{"id":977,"date":"2010-03-30T09:19:58","date_gmt":"2010-03-30T08:19:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/?p=977"},"modified":"2016-02-24T15:41:44","modified_gmt":"2016-02-24T14:41:44","slug":"zoelibat-paedophilie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/zoelibat-paedophilie\/","title":{"rendered":"Z\u00f6libat und P\u00e4dophilie"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" alt=\"\" src=\"https:\/\/cdn.24.co.za\/files\/Cms\/General\/d\/2884\/e746149c534045d48ba2b5b06fa18614.jpg\" width=\"150\" height=\"170\" \/>Und wieder ist es passiert: die Serie an aufgeflogenen F\u00e4llen von <acronym title=\"sexuelle Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Kinder - Jungen oder M\u00e4dchen, die sich meist in der Vorpubert\u00e4t oder in einem fr\u00fchen Stadium der Pubert\u00e4t befinden\">P\u00e4dophilie<\/acronym> w\u00e4hrend der letzten Wochen erschien wie ein Stich ins Wespennest, unweigerlich ertappte man sich bei der Frage: &#8220;..und was ist da alles noch <em>nicht<\/em> aufgedeckt?&#8221; Einzelne Theologen sehen sich veranla\u00dft, vor einer Gleichstellung von <acronym title=\"Eheverbot aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden\">Z\u00f6libat<\/acronym> mit <acronym title=\"sexuelle Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Kinder - Jungen oder M\u00e4dchen, die sich meist in der Vorpubert\u00e4t oder in einem fr\u00fchen Stadium der Pubert\u00e4t befinden\">P\u00e4dophilie<\/acronym> bzw. <acronym title=\"homosexuelle Neigung zu jungen M\u00e4nnern\">Ephebophilie<\/acronym> zu <a href=\"http:\/\/nachrichten.t-online.de\/missbrauchsskandal-an-jesuiten-schulen-schonungslose-aufklaerung-angekuendigt\/id_21658410\/index\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">warnen<\/a>, w\u00e4hrend andere zum Schrecken ihrer Kollegen einen <a href=\"http:\/\/www.kath.net\/detail.php?id=26057\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">direkten Zusammenhang<\/a> zwischen beiden orten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1268700874987\/Kritik-an-Papst-Auch-beim-Fall-Groer-wurde-nur-vertuscht\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Einmal mehr<\/a> scheint sich auch ein Konnex zwischen Berufen, in denen Erwachsene tagt\u00e4glich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und sexuellen \u00dcbergriffen auf diese zu zeigen. Wen das \u00fcberrascht oder schockiert, der mu\u00df sich entgegenhalten lassen, da\u00df wir seit <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3596901456?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3596901456\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Darwin<\/a>, sp\u00e4testens aber <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3596104408?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3596104408\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Freud<\/a> eigentlich wissen sollten, da\u00df wir Menschen &#8211; trotz eines enorm entwickelten Gro\u00dfhirnes &#8211; immer noch sehr stark sexuell gesteuerte Wesen sind. Und auch wenn sich die Gendermedizin dem heute nicht mehr so generalisierend anschlie\u00dfen w\u00fcrde: <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3499173956?ie=UTF8&amp;tag=rlf&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3499173956\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Abraham H. Maslow<\/a> sah den Sexualtrieb neben Trinken, Essen und Schlafen als gleichrangig auf einer Stufe seiner &#8220;Bed\u00fcrfnispyramide&#8221; stehend, und auch zahlreiche Studien &#8211; etwa \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.psychotherapiepraxis.at\/pt-blog\/pressespiegel\/aufriss-tipps\/\" target=\"_blank\">Partnerwahl<\/a> von Menschen &#8211; best\u00e4tigen, da\u00df uns sexuelle Antriebe in unserem allt\u00e4glichen Tun wohl deutlich st\u00e4rker steuern als sich dies viele von uns eingestehen m\u00f6gen. Ebenso, wie es Teil der (nicht immer nur charmanten) Realit\u00e4t ist, da\u00df an den allermeisten Arbeitspl\u00e4tzen mitunter auch mal sexuelle Rituale und Signale