{"id":1684,"date":"2011-09-21T08:58:45","date_gmt":"2011-09-21T08:58:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1684"},"modified":"2013-12-22T01:57:41","modified_gmt":"2013-12-22T00:57:41","slug":"computerspiele-nuetzlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/computerspiele-nuetzlich\/","title":{"rendered":"Computerspiele k\u00f6nnten doch &#8216;nutzlos&#8217; sein"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.nature.com\/news\/2011\/110916\/images\/news543-i1.0.jpg\" width=\"180\" height=\"131\" \/>Studien, die behaupten, dass Videospiele eine positive Wirkung auf kognitive Funktionen haben, sind interessant &#8211; aber in der Regel methodisch sehr mangelhaft, wie dieser Woche im Journal &#8216;Frontiers in Cognition&#8217; ver\u00f6ffentlicht wurde<\/p>\n<p>Zahlreiche Studien, die w\u00e4hrend der letzten zehn Jahre ver\u00f6ffentlicht wurden, wollen herausgefunden haben, dass das regelm\u00e4\u00dfige Spielen &#8216;schneller&#8217; Videospiele wie &#8220;<em>Medal of Honor<\/em>&#8221; oder &#8220;<em>Grand Theft Auto<\/em>&#8220;, welche schnelle Reaktionen erfordern, &#8220;Transfer-Effekte&#8221; haben, \u00fcber die andere kognitive Funktionen, welche <acronym title=\"sehbar, sichtbar, das Sehen betreffend\">visuelle<\/acronym> Aufmerksamkeit erfordern, verbessert werden k\u00f6nnen. Die betreffenden Ergebnisse wurden massiv im Marketing der Softwarefirmen eingesetzt und f\u00fchrten sogar zur staatlich finanzierten Entwicklung einschl\u00e4giger Spiele, etwa f\u00fcr das US-Milit\u00e4r. Einige dieser Studien wurden h\u00e4ufig zitiert und weithin bekannt: so wurde die durch die Wissenschaftler D. Bavelier und S. Green von der University of Rochester in New York ver\u00f6ffentlichte Studie aus dem Jahre 2003 mehr als 650 Mal zitiert und von vielen Medien h\u00e4ufig als Quasi-Beweis f\u00fcr die getroffene These ins Treffen gef\u00fchrt.<!--adsense--><\/p>\n<p>Doch viele dieser Studien &#8211; so die Autoren einer Kontrollstudie &#8211; enthalten grundlegende methodische M\u00e4ngel und entsprechen nicht den Goldstandards ordnungsgem\u00e4\u00df durchgef\u00fchrter klinischer Studien. Im Review wurden schwerpunktm\u00e4\u00dfig alle einschl\u00e4gigen Studien der letzten Jahre erfasst, namentlich solche, welche die Auswirkungen der aktuellen, modernen Action-Spiele auf Personen im College-Alter haben.\u00a0 Die M\u00e4ngel all dieser Studien beginnen den Autoren zufolge schon beim Studiendesign: es w\u00e4re allen Teilnehmern klar gewesen, an welcher Art von Studie sie teilnahmen und den &#8220;professionellen&#8221; Spielern w\u00e4re z.T. ein Sonderstatus zugekommen, der sie dazu motiviert haben k\u00f6nnte, besonders konzentriert und &#8220;repr\u00e4sentativ&#8221; f\u00fcr ihre Position zu spielen. Davon, dass auch die Untersucher wu\u00dften, wer zu welcher Gruppe geh\u00f6rte, wurde vermutlich das Verhalten der Teilnehmer und damit wohl auch die Ergebnisse der Untersuchungen beeinflu\u00dft. Auch andere Faktoren, wie etwa ein mitunter strukturell \u00e4hnlicher Aufbau der kognitiven Testuntersuchung mit jenem der Spiele k\u00f6nnte die Ergebnisse zugunsten der Ausgangsthese verf\u00e4lscht haben. Nebst einigen anderen Faktoren w\u00e4re es wissenschaftlich auch h\u00f6chst problematisch, wenn Teilergebnisse aus Untersuchungen in mehreren Arbeiten (von einigen Autoren in bis zu 10 davon) ver\u00f6ffentlicht werden, was es schwer macht, die Ergebnisse voneinander abzugrenzen, und sei es nur hinsichtlich qualitativer Ma\u00dfst\u00e4be, die an die Methodik der Untersuchung angelegt werden.<\/p>\n<p>Die Autoren der Kontrollstudie weisen darauf hin, dass die Studienm\u00e4ngel nicht unbedingt bedeuten, dass die behaupteten Effekte nicht eintreten k\u00f6nnten &#8211; aus wissenschaftlicher Sicht jedoch m\u00fcsse eine solche Behauptung mit korrekter Methodik nachgewiesen und moderne Untersuchungsdesigns eingehalten werden, etwa hinsichtlich auch einer Ber\u00fccksichtigung genderspezifischer Aspekte. Auch die Methodik der Auswahl und Behandlung der ProbandInnen solle vollst\u00e4ndig dokumentiert werden. Am Ende der Kontrollstudie werden Studienkriterien beschrieben, die zuk\u00fcnftige einschl\u00e4gige Untersuchungen im Sinne verl\u00e4\u00dflicherer Ergebnisse ber\u00fccksichtigen sollten.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quellen: <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/news\/2011\/110916\/full\/news.2011.543.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Nature 09\/2011<\/a>, doi:10.1038\/news.2011.543; Boot, W. R., Blakely, D. P. &amp; Simons in: <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.3389\/fpsyg.2011.00226\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Frontiers in Cognition. 2, 226 (2011)<\/a>; Image src:nature.com)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studien, die behaupten, dass Videospiele eine positive Wirkung auf kognitive Funktionen haben, sind interessant &#8211; aber in der Regel methodisch sehr mangelhaft, wie dieser Woche im Journal &#8216;Frontiers in Cognition&#8217; ver\u00f6ffentlicht wurde Zahlreiche Studien, die w\u00e4hrend der letzten zehn Jahre ver\u00f6ffentlicht wurden, wollen herausgefunden haben, dass das regelm\u00e4\u00dfige Spielen &#8216;schneller&#8217; Videospiele wie &#8220;Medal of Honor&#8221; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"","footnotes":""},"categories":[16],"tags":[118,555,651,197],"class_list":["post-1684","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pressespiegel","tag-computer","tag-konzentration","tag-studiendesign","tag-videospiele"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1684","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1684"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1684\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2140,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1684\/revisions\/2140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}