{"id":197,"date":"2008-11-13T00:04:52","date_gmt":"2008-11-12T23:04:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=197"},"modified":"2013-12-10T13:19:22","modified_gmt":"2013-12-10T12:19:22","slug":"psychotherapie-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/psychotherapie-zeit\/","title":{"rendered":"Wer ein wenig warten kann.."},"content":{"rendered":"<p>In seiner mittlerweile ber\u00fchmt gewordenen &#8220;Marshmallow-Studie&#8221; pr\u00e4sentierte der Psychologe Walter Mischel 4-J\u00e4hrige mit einer Herausforderung: &#8220;I\u00df&#8217; ein Marshmallow gleich jetzt &#8211; oder warte eine Weile und bekomme zwei!&#8221;<\/p>\n<p>Einige begannen sofort zu essen, andere dagegen waren in der Lage, zu widerstehen. 14 Jahre sp\u00e4ter fand Mischel erstaunliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen: jene, die gewartet hatten, waren vertrauensw\u00fcrdig geworden, selbstsicher und hatten guten schulischen Erfolg; jene, die nicht gewartet hatten, waren dagegen vergleichsweise impulsiv, stur, und schnitten deutlich schlechter bei einem Psychologischen Test ab, der die Probleml\u00f6sungskompetenz mi\u00dft (SAT Reasoning Test).<\/p>\n<p>Der wichtigste Unterschied aber war nach Prof. Philip G. Zimbardo, PhD, ihre zeitliche Perspektive: Menschen, die ihre Belohnung aufschieben k\u00f6nnen, sind auch in ihrer Entscheidungsfindung zukunftsorientierter, w\u00e4hrend diejenigen, die eine sofortige Belohnung erwarten, an ihre gegenw\u00e4rtigen Bed\u00fcrfnisse gekettet sind. Jede Entscheidung ist demnach durch unsere internale Zeitperspektive bestimmt, eine Art unbewusste Reaktion, welche von Faktoren wie Familie, Wirtschaft, Geographie, Bildung und Kultur gepr\u00e4gt ist. Wichtig sei eine Balance zwischen der Orientierung auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, so Zimbardo &#8211; wenn man den dunklen Aspekten einer dieser Zeitebenen zu viel Aufmerksamkeit schenke, k\u00f6nne sich das desastr\u00f6s auf unsere Gesundheit, Beziehungen und Finanzen auswirken.<!--adsense--><\/p>\n<p>Neigen Sie, das Leben in vollen Z\u00fcgen zu genie\u00dfen, haben aber nie genug Geld am Konto? Dann sind Sie gegenwartsorientiert, was sowohl das Potenzial f\u00fcr gro\u00dfe St\u00e4rken, aber auch Risken hat: Gegenwartsorientierung findet sich einer einschl\u00e4gigen Studie zufolge h\u00e4ufig bei Spielern und Menschen, die riskante Formen von Sexualverkehr aus\u00fcben, oft ist sie verbunden mit Drogenmi\u00dfbrauch oder alkoholisiertem Fahren. Unter ihnen finden sich jedoch auch die am meisten energiegeladenen, freundlichen, spontanen und kreativen Menschen (<span style=\"font-family: verdana,sans serif,helvetica,arial;\"><em>Personality and Individual Differences<\/em> Vol. 23, No. 6, p=1700)<\/span>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-content\/uploads\/wolken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-203\" title=\"wolken\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-content\/uploads\/wolken.jpg\" width=\"214\" height=\"136\" \/><\/a>Auch bei vergangenheitsorientierten Personen gibt es diese Polarit\u00e4t: &#8220;Vergangenheits-Negative&#8221; glauben, die beste Zeit liege hinter ihnen, oder sie machen die Vergangenheit f\u00fcr ihre aktuellen Probleme verantwortlich. &#8220;Vergangenheits-Positive&#8221; dagegen haben ein vergleichsweise hohes Selbstwertgef\u00fchl, sch\u00e4tzen Weisheit und zeigen Dankbarkeit. Aber beide Typen haben Probleme, wenn sie mit ihrem Denken zu sehr in der Vergangenheit verhaftet sind: es sind die sog. Fortschrittsverweigerer &#8211; sie z\u00e4hlen in einer Welt der st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderung bald zu den Verlierern.