\"200\" height=\"140\" \/>&#8220;Man f\u00fchlt zwar keine physischen Schmerzen, trotzdem kann das Leid viel gr\u00f6\u00dfer sein.&#8221; Dass Gewalt im Internet nicht weniger schlimm ist als reale, war eine der Kernaussagen von Carmel Vaismans Referat &#8220;Don\u2019t Feed The Trolls. Countering The Discourse Patterns of Online Harassments&#8221;. Die israelische Kommunikationswissenschafterin sprach auf Einladung der Universit\u00e4t Wien \u00fcber Mobbing, Beschimpfungen und Erniedrigungen als Ph\u00e4nomen in Foren und Online-Medien und stellte ein\u00a0 Stufenmodell virtuellen Fehlverhaltens vor.<\/p>\n<p>Als mildeste Ebene bezeichnete sie das auf die Monty-Python-Wortsch\u00f6pfung &#8220;<em>Spam<\/em>&#8221; zur\u00fcckgehende Wiederholen informationsleerer bis -armer Inhalte. \u00dcber <em>Flaming<\/em> \u2013 polemische Kommentare, die immerhin noch einen Bezug zum Diskussionsthema haben \u2013 f\u00fchrt die Leiter zum bekannteren <em>Trolling<\/em>: Trolle sind Menschen, die Aufmerksamkeit erregen und Chaos stiften wollen, meist nicht argumentativ in Debatten eingreifen, sondern blo\u00df einen K\u00f6der werfen, um Vertreter verschiedener Weltanschauungen gegeneinander aufzuhetzen.<\/p>\n<p>Als weitaus schlimmere Grenz\u00fcbertretung wertet Vaisman <em>Stalking<\/em>. Wiederholte unerw\u00fcnschte Kontaktaufnahme kann wie auch offline als penetrantes Nachstellen empfunden werden: &#8220;Wenn es jemanden gibt, der Blogposts immer als erster kommentiert, in Facebook unter jedes Update zuerst auf &#8216;Like&#8217; klickt und immer den ersten Retweet versendet, dann ist das zwar nicht verboten, f\u00fcr die Betroffenen aber h\u00f6chst unangenehm, weil sie st\u00e4ndig das Gef\u00fchl haben, jemand beobachtet in Echtzeit jeden Schritt, den sie virtuell setzen.&#8221; Auf der vorletzten Stufe platzierte Vaisman <em>Cyberbullying<\/em> \u2013 die systematische Verleumdung einer Person oder Gruppe, die sogar schlimmer sein kann als ihr Pendant im Real Life: &#8220;Das Mobbing am Schulhof oder im B\u00fcro h\u00f6rt mit der Schlussglocke oder dem Feierabend auf, diverse Hassgruppen auf Facebook sind aber rund um die Uhr erreichbar und auch f\u00fcr jedermann au\u00dferhalb von Schule oder Arbeit einsehbar.&#8221;<!--adsense--><\/p>\n<p>Als Kapitalverbrechen im Internet bezeichnet Vaisman schlie\u00dflich die &#8220;<em>virtuelle Vergewaltigung<\/em>&#8220;. Der Begriff &#8220;Vergewaltigung&#8221; als Sch\u00e4digung der Person sei laut der Sozialwissenschafterin durchaus auch hier angebracht, &#8220;denn wir leben nicht nur offline, sondern auch online und die Online-Pers\u00f6nlichkeit besteht nicht neben, sondern als Teil unserer Pers\u00f6nlichkeit. Wenn nun jemand ein gef\u00e4lschtes Profil von jemandem erstellt oder das richtige hackt, dort Telefonnummern, rufsch\u00e4digende Bilder oder wahre oder falsche Aussagen \u00fcber die sexuelle Ausrichtung oder Meinungen des Betroffenen ver\u00f6ffentlicht, dann ist das ein Missbrauch der Pers\u00f6nlichkeit, die tiefe Spuren hinterl\u00e4sst. In letzter Zeit haben solche Aktionen nicht nur zu vermehrten Anzeigen, sondern sogar zu Selbstmorden gef\u00fchrt.&#8221; Hier w\u00fcrde laut Vaisman am deutlichsten sichtbar, welch zweischneidiges Schwert die &#8220;Macht zu ver\u00f6ffentlichen&#8221; ist. W\u00e4hrend fr\u00fcher Professionisten f\u00fcr die publizierten Inhalte einstehen mussten, habe es heute jeder Achtj\u00e4hrige in der Hand, vor einer qualifizierten \u00d6ffentlichkeit eine Verleumdungskampagne gegen seinen Lehrer zu starten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.exposereport.com\/enews\/images\/stories\/News\/child%20predator.jpg\" width=\"160\" height=\"170\" \/>Warum aber gehen die Menschen in Kommentaren, Foren und Facebook derart grob miteinander um? Der erste Gedanke f\u00fchrte Vaisman zur Annahme, dass die vermeintliche Anonymit\u00e4t daf\u00fcr verantwortlich sein k\u00f6nnte. Doch in den letzten Jahren zeigte das Klarnamensystem auf Facebook, dass viele Menschen auch unter Angabe ihrer vollen Identit\u00e4t vor Hassbekundungen nicht zur\u00fcckschrecken. Vaismans finale These fu\u00dft in einer technischen und gleichzeitig biologischen Begr\u00fcndung: der Mittelbarkeit des Mediums. Weil wir uns nicht pers\u00f6nlich gegen\u00fcberstehen, sondern alleine vor dem Computer sitzen, falle eine Barriere, die laut Vaisman auch bei Skype zu sp\u00fcren ist: Man sieht sich zwar von Angesicht zu Angesicht und kann Gestik und Mimik des Gegen\u00fcbers einsch\u00e4tzen, trotzdem fehle online immer eine gewisse Authentizit\u00e4t zur pers\u00f6nlichen Kommunikation. So w\u00fcrden manche User mit vollem Namen andere diffamieren, selbst wenn sie ihnen am n\u00e4chsten Tag im B\u00fcro begegnen \u2013 und sich dort nicht trauen w\u00fcrden, die Beleidigungen pers\u00f6nlich zu wiederholen. Dieser Graben w\u00fcrde laut Vaisman auch die Reaktionen auf die Absichten eines 19-J\u00e4hrigen erkl\u00e4ren, der 2008 \u00fcber ein bekanntes Streaming-Portal seinen Selbstmord ank\u00fcndigte und vor laufender Webcam vollzog: W\u00e4hrend die meisten, wenn sie pers\u00f6nlich Zeuge eines Suizidversuchs w\u00e4ren, die Polizei anrufen w\u00fcrden, sahen im Internet 1.500 Menschen zu, von denen nicht wenige den jungen Mann aufforderten, den Schlussstrich unter sein Leben zu setzen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quelle: Der Standard v. 24.06.2011; Image src:PsychologyToday.com)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Man f\u00fchlt zwar keine physischen Schmerzen, trotzdem kann das Leid viel gr\u00f6\u00dfer sein.&#8221; Dass Gewalt im Internet nicht weniger schlimm ist als reale, war eine der Kernaussagen von Carmel Vaismans Referat &#8220;Don\u2019t Feed The Trolls. Countering The Discourse Patterns of Online Harassments&#8221;. 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