{"id":1911,"date":"2012-03-14T12:49:42","date_gmt":"2012-03-14T05:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1911"},"modified":"2012-03-14T13:07:23","modified_gmt":"2012-03-14T06:07:23","slug":"liebe-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/liebe-alter\/","title":{"rendered":"Liebe in jedem Alter"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/fc04.deviantart.net\/fs19\/i\/2007\/287\/9\/1\/old_love_by_PrincessMemi.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"150\" \/><p class=\"wp-caption-text\">(&quot;Old Love&quot; by PrincessMemi @ Deviantart)<\/p><\/div>\n<p>Der Fr\u00fchling naht: alles beginnt wieder zu bl\u00fchen, und auch viele von uns merken, wie die &#8220;Lebenss\u00e4fte&#8221; wieder verst\u00e4rkt zu flie\u00dfen beginnen. Der Fr\u00fchling gilt traditionell als Zeit des Verliebens, der Romantik. Doch wie geht es den \u00e4lteren Menschen, wie erleben sie diese Zeit? Hat sich bei ihnen das Thema &#8220;Liebe&#8221; erledigt oder handelt es sich vielleicht mehr um ein gesellschaftliches Tabu, sich ein ernsthaftes &#8220;Verlieben&#8221; oder gar sexuelle Beziehungen bei \u00e4lteren Menschen gar nicht mehr zu erwarten oder abzuwerten?<\/p>\n<p>Der Wiener <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapeut\" target=\"_blank\">Psychotherapeut<\/a><\/span> und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/paartherapie\/paartherapie_wien.phtml\" title=\"Paartherapeut\" target=\"_blank\">Paartherapeut<\/a><\/span> Richard L. Fellner f\u00fchrte zu diesem Thema ein Gespr\u00e4ch mit einem Redakteur der Zeitschrift &#8220;<em>Ges\u00fcnder Leben<\/em>&#8220;.<\/p>\n<p>GL: <em>&#8220;Sind Schmetterlinge im Bauch unabh\u00e4ngig vom Alter?&#8221;<\/em><\/p>\n<p>rlf: &#8220;<span style=\"color: navy;\">Zum Verlieben ist man nie zu alt! Und w\u00e4re es nicht auch traurig, wenn ab einem bestimmten Alter niemand mehr die Chance h\u00e4tte, bei uns auch nur das geringste Kribbelgef\u00fchl in der Brust zu erzeugen..?<\/span>&#8221;<\/p>\n<p>GL: <em>&#8220;Was ist das Geheimnis wahrer Liebe?&#8221;<\/em><\/p>\n<p>rlf: &#8220;<span style=\"color: navy;\">Diese Frage lie\u00dfe ich lieber &#8220;Julia&#8221; oder &#8220;Romeo&#8221; beantworten! \ud83d\ude09<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: navy;\">Aus paartherapeutischer Sicht gibt es daf\u00fcr kein Universalrezept. Vielmehr wissen wir heute, dass das Gef\u00fchl von &#8220;Liebe&#8221; sowohl historisch als auch kulturell immer schon sehr grossen Wandlungen unterworfen war und bis heute ist. Unser &#8220;ideales Liebes-Modell&#8221; von heute wird also vermutlich nicht auch das von morgen sein, und in unterschiedlichen Kulturen werden von Partnern mitunter h\u00f6chst unterschiedlichste Qualit\u00e4ten erwartet. Was aber die meisten &#8220;Liebes-Ideen&#8221; vereint, ist a) die Bedeutung der Kompatibilit\u00e4t (Vereinbarkeit) der jeweiligen Bed\u00fcrfnisse und Erwartungen der Partner, dass b) diese Bed\u00fcrfnisse und Erwartungen von beiden kommuniziert werden k\u00f6nnen und &#8211; das ist ebenfalls ganz wesentlich &#8211; c) dass diese in ihrer Umwelt lebbar sind.<br \/>\nSelbst in unserer vordergr\u00fcndig toleranten Gesellschaft gibt es ja ganz bestimmte Kriterien, an denen die &#8220;Qualit\u00e4t&#8221; von Beziehungen gemessen wird, und mitunter kann es dazu kommen, dass Partnerschaften letztendlich vor allem daran zerbrechen, weil sie von Freunden und Bekannten nicht respektiert werden. Und schon wieder k\u00f6nnten &#8220;Romeo &amp; Julia&#8221; mitdiskutieren \u2026&#8221;<!--adsense--><\/span><\/p>\n<p>GL: <em>&#8220;In wieweit erlebt man eine Beziehung als 20j\u00e4hriger anders als als 50\/60j\u00e4hriger?&#8221;<\/em><\/p>\n<p>rlf: &#8220;<span style=\"color: navy;\">J\u00fcngere Menschen werfen sich meist mit ihrer gesamten Pers\u00f6nlichkeit in ihre Partnerschaften. Eine Beziehungskrise wird dann rasch auch zu einer regelrechten Lebenskrise. \u00c4ltere Menschen dagegen verf\u00fcgen bereits \u00fcber mehr Beziehungserfahrung, sind zudem meist in der Lage, auftretende Probleme in einem gr\u00f6\u00dferen und damit auch gelasseneren Kontext zu sehen.<br \/>\nEs kann ihnen dadurch allerdings auch schwerer fallen, zu vertrauen, oder den &#8220;Schmetterlingen im Bauch&#8221; Flugfreiheit zu geben.<\/span>&#8221;<\/p>\n<p>GL: <em>&#8220;Stimmt es, dass Verliebt-Sein und Liebe nicht dasselbe ist?