{"id":1941,"date":"2012-09-18T23:03:47","date_gmt":"2012-09-18T16:03:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1941"},"modified":"2012-09-19T04:49:44","modified_gmt":"2012-09-18T21:49:44","slug":"konservativ-oder-liberal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/konservativ-oder-liberal\/","title":{"rendered":"Sind Sie konservativ oder liberal?"},"content":{"rendered":"<p><div style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blog.winemag.com\/editors\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/KnowitAll2.jpg\" width=\"220\" height=\"160\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Image Source: blog.winemag.com<\/p><\/div>Politische Einstellungen basieren auf freien Entscheidungen und jeder sollte die Freiheit haben, zu seinen \u00dcberzeugungen zu stehen &#8211; das stellt einen Grundpfeiler der westlichen Demokratien dar. Doch j\u00fcngste Untersuchungen zeigen, dass diese Freiheit tats\u00e4chlich vielleicht nicht so gro\u00df ist, wie wir das bisher annahmen, da viele dieser Einstellungen im Hirn &#8220;fest verdrahtet&#8221; und z.T. auch genetisch pr\u00e4determiniert sein d\u00fcrften &#8211; und dass die politische Einstellung dar\u00fcber hinaus auch R\u00fcckschl\u00fcsse auf spezifische, strukturelle Pers\u00f6nlichkeitsanteile zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Gehirne von Menschen mit konservativen Ansichten h\u00e4ufig eine gr\u00f6\u00dfere Amygdala (ein mandelf\u00f6rmiger Bereich im Zentrum des Gehirns) haben &#8211; ein Hirnbereich, der h\u00e4ufig mit &#8220;primitiven&#8221; Reflexemotionen wie Angst und Emotionen assoziiert ist. Dar\u00fcber hinaus haben sie h\u00e4ufig auch eine kleineres sog. anteriores Cingulum, eine Region im vorderen Hirnbereich, die wichtig f\u00fcr die Entwicklung von Mut und Optimismus ist und bei St\u00f6rungen mit <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span> und neurotischen Verhaltensmustern in Verbindung gebracht wird.<\/p>\n<p>Gelingt es, diese Ergebnisse wissenschaftlich abzusichern, k\u00f6nnten sie eine medizinische Erkl\u00e4rung daf\u00fcr bieten, warum konservative W\u00e4hler eher empf\u00e4nglich f\u00fcr terroristische Bedrohungen sind als zum Beispiel Liberale. Und es w\u00fcrde dabei helfen, zu erkl\u00e4ren, warum die Konservative eher auf der Grundlage von Worst-Case-Szenarien planen m\u00f6chten, w\u00e4hrend die Liberalen eher zu rosigen Aussichten neigen.<\/p>\n<p>Geraint Rees, Leiter des UCL Institute of Cognitive Neuroscience in London, wurde urspr\u00fcnglich halb im Scherz eingeladen, f\u00fcr eine Episode der &#8220;BBC 4 Today&#8221; Show die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen K\u00f6pfen zu studieren. Nach dem Studium von 90 UCL-Studenten und zwei britischen Parlamentariern konnte der Neurologe, einigerma\u00dfen schockiert, eine klare <acronym title=\"Wechselbeziehung, Zusammenhang\">Korrelation<\/acronym> zwischen der Gr\u00f6\u00dfe der erw\u00e4hnten Hirnregionen und politischen Ansichten entdecken. Er warnt jedoch, dass es auf der Basis des bisherigen Standes der Untersuchungen, bei denen nur die Gehirne von Erwachsenen untersucht wurden, noch keine M\u00f6glichkeit g\u00e4be, zu sagen, was zuerst da war &#8211; die hirnorganischen Unterschiede oder die politischen Meinungen. Doch es scheint nicht weit gegriffen, dass die politischen Grundeinstellungen einer Person bald schon durch Gehirn-Scans &#8211; oder auch <acronym title=\"Deoxyribonucleic acid (holding genetic information)\">DNA<\/acronym>-Tests ermittelt werden k\u00f6nnten.<!--adsense--> <\/p>\n<p>Denn Untersuchungen an den Universit\u00e4ten University of California, Harvard and UC-San Diego zeigten, dass eine Variante des Neurotransmitters DRD4 Menschen scheinbar zu liberalen Einstellungen <acronym title=\"Pr\u00e4disposition: Anf\u00e4lligkeit\">pr\u00e4disponiert<\/acronym>, jedoch nur, wenn sie auch ein aktives soziales Leben als Jugendliche hatten. Tr\u00e4ger des &#8220;liberalen Gens&#8221; haben auch eher den Wunsch, neue Dinge auszuprobieren sowie weitere, gemeinhin mit liberalen Einstellungen verbundene Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale. <\/p>\n<p><em>Sind Rassisten dumm?