{"id":501,"date":"2009-06-28T08:15:44","date_gmt":"2009-06-28T07:15:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=501"},"modified":"2011-09-30T16:11:14","modified_gmt":"2011-09-30T16:11:14","slug":"michael-jackson-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/michael-jackson-tod\/","title":{"rendered":"Michael Jackson &#8211; Tod einer Jahrhundertikone"},"content":{"rendered":"<p>Der k\u00fcrzliche Tod von Michael Jackson lie\u00df wohl die wenigsten Menschen unber\u00fchrt &#8211; selbst jene, die mit seiner Musik oder den von ihm entwickelten Tanzelementen nichts anfangen konnten. Wie nur wenige \u00f6ffentliche Ikonen polarisierte Jackson, und sein Lebensweg wurde in einem Ausma\u00df von den \u00f6ffentlichen Medien verfolgt und kommentiert wie kein anderer. In krassem Kontrast zu unserer <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423344016?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3423344016\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Aufmerksamkeitskultur<\/a> wollte dieser K\u00fcnstler <em>selbst<\/em> diese Aufmerksamkeit jedoch niemals: bei seinen \u00f6ffentlichen Auftritten &#8211; selbst den inszenierten, vorbereiteten &#8211; erlebte man einen Menschen, der sich im Rampenlicht und unter Kamerascheinwerfern alles andere als wohlf\u00fchlte und um Worte verlegen war. Als jemanden, dessen Beruf es ist, mich in andere einzuf\u00fchlen, schmerzte es mich beinahe, diese Gewaltakte, zu denen Medienauftritte f\u00fcr ihn geworden waren, mitansehen zu m\u00fcssen. Seine Aussage, die bevorstehende Welttournee w\u00fcrde voraussichtlich gleichzeitig auch sein Abschied vom Pop-Business sein, war daher so glaubhaft wie von den wenigsten seiner Berufskollegen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/www.solarnavigator.net\/music\/music_images\/Michael_Jackson_1971_got_to_be_there.jpg\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"162\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/www.searchviews.com\/wp-content\/themes\/clean-copy-full-3-column-1\/images\/michael-jackson.jpg\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"162\" \/> Die Medien werden nat\u00fcrlich auch nach seinem Tod nicht ruhen &#8211; in den n\u00e4chsten Wochen und Jahren wird man jedoch vermutlich Handfesteres als bisher \u00fcber die Hintergr\u00fcnde der dramatischen Metamorphose Michael Jacksons &#8211; von einem musikalischen Wunderkind in ein emotionales und auch k\u00f6rperliches Wrack, einen Schatten seiner selbst &#8211; erfahren als fr\u00fcher. Und vermutlich wird auch erst dann die volle Tragweite seiner Traumatisierungen durch einen gewaltt\u00e4tigen Vater und den enormen Druck, dem er von fr\u00fchester Kindheit an ausgesetzt war und der nie auch nur ansatzweise nachlie\u00df, in vollem Ausma\u00df erahnbar. Als <acronym title=\"Bew\u00e4ltigung, \u00dcberwindung\">Coping<\/acronym>-Versuch kann u.a. die Verwirklichung eines seiner gr\u00f6\u00dften Tr\u00e4ume, der sog. &#8220;Neverland-Ranch&#8221;, verstanden werden: ein in seiner Abgelegenheit Schutz bietender Kokon, ein Traumland inmitten der W\u00fcste, benannt nach der Phantasie-Insel in der <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3401044990?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3401044990\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Geschichte von Peter Pan<\/a>, auf der Kinder niemals <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/psychoanalyse\/psychoanalyse.phtml#inh_psychosex\" target=\"_blank\">erwachsen werden<\/a> (m\u00fcssen). Als Metapher f\u00fcr die Themen der Realit\u00e4tsverweigerung, Weltflucht und Unsterblichkeit, dr\u00e4ngen sich hier diverse Analogien zum Leben Jacksons geradezu auf.<!--adsense--><\/p>\n<p>Fr\u00fche Traumatisierungen und ein Gef\u00fchl sozialer Isolation f\u00fchren h\u00e4ufig auch zu einer Affinit\u00e4t zu Drogen &#8211; vor diesem Hintergrund ist die massive Abh\u00e4ngigkeit Jacksons von <acronym title=\"Schmerzmittel\">Analgetika<\/acronym>, Opiaten und Beruhigungsmitteln zu sehen, \u00fcber die erstmals bereits <a href=\"http:\/\/findarticles.com\/p\/articles\/mi_m1355\/is_n7_v85\/ai_14632836\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">vor 15 Jahren<\/a> Details an die \u00d6ffentlichkeit gelangten. Der Einstieg erfolgte wohl im Zuge der Folgetherapie der massiven medizinischen Eingriffe und Ver\u00e4nderungen, welche Jackson an sich vornehmen lie\u00df; die Suchtdynamik jedoch ist im Zusammenhang mit seinen psychischen Problemen wie etwa seiner Angst vor Infektionen, <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/sozialphobie\/sozialphobie.phtml\" target=\"_blank\">sozialen \u00c4ngsten<\/a>, vermutlich auch <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/icd-10\/gf40.phtml#f452\" target=\"_blank\">K\u00f6rperdysmorphophobie<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/essstoerung\/essstoerungen.phtml\" target=\"_blank\">Anorexie<\/a>, allesamt in psychotherapeutischen Praxen bekannte Problembilder, zu sehen &#8211; &#8220;nicht einmal&#8221; Jackson mit seinem enormen Stab an Betreuern und Beratern war offenbar vor der typischen Suchtdynamik wie Einengung, Abkapselung usw. gefeit. Vertraute berichteten, Jackson habe bez\u00fcglich seines Suchtverhaltens seit Jahren sukzessive eine Mauer um sich herum aufgebaut, hinter die nur wenige Zutritt erhielten: darunter tragischerweise exakt die Personen, welche die Abw\u00e4rtsspirale, in der er sich befand, ebenso wie er selbst verdr\u00e4ngten und negierten, ja teils sogar beschleunigten, indem sie ihn weiterhin mit den einschl\u00e4gigen Arzneimitteln versorgten. Seinem sonstigen Umfeld wiederum scheint, wohl aus Angst vor den Reaktionen der Medien, der Mut gefehlt zu haben, wirkungsvolle Hilfsma\u00dfnahmen einzuleiten. Gegen\u00fcber seiner Ex-Frau Lisa-Marie Presley hatte Jackson schon vor mehreren Jahren <a href=\"http:\/\/www.latimes.com\/news\/local\/la-et-jackson-lisamarie27-2009jun27,0,462322.story\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">angedeutet<\/a>, da\u00df ihm ein \u00e4hnliches Schicksal wie ihrem Vater bevorstehen k\u00f6nnte &#8211; was nun tats\u00e4chlich der Fall gewesen zu sein scheint. Die bevorstehende Konzertserie mu\u00df f\u00fcr Jackson unvorstellbaren Druck bedeutet und immense Versagens\u00e4ngste ausgel\u00f6st haben, von den Proben durchgesickerte Details lie\u00dfen die Frage aufkommen, ob er \u00fcberhaupt in der Lage gewesen w\u00e4re, die Konzerte k\u00f6rperlich und psychisch durchzustehen. Michael Jackson hat versucht, diese Ausnahmevariante von Leben, in die er bis unmittelbar vor seinem Ableben wohl von Dritten stets mehr hineingedr\u00e4ngt wurde als er es sich selbst gew\u00fcnscht und ausgesucht h\u00e4tte, zu <em>bew\u00e4ltigen<\/em>. Seine Eltern hatten ihn zu einer Ikone und Marionette geformt, welche sich alleine, ohne Ziehf\u00e4den, zunehmends ausgeliefert und dem aggressiv-invasiven Leben drau\u00dfen immer weniger gewachsen f\u00fchlte. Nicht zuf\u00e4llig geh\u00f6rten wohl Kinder in ihrer Unbefangenheit und Naivit\u00e4t zu jenen, denen gegen\u00fcber er am ehesten Vertrauen und ihm sicher erscheinende Beziehungen aufbauen konnte, und die er schlie\u00dflich als eigentliche Zielgruppe seiner Bem\u00fchungen &#8211; sowohl was seine k\u00fcnstlerischen, als auch seine sozialen und karitativen Ambitionen betraf &#8211; sehen wollte. Wie weit diese Vertrautheit mit Kindern in einzelnen F\u00e4llen ging, war die Schl\u00fcsselfrage aufsehenerregender Prozesse, die seinem bereits angeschlagenen Image in der \u00d6ffentlichkeit wohl nicht wieder zu reparierenden Schaden zuf\u00fcgten. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/images.derstandard.at\/t\/104\/2009\/06\/26\/1245830386517.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"133\" \/> Michael Jackson &#8211; glitzernder &#8220;King of Pop&#8221; und sanftes, verletzliches Kind zugleich &#8211; hat versucht, dieses Leben auszuhalten, und wohl an einen bestimmten Punkt festgestellt, da\u00df ihm Bet\u00e4ubung nicht nur die Schmerzen seines K\u00f6rpers, sondern wohl auch den Schmerz an der Welt und seinen Lebensumst\u00e4nden ein St\u00fcck weit erleichtern konnte. Und so beschleicht einen bei aller Betroffenheit die Vermutung, ob es sich der &#8220;Peter Pan&#8221; des Pop &#8211; in seinen Lebensumst\u00e4nden und immanenten Zw\u00e4ngen eingeschlossen wie ein Paradiesvogel in einem zu kleinen K\u00e4fig &#8211; nicht ausgesucht haben oder zumindest in Kauf genommen haben k\u00f6nnte, diesen Weg, dessen Verlauf er wohl nur selten jemals das Gef\u00fchl gehabt hatte, kontrollieren zu k\u00f6nnen, nicht mehr weitergehen zu wollen. Was Michael Jackson neben einem Berg an Schulden und offenen Fragen hinterl\u00e4\u00dft, ist jedoch vor allem auch eines: ein zeitloses kreatives Verm\u00e4chtnis und ein Reigen unverge\u00dflicher Erinnerungen vor den Plattenspielern und TV-Ger\u00e4ten (<em>&#8220;<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hOj5H5W9zYo\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Thriller<\/a>&#8220;!<\/em>) seiner abermillionen Fans.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der k\u00fcrzliche Tod von Michael Jackson lie\u00df wohl die wenigsten Menschen unber\u00fchrt &#8211; selbst jene, die mit seiner Musik oder den von ihm entwickelten Tanzelementen nichts anfangen konnten. Wie nur wenige \u00f6ffentliche Ikonen polarisierte Jackson, und sein Lebensweg wurde in einem Ausma\u00df von den \u00f6ffentlichen Medien verfolgt und kommentiert wie kein anderer. 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