ausgetauscht werden, mu\u00df damit gerechnet werden, da\u00df derartige Spannungsfelder zumindest gelegentlich auch in jenen Berufen existieren, in denen Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Eine tragf\u00e4hige und vor allem <em>konstante<\/em> bewu\u00dfte Abgrenzung ist in diesen Berufen auch deshalb schwierig, da unser Unbewu\u00dftes das letztendlich ja k\u00fcnstlich definierte &#8220;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schutzalter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Schutzalter<\/a>&#8221; (in den meisten L\u00e4ndern liegt diese Grenze zwischen 14 und 18 Jahren) kaum verarbeiten kann: gerade in jenen L\u00e4ndern, in denen es vergleichsweise sp\u00e4t endet, wirken die laut Gesetz noch sch\u00fctzenswerten Jugendlichen k\u00f6rperlich h\u00e4ufig bereits &#8220;erwachsen&#8221;, zumeist agieren sie auch erwachsen, und nicht selten sind sie <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/785\/364605\/text\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">seit Jahren<\/a> bereits auch sexuell aktiv &#8211; den &#8220;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Id,_ego,_and_super-ego\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">primitiven Es&#8217;s<\/a>&#8221; der Umwelt wird sexuelle Reife signalisiert.<br \/>\nWie ist aber mit der Problematik umzugehen, da\u00df trotz dieser Umst\u00e4nde Jugendliche und insbesondere Kinder vor sexueller Ausbeutung (hier beziehe ich mich auf das bewu\u00dfte Ausnutzen der emotionalen Unreife von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene mit der Absicht, sexuelle Ziele zu erreichen), vor vorzeitiger sexueller Initiation (hier beziehe ich mich auf erste sexuelle Erfahrungen in einem Stadium der k\u00f6rperlichen und psychischen Reifung, in dem ein Sexualakt mit einer anderen Person\u00a0 k\u00f6rperliche oder psychische Sch\u00e4den nach sich ziehen kann) und nicht zuletzt vor einem k\u00f6rperlichen und emotionalen \u00dcbergriff &#8211; der Verletzung der Schutzbed\u00fcrftigkeit und grunds\u00e4tzlichster Elemente der Professionalit\u00e4t in einem p\u00e4dagogischen, \u00e4rztlichen oder anderen vergleichbaren Umfeld mit &#8220;Machtgef\u00e4lle&#8221; &#8211; gesch\u00fctzt werden m\u00fcssten?<!--adsense--><\/p>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, da\u00df mit s\u00e4mtlichen Ans\u00e4tzen, in denen von Menschen verlangt wird, ihren Sexualtrieb zu negieren oder gar abzuschalten, dieser Konflikt nicht zu l\u00f6sen, und der Kampf gegen den Mi\u00dfbrauch im institutionellen Kontext nicht zu gewinnen ist. Unsere inneren Konflikte und die Versuchungen des Lebens lassen sich nicht l\u00f6sen, indem wir sie ausblenden oder negieren. Und die &#8211; zumindest gelegentlich &#8211; bei allen von uns aufkommenden Impulse k\u00f6rperlicher Lust lassen sich nicht besser kontrollieren, indem wir sie &#8220;wegdefinieren&#8221;: indem wir etwa sagen, da\u00df &#8220;wir unsere Sexualit\u00e4t <a href=\"http:\/\/www.zenit.org\/article-20051?l=german\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Gott schenkten<\/a>&#8221; , wenn das an die Oberfl\u00e4che dringende sogleich <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1269448463752\/Kinderporno-Sperre-Die-grosse-EU-Firewall\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">wegzensiert<\/a> wird oder wenn \u00fcber sexuelle Gedanken nicht einmal gesprochen werden kann, da dies sofort mit entr\u00fcsteten und funkelnden Blicken bestraft w\u00fcrde (etwas, das besonders h\u00e4ufig im &#8211; von Frauen dominierten &#8211; p\u00e4dagogischen Bereich beobachtbar ist).