{"id":1921,"date":"2012-08-15T19:58:55","date_gmt":"2012-08-15T12:58:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1921"},"modified":"2012-08-15T20:06:37","modified_gmt":"2012-08-15T13:06:37","slug":"feminismus-im-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/feminismus-im-wandel\/","title":{"rendered":"Haben Frauen genug von der Emanzipation?"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/1.bp.blogspot.com\/_1i1ZSRs5BrA\/St30I1JGNSI\/AAAAAAAADIQ\/z31EmcPCSYk\/s400\/cooking.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"200\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Bald wieder im Trend?<br \/>(Bildquelle: ohfercute.blogspot.co.at)<\/p><\/div>\n<p>Vor wenigen Tagen erreichte mich die Interview-Anfrage einer Tageszeitung, die einen bereits in mehreren westlichen L\u00e4ndern durch Meinungsforschungsinstitute ausgemachten m\u00f6glichen Gegentrend zu klassischen feministischen Rollenidealen thematisiert. In der Folge ein Auszug aus diesem Interview.<\/p>\n<p><strong><em>&#8220;Eine brandneue Studie des Marktforschungsinstituts \u201eSpectra\u201c liesse sich so interpretieren, dass M\u00e4nner und Frauen wieder vermehrt die alten Rollenbilder (Frau zu Hause bei den Kindern, Mann arbeitet) leben und sich daf\u00fcr aussprechen (beispielsweise meinen 56 Prozent, \u201edass der Beruf der Hausfrau genauso erf\u00fcllend wie jede andere berufliche T\u00e4tigkeit auch\u201c ist und 54 Prozent, dass sie es \u201eim Grunde richtig finden, dass sich die Frauen um den Haushalt und die Kinder k\u00fcmmern, und die M\u00e4nner das Geld verdienen&#8221;).<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Bemerken Sie als <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/paartherapie\/paartherapie_wien.phtml\" title=\"Paartherapeut\" target=\"_blank\">Paartherapeut<\/a><\/span> &#8211; zumindest ansatzweise &#8211; einen \u00e4hnlichen Trend in diese Richtung?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Ich kann diesen Trend aus dem &#8220;Mikrokosmos&#8221; meiner Praxis nicht best\u00e4tigen, was aber nicht unbedingt heisst, dass er nicht existiert: denn Ver\u00e4nderungen im Wertesystem manifestieren sich mitunter erst Jahre sp\u00e4ter in konkreten Beziehungskrisen.&#8221;<\/p>\n<p><strong><em>Wenden sich vielleicht auch Paare an Sie, die Probleme damit haben,\u00a0 dass die Frau zu Hause bei den Kindern bleiben m\u00f6chte, der Mann aber\u00a0 w\u00fcnscht, dass sie etwas zum Haushaltsbudget beisteuert?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><!--adsense-->&#8220;Also, dass M\u00e4nner von Frauen fordern, Geld zu verdienen statt die Kinder zu betreuen, h\u00e4tte ich w\u00e4hrend all meiner Berufsjahre noch nicht erlebt. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind Konflikte um dieses Thema h\u00e4ufig in ernsthaften finanziellen N\u00f6ten der Familien begr\u00fcndet. Die Versorgung der Kinder ist n\u00e4mlich gerade in Zeiten erh\u00f6hten wirtschaftlichen Drucks keineswegs immer nur eine Frage von &#8220;Lifestyle&#8221; oder Rollenidealen, sondern ganz h\u00e4ufig geht es schlicht um die Frage: welche Art der Kinderbetreuung erlaubt uns finanziell gr\u00f6\u00dfere Spielr\u00e4ume? Das gilt ganz besonders auch f\u00fcr die Betreuung durch die V\u00e4ter.&#8221;<\/p>\n<p><strong><em>K\u00f6nnte es auch sein, dass wieder mehr M\u00e4nner Probleme mit der Emanzipation der Frauen haben?