{"id":1971,"date":"2012-11-08T01:06:54","date_gmt":"2012-11-08T00:06:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1971"},"modified":"2013-11-21T09:58:39","modified_gmt":"2013-11-21T08:58:39","slug":"testosteron-ehrlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/testosteron-ehrlichkeit\/","title":{"rendered":"Testosteron macht (auch) ehrlicher"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static4.businessinsider.com\/image\/4df2464dccd1d59678110000-400-300\/levels-are-testosterone-are-indicatications-of-many-different-things.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Photo source: businessinsider.com<\/p><\/div>\n<p>Testosteron gilt als das M\u00e4nnlichkeitshormon schlechthin &#8211; es steht f\u00fcr Aggression und Imponiergehabe, sorgt f\u00fcr die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, f\u00f6rdert die Libido und steigert den Muskelaufbau. Ihm wird nachgesagt, dass es aggressiv macht sowie riskantes Verhalten und Imponiergehabe steigert. Doch nicht nur verf\u00fcgen auch Frauen \u00fcber dieses Geschlechtshormon (wenn auch in viel geringerem Ma\u00df), sondern nun deutet eine aktuelle Studie auch noch darauf hin, dass das Geschlechtshormon auch das Sozialverhalten f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Wissenschaftler von der Universit\u00e4t Bonn konnten zusammen mit Kollegen der Maastricht University n\u00e4mlich zeigen, dass das Geschlechtshormon auch soziales Verhalten f\u00f6rdert. In Spielsituationen erwies sich, dass Probanden nach Gabe von Testosteron deutlich seltener logen als Personen die nur ein <acronym title=\"Scheinmedikament\">Placebo<\/acronym> erhielten. &#8220;Der Nachteil vieler Studien ist jedoch, dass sie lediglich den Testosteronspiegel der Probanden mit deren Verhalten vergleichen&#8221;, schildert Erstautor M. Wibral. Dieser Ansatz gebe aber lediglich statistische Zusammenh\u00e4nge wieder und erlaube keine Einblicke in die Ursachen des Verhaltens. &#8220;Denn das Testosteron beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern das Verhalten umgekehrt auch den Hormonspiegel.&#8221; Die Wissenschaftler des CENS suchten deshalb nach einem experimentellen Ansatz, der auch R\u00fcckschl\u00fcsse auf Ursache und Wirkung erlaubt.<\/p>\n<p>Die Forscher gewannen insgesamt 91 gesunde M\u00e4nner f\u00fcr ein Verhaltensexperiment. Von diesen Probanden wurden 46 mit Testosteron behandelt, indem das Hormon als Gel auf die Haut aufgetragen wurde. Endokrinologen des Bonner Universit\u00e4tsklinikums \u00fcberpr\u00fcften am Tag danach, ob bei ihnen der Testosteronspiegel im Blut tats\u00e4chlich h\u00f6her war als in der Placebogruppe. Die anderen 45 Testpersonen bekamen lediglich ein <acronym title=\"Scheinmedikament\">Placebo<\/acronym>-Gel. &#8220;Weder die Probanden selbst, noch die durchf\u00fchrenden Wissenschaftler wussten, wer Testosteron bekommen hat und wer nicht&#8221;, berichtet Wibral. Damit sollten m\u00f6gliche Einfl\u00fcsse auf das Verhalten ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Dann folgten die Verhaltensexperimente: Die Testpersonen f\u00fchrten ein einfaches W\u00fcrfelspiel in separaten Kabinen durch. Je h\u00f6her die gew\u00fcrfelte Augenzahl, desto gr\u00f6\u00dfer war der Geldbetrag, den es als Belohnung gab. &#8220;Diese Versuche waren so konzipiert, dass die Probanden l\u00fcgen konnten&#8221;, berichtet Weber. &#8220;Niemand bekam in den abgeschirmten Kabinen mit, ob sie tats\u00e4chlich die gew\u00fcrfelte Zahl in den Computer eingaben &#8211; oder eine h\u00f6here, um mehr Geld zu bekommen.&#8221; Allerdings konnten die Wissenschaftler im Nachhinein feststellen, ob die verschiedenen Testpersonengruppen geschummelt hatten oder nicht. &#8220;Statistisch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit f\u00fcr alle W\u00fcrfelzahlen von eins bis sechs gleich hoch&#8221;, erl\u00e4utert der Neurowissenschaftler. &#8220;Wenn also bei diesen Zahlen ein Ausrei\u00dfer nach oben vorkommt, ist dies ein klares Indiz, dass Probanden gelogen haben.&#8221;<!--adsense--> <\/p>\n<p>Die Forscher verglichen die Ergebnisse der Testosterongruppe mit der Kontrollgruppe. &#8220;Dabei zeigte sich, dass die Probanden mit den h\u00f6heren Testosteronwerten deutlich seltener logen als die unbehandelten Testpersonen&#8221;, berichten die Direktoren des CENS. &#8220;Dieses Ergebnis widerspricht klar dem sehr verk\u00fcrzten und eindimensionalen Ansatz, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten f\u00fchrt.&#8221; Das Hormon steigere wahrscheinlich den Stolz und das Bed\u00fcrfnis, ein positives Selbstbild zu entwickeln. &#8220;Vor diesem Hintergrund reichten offenbar ein paar Euro als Anreiz nicht aus, das Selbstwertgef\u00fchl aufs Spiel zu setzen&#8221;, vermutet Falk.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen zu l\u00fcgen ist mit gro\u00dfen Tabus behaftet. So verbietet etwa das achte Gebot im Christentum, &#8220;falsch Zeugnis&#8221; zu reden. &#8220;L\u00fcgen spielen jedoch auf gesch\u00e4ftlicher als auch privater Ebene eine wichtige Rolle&#8221;, sagt Falk. H\u00e4ufig werde nicht nur aus Eigennutz gelogen, sondern auch, um einen anderen Menschen zu sch\u00fctzen oder zu beg\u00fcnstigen. In vielen Studien sei dieses Verhalten und seine \u00f6konomischen Auswirkungen untersucht worden. &#8220;Es gibt allerdings nur sehr wenige Untersuchungen zu den biologischen Ursachen der L\u00fcge&#8221;, sagt der \u00d6konom der Universit\u00e4t Bonn. &#8220;Hier sind wir nun mit unserer Studie einen gro\u00dfen Schritt vorangekommen.&#8221;<\/p>\n<p><span style=\"font-size:85%;\">(Quellen und Textausz\u00fcge: C. Eisenegger, M. Naef, R. Snozzi, M. Heinrichs, E. Fehr: Prejudice and truth about the effect of testosterone on human bargaining behaviour. In: Nature. 463, 2010, S. 356-359; <a href=\"href=\"https:\/\/derstandard.at\/1348285701246\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Der Standard<\/a> v. 11.10.2012; &#8220;Testosterone administration reduces lying in men&#8221; in: &#8220;PLoS ONE&#8221;, DOI: <a href=\"http:\/\/www.plosone.org\/article\/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0046774\" target=\"_blank target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">10.1371\/journal.pone.0046774<\/a>)<\/span> <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Testosteron gilt als das M\u00e4nnlichkeitshormon schlechthin &#8211; es steht f\u00fcr Aggression und Imponiergehabe, sorgt f\u00fcr die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, f\u00f6rdert die Libido und steigert den Muskelaufbau. Ihm wird nachgesagt, dass es aggressiv macht sowie riskantes Verhalten und Imponiergehabe steigert. 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