<br \/>\nKonsequenterweise prognostiziere ich auch, da\u00df solange Institutionen existieren, in denen Sexualit\u00e4t <em>per definitionem<\/em> nicht gelebt werden darf, sexuelle \u00dcbergriffe auch weiterhin stattfinden werden &#8211; trotz aller, sicherlich gut gemeinter, <a href=\"http:\/\/www.shortnews.de\/id\/815091\/Trier-Bischof-Ackermann-betont-dass-Zoelibat-und-Paedophilie-nicht-zusammenhaengen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Absichtsbekundungen<\/a> der jeweiligen &#8220;Chefs&#8221;. Solange ein <acronym title=\"Eheverbot aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden\">Z\u00f6libat<\/acronym> existiert, werden sich die sexuellen Triebkr\u00e4fte &#8211; Geister, die zumindest gelegentlich ihren Weg auch in das beste Kloster finden &#8211; unweigerlich auf jene richten, die greifbar sind und bei denen ein gewisses (alters- oder hierarchisch bedingtes) Machtgef\u00e4lle die Hoffnung zul\u00e4\u00dft, da\u00df nichts davon je bekannt werden wird. Ganz unabh\u00e4ngig von einem ebenfalls existierenden Kreis an Menschen, die sich ganz bewu\u00dft in Bereichen und Institutionen niederlassen, in denen Opfer verf\u00fcgbar sind. Und will man wirklich ehrlich sein, kann man auch die Anziehungskraft nicht verleugnen, welche Institutionen, in denen ein vor herk\u00f6mmlichen Anspr\u00fcchen an ein &#8220;gegl\u00fccktes Leben&#8221; freier Raum existiert (wie etwa dem, eine sexuelle Beziehung zu einer erwachsenen Frau zu unterhalten) auf manche Menschen haben m\u00fcssen. Man kann davon ausgehen, da\u00df religi\u00f6se Institutionen deshalb eine gewisse Sogwirkung auf homosexuelle M\u00e4nner und Frauen aus\u00fcben, ebenso auf Menschen, die entweder eine eigene Mi\u00dfbrauchsvergangenheit haben und deshalb einst ein vor Sexualit\u00e4t gesch\u00fctztes Umfeld suchten, aber auch solche, die Mi\u00dfbrauchserfahrungen autorit\u00e4rer Art machten und massive Selbstwertprobleme haben. Wer sich aber selbst als schwach erlebt oder tats\u00e4chlich eine schwache Pers\u00f6nlichkeit ist, in dem w\u00e4chst leicht der Wunsch, auch einmal der St\u00e4rkere zu sein und dieses Gef\u00fchl in einer Weise auszuleben, in der er existierende Machtgef\u00e4lle ausn\u00fctzt. Noch einmal: all dies sind gr\u00f6\u00dftenteils v\u00f6llig unbewu\u00dft ablaufende Prozesse und Emotionen, die gerade im Dunkel von Denkverboten und Tabus gut gedeihen.<\/p>\n<p>Insofern scheint mir zus\u00e4tzlich auch ein offenerer und weniger tabubestimmter Umgang mit Sexualit\u00e4t in den Institutionen, ja in der Gesellschaft an sich notwendig. Auch erotische Gef\u00fchle zwischen &#8220;Erwachsenen&#8221; und &#8220;Kindern&#8221; (die Anf\u00fchrungszeichen sollen die Schwierigkeiten der Grenzziehung unterstreichen) m\u00fcssen sowohl in Berufen, in denen es &#8220;Helfer&#8221; und &#8220;Anvertraute&#8221; gibt, als auch in unserer Gesellschaft, artikulierbar werden. Es mu\u00df dar\u00fcber gesprochen werden k\u00f6nnen, ohne, da\u00df man sich &#8220;verd\u00e4chtig&#8221; macht und einen die Berufslaufbahn gef\u00e4hrdenden Schlag mit der moralischen Keule riskiert. Denn erst wenn Menschen \u00fcber ihre Gef\u00fchle ohne Einschr\u00e4nkung sprechen k\u00f6nnen und es keine der menschlichen Lebensrealit\u00e4t widersprechenden Dogmen mehr gibt, ist es m\u00f6glich, sich \u00fcber potenziell destruktive Gedanken offen auszutauschen. Erst dann kann man das, was einem auf der Seele liegt, ans Tageslicht lassen, wird man es wagen, sich Hilfe und St\u00e4rkung zu suchen. Ein Ja zum Menschen &#8211; das sich viele Religionen gerne auf die Fahne schreiben &#8211; das mu\u00df auch das Ja zu seiner Sexualit\u00e4t einschlie\u00dfen!<\/p>\n<p>(Lesetipp zu den K\u00e4mpfen zwischen &#8220;\u00dcber-Ich&#8221;, dem bewu\u00dften &#8220;Ich&#8221; und dem &#8220;Es&#8221;: Sigmund Freud, &#8220;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/dp\/3596104424\/?tag=rlf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Das Ich und das Es<\/a>&#8220;; Photo: Shutterstock)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder ist es passiert: die Serie an aufgeflogenen F\u00e4llen von P\u00e4dophilie w\u00e4hrend der letzten Wochen erschien wie ein Stich ins Wespennest, unweigerlich ertappte man sich bei der Frage: &#8220;..und was ist da alles noch nicht aufgedeckt?&#8221; Einzelne Theologen sehen sich veranla\u00dft, vor einer Gleichstellung von Z\u00f6libat mit P\u00e4dophilie bzw. 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