{"id":1772,"date":"2011-11-19T12:18:16","date_gmt":"2011-11-19T05:18:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1772"},"modified":"2013-12-23T17:47:49","modified_gmt":"2013-12-23T16:47:49","slug":"therapieresistente-depression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/therapieresistente-depression\/","title":{"rendered":"Fragw\u00fcrdige Leitlinien zur Behandlung &#8220;therapieresistenter Depression&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/img.ehowcdn.com\/article-page-main\/ehow\/images\/a04\/ql\/hq\/mental-health-medication-information-800x800.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Mitunter ist es schwierig, einen sachlich-k\u00fchlen Kopf zu bewahren, liest man diverse medizinische Fachinformationen.<\/p>\n<p>So soll nun ein neues &#8220;Stufenschema&#8221; Mediziner unterst\u00fctzen, Patienten mit sogenannten &#8220;<strong>therapieresistenten<\/strong>&#8221; oder<strong> chronischen <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span><\/strong> effektiver als bisher zu behandeln. Denn bei etwa jedem vierten Depressionspatienten, so eine Aussendung der &#8220;\u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie&#8221; (\u00d6GPB), hilft eine einfache medikament\u00f6se Behandlung nicht oder nur unzureichend.<\/p>\n<p>Die &#8220;Volkskrankheit <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depression\" target=\"_blank\">Depression<\/a><\/span>&#8221; ist in allen Industriel\u00e4ndern im Vormarsch. In \u00d6sterreich sind etwa 400.000 Menschen betroffen, so \u00d6GPB-Pr\u00e4sidentin Susanne Lentner. Die Krankheit sei nicht nur die h\u00e4ufigste Ursache f\u00fcr Fr\u00fchpension und Arbeitsunf\u00e4higkeit, sondern auch f\u00fcr 70 bis 80 Prozent der Suizide verantwortlich. Bei fast der H\u00e4lfte der Betroffenen werde die Krankheit nicht erkannt, entweder weil die Allgemeinmediziner nicht ausreichend geschult sind oder die depressiven Menschen gar nicht erst zum Arzt gehen, sagte Michael Bach, Primar am Landeskrankenhaus Steyr (O\u00d6).<br \/>\nZu erg\u00e4nzen w\u00e4re aber, dass nur jeder zehnte Patient eine ad\u00e4quate Therapie erh\u00e4lt, da viele Mediziner sie falsch oder gar nicht diagnostizieren und sodann ausschlie\u00dflich die h\u00e4ufigen k\u00f6rperlichen Symptome der <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depression\" target=\"_blank\">Depression<\/a><\/span> (mehr dazu in den am Artikelende verlinkten Texten) behandeln oder weil sie ohne tieferer Kenntnis \u00fcber ad\u00e4quate Depressionsbehandlung schlicht <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/antidepressiva\/\" title=\"Antidepressiva\" target=\"_blank\">Antidepressiva<\/a><\/span> verschreiben und dann die Patienten sich selbst \u00fcberlassen.<!--adsense--> <\/p>\n<p>Mit neuen Leitlinien in Form eines sog. &#8220;Konsensus-Statements&#8221; der Neurologen und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/gute_therapie.phtml#tit\" title=\"Psychiater\" target=\"_blank\">Psychiater<\/a><\/span> soll aber nun alles besser werden. Sie soll den Medizinern helfen, insbesondere die besonders komplexen (wenn auch seltenen &#8211; <em>Anmerkung RLF<\/em>) F\u00e4lle der therapieresistenten <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depression\" target=\"_blank\">Depression<\/a><\/span> zu behandeln, also &#8220;jene F\u00e4lle, in denen mindestens zwei unterschiedliche Antidepressiva nicht die erw\u00fcnschte Wirkung brachten&#8221;. Die herausgebenden \u00c4rzte merken an, dass sich eine verbesserte Therapie auch volkswirtschaftlich auszahlen w\u00fcrde: &#8220;Der teuerste Weg ist, nicht zu behandeln, der zweitteuerste, eine schlechte Behandlung und die drittteuerste M\u00f6glichkeit: eine gute Behandlung.&#8221;<\/p>\n<p>Die Leitlinien der \u00d6GPB schlagen nun vor, &#8220;zun\u00e4chst die Dosis des verschriebenen Medikaments zu erh\u00f6hen, und, wenn damit kein Erfolg zu verzeichnen ist, ein zweites Antidepressivum gleichzeitig zu verabreichen&#8221;. Als n\u00e4chsten Schritt sollen die \u00c4rzte &#8220;Zusatzbehandlungen mit anderen Medikamenten oder Therapieformen wie <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span>, Schlafentzug und Elektrokrampftherapie versuchen&#8221;. Einfach ein anderes Antidepressivum mit unterschiedlicher Wirkungsweise zu probieren sei laut Studien nur in wenigen F\u00e4llen erfolgreich.