{"id":28,"date":"2008-11-03T02:18:59","date_gmt":"2008-11-03T01:18:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=28"},"modified":"2009-10-05T20:10:57","modified_gmt":"2009-10-05T19:10:57","slug":"sahara-geiseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/sahara-geiseln\/","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr der Geiseln"},"content":{"rendered":"<p>Nun sind sie also wieder wohlbehalten zur\u00fcckgekehrt, die \u00f6sterreichischen Geiseln.<br \/>\nVor 8 Monaten im Grenzgebiet zwischen Tunesien und Algerien von der terroristischen Nachfolgeorganisation der sog. &#8220;Algerischen Salafisten-Gruppe f\u00fcr Predigt und Kampf&#8221; (GSPC) nach Mali verschleppt, hat der Alptraum f\u00fcr das Paar zuletzt ein gl\u00fcckliches Ende gefunden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/geiselnahme-2008-intelcenter-photo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-58\" title=\"geiselnahme-2008-intelcenter-photo\" src=\"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/geiselnahme-2008-intelcenter-photo.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"217\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun beginnt f\u00fcr sie -wie f\u00fcr viele Entf\u00fchrungsopfer- der zweite Teil der Traumatisierung: ihre mediale, \u00f6ffentliche, und politische &#8220;Abwicklung&#8221; durch Boulevardpresse, das \u00f6ffentliche Publikum und Proponenten der politischen Kaste. Die \u00f6ffentliche Emotion wird ja bereits wochenlang von einem H\u00f6hepunkt zum n\u00e4chsten gepeitscht: die Amstettner Kellerfamilie, der Tod J\u00f6rg Haiders und kurz danach Helmut Zilks, und nicht zuletzt auch die internationale Finanzkrise, die uns mit einer d\u00fcsteren Krisenmeldung nach der anderen konfrontiert. Und nun auch noch das letztlich \u00fcberraschend kommende Ende der Geiselnahme. Noch am Abend ihrer Ankunft mit dem eilends vom Au\u00dfenministerium gecharterten Flieger finden die Konsumenten des Landes die ersten Zeitungscover mit den gegerbten Gesichtern des noch deutlich gezeichneten Paares in den Zeitungsst\u00e4ndern, eine sichtlich stolze Ministerin verk\u00fcndet, &#8220;sie sind wohlbehalten zur\u00fcck in der Heimat&#8221;. Die \u00f6sterreichische Seele ist jedoch eine, die im Verborgenen kaum an sich halten kann, wenn es darum geht, die &#8220;Reichen und M\u00e4chtigen&#8221; zu kritisieren (ganz im Gegensatz zum direkten Kontakt \u00fcbrigens, in dem Sch\u00fcchternheit, unsichere Distanziertheit oder herzliche Freundlichkeit dominiert) &#8211; und diesen Krisengewinnlern werden hurtig auch die Geiseln selbst von vielen zugeordnet: man h\u00e4tte sie ihrem Schicksal \u00fcberlassen sollen, wenn sie schon unbedingt auf Abenteuerurlaub in die weit entfernte W\u00fcste wollten, schrieben viele anonym und sichtlich echauffiert in die Foren der Online-Versionen \u00f6sterreichischer Zeitungen im Gef\u00fchl, zu den gar nicht fa\u00dfbaren Zahlen von mehreren hundert Milliarden Euro f\u00fcr die Banken (wieviel w\u00e4ren das in Schilling?) k\u00e4men nun auch noch 5 Millionen f\u00fcr die Geiseln dazu, f\u00fcr die jeder einzelne Steuerzahler seinen Anteil von etwa einem Euro zu zahlen h\u00e4tte, und was ist mit den anderen, den Bankdirektoren &#8211; ist denn endlich sichergestellt, dass die &#8220;vom Staat&#8221; an die kurze Leine gelegt werden und nur mehr ein m\u00f6glichst geringes Gehalt bekommen?<!--adsense--> <\/p>\n<p>In wenigen Tagen wird es das erste Interview geben (f\u00fcr die Geiseln wird es vor allem eine Art &#8220;Erkl\u00e4rung&#8221; sein, und sie werden sich dabei auf den Rat ihrer BetreuerInnen wohl an ein Manuskript halten, aus Sorge, durch spontane Satzwendungen nicht noch mehr Angriffsfl\u00e4che zu bieten. Sie werden sich beim Strahl der Scheinwerfer in ihr Gesicht unweigerlich an die W\u00fcstensonne der Sahara erinnern, und unter dem Druck der sogenannten &#8220;\u00f6ffentlichen Meinung&#8221; sowie diverser Interview-Kommentare populistischer PolitikerInnen ein \u00e4hnliches Gef\u00fchl versp\u00fcren, wie sie es wohl w\u00e4hrend ihrer Gefangenschaft hatten: eines omnipr\u00e4senter Beobachtung, eingeschr\u00e4nkten Bewegungsspielraumes, Ohnmacht der Maschinerie gegen\u00fcber, durch die sie geschleust werden &#8211; bis schlie\u00dflich der n\u00e4chste \u00f6ffentliche &#8220;Skandal&#8221; das Licht der Scheinwerfer von ihnen wieder abzieht und sich auf das n\u00e4chste Ziel richtet: erst dann wird ihre Freiheit wirklich beginnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun sind sie also wieder wohlbehalten zur\u00fcckgekehrt, die \u00f6sterreichischen Geiseln. 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