{"id":1981,"date":"2012-12-06T00:40:05","date_gmt":"2012-12-05T23:40:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1981"},"modified":"2012-12-06T01:06:21","modified_gmt":"2012-12-06T00:06:21","slug":"bergwandern-depression","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/bergwandern-depression\/","title":{"rendered":"Bergwandern gegen Depression"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/img\/blog\/rlf-1994-sm.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"180\" \/><p class=\"wp-caption-text\">r.l.f., 1994 \ud83d\ude09<\/p><\/div>\n<p>Das Universit\u00e4tsklinikum Salzburg ver\u00f6ffentlichte k\u00fcrzlich eine Studie, welche bei <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depression\" target=\"_blank\">Depression<\/a><\/span> und Suizidalit\u00e4t eine unterst\u00fctzende Wirkung der <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> und Pharmakotherapie durch Bewegungstherapie nachweist.<\/p>\n<p>Die Idee entstand bei gemeinsamen Film-Deharbeiten zum Thema \u201eAlpen und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/suizid\/\" title=\"Selbstt\u00f6tung\" target=\"_blank\">Suizid<\/a><\/span>\u201c von Dozent Reinhold Fartacek und Reinhold Messner auf dem Rauriser Sonnblick. Die ver\u00f6ffentlichte wissenschaftliche Studie \u201e<em>Physical exercise through mountain hiking in high-risk suicide patients. A randomized crossover trial<\/em>\u201c (siehe u.a. Quellverweise) best\u00e4tigt eindrucksvoll die unterst\u00fctzende Wirkung einer Bewegungstherapie zu <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> und Pharmakotherapie. Mit dieser Studie k\u00f6nnen auch erstmals Schwankungen der psychischen Befindlichkeit nicht nur beobachtet sondern auch verstanden werden.<\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dferst aufgrund der Vielzahl der abgefragten Parameter (z.B. t\u00e4gliche Selbsteinsch\u00e4tzung der TeilnehmerInnen, psychologische Daten, Prozesseinsch\u00e4tzung, Vorher-\/Nachher-Einsch\u00e4tzung, sportphysiologsiche Messungen) \u00e4u\u00dferst komplexe Wanderstudie <em>&#8220;\u00dcbern Berg&#8221;<\/em> ist weltweit einmalig. Es wurde wie heute generell in der Suizidpr\u00e4vention darauf gesetzt, auf individuelle St\u00e4rken anstatt auf Krankheit zu achten. Die Patienten sollten durch die k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t beim Bergwandern und das Erlebnis \u2013 &#8220;\u00fcber den Berg zu gehen&#8221; \u2013 f\u00fcr den Alltag seelisch und k\u00f6rperlich zu st\u00e4rken. Diese Erfolge, aber auch das Erlebnis der Natur sowie die zwischenmenschlichen Begegnungen w\u00e4hrend des Bergwanderns sollten ihnen Mut und Hoffnung f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung des Alltags geben. Mit Redewendungen wie \u201eEs geht bergauf\u201c oder \u201eBerge versetzen\u201c werden im Alltag positive Entwicklungen beschrieben. Doch obwohl in \u00d6sterreich mehr als 74% der \u00fcber 15-J\u00e4hrigen zumindest gelegentlich wandern, k\u00f6nnen sich gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in Lebenskrisen nur schwer \u00fcberwinden, k\u00f6rperlich aktiv zu sein.<!--adsense--> <\/p>\n<p><strong>Synergetisches Navigationsystem (SNS)<\/strong><\/p>\n<p>Die interdisziplin\u00e4re Studie (PsychiaterInnen, PsychologInnen, Sportmediziner, PflegemitarbeiterInnen) fand in der Salzburger Bergwelt statt. Die Selbsteinsch\u00e4tzung wurde mittels der Nutzung eines vom Leiter des PMU-Instituts f\u00fcr Synergetik und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span>-forschung, Univ.-Prof. Dr. G\u00fcnter Schiepek entwickelten sog. \u201eSynergetischen Navigationssystems\u201c (SNS) messbar gemacht. Mit einem darin eigens angelegten Online-Fragebogen wurde 6 Monate hindurch t\u00e4glich die pers\u00f6nliche Befindlichkeit mit 38 Einzelitems in einer Selbsteinsch\u00e4tzung angegeben. Durch die hochfrequenten Messungen ergab sich eine Verlaufsdarstellung mit mehr oder weniger stark ausgepr\u00e4gten Schwankungen und Phasen\u00fcberg\u00e4ngen. Speziell in den Bereichen Freude und Selbstwertgef\u00fchl kam es in der Wanderphase bei vielen Teilnehmern zu einer Steigerung \u2013 wobei die \u00c4ngstlichkeit gleichzeitig abnahm.