<\/em><\/strong><br \/>\n<strong> <em>Gibt es hier altersspezifische Unterschiede:\u00a0 \u00c4ltere M\u00e4nner wollen Emanzipation weniger wahrhaben &#8211; oder gibt es das auch bei J\u00fcngeren?<\/em><\/strong><br \/>\n<strong> <em>Hadern Partnerinnen tendenziell damit, zu wenig unabh\u00e4ngig zu sein, oder ist es auch umgekehrt: sehnen sie sich nach mehr *Geborgenheit* und *Familienleben*?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Ich zweifle zunehmend, dass Verallgemeinerungen wie diese heute noch ad\u00e4quat sind &#8211; wenn sie das \u00fcberhaupt jemals waren.<\/p>\n<p>Abseits von idealistischen gesellschaftlichen Grundsatzdiskussionen stellt sich auf individueller und ganz pers\u00f6nlicher Ebene ja immer die Frage: wie f\u00fchle\u00a0<strong><em>ich<\/em><\/strong> mich am wohlsten?<\/p>\n<p>Da haben w\u00e4hrend der letzten 40 Jahre Frauen wie auch M\u00e4nner, was die Rollenaufteilung in Partnerschaften und Familien betrifft, viele neue Modelle &#8211; teils mit gro\u00dfem Mut &#8211; ausprobiert. Doch ein erheblicher Anteil jener Frauen, die sich voll und ganz der eigenen Karriere verschreiben, leidet irgendwann an \u00dcberlastung oder Sinnkrisen, speziell dann, wenn den Karrierepl\u00e4nen Partnerschaften oder Kinderw\u00fcnsche zum Opfer fielen. Was wir momentan zu erleben scheinen, ist insofern vielleicht eine nat\u00fcrliche &#8220;Gegen-Pendelbewegung&#8221; zu all den teils schwierig zu erf\u00fcllenden impliziten Forderungen des Feminismus an die Frauen selbst. Diese suchen nun innerhalb der errungenen Freir\u00e4ume nach besserer pers\u00f6nlicher Balance. Vielleicht ist es also gar nicht R\u00fcckschritt, sondern vielmehr Normalisierung?<\/p>\n<p>Dass Frauen heute die <em>M\u00f6glichkeit<\/em> haben, so gut wie jeden Beruf zu ergreifen und darin auch Karriere zu machen, impliziert keineswegs, dass dies f\u00fcr alle auch ein <em>Lebensziel<\/em> darstellt. Freiheit bedeut auch, Optionen zu haben &#8211; und zwar in alle Richtungen. Es w\u00e4re tragisch, wenn nun Feministinnen die (heute im Unterschied zu fr\u00fcher in der Regel frei gew\u00e4hlten) Lebensentw\u00fcrfe anderer Frauen als minderwertig diskriminieren und sie von Neuem in ideologische Korsette zw\u00e4ngen w\u00fcrden.&#8221;<\/p>\n<p><em>Wie ist der Trend generell: Steigt die Bereitschaft der Paare, Hilfe von einem Therapeuten zu suchen?<\/em><\/p>\n<p>&#8220;Ich habe tats\u00e4chlich das Gef\u00fchl, dass dies so ist, und das freut mich als l\u00f6sungsorientierter Therapeut nat\u00fcrlich sehr. Fr\u00fcher musste ich zu Paaren h\u00e4ufig sagen: &#8220;schade, dass Sie nicht bereits fr\u00fcher kamen!&#8221;, heute oft &#8220;sch\u00f6n, dass Sie zu einem so fr\u00fchen Zeitpunkt Beratung einholen!&#8221; Viele Paare anerkennen heute, dass selbst dann, wenn sie selbst nicht mehr weiter wissen, eine neutrale, einschl\u00e4gig geschulte Fachperson i.d.R. mehr M\u00f6glichkeiten hat, destruktive Kommunikationsmuster zu erkennen und dabei zu unterst\u00fctzen, diese effektiv zu \u00fcberwinden.&#8221;<\/p>\n<p>(Wiener Blatt, 08\/2012)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor wenigen Tagen erreichte mich die Interview-Anfrage einer Tageszeitung, die einen bereits in mehreren westlichen L\u00e4ndern durch Meinungsforschungsinstitute ausgemachten m\u00f6glichen Gegentrend zu klassischen feministischen Rollenidealen thematisiert. 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