{"id":1994,"date":"2013-03-18T14:56:48","date_gmt":"2013-03-18T13:56:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=1994"},"modified":"2013-03-18T22:12:00","modified_gmt":"2013-03-18T21:12:00","slug":"reizdarm-und-reizmagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/reizdarm-und-reizmagen\/","title":{"rendered":"Funktionelle gastrointestinale St\u00f6rungen (FGIS)"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 112px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.reizdarm.cc\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/img\/karin.steiner.pigisch.jpg\" width=\"102\" height=\"119\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Gastbeitrag von Mag. <strong>Karin Steiner<\/strong><\/p><\/div>\n<h2>z.B. Reizdarm, Reizmagen<\/h2>\n<p>Magen- und Darmbeschwerden stellen h\u00e4ufige k\u00f6rperliche Symptome dar, die oft mit einem erheblichen Leidensdruck einhergehen.<br \/>\n15-30% der Bev\u00f6lkerung sind davon betroffen. Frauen doppelt so h\u00e4ufig als M\u00e4nner.<br \/>\nEine Reizdarmsymptomatik f\u00fchrt oft zu schweren Beeintr\u00e4chtigungen der sozialen und beruflichen Funktionsf\u00e4higkeit, da die Angst vor einer k\u00f6rperlichen \u201eUnp\u00e4sslichkeit\u201c (wie bspw. Durchfall) die gesamte innere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.<\/p>\n<p><strong>Was ist ein Reizdarm?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Reizdarm macht sich bemerkbar mit wiederkehrenden Bauchschmerzen bzw. chronischem Unbehagen der Bauchregion \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg (seit mindestens 6 Monaten). Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Bl\u00e4hungen, Schleimbeimengungen im Stuhl und auch das Gef\u00fchl der inkompletten Stuhlentleerung auftreten.<\/p>\n<p>Das Reizdarmsyndrom kann vorwiegend eher mit Verstopfung, oder eher mit Durchfall, bzw. mit beiden Beschwerden einhergehen.<\/p>\n<p><strong>Was ist ein Reizmagen?<\/strong><\/p>\n<p>Beim Reizmagen treten dauerhafte oder wiederkehrende Schmerzen\/Brennen bzw. Beschwerden im Oberbauch auf. Begleitet k\u00f6nnen die Schmerzen durch ein V\u00f6llegef\u00fchl bzw. ein fr\u00fches S\u00e4ttigungsgef\u00fchl nach der Mahlzeit werden. Manchmal kann es auch zu einem vermehrt auftretenden \u00dcbelkeitsgef\u00fchl und Erbrechen kommen.<\/p>\n<p><strong>Ursachen<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.dccv.de\/uploads\/pics\/kompetenznetz_schema_crohn_01.gif\" width=\"180\" height=\"200\" \/><p class=\"wp-caption-text\">H\u00e4ufige Entz\u00fcndungsbereiche (Bild: kompetenznetz-ced.de)<\/p><\/div>\n<p>Das enterale Nervensystem ist ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen, das nahezu den gesamten Verdauungstrakt durchzieht. Es spielt bei der Kontrolle der Verdauungsvorg\u00e4nge eine wesentliche Rolle. Es funktioniert wie ein Gehirn im Darm und kommuniziert mit dem zentralen Nervensystem (Hirn-Darm-Achse). Diesbez\u00fcgliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass neben biologischen Prozessen auch die psychische Situation einen wesentlichen Einfluss auf Entstehung und Aufrechterhaltung der Magen-Darm-Beschwerden aus\u00fcbt.<br \/>\nPatientInnen mit funktionellen gastrointestinalen St\u00f6rungen sp\u00fcren ihre normale Verdauung als Schmerz. Sie reagieren mit einem gesteigerten Schmerzempfinden auf die Dehnungsreize im Darm.<br \/>\nDiese \u00dcberempfindlichkeit kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Neben Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeiten, spielen auch psychische Ursachen eine Rolle. Stress und belastende Lebensereignisse haben einen direkten Einfluss auf das Verdauungssystem. Mittels funktionellem Magnetresonanz-Imaging (=bildgebendes Verfahren) von Hirnfunktionen konnten Nachweise f\u00fcr die enge Verbindung zwischen Gehirn und dem Verdauungstrakt unter Stress erbracht werden.<br \/>\nAuch eine famili\u00e4re H\u00e4ufung der Beschwerden konnte nachgewiesen werden. Dies kann sowohl durch eine erbliche Vorbelastung erkl\u00e4rt werden, als auch als Verhalten (Kinder beobachten ihre Eltern, \u00fcbernehmen deren Klagen und Beschwerden) kopiert werden.