{"id":1632,"date":"2011-09-09T15:48:47","date_gmt":"2011-09-09T15:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1632"},"modified":"2013-12-23T03:12:25","modified_gmt":"2013-12-23T02:12:25","slug":"herzoperation-psychotherapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/herzoperation-psychotherapie\/","title":{"rendered":"Psychische Probleme von Herz-Operierten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/us.123rf.com\/400wm\/400\/400\/tlorna\/tlorna0910\/tlorna091001066\/5781757-heart-surgery-doctor-or-surgeon-hand-with-latex-gloves-and-organ-isolated-on-white.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"140\" \/>Prof. Dr. Wolfgang Albert, der seit 1987 die Abteilung Psychosomatische Medizin und seit seiner Gr\u00fcndung (April 2005) das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Herzzentrum. In seiner Vorlesung \u201eZum Stellenwert der psychosomatischen Medizin in der Herzchirurgie\u201c schlug Albert eine weite Br\u00fccke vom Begriff der Seele \u201eals Walten des g\u00f6ttlichen Prinzips\u201c \u00fcber \u201edie Seele ist ein leeres Wort\u201c bis zur modernen Definition der Psychosomatik, in der man \u201ekeine Krankheiten, sondern kranke Menschen\u201c behandelt. Albert betonte, zu allen Zeiten wurden Seele und Herz im Kontext gesehen. Das Herz galt und gilt als Wohnort der Seele und der Liebe, und ist der Lebensmotor. Der <acronym title=\"Selbstverliebtheit, Eitelkeit\">Narzissmus<\/acronym> jedes Menschen macht sich am Herz fest, das schon das Ungeborene im Mutterleib h\u00f6rt und beim S\u00e4ugen an der Brust der Mutter lustbesetzt erf\u00e4hrt. Woidera meinte daher \u201edas Herz ist das verinnerlichte Mutterprinzip\u201c. Die moderne Psychosomatik in der Chirurgie befasst sich ebenfalls ausgiebig mit dem Herz, besser mit dem operierten, verlorenen alten und als Spende empfangenen neuen Herz oder unterst\u00fctzend \u201ezugeschalteten\u201c Kunstherz. Transplantationen oder Implantationen, aber auch eingreifende Herzoperationen bzw. Kathetereingriffe stellen f\u00fcr den schwer herzkranken Menschen nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch seelisch eine hochgradige Ausnahmesituation dar, die es umfassend zu verarbeiten gilt. In rund 30 % der F\u00e4lle kommt es zu \u00c4ngsten (oft Verlust\u00e4ngsten), Schuldgef\u00fchlen, <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span>, Konzentrationsst\u00f6rungen, regressiver Abwehr, Ich-Schw\u00e4che, die &#8211; so Albert &#8211; sofortiger psychosomatischer Hilfe bed\u00fcrfen, um nicht in eine chronisch-dauerhafte St\u00f6rung einzum\u00fcnden. Auch Partner, Eltern oder Geschwister sind h\u00e4ufig seelisch stark mitbetroffen und bed\u00fcrfen psychologischer Hilfe.<\/p>\n<p>Aus Studien am DHZB an 91 Transplantierten, von denen rund 40 % seit \u00fcber 15 Jahren mit einem neuen Herz leben, empfanden zwei Drittel der Patienten, die zeitweise psychosomatische Hilfsangebote wahrgenommen haben, ihre Lebensqualit\u00e4t als \u201egut bis sehr gut\u201c, nur 6 % sagten, sie sei \u201eschlecht\u201c. Interessanterweise \u00e4u\u00dferten die mehr als 20 Jahre \u00dcberlebenden eine bessere Einsch\u00e4tzung als die Referenzgruppe aus der nicht-kranken Bev\u00f6lkerung. Grenzwertig wird das in einer Notfalloperation implantierte Kunstherz empfunden. Der psychosoziale Schock \u00fcber das Leben mit einem Kunstherz und der meist damit einhergehende Zusammenbruch s\u00e4mtlicher Lebenskonzepte in beruflicher wie privater Hinsicht bedarf im Einzelfall eingehender psychosomatischer, medikamentengest\u00fctzter Gespr\u00e4chstherapie.<!--adsense--><\/p>\n<p>Ein 30-j\u00e4hriger Patient, der nur noch eine zehnprozentige Herzfunktion aufwies, wollte nach der Assist-Implantation \u201eeinfach nur weglaufen\u201c und seinen \u201enormalen Alltag zur\u00fcck haben\u201c. Erst in vielen Gespr\u00e4chen \u201ees war immer ein Ohr f\u00fcr mich da\u201c nahm er seine Situation an und befindet sich jetzt komplikationslos in der Rehabilitations-Klinik. Ein 30-j\u00e4hriger herztransplantierter Patient zeigte Panikattacken, Angst, <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depression\" target=\"_blank\">Depression<\/a><\/span> und Realit\u00e4tsverlust, \u201eich wollte noch schnell mal verreisen\u201c. Jetzt hat er nach kurzzeitiger psychosomatischer Therapie die Ausbildung zum Kfz-Meister als Jahrgangsbester abgeschlossen und wird von seinem Dienstherrn in Vollzeit besch\u00e4ftigt. Auch ein 59-j\u00e4hriger Unternehmer, der mit dem weltweit einzig verf\u00fcgbaren Totalen K\u00fcnstlichen Herz CardioWest mit seinem sehr lauten Antrieb ausgestattet wurde, berichtete eindrucksvoll, wie er sich mit Unbeherrschtheit, Angst vor der eigenen Zukunft, aber auch der seiner Angeh\u00f6rigen und \u201evielen negativen Gedanken\u201c erst mittels zahlreicher therapeutischer Gespr\u00e4che mit der schwierigen neuen Lebenssituation abfand und mit mehr Mut wieder in die Zukunft blicken kann, \u201eweil ich Hilfe habe\u201c.<\/p>\n<p>Professor Berger (Klinik f\u00fcr Angeborene Herzfehler\/Kinderkardiologie) erl\u00e4uterte, dass in seiner Abteilung typischerweise die kleinen Patienten fast m\u00fchelos mit problematischen Situationen umgehen, nicht aber die s\u00e4mtliche Hintergr\u00fcnde und Zukunftsaspekte verstehenden Eltern. Eine zweite Gruppe stellen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern dar, die vielfach psychosomatischer Hilfe bed\u00fcrfen. Hier kommt es \u00f6fter zu Abwehrhandlungen, Ausbruchsversuchen aus dem Krankenleben, mit Wut und Verzweiflung in der Pubert\u00e4t. Es sei geplant, in seiner Abteilung dauerhaft einen Psychosomatiker f\u00fcr diese jungen Menschen zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">Quellen: MedAustria, <a href=\"http:\/\/www.dhzb.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Deutsches Herzzentrum Berlin<\/a>; Image:Shutterstock)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Wolfgang Albert, der seit 1987 die Abteilung Psychosomatische Medizin und seit seiner Gr\u00fcndung (April 2005) das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Herzzentrum. 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