{"id":1686,"date":"2011-09-22T19:49:29","date_gmt":"2011-09-22T19:49:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1686"},"modified":"2016-02-24T12:08:11","modified_gmt":"2016-02-24T11:08:11","slug":"traumata-vererbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/traumata-vererbung\/","title":{"rendered":"Traumata werden an n\u00e4chste Generation \u00fcbertragen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/science\/neurophilosophy\/2011\/sep\/09\/pregnant-911-survivors-transmitted-trauma\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/static.guim.co.uk\/sys-images\/Guardian\/Pix\/pictures\/2011\/9\/9\/1315573465508\/woman-rescued-after-911-a-007.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"110\" \/><\/a>Auch wenn die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen \u00fcber die psychologischen Folgen des 9\/11-Attentats in New York nicht eintrafen, so litt doch eine gesch\u00e4tzte 1\/2 Mio der Einwohner an Symptomen posttraumatischer Belastungsst\u00f6rungen (<acronym title=\"Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung\">PTBS<\/acronym>). Unter den Zehntausenden, die den Ereignissen direkt ausgesetzt waren, befanden sich 1.700 schwangere Frauen, von welchen einige ebenfalls an <acronym title=\"Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung\">PTBS<\/acronym>-Sypmtome entwickelten. Wie sich zeigte, wurden diese Symptome zum Teil auf deren Kinder \u00fcbertragen, wie Rachel Yahuda, Professorin der Psychiatrie und Neurologie an der Traumatic Stress Studies Division im Mount Sinai Medical Centre, New York, ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt waren Messungen des Stresshormons Cortisol an Speichelproben betroffener schwangerer Frauen. Dieser Level war bei Frauen, die keine Symptome von <acronym title=\"Posttraumatic Stress Disorder (Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung)\">PTSD<\/acronym> aufwiesen, signifikant niedriger als bei den anderen. Die Kinder der Frauen zeigten sp\u00e4ter \u00e4hnliche Unterschiede bei den Messungen, wobei die Unterschiede dann am gr\u00f6\u00dften waren, wenn die M\u00fctter sich im letzten Schwangerschaftsdrittel befanden. Diese Unterschiede zeigten sich auch bei Messungen der Stre\u00dfkompensation &#8211; auch hier fand man h\u00f6here Belastungen der Kinder, deren M\u00fctter den traumatisierenden Ereignissen ausgesetzt waren und <acronym title=\"Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung\">PTBS<\/acronym>-Symptome entwickelten, und auch hier zeigten sich die st\u00e4rksten Symptome bei den Kindern, deren M\u00fctter diese w\u00e4hrend dem letzten Schwangerschaftsabschnitt erlebten. Doch wie ist dies m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Forschungsergebnisse der letzten 10 Jahre legen nahe, dass derartige Effekte vermutlich auf epigenetischen Mechanismen beruhen. Epigenetik ist das Studium der erblichen Ver\u00e4nderungen in der Genaktivit\u00e4t, die nicht aufgrund von Ver\u00e4nderungen in der <acronym title=\"Deoxyribonucleic acid (holding genetic information)\">DNA<\/acronym>-Sequenz erfolgen. Die Epigenetik zeigt, wie Gene mit Umweltfaktoren interagieren, und wird mit vielen Ver\u00e4nderungen der Hirnfunktionen in Verbindung gebracht.<!--adsense--><\/p>\n<p>Eine wichtige Studie in diesem aufstrebenden Gebiet, ver\u00f6ffentlicht im Jahr 2004, zeigte, dass die Qualit\u00e4t der Brutpflege von Ratten erheblich das Verhalten der Spr\u00f6\u00dflinge im Erwachsenenalter beeinflu\u00dft. Rattenjungen, die von ihrer M\u00fctter w\u00e4hrend der ersten Woche des Lebens regelm\u00e4\u00dfig umsorgt und geleckt wurden, konnten im sp\u00e4teren Leben besser mit Stresssituationen und angstmachenden Situationen umgehen als Junge, zu denen wenig oder kein Kontakt aufgenommen wurde. Diese Ergebnisse selbst w\u00e4ren nicht so neu, doch man fand bei weiteren Untersuchungen heraus, dass diese Effekte durch epigenetische Mechanismen, die Ausdruck des Glucocorticoid-Rezeptors, die eine zentrale Rolle bei der Reaktion des K\u00f6rpers auf Stress ver\u00e4ndern vermittelt werden, verursacht wurden. Die Analyse der Gehirne von 1 Woche alten Jungen offenbarte Unterschiede in der <acronym title=\"Deoxyribonucleic acid (holding genetic information)\">DNA<\/acronym>-Methylierung (einem Prozess, bei dem die <acronym title=\"Deoxyribonucleic acid (holding genetic information)\">DNA<\/acronym> chemisch modifiziert wird). Methylierung beinhaltet das Andocken kleiner, Methyl-Gruppen&#8217; benannte Molek\u00fcle, welche aus einem Kohlenstoffatom und drei Wasserstoffatomen bestehen, auf bestimmte Abschnitte in die <acronym title=\"Deoxyribonucleic acid (holding genetic information)\">DNA<\/acronym>-Sequenz eines Gens.