{"id":1826,"date":"2012-01-05T14:46:10","date_gmt":"2012-01-05T07:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1826"},"modified":"2013-12-08T12:19:40","modified_gmt":"2013-12-08T11:19:40","slug":"viagra-gewoehnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/viagra-gewoehnung\/","title":{"rendered":"Viagra: doch nur vermeintliche &#8216;Wunderpille&#8217;"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/1.bp.blogspot.com\/-upiB4hnos3I\/Tr__Ke3A9oI\/AAAAAAAACQc\/z8e96b-OrSg\/s320\/viagra.jpg\" width=\"170\" height=\"140\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Photoquelle: thetastingnote.com<\/p><\/div>\n<p>Bei ihrer Einf\u00fchrung wurde Viagra als neue Hoffnung f\u00fcr all jene beworben (und prompt gefeiert), die unter <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/erektionsstorungen\/\" title=\"Problem, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten\" target=\"_blank\">Erektionsst\u00f6rungen<\/a><\/span> litten. Tats\u00e4chlich wurden Belege daf\u00fcr gefunden, was manche Sexualtherapeuten (unter anderem auch ich) bereits von Beginn an vermuteten: \u00e4hnlich den Effekten bei sog. <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/testosteron-spiegel-erhoehen\/\" target=\"_blank\">&#8220;Testosteron-Kuren&#8221; (k\u00fcnstlicher Testosteron-Verabreichung)<\/a> <em>l\u00e4\u00dft die Wirkung der Potenzpille bei l\u00e4nger dauernder Einnahme zum Teil massiv nach.<\/em><\/p>\n<p>Wissenschaftler dreier Universit\u00e4ten in den USA und in Saudiarabien untersuchten, ob die Wirkung von <strong>Viagra, Cialis<\/strong> und<strong> Levitra<\/strong> auch anh\u00e4lt, wenn das Medikament l\u00e4ngerfristig eingenommen wird und ver\u00f6ffentlichten die Ergebnisse der Studie im Journal of Urology. Per Telephoninterview wurden 151 Patienten befragt, die im Jahre 1997 Viagra verschrieben bekommen hatten. Die Ursachen f\u00fcr die Erektionsst\u00f6rungen der Patienten waren operative Prostataentfernungen, <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/diabetes\/\" title=\"Diabetes\" target=\"_blank\">Diabetes<\/a><\/span>, oder neurologische St\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Anfangs verbesserte sich bei drei Viertel der Teilnehmer die Erektionf\u00e4higkeit soweit, dass sie wieder normalen Geschlechtsverkehr haben konnten. Bei 15% dieser Patienten waren dazu 100mg Sildenafil (die maximale f\u00fcr m\u00e4nnliche Erwachsene angeratene Dosis), notwendig, 83% der Patienten kamen mit 50mg aus und 2% ben\u00f6tigten nur 25mg.<br \/>\nNach drei Jahren wurden die Patienten nochmals befragt, und es stellte sich heraus: die neuen Sexfreuden hatten nicht lange angehalten. Etwa die H\u00e4lfte der Patienten hatte die Potenzpille wegen Wirkungslosigkeit bereits ganz abgesetzt. Und 37% jener M\u00e4nner, die noch auf Viagra bauten, waren mittlerweile auf die Maximaldosis umgestiegen.<!--adsense--><\/p>\n<p>Die Ern\u00fcchterung \u00fcber die angeblichen Wunderkr\u00e4fte der blauen Pille ist in der Fachwelt gro\u00df. &#8220;Nach meinen Beobachtungen wirkt Viagra nur bei der H\u00e4lfte aller Patienten mit k\u00f6rperlich bedingten Erektionsst\u00f6rungen&#8221;, erkl\u00e4rt P. Derahshani, Leiter der Urologischen Abteilung der K\u00f6lner Klinik am Ring. Ein gesundheitlich problematischer Aspekt bestehe darin, dass beim Auftreten von Gew\u00f6hnungseffekten die Dosis nur bei jenen Patienten gesteigert werden kann, die vorher 25 oder 50mg eingenommen haben, denn eine Dosis \u00fcber 100mg erh\u00f6ht das Risiko von Nebenwirkungen wie Kreislaufsschw\u00e4che, \u00dcbelkeit oder Kopfschmerzen betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p><strong>Kein Ersatz f\u00fcr <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> bzw. <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/sexualtherapie\/sexualtherapie_wien.phtml\" title=\"Sexualtherapie\" target=\"_blank\">Sexualtherapie<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Man sollte nicht vergessen, dass bei Erektionsproblemen Viagra nur bei solchen M\u00e4nnern indiziert ist, deren Potenzschw\u00e4che k\u00f6rperliche Ursachen hat&#8221;, sagte der Wiener Urologe Werner Reiter von der Impotenz-Ambulanz am Wiener Allgemeinen Krankenhaus in einem Interview mit der &#8220;S\u00fcddeutschen&#8221; (SZ). Vor allem bei \u00e4lteren M\u00e4nnern, die viel rauchen und an Bluthochdruck oder Herzerkrankungen leiden, verliere Viagra nach l\u00e4ngerer Einnahme an Wirkung. Bei M\u00e4nnern mit stabilem Gesundheitszustand beobachtet der Spezialist hingegen selten einen Gew\u00f6hnungseffekt.<br \/>\n&#8220;Wenn die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Impotenz im psychischen Bereich liegen, deckt Viagra im besten Fall anfangs die Impotenz-Symptome zu&#8221;, warnt Reiter. Langfristig k\u00f6nne diesen Patienten nur mit einer <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> bzw. <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/sexualtherapie\/sexualtherapie_wien.phtml\" title=\"Sexualtherapie\" target=\"_blank\">Sexualtherapie<\/a><\/span> geholfen werden.<\/p>\n<p><strong>Gesundheitsrisiken mitunter fatal untersch\u00e4tzt<\/strong><\/p>\n<p>Fatalerweise wird von vielen M\u00e4nnern das Risiko von Selbstmedikation ignoriert. Doch stattliche 40 Prozent der M\u00e4nner, die wegen Erektionsproblemen zum Arzt gehen, leiden an einer Arteriosklerose der Herzkranzgef\u00e4\u00dfe (welche jedoch nicht immer die Ursache der Erektilen Dysfunktion darstellen muss). Impotenz &#8220;kann jedoch das Anzeichen einer Erkrankung oder einer beginnenden Erkrankung sein. Symptome aber einfach blind wegbringen zu wollen hat sich weder in der Medizin, noch in der <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> als gewinnbringend erwiesen&#8221;, so Sexualtherapeut Karl F. Stifter. Es gehe darum, den Menschen ganzheitlich im Auge zu behalten, und dazu geh\u00f6rt auch, bei Erektionsproblemen zun\u00e4chst einmal k\u00f6rperliche Ursachen und Symptome abzukl\u00e4ren.<!--adsense--><\/p>\n<p>Der in den Pillen enhaltene Wirkstoff (Sildenafil bei Viagra, Vardenafil bei Levitra und Tadalafil bei Cialis) f\u00f6rdert die Entspannung der glatten Muskulatur im Schwellk\u00f6rper und unterst\u00fctzt so die Erektionf\u00e4higkeit. Die Besonderheit ist, dass die Wirkung erst mit einer sexuellen Erregung einsetzt &#8211; <em>Erektionsprobleme werden also insbesondere dann nicht von ihr gel\u00f6st, wenn psychische Ursachen die Erektion behindern<\/em>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.chemie-im-alltag.de\/articles\/0092\/Sildenafil.gif\" width=\"149\" height=\"145\" \/>In geringem Ma\u00dfe beeinflussen die Wirkstoffe auch chemische Reaktionen innerhalb unseres K\u00f6rpers, die unsere visuellen Empfindungen steuern. Daher geh\u00f6rt zu ihren Nebenwirkungen auch eine spezielle Form der Sehst\u00f6rung, bei der man alles leicht blau get\u00f6nt sieht. Piloten d\u00fcrfen daher mindestens 12 Stunden vor einem Flug kein Viagra einnehmen. Auf die mittlerweile nachgewiesene <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/viagra-hoerschaden\/\" target=\"_blank\">Sch\u00e4digung des H\u00f6rverm\u00f6gens durch eine Langzeiteinnahme der Potenzmittel<\/a> habe ich bereits in einem fr\u00fcheren Blog-Artikel hingewiesen.