{"id":947,"date":"2010-03-17T19:32:12","date_gmt":"2010-03-17T18:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=947"},"modified":"2010-03-18T02:55:31","modified_gmt":"2010-03-18T01:55:31","slug":"internetsexsucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/internetsexsucht\/","title":{"rendered":"Internetsexsucht &#8211; wenn 2 Seiten des B\u00f6sen sich vereinen.."},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 210px\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.jesus.ch\/www\/lfiles\/img\/36248.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text\">Bildquelle: Jesus.ch. Der zitierte Psych\u00edater ist lt. eines inhaltlich bemerkenswerten KathPedia-Eintrages aktives Mitglied der Organisation Opus Dei.<\/p>\n<\/div>\n<p>Als h\u00e4tte das Volk der Hiobsbotschaften noch nicht genug, l\u00e4\u00dft die deutsche Tageszeitung <em>&#8220;Die Welt&#8221;<\/em> mit einer neuen Schreckensmeldung aufhorchen: mindestens 400.000 Deutsche und 40.000 \u00d6sterreicher (gr\u00f6\u00dftenteils sind M\u00e4nner gemeint) sollen Internetsexs\u00fcchtig sein. Noch schlimmer, so wird ein bisher eher in anderen Forschungsrichtungen aufgefallener, nunmehr aber offenbar Internetsexsucht-&#8220;Experte&#8221; zitiert: &#8220;Viele M\u00e4nner k\u00f6nnen kaum mehr alleine vor einem Computer sitzen, ohne auf einschl\u00e4gigen Seiten zu suchen.&#8221; Die im Internet m\u00f6gliche Anonymit\u00e4t mache Pornografie weniger stigmatisierend und f\u00fchre zu einer Art Klebeeffekt. &#8220;Nicht immer, aber leider sehr h\u00e4ufig verlangen die User immer intensivere Reize und wechseln so von Softporno  \u00fcber Hardcore zu Gewalt- und schlie\u00dflich Vergewaltigungspornos&#8221;, so der  \u00f6sterreichische Psych\u00edater R. Bonelli im Interview.<!--adsense--><\/p>\n<p>Nur gut, dass es da eine einschl\u00e4gige Fachtagung vor Ort gibt, die als Ergebnis wohl verk\u00fcnden wird, dass die Betroffenen therapiert werden m\u00fcssen, am besten von den einschl\u00e4gigen Experten. Zur Verst\u00e4rkung des G\u00e4nsehaut-Effekts schlie\u00dft man gerne auch an aktuelle Aufreger-Themen an: &#8220;[Internetsexsucht] hat durch die neu aufgebrochene <a href=\"\/artikel\/sexualtherapie\/zwangsgedanken_paedophilie.phtml\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\"><acronym title=\"sexuelle Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Kinder - Jungen oder M\u00e4dchen, die sich meist in der Vorpubert\u00e4t oder in einem fr\u00fchen Stadium der Pubert\u00e4t befinden\">P\u00e4dophilie<\/acronym><\/a>-Diskussion an zus\u00e4tzlicher Aktualit\u00e4t gewonnen; und [das Internet hat] der Kinderpornographie zus\u00e4tzlichen Spielraum er\u00f6ffnet.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Bei der Internetsexsucht handelt es sich genauso wie bei der Sexsucht  generell um eine verdr\u00e4ngte, stille und heimliche Sucht, die zu den <em>Schams\u00fcchten<\/em> z\u00e4hlt.&#8221; Was auch immer unter diesem Begriff zu verstehen ist. Jene, die glauben, das Problem durch <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\" title=\"Psychotherapie\" target=\"_blank\">Psychotherapie<\/a><\/span> oder gar im Alleingang bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, werden im Artikel von einem anderen <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/gute_therapie.phtml#tit\" title=\"Psychiater\" target=\"_blank\">Psychiater<\/a><\/span> eines besseren belehrt: &#8220;Der \u00fcberm\u00e4\u00dfige Konsum sexueller Inhalte im Netz ist als substanzungebundene Sucht zu verstehen, die <em>zeitweise das Regulativ des Frontalhirns ausschaltet<\/em>. Das rasche Abflauen der Erregung fordert im typischen Fall eine st\u00e4ndige Impulsverst\u00e4rkung, sowohl quantitativ als auch mit einer <em>Intensivierung der Inhalte (Brutalit\u00e4t und Perversion<\/em>).&#8221; Doch f\u00fcr das Ein- oder Ausschalten von Hirnbereichen ben\u00f6tigen wir, das wird von der <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/tag\/pharmaindustrie\" title=\"Pharmaindustrie\" target=\"_blank\">Pharmaindustrie<\/a><\/span>, der Genforschung und der Psychiatrie ja seit Jahren nimmerm\u00fcde repetiert, Medikamente oder (bislang gl\u00fccklicherweise aber nur in den schlimmsten F\u00e4llen!) sog. &#8220;Hirnschrittmacher&#8221;.<\/p>\n<p>Da haben wir es also: wenn sich das &#8220;b\u00f6se Internet&#8221; (wo nur mit totaler \u00dcberwachung und staatsseitigen, selektiven Sperren und Filtern den schlimmsten Gefahren beizukommen ist) und Pornografie (s\u00e4mtliche Erkl\u00e4rungen \u00fcberfl\u00fcssig) sich vereinen, landet man wom\u00f6glich bei den gef\u00fcrchtetsten aller Berufsgruppen: Therapeuten oder <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/gute_therapie.phtml#tit\" title=\"Psychiatern\" target=\"_blank\">Psychiatern<\/a><\/span>.