<\/p>\n<p>Die Mehrzahl der Betroffenen leiden auch an psychischen Erkrankungen, wie <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span>, Angst- und somatoforme (= k\u00f6rperliche Symptome ohne ausreichende organische Ursachen) St\u00f6rungen.<\/p>\n<p><em>Wodurch k\u00f6nnen Symptome ausgel\u00f6st werden?<\/em><\/p>\n<p>Nahrungsmittel sind h\u00e4ufig Ausl\u00f6ser von Symptomen. Die Mehrzahl der PatientInnen<br \/>\n(50-70%) leiden auch an Nahrungsmittelunvertr\u00e4glichkeiten. Nahrungsmittelbestandteile, ob nat\u00fcrlich oder k\u00fcnstlich hergestellt, k\u00f6nnen bei vielen Menschen Bauchschmerzen, Bl\u00e4hungen und Durchf\u00e4lle ausl\u00f6sen.<br \/>\nMilch (-zucker), Kaffee (Coffein), fettreiche Nahrung, Alkohol, zuckerfreier Kaugummi (Sorbitol), gasproduzierende Mahlzeiten (M\u00fcsli, H\u00fclsenfr\u00fcchte, Zwiebel, etc.), aber auch eine hastige Nahrungsaufnahme und Essen unter psychisch belastenden Umst\u00e4nden (Zeitdruck oder bei gleichzeitiger Problembesprechungen usw.) k\u00f6nnen Magen-Darmbeschwerden hervorrufen.<\/p>\n<p><strong>Behandlungsm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Viele Betroffene haben bereits eine Odyssee an verschiedenen Behandlungen hinter sich, die h\u00e4ufig wenig Verbesserung der Symptomatik brachten. Dementsprechend k\u00f6nnen auch Folgesymptome wie bspw. depressive Verstimmungen oder Angstzust\u00e4nde (Angst vor einer Tumorerkrankung) auftreten.<!--adsense--><\/p>\n<p>Eine Krankheitsbehandlung, die all den Erkenntnissen \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge gerecht werden will, muss dementsprechend weit gefasst sein. Das hei\u00dft, dass k\u00f6rperliche und psychosoziale Faktoren gleicherma\u00dfen in der Behandlung ber\u00fccksichtigt werden.<br \/>\nSomit ist die Kombination von medikament\u00f6ser Behandlung der k\u00f6rperlichen Symptome einerseits, und <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span>, um die psychosozialen Leiden der betroffenen Personen zu mildern, andererseits, die wirkungsvollste Methode.<\/p>\n<p>Nach Univ. Prof. Dr. Gabriele Moser (AKH Wien) sollte die Therapie &#8211; abgestuft nach Schweregrad &#8211; folgenderma\u00dfen erfolgen:<\/p>\n<ul>\n<li>Medizinische Abkl\u00e4rung (Anamnese) und Ausschluss anderer Erkrankungen<\/li>\n<li>Aufkl\u00e4rung \u00fcber Symptome und m\u00f6gliche Ursachen sowie ausl\u00f6sende Wirkung verschiedener Faktoren (Nahrungsmittel, Hormonver\u00e4nderung beim Menstruationszyklus, Stress etc.)<\/li>\n<li>F\u00fchren eines Symptomtagebuchs \u00fcber 4 Wochen: Herausfiltern von ausl\u00f6senden oder verst\u00e4rkenden Reizen, Aufzeichnung der Symptomst\u00e4rke (mit Schweregraduierung von 1-10), hinzukommende Faktoren (Ern\u00e4hrung, k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t, belastende Situation, Stress, etc.), Emotionen (traurig, \u00e4ngstlich, w\u00fctend,&#8230;) und Gedanken (\u201ebin zuversichtlich\/hoffnungslos\u201c, \u201ehalte das nicht mehr aus\u201c etc.)<br \/>\nDies ist zumeist der erste Schritt, Kontrolle \u00fcber die k\u00f6rperlichen Beschwerden zu erlangen, da von den Betroffenen Zusammenh\u00e4nge erkannt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Symptomorientierte Medikation durch die Gabe von <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/antidepressiva\/\" title=\"Antidepressiva\" target=\"_blank\">Antidepressiva<\/a><\/span><br \/>\nGerade bei chronischen und kaum beeinflussbaren Schmerzen haben Antidepressiva gute Erfolge erzielt. Diese werden nicht prim\u00e4r wegen der antidepressiven Wirkung verabreicht, sondern um das Schmerzempfinden zu vermindern. \u00dcber Nebenwirkungen m\u00fcssen die Patienten aufgekl\u00e4rt werden, da die eigentliche Wirkung erst ab der 3. Behandlungswoche einsetzt.<\/li>\n<li><span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span>\/<span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/hypnose\/hypnotherapie_wien.phtml\" title=\"Hypnose\" target=\"_blank\">Hypnose<\/a><\/span><br \/>\n<span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> z\u00e4hlt zu den wirkungsvollsten Behandlungsmethoden, vor allem bei jenen, denen bisher nicht anders geholfen werden konnte.