{"id":914,"date":"2010-02-27T04:42:44","date_gmt":"2010-02-27T03:42:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=914"},"modified":"2013-12-16T16:22:08","modified_gmt":"2013-12-16T15:22:08","slug":"psychische-gewalt-strafbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/psychische-gewalt-strafbar\/","title":{"rendered":"Psychische Gewalt in Partnerschaften wird in F strafbar"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/static2.kleinezeitung.at\/system\/galleries_520x335\/upload\/6\/2\/3\/144787\/stress_Apa308.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"125\" \/>Psychische und physische Gewalt in Partnerschaften nimmt in den meisten westlichen Industriel\u00e4ndern zu, wobei in wissenschaftlichen Kreisen Unsicherheit dar\u00fcber besteht, ob diese Zuw\u00e4chse nicht auch damit ganz wesentlich zusammenh\u00e4ngen, da\u00df die diesbez\u00fcgliche Tabusierung in der Gesellschaft abnimmt, vorkommende Gewalt also nicht mehr totgeschwiegen wird.<br \/>\nDoch auch die reinen Fakten sind schockierend genug: so sind alleine im Jahre 2008 in Frankreich 147 Frauen durch h\u00e4usliche Gewalt ums Leben gekommen. Unter der Annahme, da\u00df k\u00f6rperlicher Gewalt psychische Gewalt vorausgeht, die M\u00f6glichkeit der Bestrafung dieser also vielleicht auch physische Gewalt verhindern k\u00f6nne, wurde im franz\u00f6sischen Parlament diese Woche nun &#8220;psychische Gewalt in Paarbeziehungen&#8221; als Straftat eingef\u00fchrt. Unter den Unterst\u00fctzern fanden sich nicht nur die Abgeordneten der Regierungspartei UMP, sondern auch die Sozialisten. F\u00fcr psychische Gewalt sind demnach zuk\u00fcnftig Strafen bis zu 3 Jahren Gef\u00e4ngnis und Geldstrafen bis zu \u20ac 75.000,- vorgesehen, sowie die erzwungene Trennung des Paares und die Intensivierung der \u00dcberwachung durch elektronische Fu\u00dffesseln f\u00fcr die T\u00e4terInnen.<!--adsense--><\/p>\n<p>Was die praktische Exekutierbarkeit des neuen Gesetzes angeht, d\u00fcrften sich in vielen Einzelf\u00e4llen jedoch Probleme auftun: etwa, wie psychische Gewalt vor Gericht zu beweisen sei, wie sie sich \u00fcberhaupt genau definiert und von Beleidigungen, Dem\u00fctigungen, verletzenden Verhaltensweisen etc. unterscheidet, die bei Streitigkeiten in der Ehe oder in Partnerschaften ja fast immer geschehen. Im Diskurs rund um das Gesetz wurde denn auch von KritikerInnen des Entwurfs angef\u00fchrt, da\u00df namhafte franz\u00f6sische Schriftsteller, Maler usw. heute angesichts dessen, was \u00fcber ihre Beziehungsvergangenheit bekannt w\u00e4re, wohl langj\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisinsassen w\u00e4ren. M\u00e4nnerorganisationen dagegen d\u00fcrften die neuen Regelungen freuen, wird doch von diesen oft die psychische Gewalt von Frauen in Partnerschaften bem\u00e4ngelt, gegen die jedoch keinerlei rechtliche Handhabe best\u00fcnde.<\/p>\n<p><em>Anmerkung <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"R.L.Fellner\" target=\"_blank\">R.L.Fellner<\/a><\/span>:<\/em><br \/>\nKulturkritisch k\u00f6nnte man anmerken, da\u00df die seit einigen Jahren beobachtbaren Bestrebungen vieler westlicher Staaten, selbst die Emotionen ihrer B\u00fcrgerInnen zu kontrollieren und die \u00dcberschreitung von -im Grunde recht eng gesetzten- k\u00fcnstlichen Grenzen sogleich als krankhaft oder strafbar zu definieren, bedenklich stimmen; speziell dann, wenn in der Bev\u00f6lkerung ein Gef\u00fchl aufkommen sollte, da\u00df gewohnheitsm\u00e4\u00dfig mit zweierlei Ma\u00df gemessen wird (z.B. Bonizahlungen an Finanzmanager bei gleichzeitiger Massenenteignung kleiner Kapitalanleger, straflos bleibende Waffenschiebereien von Politikerinnen-Ehegatten, Freunderlwirtschaft zwischen Wirtschaftselite und Politik, ohne Konsequenzen bleibender Machtmi\u00dfbrauch von Politikern etc.). So k\u00f6nnte etwa der in Gro\u00dfbritannien k\u00fcrzlich ebenfalls in der Gesetzgebung verankerte Begriff des sog. &#8216;Antisozialen Verhaltens&#8217; (<a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/asbo\/\" target=\"_blank\">Antisocial Behaviour, ASBO<\/a>) alleine was die dortigen Verfehlungen einzelner PolitikerInnen w\u00e4hrend der letzten 10 Jahre betrifft, durchaus auch f\u00fcr diese angewendet werden &#8211; wird es aber nicht.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 80%;\">(Quelle: <a href=\"http:\/\/tempsreel.nouvelobs.com\/actualites\/politique\/20100226.OBS8087\/violences_conjugales__la_loi_votee_a_lunanimite.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Franz. Staatsekretariat f\u00fcr Familie und Solidarit\u00e4t<\/a>; Photo:Wikimedia)<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psychische und physische Gewalt in Partnerschaften nimmt in den meisten westlichen Industriel\u00e4ndern zu, wobei in wissenschaftlichen Kreisen Unsicherheit dar\u00fcber besteht, ob diese Zuw\u00e4chse nicht auch damit ganz wesentlich zusammenh\u00e4ngen, da\u00df die diesbez\u00fcgliche Tabusierung in der Gesellschaft abnimmt, vorkommende Gewalt also nicht mehr totgeschwiegen wird. 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