&#8221;<\/em><\/p>\n<p>rlf: &#8220;<span style=\"color: navy;\">Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dabei schlicht um unterschiedliche hormonelle Stadien. Am Beginn einer Beziehung gibt es hormonelle <em>&#8220;peaks&#8221;<\/em>, intensivste Gl\u00fccksgef\u00fchle, der Partner wird dann h\u00e4ufig idealisiert gesehen. Von &#8220;Liebe&#8221; w\u00fcrde ich dagegen insbesondere dann sprechen, wenn bei einer Beziehung eine gewisse &#8220;Selbstlosigkeit&#8221; der Partner zu beobachten ist, und &#8220;Partnerschaft&#8221; nicht nur der Arbeitstitel ist, sondern echten Teamgeist und Kooperation ausdr\u00fcckt.<br \/>\nWenn man sich also auch mal selbst hintanstellt und bereit ist, Kompromisse einzugehen oder sogar eigene Bed\u00fcrfnisse eine gewisse Zeit lang im Interesse des Partners unterzuordnen, das ist Liebe: ein langfristiges Fundament, bei dem einer f\u00fcr den anderen sorgt und f\u00fcr ihn da ist. Wo versucht wird, mit Krisen umzugehen und diese aufzul\u00f6sen, statt gleich das Weite zu suchen, &#8220;<em>weil mir das nicht mehr gut tut<\/em>&#8220;.<\/span> <\/p>\n<p><span style=\"color: navy;\">Das letztere Modell entspricht eher einer konsumorientierten Sicht von Beziehung, in der man sich bedient und genie\u00dft &#8211; aber weiterzieht, wenn der Genuss auszubleiben droht oder sich gar in ein Unwohlgef\u00fchl verkehrt. Damit, also eigentlich mit dem heute bei uns im Westen dominierenden Beziehungsmodell verglichen, sind etwa die traditionellen (bei uns aber h\u00e4ufig abgewerteten) afrikanischen oder asiatischen Beziehungsmodelle, in denen es mehr um Versorgung und Stabilit\u00e4t geht, aber die Partnerschaften deutlich weniger mit emotionalen Bed\u00fcrfnissen aller Art aufgeladen sind, deutlich tragf\u00e4higer und krisenresistenter. Meine T\u00e4tigkeit in Asien und mit <a href=\"\/artikel\/paartherapie\/bikulturelle_partnerschaft.phtml\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">bikulturellen Paaren<\/a> war in dieser Hinsicht sehr lehrreich und denk-erweiternd f\u00fcr mich.<\/span>&#8221;<\/p>\n<p>GL: <em>&#8220;Was sind die h\u00e4ufigsten Fehler, die junge, aber auch \u00e4ltere Paare machen?&#8221;<\/em><\/p>\n<p>rlf: &#8220;<span style=\"color: navy;\"><strong>1) Kommunizieren Sie!<\/strong> Wenn Probleme und Unannehmlichkeiten im Beziehungsleben st\u00e4ndig nur verdr\u00e4ngt werden, ist ein &#8220;dickes Ende&#8221; meist unausweichlich. Es ist\u00a0 wichtig, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin weiss, woran er\/sie mit Ihnen ist, was Sie brauchen, um sich wohlzuf\u00fchlen, und was Sie st\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: navy;\"><strong>2) Lassen Sie es auch mal gut sein!<\/strong> Wer glaubt, alles ausdiskutieren zu m\u00fcssen, oder irgendwann den Partner endlich so zurechtformen zu k\u00f6nnen, dass er f\u00fcr einen keine Ecken und Kanten mehr hat, f\u00fcr den wird die Beziehung nicht nur zu einer Art &#8220;Zweitjob&#8221;, sondern fr\u00fcher oder sp\u00e4ter geht wohl auch die Freude an ihr &#8211; oder am Partner &#8211; verloren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: navy;\"><strong>3) Sch\u00fctzen Sie Ihre Partnerschaft vor anderen!<\/strong> Jeder darf die &#8220;ideale Beziehung&#8221; f\u00fcr sich selbst definieren, doch fordern Sie diesen Respekt durchaus auch f\u00fcr Ihre eigene Partnerschaft ein. Diese muss in erster Linie n\u00e4mlich nicht den Anspr\u00fcchen der anderen gen\u00fcgen, sondern vor allem Ihren eigenen und jenen Ihres Partners\/Ihrer Partnerin.<\/span>&#8221;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Das Interview erschien in der Ausgabe 04\/2012 der Zeitschrift)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fr\u00fchling naht: alles beginnt wieder zu bl\u00fchen, und auch viele von uns merken, wie die &#8220;Lebenss\u00e4fte&#8221; wieder verst\u00e4rkt zu flie\u00dfen beginnen. Der Fr\u00fchling gilt traditionell als Zeit des Verliebens, der Romantik. Doch wie geht es den \u00e4lteren Menschen, wie erleben sie diese Zeit? Hat sich bei ihnen das Thema &#8220;Liebe&#8221; erledigt oder handelt es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes","footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[611,90,380,575,87,56,682,91],"class_list":["post-1911","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-praxis-blog","category-zeitgeschehen","tag-alter","tag-beziehung","tag-hormone","tag-kultur","tag-liebe","tag-paartherapie","tag-romantik","tag-sexualitat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1911"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1914,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions\/1914"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}