{"id":1621,"date":"2011-08-16T05:32:17","date_gmt":"2011-08-16T05:32:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1621"},"modified":"2011-08-16T10:01:13","modified_gmt":"2011-08-16T10:01:13","slug":"resilienz-krisen-meistern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/resilienz-krisen-meistern\/","title":{"rendered":"Resilienz: die Krisen-Meister"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/img.wikinut.com\/img\/3.rv56564mhi._z2\/jpeg\/724x5000\/Resiliency.jpeg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"130\" \/>Die Medizin, Psychologie und andere Humandisziplinen der Forschung befassen sich traditionellerweise vorrangig mit den Ursachen von Problemen und der Suche nach M\u00f6glichkeiten, diese zu beheben. Seit einigen Jahren jedoch gewinnt ein neuer Ansatz verst\u00e4rkte Bedeutung: die <strong>Resilienzforschung<\/strong>. Der Begriff stammt vom lateinischen <em>resilio<\/em> ab (&#8220;abprallen&#8221;, &#8220;zur\u00fcckspringen&#8221;) und bezeichnet in der Physik hochelastische Materialien, die nach Verformungen ihre urspr\u00fcngliche Form wieder annehmen. In den Humanwissenschaften forscht man nach jenen Potentialen, die Menschen dazu bef\u00e4higen, Niederlagen, Ungl\u00fcck, Stressoren und Schicksalsschl\u00e4ge besser und schneller zu meistern oder den K\u00f6rper zu heilen.<\/p>\n<p>In der Verhaltensforschung und Psychologie werden Menschen als <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/gesundheit\/resilienz.phtml\" title=\"widerstandsf\u00e4hig\" target=\"_blank\">resilient<\/a><\/span> bezeichnet, die <em>aus Schwierigkeiten das Beste machen, daraus lernen und reifen<\/em>, oder zumindest <em>weniger Schaden nehmen<\/em> als andere unter \u00e4hnlichen Umst\u00e4nden. <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/gesundheit\/resilienz.phtml\" title=\"Widerstandsf\u00e4higkeit\" target=\"_blank\">Resilienz<\/a><\/span> ist jedoch keineswegs mit Unempfindlichkeit oder der Selbstverleugnung traumatischer Erlebnisse oder zwischenmenschlicher Schwierigkeiten in unserem Leben zu verwechseln. Vielmehr beschreibt diese F\u00e4higkeit eine Haltung innerer Stabilit\u00e4t, eine positive Grundhaltung, die Menschen in die Lage versetzt, an Leidenserfahrungen und Konflikten zu wachsen, statt sich in den damit verbundenen Emotionen festzulaufen und damit ihre Lebensqualit\u00e4t noch weiter einzuschr\u00e4nken. In der Regel erfolgt bereits nach verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzer Zeit ein Perspektivenwechsel: entweder wird die Situation neu interpretiert oder der Fokus verlagert sich auf andere, positive Lebensbereiche. Befragt man diese Personen nach ihrer problematischen Erfahrung, werden h\u00e4ufig positive Seiteneffekte oder durch das einschneidende Ereignis verursachte Lernm\u00f6glichkeiten mit erw\u00e4hnt. In besonders schwierigen Lebenssituationen suchen Personen mit hoher Resilienz aktiv professionelle Hilfe, um baldm\u00f6glichst wieder auf die Beine zu kommen, statt sich einer wom\u00f6glich chronisch belastenden Situation auszusetzen.<!--adsense--><\/p>\n<p>In der kultur\u00fcbergreifenden Forschung wurde beobachtet, dass Resilienz eine F\u00e4higkeit ist, die nicht durch die individuelle Person allein erkl\u00e4rt werden kann. &#8220;Gute&#8221; Familien, Schulen, eine &#8220;gesunde&#8221; soziale Umgebung und faire gesellschaftliche Bedingungen helfen dabei, die entsprechenden F\u00e4higkeiten zu entwickeln, und j\u00fcngere Menschen haben diese eher als \u00e4ltere. Ebenso existieren entsprechende Risikofaktoren: etwa fr\u00fche psychische oder k\u00f6rperliche Gewalterfahrungen, psychische Leiden enger Bezugspersonen sowie diverse kulturelle Faktoren.<\/p>\n<p>Psychologen haben <strong>7 S\u00e4ulen der Resilienz<\/strong> ausgemacht &#8211; Indikatoren f\u00fcr eine starke F\u00e4higkeit zur Stress- und Krisenbew\u00e4ltigung. \u00dcber je mehr dieser Eigenschaften jemand verf\u00fcgt, umso resilienter die betreffende Person:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Selbstbewusstsein:<\/em> Resiliente Menschen glauben an die eigenen Kompetenzen. Sie werden aktiv statt zu jammern und damit in eine Opferrolle zu verfallen, und sie vertrauen ihren F\u00e4higkeiten, \u00fcber kurz oder lang Probleml\u00f6sungen zu finden.<\/li>\n<li><em>Kontaktfreude:<\/em> Resiliente Menschen kommunizieren gern. Sie l\u00f6sen Schwierigkeiten bevorzugt gemeinsam mit anderen Menschen statt im Alleingang und suchen sich daf\u00fcr passende Partner aus. Ihren h\u00e4ufig gut entwickelten sozialen Fertigkeiten versetzen sie in die Lage, gute und lang anhaltende Beziehungen aufzubauen.