<br \/>\nDies konnte auch wissenschaftlich nachgewiesen werden. In den meisten Studien wurde <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> mit \u201eherk\u00f6mmlichen\u201c Methoden (=medikament\u00f6ser Behandlung) verglichen und zeigte sich meist deutlich wirksamer.<br \/>\nVor allem die Hypnosetherapie z\u00e4hlt mittlerweile beim Reizdarmsyndrom zu den Standardtherapien.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Verdauungstrakt-gerichtete (\u201egut-directed\u201c) <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/hypnose\/hypnotherapie_wien.phtml\" title=\"Hypnose\" target=\"_blank\">Hypnose<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>Der Einsatz einer spezifisch auf den Bauch gerichteten <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/hypnose\/hypnotherapie_wien.phtml\" title=\"Hypnose\" target=\"_blank\">Hypnose<\/a><\/span> zur Behandlung von Reizdarm- oder Reizmagenbeschwerden wurde erstmals von einer Arbeitsgruppe um Prof. Peter Whorwell in Manchester entwickelt. Mit dieser Methode wird den Patienten im Rahmen von 12 Hypnosesitzungen unter anderen suggeriert, dass ihr Magen-Darm-Trakt ruhig und rhythmisch funktioniert und die Betroffenen wieder die Kontrolle \u00fcber diese K\u00f6rperregion \u00fcbernehmen. Dadurch werden nicht nur die Schmerz\u00fcberempfindlichkeit des Magen-Darm-Traktes, sondern auch die Darmbewegungen positiv beeinflusst und beruhigt.<br \/>\nAuch im AKH Wien wurde diese Methode erfolgreich als Gruppenhypnose (bis zu 8 Personen) eingesetzt.<\/p>\n<p><em>Ablauf der Einzelhypnosen<\/em><\/p>\n<p>12 Sitzungen zu je einer Stunde einmal w\u00f6chentlich, \u00fcber einen Zeitraum von zirka 3 Monaten, gelten als erfolgreichste Dauer dieser Kurzzeittherapie, damit der gew\u00fcnschte Langzeiterfolg erzielt werden kann.<\/p>\n<p>In der ersten Stunde werden die individuelle Situation und die genauen Beschwerden erfragt, damit die <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/hypnose\/hypnotherapie_wien.phtml\" title=\"Hypnose\" target=\"_blank\">Hypnose<\/a><\/span> genau an die betroffene Person angepasst werden kann. Ab der zweiten Sitzung wird mit einem psychotherapeutischen Gespr\u00e4ch (zirka 20 Minuten) die aktuelle Situation erfasst und dann eine <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/hypnose\/hypnotherapie_wien.phtml\" title=\"Hypnose\" target=\"_blank\">Hypnose<\/a><\/span> durchgef\u00fchrt.<br \/>\nNeben dem Effekt einer tiefen Entspannung, werden durch das Erzeugen von inneren Bildern ein Gef\u00fchl von Ich-St\u00e4rkung herbeigef\u00fchrt, sowie die Vorstellung einer Normalisierung der Funktionen des Verdauungstraktes mit Verminderung der Schmerzen.<\/p>\n<p>Ab der zweiten Sitzung sollen zu Hause Entspannungs\u00fcbungen (zumindest 10-15 Minuten) durchgef\u00fchrt werden, die durch eine von mir aufgenommenen CD unterst\u00fctzt werden.<br \/>\nSo wird den Betroffenen durch das \u00dcben wieder mehr Selbstkontrolle \u00fcber ihre k\u00f6rperlichen Empfindungen verliehen. Das Gef\u00fchl des Ausgeliefertseins gegen\u00fcber den Symptomen vermindert sich schrittweise.<\/p>\n<p>Nach Bedarf k\u00f6nnen ein oder mehrere Sitzungen zum Auffrischen der einge\u00fcbten Entspannungstechniken ein halbes bis ein Jahr nach Beendigung der Hypnoseeinheiten durchgef\u00fchrt werden, um einen noch besseren Langzeiterfolg zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Verfasserin des Textes:<br \/>\nMag. Karin Steiner, <a title=\"Psychotherapeutin\" href=\"http:\/\/www.steiner-psychotherapie.at\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Psychotherapeutin<\/a> (<span><a class=\"smarterwiki-linkify\" href=\"http:\/\/www.reizdarm.cc\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">www.reizdarm.cc<\/a><\/span>)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>z.B. Reizdarm, Reizmagen Magen- und Darmbeschwerden stellen h\u00e4ufige k\u00f6rperliche Symptome dar, die oft mit einem erheblichen Leidensdruck einhergehen. 15-30% der Bev\u00f6lkerung sind davon betroffen. 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