<\/p>\n<p>Die Studienteilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt. Die Wandergruppe wanderte 9 Wochen lang, w\u00e4hrend die Wartekontrollgruppe keine speziell geplanten Aktivit\u00e4ten durchf\u00fchrt. Nach 9 Wochen wurde gewechselt, und jeweils die empfundenen Ver\u00e4nderungen der Hoffnungslosigkeit und Depressivit\u00e4t wie auch die rein k\u00f6rperliche Ausdauerleistungsf\u00e4higkeit gemessen. Hinsichtlich der empfundenen Hoffnungslosigkeit, Depressivit\u00e4t, wie auch der k\u00f6rperlichen Ausdauerleistung ging es den TeilnehmerInnen signifikant besser als vor der Studie. Die Studienteilnehmer berichteten von einer neu angeeigneten Tagesstruktur, mehr Appetit, mehr Selbstvertrauen und weniger Stress. Dies berichteten selbst die meisten jener Patienten, die sich zun\u00e4chst alles andere als &#8220;sportbegeistert&#8221; bezeichnet hatten.<!--adsense--> <\/p>\n<p>Um \u00dcberforderungen zu vermeiden, wurde zun\u00e4chst der optimale Belastungspuls der PatientInnen ermittelt und bei jeder Wanderung mittels Herzfrequenzmesser \u00fcberwacht. Bald merkten die Wanderer, dass es bei dieser Sportart nicht darum geht, der Schnellste zu sein &#8211; so war es jedem m\u00f6glich, das eigene Tempo zu finden. Jede Wanderung startete mit einfachen Mobilisations\u00fcbungen und endete mit abschlie\u00dfenden Dehn\u00fcbungen. Im Laufe der Studie war an Stelle der fehlenden Motivation die Vorfreude auf die n\u00e4chste Wanderung so gro\u00df, dass die Teilnehmer oft schon eine gute Weile vor dem vereinbarten Zeitpunkt am Treffpunkt warteten.<\/p>\n<p>Die Teilnahme der Patienten am Wandern war nahezu l\u00fcckenlos und belegt, dass diese Form der Bewegung nicht nur akzeptiert sondern auch gerne ausge\u00fcbt wurde \u2013 und das selbst bei Wind und Wetter. Die verbesserte k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit ist insofern g\u00fcnstig, als k\u00f6rperliche Bewegung auch rein k\u00f6rperlich gesund ist, gerade von depressiven Personen aber h\u00e4ufig zu wenig ausge\u00fcbt wird. Wandern jedoch kann gerade in Mitteleuropa nahezu das ganze Jahr \u00fcber ausge\u00fcbt werden.<\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerungen<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen der Salzburger Wanderstudie konnte mittels t\u00e4glicher Selbsteinsch\u00e4tzung best\u00e4tigt werden, dass bereits nach einer Wanderung die Stimmung verbessert, von negativen Gedanken abgelenkt und Stresssymptome abgebaut werden k\u00f6nnen. Am Ende des Wanderprogramms konnten Selbstwert und Schlafqualit\u00e4t zus\u00e4tzlich zur Wirkung der bestehenden psychotherapeutischen und psychopharmakologischen Behandlung verbessert werden, auch Angst- und Borderlinesymptome wurden reduziert. Die k\u00f6rperliche Fitness stieg aufgrund der sorgsam abgestimmten Routenplanung z.T. signifikant.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 85%;\">(Quellen: MedAustria 2012, <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/j.1600-0447.2012.01860.x\/abstract\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Acta Psychiatr Scand 2012: 1\u20139 (doi: 10.1111\/j.1600-0447.2012.01860.x)<\/a><\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Universit\u00e4tsklinikum Salzburg ver\u00f6ffentlichte k\u00fcrzlich eine Studie, welche bei Depression und Suizidalit\u00e4t eine unterst\u00fctzende Wirkung der Psychotherapie und Pharmakotherapie durch Bewegungstherapie nachweist. Die Idee entstand bei gemeinsamen Film-Deharbeiten zum Thema \u201eAlpen und Suizid\u201c von Dozent Reinhold Fartacek und Reinhold Messner auf dem Rauriser Sonnblick. 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