{"id":165,"date":"2008-11-11T11:26:38","date_gmt":"2008-11-11T10:26:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=165"},"modified":"2013-12-10T13:22:37","modified_gmt":"2013-12-10T12:22:37","slug":"virtueller-therapeut-software","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/virtueller-therapeut-software\/","title":{"rendered":"Virtueller Therapeut f\u00fcr Astronauten"},"content":{"rendered":"<p>Auf der russischen Raumstation Saljut 7 trat der erste dokumentierte Fall von sog. &#8220;Raumkoller&#8221; auf: 1985 mu\u00dfte dort ein Auftrag abgebrochen werden, da sich zwei Astronauten ohne besondere Gr\u00fcnde derart zerstritten, dass ihre Arbeit darunter litt und schlie\u00dflich der Kommandant kein Interesse mehr an seinen Aufgaben zeige und nur noch stundenlang in den Weltraum starrte.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.technovelgy.com\/graphics\/content08\/virtual-space-station.jpg\" width=\"225\" height=\"164\" \/>Um f\u00fcr kommende Unternehmungen wie z.B. den bemannten Flug zum Mars gewappnet zu sein, l\u00e4sst die NASA deshalb im Rahmen des 1,74-Millionen-Dollar-Projekts <a href=\"http:\/\/dms.dartmouth.edu\/news\/2008\/09\/26_buckey.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Virtual Space Station<\/a> unter Leitung des Harvard-Psychologen James Cartreine einen virtuellen Therapeuten entwickeln, der den Astronauten bei psychischen Problemen beiseite stehen soll. Dies ist deshalb n\u00f6tig, weil die langen Latenzzeiten bei Funkverbindungen zur Erde von bis zu 40 Minuten ein therapeutisches Gespr\u00e4ch massiv erschweren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Kern des Programms sind Bild- und Tonaufnahmen des menschlichen Therapeuten <a class=\"link\" href=\"http:\/\/www.dhmc.org\/providers\/dhmc_provider_599.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Mark Hegel<\/a>, welcher die Astronauten durch eine probleml\u00f6sungsorientierte Depressionstherapie f\u00fchren soll.<\/p>\n<blockquote><p>Mit seinem virtuellen Abbild werden erst Gr\u00fcnde f\u00fcr die <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depression\" target=\"_blank\">Depression<\/a><\/span> identifiziert und anschlie\u00dfend anhand der Informationen, die der Astronaut auf Anfrage eingibt, L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge gemacht. Durch interaktive Rollenspiele sollen die Astronauten au\u00dferdem neue Strategien zur Konfliktbew\u00e4ltigung lernen k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus steht ihnen im Rahmen des Programms auch psychologische Fachliteratur zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>[..] Je nach Verlauf der aktuellen Tests des Programms k\u00f6nnte es sich auch als n\u00fctzlich f\u00fcr den Einsatz auf der Erde erweisen, indem es beispielsweise Therapiestunden f\u00fcr immobile \u00e4ltere Menschen auf dem Land bereitstellt, an deren Wohnorten es kein Breitband-Internet gibt. Auch k\u00f6nnten mit der Software Menschen erreicht werden, die zwar Behandlungsbedarf haben, denen aber der Besuch eines Therapeuten zu peinlich, zu teuer oder zu umst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>Um solche Hemmschwellen zu senken, wurde auch bei der Konzeption des Programms einiges unternommen: Es soll im Weltraum auf einem Laptop laufen, der nur einem einzigen Astronauten in relativer Abgeschiedenheit zur Verf\u00fcgung steht. Auch bei der Begriffswahl wurde darauf geachtet, dass m\u00f6glichst kein Raumfahrer von einer Inanspruchnahme abgeschreckt wird: Aus &#8220;Problemen&#8221; wurden so &#8220;Herausforderungen&#8221; und &#8220;Pannen&#8221;, die wie mechanische St\u00f6rungen behoben werden k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 90%;\">(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/29\/29104\/1.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Telepolis<\/a>)<\/span><\/p>\n<p><em>Kommentar <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" target=\"_blank\">R.L.Fellner<\/a>:<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-169\" title=\"Virtueller Therapeut\" src=\"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/virtual-doctor.jpg\" width=\"124\" height=\"100\" \/>Bei derartigen Berichten denken wir sofort an das 1966 ver\u00f6ffentlichte Programm &#8220;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/ELIZA\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Eliza<\/a>&#8221; des heuer verstorbenen Computerwissenschaftlers <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Joseph_Weizenbaum\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Joseph Weizenbaum<\/a> (und Star Trek-Fans wohl an den virtuellen Raumschiff-&#8220;Hausarzt&#8221; <a href=\"http:\/\/memory-alpha.org\/en\/wiki\/Lewis_Zimmerman\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Lewis Zimmerman<\/a>). Die bei den meisten <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/therapiemethoden.phtml\">Psychotherapie-Methoden<\/a> neutrale und eher zur\u00fcckhaltende <em>sprachliche<\/em> Kommunikationsebene l\u00e4\u00dft sich ja im Grunde verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig einfach nachprogrammieren, und &#8220;Eliza&#8221; verzeichnete recht erstaunliche Erfolge. Ob derartige Konzepte auch f\u00fcr die Alltagsanwendung taugen, sei dahingestellt &#8211; vielleicht ist die Punzierung des Programms als &#8220;Stimmungs-Reparaturmaschine&#8221; ja sogar die einzige Chance, da\u00df sie die Raumfahrer nicht gleich bei der ersten Gelegenheit in den Raumm\u00fcll bef\u00f6rdern &#8211; sobald sie n\u00e4mlich \u00fcber kurz oder lang den Anspruch stellen w\u00fcrden, von einem &#8220;menschlich&#8221; reagierenden Programm auch menschliche Reaktionen zu erwarten. Mit herk\u00f6mmlicher Therapie noch am ehesten vergleichbare Erfolge erzielte n\u00e4mlich auch &#8220;Eliza&#8221; nur dann, wenn die betr. Klienten nicht wu\u00dften, dass es sich beim Antwortenden um ein Computerprogramm handelte.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der russischen Raumstation Saljut 7 trat der erste dokumentierte Fall von sog. &#8220;Raumkoller&#8221; auf: 1985 mu\u00dfte dort ein Auftrag abgebrochen werden, da sich zwei Astronauten ohne besondere Gr\u00fcnde derart zerstritten, dass ihre Arbeit darunter litt und schlie\u00dflich der Kommandant kein Interesse mehr an seinen Aufgaben zeige und nur noch stundenlang in den Weltraum starrte. 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