<\/p>\n<p>Meinerseits m\u00f6chte ich mich von der Medialisierung und Kommerzialisierung dieses Themas (gerade auch durch Fach\u00e4rzte und Ausbildungsinstitutionen, die doch eigentlich f\u00fcr fachlich fundiertere Diagnostik stehen sollten) sowie den moralisierenden Untert\u00f6nen, die sich in die Beschreibung der Symptome gegen\u00fcber sog. &#8220;gesunder&#8221; oder &#8220;normaler&#8221; Sexualit\u00e4t und Partnerschaft mitschwingen, entschieden abgrenzen. Wir ben\u00f6tigen keinen neuen Suchtbegriff, und es ist niemandem (au\u00dfer den Selbstvermarktungsspezialisten selbstverst\u00e4ndlich) geholfen, wenn hunderttausende Menschen per Fachkommentar pathologisiert werden.<\/p>\n<p>Wir haben als sehr hilfreiches Klassifikationskriterium das der &#8220;nicht substanzgebundenen Abh\u00e4ngigkeiten&#8221; (in Unterscheidung zu den &#8220;<a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/icd-10\/gf10.phtml\">Psychischen und Verhaltensst\u00f6rungen durch psychotrope Substanzen<\/a>&#8221; gem. <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/icd-10\/\" title=\"International Classification of Diseases der WHO\" target=\"_blank\">ICD-10<\/a><\/span>, und nach bereits sehr umfangreicher Forschungsarbeit das der sog. &#8220;Internet-Abh\u00e4ngigkeit&#8221; (bzw. wie ich 2000 vorschlug, der &#8220;<a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/sucht\/internet-sucht\/internet-sucht.phtml\" target=\"_blank\">Abh\u00e4ngigkeit von Neuen Medien<\/a>&#8220;). All diese Begriffe sind weit genug gesteckt, um s\u00e4mtliche <acronym title=\"von der sozialen Norm abweichende Verhaltensweisen, die nicht notwendigerweise gegen Gesetze versto\u00dfen\">Devianzen<\/acronym> von einem &#8220;normalen&#8221; (i.S. eines nicht sch\u00e4dlichen und vor allem frei regulierbaren) PC- oder Internet-Gebrauch zu beschreiben. Ob jemand pornografisches Material aus dem Internet herunterl\u00e4dt, mit Freunden tauscht oder &#8220;physisch&#8221; kauft, ist aus fachlicher Sicht (von dynamischen Faktoren abgesehen) relativ unbedeutend: wir sprechen ja auch nicht von einer &#8220;Haltestellen-Heroinsucht&#8221;, nur weil die Droge besonders h\u00e4ufig und leicht in U-Bahn-, Bus- und Bahnstationen erworben wird. Dar\u00fcber hinaus ist der Konsum von Pornografie, wie auch j\u00fcngste Studien (siehe Quellenverweise unten) wieder best\u00e4tigen, per se weder f\u00fcr die Konsumenten selbst, noch f\u00fcr deren Beziehungen sonderlich &#8220;gef\u00e4hrlich&#8221;. Problematisch wird er erst dann, wenn eine <em>zwanghafte<\/em> Komponente hinzukommt, also der Konsum von Pornografie von den Betroffenen kaum mehr reguliert werden kann, wenn andere Lebensaspekte darunter leiden (h\u00e4ufig sind dies z.B. berufliche Verpflichtungen, die h\u00e4usliche Organisation, soziale Kontakte oder die Partnerschaft dadurch gef\u00e4hrdet wird), und zus\u00e4tzlich soziale Isolation, Entzugssymptome wie Stre\u00df oder\u00a0 Spannungsphasen oder auch als Parallsymptomatik <span class='wp_keywordlink'><a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/depression\/depression-therapie.phtml\" title=\"Depressionen\" target=\"_blank\">Depressionen<\/a><\/span> diagnostizierbar sind. Dann allerdings ist &#8220;Feuer am Dach&#8221;, und es sollte im Interesse einer Wiederfindung des psychischen Gleichgewichts therapeutische Unterst\u00fctzung &#8211; m\u00f6glichst bei Psychotherapeuten, die \u00fcber Erfahrung in der Suchtbehandlung verf\u00fcgen &#8211; gesucht werden.<\/p>\n<p>(Quellen: [<a href=\"http:\/\/www.pressetext.at\/news\/100304028\/internet-verschlimmert-die-pornografiesucht\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">1<\/a>], [<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article6746662\/Das-Internet-treibt-viele-Maenner-in-die-Pornosucht.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">2<\/a>], [<a href=\"http:\/\/www.kathpedia.com\/index.php\/Raphael_Bonelli\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">3<\/a>], [<a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/artikel\/sucht\/internet-sucht\/internet-sucht.phtml\" target=\"_blank\">4<\/a>], [<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/3\/146668\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">5<\/a>])<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildquelle: Jesus.ch. Der zitierte Psych\u00edater ist lt. eines inhaltlich bemerkenswerten KathPedia-Eintrages aktives Mitglied der Organisation Opus Dei. Als h\u00e4tte das Volk der Hiobsbotschaften noch nicht genug, l\u00e4\u00dft die deutsche Tageszeitung &#8220;Die Welt&#8221; mit einer neuen Schreckensmeldung aufhorchen: mindestens 400.000 Deutsche und 40.000 \u00d6sterreicher (gr\u00f6\u00dftenteils sind M\u00e4nner gemeint) sollen Internetsexs\u00fcchtig sein. 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