<\/p>\n<p>Zusammengefasst also: \u00c4rzte werden weiterhin dazu angehalten, bei einem doch in erster Linke psychischen Leidenskomplex mal bis auf weiteres ausschlie\u00dflich Tabletten zu verschreiben, dann noch mehr Tabletten, und dann&#8230;<br \/>\nDas ist zweifellos eine sehr positive Nachricht f\u00fcr die <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/pharmaindustrie\" title=\"Pharmaindustrie\" target=\"_blank\">Pharmaindustrie<\/a><\/span>, aber sicherlich nicht der im Untertitel behauptete &#8220;state of the art&#8221; (Stand der Heilkunst) nach alldem, was man heute \u00fcber die Ursachen und Zusammenh\u00e4nge der Depressionserkrankung und ihrer Therapiem\u00f6glichkeiten wei\u00df. Erst als dritter Schritt n\u00e4mlich wird <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> genannt &#8211; und zwar in einem Atemzug mit Elektrokrampftherapie?! Da stehen einem schon ein wenig die Haare zu Berge, und die Herren und Frauen Mediziner, die hinter derartigen &#8220;Leitlinien&#8221; stehen, m\u00fcssen sich nicht nur fragen lassen, inwieweit ihre Empfehlungen dem aktuellen Forschungsstand entsprechen sondern zum anderen auch, in welchen Interessen sie mit derartigen Empfehlungen eigentlich agieren. Kein besonders gutes Licht wirft in diesem Zusammenhang auch auf die Leitlinien, dass diese mit keinem einzigen Wort beispielsweise die Fragen der <acronym title=\"kooperatives Verhalten von Patienten im Rahmen \u00e4rztlicher Therapie bzw. konsequentes Befolgen der \u00e4rztlichen Ratschl\u00e4ge\">Compliance<\/acronym>, also der Nebenwirkungen von Antidepressiva und damit verbundenen Akzeptanzproblemen bei PatientInnen erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Bereits in einer Meta-Studie aus dem Jahre 1999 (!), welche die Effizienz rein medikamenten-basierter Therapiema\u00dfnahmen mit dem Einsatz von <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> (in diesem Fall der Verhaltenstherapie, da mit dieser Methode spezifische Untersuchungsgegenst\u00e4nde am leichtesten abgrenzbar sind) vergleicht, kam zum folgenden Ergebnis:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8220;Cognitive behavior therapy has fared as well as antidepressant medication with severely depressed outpatients in four major comparisons. Until findings emerge from current or future comparative trials, antidepressant medication should not be considered, on the basis of empirical evidence, to be superior to cognitive behavior therapy for the acute treatment of severely depressed outpatients.&#8221;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Aus meiner pers\u00f6nlichen Erfahrung kann ich dar\u00fcber hinaus sagen, dass mir bisher noch kein sogenannter &#8220;therapieresistenter&#8221; Patient begegnet ist. Nur Gl\u00fcck? Oder k\u00f6nnte es daran liegen, dass Psychotherapie in aller Regel eben sehr effektiv in der Depressionsbehandlung sein kann? Sofern sich Menschen auf eine Psychotherapie einlassen und diese eine gewisse Zeit lang durchziehen, konnten in jedem Fall zumindest immer merkbare Verbesserungen des Zustandsbildes erreicht und Strategien f\u00fcr einen besseren Umgang mit besonders schwierigen Depressionsphasen erarbeitet werden. Die Erfolge lagen vielleicht zum Teil auch daran, dass ich um mein Fachgebiet keine mentalen Schutzmauern errichte: im Fall von schweren oder sogenannten &#8220;chronischen&#8221; <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span> n\u00e4mlich halte ich vor\u00fcbergehende Medikation bis zu einer Verbesserung des Zustandsbildes zur Stabilisierung und Etablierung einer guten Basis f\u00fcr die therapeutische Arbeit f\u00fcr durchaus sinnvoll. Oberstes Ziel ist, den hilfesuchenden Menschen zu helfen, und da sollte kein professioneller Behandlungsansatz von Beginn an ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Zum Weiterlesen:<\/p>\n<p><a class=\"document\" href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\">Depression &#8211; Mythen und Fakten<\/a><br \/>\n<a class=\"document\" href=\"\/surveys\/\">Selbsttest auf Depression<\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quellen: 13. Tagung der \u00d6GPB \/ \u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie, 11\/2011; <a href=\"http:\/\/ajp.psychiatryonline.org\/article.aspx?articleID=173562\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Medications Versus Cognitive Behavior Therapy for Severely Depressed Outpatients: Mega-Analysis of Four Randomized Comparisons<\/a> in: Robert J. DeRubeis, Ph.D.; Lois A. Gelfand, M.A.; Tony Z. Tang, M.A.; Anne D. Simons, Ph.D., Am J Psychiatry 1999;156:1007-1013. Photo:istockphoto.com)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitunter ist es schwierig, einen sachlich-k\u00fchlen Kopf zu bewahren, liest man diverse medizinische Fachinformationen. So soll nun ein neues &#8220;Stufenschema&#8221; Mediziner unterst\u00fctzen, Patienten mit sogenannten &#8220;therapieresistenten&#8221; oder chronischen Depressionen effektiver als bisher zu behandeln. 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