<\/p>\n<p>Welpen, die ein hohes Ma\u00df an Pflege und lecken erhielten, zeigten h\u00f6here Methylierung in jenen Regionen der <acronym title=\"Deoxyribonucleic acid (holding genetic information)\">DNA<\/acronym>, die die Aktivit\u00e4t des Glukokortikoid-Gens regulieren, die wenig beh\u00fcteten dagegen eine deutlich geringere, mit unmittelbaren Auswirkungen auf die F\u00e4higkeit zur Stressverarbeitung. Auch Yehuda und ihre Kollegen stellten 16 unterschiedliche Gene fest, die bei den M\u00fcttern mit <acronym title=\"Posttraumatic Stress Disorder (Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung)\">PTSD<\/acronym>-Symtpomen. Einige dieser Gene regulieren die Funktion der Glucocorticoid-Rezeptoren und zwei &#8211; FKBP5 und STAT5b &#8211; hemmen direkt ihre Aktivit\u00e4t. Bei Personen mit <acronym title=\"Posttraumatic Stress Disorder (Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung)\">PTSD<\/acronym> ist die Aktivit\u00e4t dieser Gene reduziert, was die hone Glukokortikoid-Rezeptor-Aktivit\u00e4t bei dieser St\u00f6rung erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. \u00c4hnliche Effekte wurden seither auch bei Mi\u00dfbrauchs-Opfern, Kriegsveteranen und Opfern des Nazi-Holocaust festgestellt.<!--adsense--><\/p>\n<p>Hohe Cortisol-Level stehen offenbar in direktem Zusammenhang mit dem Risiko, an Folgeerscheinungen traumatischer Erfahrungen zu erkranken, und die Ver\u00e4nderungen in den betreffenden genetischen Markern samt ihren Konsequenzen f\u00fcr die Stre\u00dfbew\u00e4ltigung sind scheinbar in der Lage, auf Folgegenerationen \u00fcbertragen zu werden. Diese epigenetischen Faktoren k\u00f6nnten im Zusammenhang mit genetischen Variationen erkl\u00e4ren, warum manche Menschen leichter an <acronym title=\"Posttraumatic Stress Disorder (Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung)\">PTSD<\/acronym>-Folgen erkranken als andere.<\/p>\n<p>In der tierexperimentellen Studie wurden die epigenetischen Modifikationen und die damit verbundenen \u00c4nderungen an den Glucocorticoid-Rezeptoren im Hippocampus, beobachtet &#8211; einer Hirnregion, die f\u00fcr Lernen und Ged\u00e4chtnis zust\u00e4ndig ist. Epigenetische Marker k\u00f6nnten demnach bei der Bildung von traumatischen Erinnerungen dauerhaft angelegt werden. Letzten Monat berichteten Forscher von der University of Pennsylvania, dass epigenetische Marker durch zwei Generationen von M\u00e4usen \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, was darauf hindeutet, dass Kinder, die den Alptraum des World Trade Center-Angriffes noch in der Geb\u00e4rmutter von ihren M\u00fcttern &#8216;erbten,&#8217; sie wiederum an ihre eigenen Kinder weitergeben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quellen: <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/science\/neurophilosophy\/2011\/sep\/09\/pregnant-911-survivors-transmitted-trauma\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">The Guardian 11.09.2011<\/a> (also:Image source);<br \/>\nYehuda, R et al (2005): Transgenerational Effects of Posttraumatic Stress Disorder in Babies of Mothers Exposed to the World Trade Center Attacks during Pregnancy. Journal of Clinical Endocrinology &amp; Metabolism, DOI: 10.1210\/jc.2005-0550;<br \/>\nYehuda, R et al (2009): Gene Expression Patterns Associated with Posttraumatic Stress Disorder Following Exposure to the World Trade Center Attacks. Biological Psychiatry, DOI: 10.1016\/j.biopsych.2009.02.03;<br \/>\nSarapas, C et al (2011): Genetic markers for <acronym title=\"Posttraumatic Stress Disorder (Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung)\">PTSD<\/acronym> risk and resilience among survivors of the World Trade Center attacks. Disease Markers, DOI: 10.3233\/DMA20110764<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen \u00fcber die psychologischen Folgen des 9\/11-Attentats in New York nicht eintrafen, so litt doch eine gesch\u00e4tzte 1\/2 Mio der Einwohner an Symptomen posttraumatischer Belastungsst\u00f6rungen (PTBS). 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