<\/li>\n<li><em>Gef\u00fchlsstabilit\u00e4t:<\/em> Resiliente Menschen verf\u00fcgen \u00fcber gute Fertigkeiten, ihre Emotionen und gedanklichen Muster zu analysieren. Dadurch k\u00f6nnen sie die eigene Gef\u00fchlswelt und ihre Reaktionen so steuern, dass sie hohe Belastungen nicht nur als Stress, sondern auch als Herausforderung empfinden, wodurch sie in der Regel handlungsf\u00e4higer als andere bleiben.<\/li>\n<li><em>Optimismus:<\/em> eine Grund\u00fcberzeugung hinsichtlich positiver M\u00f6glichkeiten, die selbst in schwierigen Lebenssituationen stecken, ist eine integrale Voraussetzung f\u00fcr Widerstandsf\u00e4higkeit. Man wird von resilienten Menschen deshalb in schwierigen Situationen nur selten negative Verallgemeinerungen h\u00f6ren, sondern eher hoffnungsvolle Formulierungen wie \u201eDiesmal hatte ich keinen Erfolg, n\u00e4chstes Mal schon.\u201c<\/li>\n<li><em>Handlungskontrolle:<\/em> Resiliente Menschen sind alles andere als impulsiv, sondern vielmehr in der Lage, auf die unterschiedlichsten Lebenssituationen kontrolliert und \u00fcberlegt zu reagieren. Dazu geh\u00f6rt auch die F\u00e4higkeit, sofortige Belohnungen zugunsten eines h\u00f6heren Ziels in der Zukunft aufzuschieben \u2013 im Fachjargon hei\u00dft das Gratifikationsverzicht. Diese Kontrolle ist zugleich eine wichtige Komponente der emotionalen Intelligenz (EQ).<\/li>\n<li><em>Realismus:<\/em> Resiliente Menschen denken langfristig und entwickeln f\u00fcr sich realistische Ziele. Dadurch werden sie von vor\u00fcbergehenden Krisen im Leben &#8211; etwa Trennungen, dem Tod der Eltern oder bei beruflichen Problemen &#8211; nicht so leicht aus dem Gleichgewicht geworfen. Da sie eine l\u00e4ngere Perspektive im Kopf haben, stabilisiert sich ihr emotionaler Zustand zumeist rascher wieder.<\/li>\n<li><em>Analysest\u00e4rke:<\/em> Resiliente Menschen sind in der Lage, kreativ zu denken und sich leichter von eingefahrenen Denkpfaden zu l\u00f6sen. Ihre F\u00e4higkeit, die Ursachen von Krisen zu identifizieren, zu analysieren und damit zukunftsorientiert umzugehen, erm\u00f6glicht ihnen, ad\u00e4quate L\u00f6sungen zu entwickeln. Und wenn sie dazu einmal nicht selbst in der Lage sein sollten, holen sie sich pragmatisch Hilfe.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/psychotherapie_literatur.phtml\" title=\"Literatur\" target=\"_blank\">Literatur<\/a><\/span> werden eine Reihe von Ans\u00e4tzen angef\u00fchrt, mit denen die eigene Resilienz \u00fcber bereits vorhandene F\u00e4higkeiten hinaus <em>erh\u00f6ht bzw. angeregt<\/em> werden kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Resiliente Kommunikation: &#8220;Das, was bei mir okay ist, hat mehr Einflu\u00df als das, was nicht passt.&#8221;<\/li>\n<li>Fokus auf die St\u00e4rken einer Person &#8211; und die Frage: &#8220;wie kann ich diese St\u00e4rken dazu nutzen, um Probleme zu \u00fcberwinden?&#8221;<\/li>\n<li>Positiv sein: das Leben als herausfordernd, dynamisch und gef\u00fcllt mit Chancen wahrnehmen<\/li>\n<li>Fokus: ein Ziel festlegen und dieses bewusst anpeilen<\/li>\n<li>Flexibilit\u00e4t: sich bei Unsicherheiten alle Optionen offen halten<\/li>\n<li>Selbstorganisation: unsicheres Terrain ben\u00f6tigt durchdachte Strategien<\/li>\n<li>Eigeninitiative: vorausschauend und aktiv handeln<\/li>\n<li><span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/coaching.phtml\" title=\"Coaching\" target=\"_blank\">Coaching<\/a><\/span>: wenn sich nichts zu bewegen scheint, professionellen Input holen<\/li>\n<li>Geduld: sich zu erholen, ben\u00f6tigt selbst bei den besten Strategien Zeit<\/li>\n<li>anderen helfen<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quellenangabe: die Beschreibung der Resilienzs\u00e4ulen basiert auf einem Artikel der &#8220;Wirtschaftswoche&#8221;).<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Medizin, Psychologie und andere Humandisziplinen der Forschung befassen sich traditionellerweise vorrangig mit den Ursachen von Problemen und der Suche nach M\u00f6glichkeiten, diese zu beheben. Seit einigen Jahren jedoch gewinnt ein neuer Ansatz verst\u00e4rkte Bedeutung: die Resilienzforschung. Der Begriff stammt vom lateinischen resilio ab (&#8220;abprallen&#8221;, &#8220;zur\u00fcckspringen&#8221;) und bezeichnet in der Physik hochelastische Materialien, die nach [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"","footnotes":""},"categories":[293],"tags":[640,619,641,53,639,463,37,182,212,54],"class_list":["post-1621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-grundlagen","tag-emotionale-intelligenz","tag-emotionen","tag-eq","tag-posttraumatische-belastungsstorung","tag-resilienz","tag-salutogenese","tag-selbstsicherheit","tag-selbstwertgefuhl","tag-stress","tag-trauma"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1621"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1628,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1621\/revisions\/1628"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}