<\/p>\n<p>Noch weitaus problematischer als dieses &#8220;blaue Wunder&#8221; ist aber wie erw\u00e4hnt die Gefahr, bei bestehender Herzschw\u00e4che einen Infarkt zu erleiden. Denn als Medikamente, die in die Blutzirkulation des K\u00f6rpers eingreifen, haben Viagra &amp; Co. besondere Risiken f\u00fcr Herz und Kreislauf. Insbesondere Patienten, die Nitroglycerin oder Blutdruck senkende Mittel einnehmen m\u00fcssen, welche ebenfalls die glatte Muskulatur entspannen, d\u00fcrfen die Tabletten nicht einnehmen, da sich die Wirkung der Mittel gegenseitig verst\u00e4rkt. Zusammen mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. f\u00fcr Angina pectoris) kann der Wirkstoff zu einem t\u00f6dlichen Blutdruckabfall und bei M\u00e4nnern mit Herzkrankheiten zu Kreislaufversagen f\u00fchren. Eine entsprechende Untersuchung durch einen Arzt ist daher unbedingt angezeigt, bevor man diese einnimmt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind keine anderen Medikamente aufgrund fahrl\u00e4ssiger Anwendung f\u00fcr so viele Todesf\u00e4lle verantwortlich wie die neuen &#8220;Erektionshelfer&#8221;. Europaweit wurden allein w\u00e4hrend der ersten 3 Jahre nach dessen Einf\u00fchrung weltweit 616 Todesf\u00e4lle nach der Einnahme von Viagra gemeldet. Die leichte Verf\u00fcgbarkeit der Tabletten \u00fcber das Internet oder den Schwarzmarkt stellt ein gro\u00dfes Problem dar, da sie zum einen zur Selbstmedikation regelrecht einl\u00e4dt, und es sich zum anderen bei manchen so bezogenen Tabletten um gesundheitsgef\u00e4hrdende Imitate handelt. Der Markt der Imitate, die gr\u00f6\u00dftenteils aus Indien und China stammen, ist n\u00e4mlich kaum zu kontrollieren, mit den damit verbundenen Risken f\u00fcr die Endanwender, die die so bezogenen Tabletten h\u00e4ufig nicht nur in viel zu jungen Jahren, sondern auch auf eigene Faust als &#8220;Lifestyle&#8221;-Droge einsetzen.<\/p>\n<p>Zu bef\u00fcrchten ist also einmal mehr, dass bereits derzeit die Zahl der &#8220;Viagra-Veteranen&#8221; mit multisystemischen Erektionsst\u00f6rungen (= psychogene <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/erektile-dysfunktion\/\" title=\"Problem, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten\" target=\"_blank\">Erektile Dysfunktion<\/a><\/span> plus bereits organisch bedingter Wirkungslosigkeit erektionshelfender Mittel) massiv zunimmt. Diese M\u00e4nner d\u00fcrften sich speziell dann, wenn die Erektionsf\u00e4higkeit aus ganz nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnden (altersbedingt oder als Nebeneffekt k\u00f6rperlicher Erkrankungen) abnimmt, in einer ungl\u00fccklichen Sackgasse wiederfinden.<br \/>\nNachgewiesenerma\u00dfen sind bei der \u00fcberwiegenden Mehrheit der M\u00e4nner unter dem 50. Lebensjahr Erektionsprobleme psychisch bedingt &#8211; selbst diesen aber ist aus sexualtherapeutischer Sicht unbedingt angeraten, diese zun\u00e4chst \u00e4rztlich abkl\u00e4ren zu lassen. Werden dabei keine klaren Indizien f\u00fcr k\u00f6rperliche Ursachen gefunden, sollte man im Interesse seiner Gesundheit (und vielleicht auch, um sich die &#8220;Trumpfkarte&#8221; der Pillen f\u00fcr schwierigere Zeiten aufzuheben) sexualtherapeutische Beratung suchen, statt reflexartig zu den einfach verf\u00fcgbaren problematischen &#8220;blauen Pillen&#8221; zu greifen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quellen: Reuters.com; Rizk El-Galley et.al., &#8220;<a href=\"http:\/\/www.jurology.com\/article\/S0022-5347%2805%2965866-1\/abstract\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Long-Term Efficiacy of Sildenafil and Tachyphylaxis Effect<\/a>&#8221; in: The Journal of Urology &#8211; September 2001 (Vol. 166, Issue 3, Pages 927-931); Image source: creakyeasel.com)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei ihrer Einf\u00fchrung wurde Viagra als neue Hoffnung f\u00fcr all jene beworben (und prompt gefeiert), die unter Erektionsst\u00f6rungen litten. 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