<\/em><\/p>\n<p>Damit aber noch nicht genug. Weitere Untersuchungsergebnisse lassen vermuten, dass ein niedriger <acronym title=\"Intelligenzquotient\">IQ<\/acronym> (Intelligenzquotient) eine der Ursachen f\u00fcr rassistische Vorurteile und sozial-konservative politische Einstellungen sein k\u00f6nnte. Die zugrundeliegende im Jahre 2012 ver\u00f6ffentlichte Studie, (durchgef\u00fchrt von der Brock University in Ontario und geleitet von Gordon Hodson) besagt, dass Kinder mit vergleichsweise geringerer Intelligenz im Erwachsenenalter eher konservative \u00dcberzeugungen und Vorurteile entwickeln als Kinder mit vergleichsweise h\u00f6herer Intelligenz. Erkl\u00e4rt wird dies damit, dass diese Menschen mehr Angst vor Ver\u00e4nderungen haben. Sie streben also nach dem Gef\u00fchl von Sicherheit &#8211; konservative Ideologien aber beinhalten mehr Struktur, bef\u00fcrworten gesellschaftliche &#8220;Ordnung&#8221; und f\u00f6rdern hierarchische Systeme. All dies und ihr Widerstand gegen\u00fcber gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen macht es f\u00fcr Konservative ebenfalls leichter, mit einer komplizierten und komplexen Welt umzugehen. Gleichzeitig f\u00f6rdern solche Grundeinstellungen aber auch Vorurteile.<\/p>\n<p>Hudson warnt jedoch, in den aktuellen Stand der Untersuchungen allzu viel hineinzuinterpretieren: zum einen ist das Konzept der <acronym title=\"Intelligenzquotient\">IQ<\/acronym>-Tests unter Psychologen nicht gerade unumstritten, zum anderen ist die Entwicklung von Vorurteilen zu komplex, um einfach nur mit Unterschieden der Intelligenz erkl\u00e4rt zu werden.<br \/>\nLediglich der Zusammenhang, dass auf Menschen, die st\u00e4rker zu Angst vor Ver\u00e4nderungen neigen, reaktion\u00e4re Positionen positiv und anziehend wirken, sei als abgesichert zu betrachten.<!--adsense--> <\/p>\n<p>Allerdings kommen auch andere Forscher zu vergleichbaren Ergebnissen. So betrug gem\u00e4\u00df einer im Jahre 2010 von Satoshi Kanazawa auf Basis der <acronym title=\"Intelligenzquotient\">IQ<\/acronym>-Ergebnisse aus der &#8220;Add Health&#8221;-Umfrage analysierten Ergebnisse der Durchschnitts-<acronym title=\"Intelligenzquotient\">IQ<\/acronym> von Erwachsenen, die sich als &#8220;sehr liberal&#8221; beschrieben, 106 Punkte, w\u00e4hrend solche, die sich als &#8220;sehr konservativ&#8221; bezeichneten, durchschnittlich nur 95 <acronym title=\"Intelligenzquotient\">IQ<\/acronym>-Punkte erreichten.<br \/>\nEine weitere Studie von L. Stankov aus dem Jahre 2009 wiederum stellte fest, dass unter Studenten an US-Universit\u00e4ten konservative Grundeinstellungen negativ mit SAT (&#8220;Scholastic Aptitude Test&#8221;, ein standardisierter Test f\u00fcr die Aufnahme an US-Colleges)-Scores, dem Wortschatz und Analogietest-Ergebnissen korrelierten. Eine noch gr\u00f6\u00dfere <acronym title=\"Wechselbeziehung, Zusammenhang\">Korrelation<\/acronym> wurde hierbei allerdings hinsichtlich wirtschaftlicher Unterschiede gefunden. <\/p>\n<p>Provokant formuliert: k\u00f6nnte der britische Philosoph John Stuart Mill mit seinem Ausspruch &#8220;<em>Conservatives are not necessarily stupid, but most stupid people are conservatives<\/em>&#8221; gar nicht so unrecht gehabt haben?<\/p>\n<p><span style=\"font-size:85%;\">(Quellen: [<a href=\"http:\/\/www.smh.com.au\/world\/science\/brain-thickness-determines-political-leaning-study-20101229-199hk.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">1<\/a>]; [<a href=\"http:\/\/www.medizin-medien.at\/dynasite.cfm?dsmid=99767&#038;dspaid=830145\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">2<\/a>]; [<a href=\"http:\/\/www.eurekalert.org\/pub_releases\/2010-10\/uoc--rfa102710.php\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">3<\/a>]; [<a href=\"http:\/\/www.livescience.com\/18132-intelligence-social-conservatism-racism.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">4<\/a>]; 5: Larry Stankov (2009-05) in: &#8220;<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1016%2Fj.intell.2008.12.007\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Conservatism and cognitive ability<\/a>&#8220;. Intelligence 37 (3): 294\u2013304. doi:10.1016\/j.intell.2008.12.007; 6: Satoshi Kanazawa (2010):  &#8220;<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1177%2F0190272510361602\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Why Liberals and Atheists Are More Intelligent<\/a>&#8220;. Social Psychology Quarterly. doi:10.1177\/0190272510361602.)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politische Einstellungen basieren auf freien Entscheidungen und jeder sollte die Freiheit haben, zu seinen \u00dcberzeugungen zu stehen &#8211; das stellt einen Grundpfeiler der westlichen Demokratien dar. 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