<\/p>\n<p>Hinsichtlich des materiellen und sozialen Erfolgs im Leben bew\u00e4hrt sich offenbar ein leichter Hang zur Zukunftsorientierung, erl\u00e4utert Zimbardo anhand Mischel&#8217;s Studie. Zukunftsorientierte Denker sind \u00f6fters erfolgreich, sparen Verm\u00f6gen an und achten mehr auf ihre k\u00f6rperliche und seelische Gesundheit. Eine zu starke Zukunftsorientiertheit allerdings kann zu sozialer Isolierung f\u00fchren oder zur Vernachl\u00e4ssigung von Beziehungen, Sex und Schlaf zugunsten der Arbeit oder abstrakten Lebenszielen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-204\" alt=\"\" src=\"https:\/\/p5.focus.de\/img\/fotos\/origs560357\/6285121568-w300-h200-o-q75-p5\/fit-depression.jpg\" width=\"220\" height=\"146\" \/>Das Wissen \u00fcber die zeitbezogene Denkorientierung kann helfen, Patienten in Bezug auf ihre Therapieerfolge besser einzusch\u00e4tzen, vielleicht auch zu unterst\u00fctzen. Sowohl in der medizinischen Therapie, der Rehabilitation als auch in Psychotherapien sind Erfolge &#8220;vom Fleck weg&#8221; eher selten, zumeist mu\u00df eine Phase ohne deutliche Ver\u00e4nderung oder sogar Unwohlgef\u00fchle (in der medizinischen Therapie nicht selten auch Schmerzen) ausgehalten werden, um gute Heilungserfolge zu erzielen. Patienten, die Therapien fr\u00fchzeitig abbrechen, sind meist vergangenheits- oder gegenwartsorientiert. Jene, die durchhalten, realisieren, da\u00df es ihnen langfristig besser gehen wird, auch wenn es im Moment unangenehm ist oder gar weh tut.<\/p>\n<p>Insofern ist es wichtig, Patienten zu helfen, diese Dynamik zu verstehen, sie dabei zu unterst\u00fctzen, ihre Perspektiven je nach Notwendigkeit flexibel anzupassen und damit ihr Potenzial besser zu n\u00fctzen. &#8220;Wenn es Arbeit zu erledigen gibt, seien Sie zukunftsorientiert. Nach der Arbeit aber legen Sie eine Pause ein, g\u00f6nnen Sie sich eine Massage, belohnen und verw\u00f6hnen Sie die hedonistische Seite in Ihnen&#8221;, sagt Zimbardo. Auf die Balance kommt es an.&#8221;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 85%;\">(Photo credit: creatas; Quelle: Focus.de)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner mittlerweile ber\u00fchmt gewordenen &#8220;Marshmallow-Studie&#8221; pr\u00e4sentierte der Psychologe Walter Mischel 4-J\u00e4hrige mit einer Herausforderung: &#8220;I\u00df&#8217; ein Marshmallow gleich jetzt &#8211; oder warte eine Weile und bekomme zwei!&#8221; Einige begannen sofort zu essen, andere dagegen waren in der Lage, zu widerstehen. 14 Jahre sp\u00e4ter fand Mischel erstaunliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen: jene, die gewartet hatten, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"","footnotes":""},"categories":[16],"tags":[103,100,97,102,104,105,36,106,101,107,96,99,98],"class_list":["post-197","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pressespiegel","tag-arbeit","tag-balance","tag-gegenwart","tag-hedonismus","tag-leistung","tag-leistungsorientierung","tag-psychotherapie","tag-schlaf","tag-schmerz","tag-therapieerfolg","tag-vergangenheit","tag-zeit","tag-zukunft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=197"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2038,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/197\/revisions\/2038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}