Maladaptives Tagträumen

Sogenannte "nicht substanzbezogene" Süchte wie Internetsucht, Computersucht, Fernsehsucht, Kaufsucht u.dgl. können hier diskutiert werden.

Redwine 1988
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Beitrag Mo., 22.02.2021, 08:49

Hallo, auch ich habe vor 2 Tagen erfahren das ich nicht allein bin mit dieser Träumerei.
Bei mir ging es irgendwann in der Kindheit los, ich vermute einfach in der Zeit als dich meine Eltern getrennt haben. Sicher bin ich mir nicht da mir viele Erinnerungen einfach fehlen, sie sind einfach weg.
Ich hatte schon einen tread eröffnet indem ich so ziemlich gut beschreibe wie es bei mir ist.
Vielleicht hat jemand Lust sich einfach mit mir auszutauschen. Mir geht es im Moment nicht gut da ich momentan in einem Hörbuch fest hänge und es wieder und wieder im Kopf durch spiele und momentan einfach lieber dort als hier wäre.
Wie schafft ihr es solche Gedanken zu unterdrücken?
Ich suche einfach jemanden mit dem ich über dieses Thema sprechen kann, wer Lust bitte auch gern pn 💛


jmxdllat
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Beitrag Mo., 22.02.2021, 13:39

Hey, ich bin auch davon betroffen.
Wenn du möchtest können wir uns diesbezüglich austauschen. Freue mich über eine Antwort

Liebe Grüße


Falk Ekdahl
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Beitrag Di., 09.03.2021, 17:49

@Wurstel
Sehr interessant, kenne es selbst von diesem ganzen Musikwahnsinn zu träumen. Seit ich 15Jahre alt bin drifte ich immer mal wieder in die Musikerwelt ab, allerdings heute anders als damals.
Mit 15 hatte ich einen Musiker den ich immer wieder in Tagträumen verarbeitet habe und das über viele Jahre ca. 20 Jahre später habe ich dann tatsächlich persönlich mit ihm zu tun und das ist dann schon eine sehr merkwürdige Erfahrung. 2017 habe ich ihn zum ersten Mal im kleinen Kreis kennen gelernt, also wir haben mit 5 Personen bis morgens um 4 Uhr eine lustige Runde verbracht, und das war schon eine sehr komische Situation. Ich hatte das Gefühl ihn gut zu kennen, was ja totaler Blödsinn ist. In meinen Tagträumen habe ich ihn immer mit bürgerlichem Namen angesprochen, wo ich Anfangs echt drauf achten musste, dass es mir nicht passiert. Ich habe letzte Woche gerade wieder mit ihm div. E-mails geschrieben und selbst da muss ich aufpassen. Keine Ahnung ob es schlimm wäre, aber er selbst nutzt nie seinen bürgerlichen Namen. Ich muss dazu sagen, dass der Kontakt der jetzt besteht musikalischer hobby natur ist, also nicht wirklich privat aber auch nicht geschäftlich.
Selbst heute, 20 Jahre später, hat dieser Musiker auf jeden Fall noch immer seinen Reiz, was sicher auch an dem umgänglichen Kontakt liegt.
Ich habe immer vermieden Leute in Tagträumen zu nutzen die ich persönlich kenne sondern eher so "unerreichbare" Menschen. Wenn der, um den man seine Träume aufbaut, dann auf einmal vor dir steht und sich vorstellt, tja dann wird es schon komisch.
Heute habe ich tatsächlich viel mit der Umgebung (Festivals/Konzerte/Bands) zu tun, die ich in meiner Jugend so fantastisch fand, und seit dem baue ich, wenn ich den Musikerkram in meine Tagträume rein nehme, diese ganz anders auf. Und wenn ich einen Musiker in den Fokus nehmen, dann einen der leider schon 10 Jahre tot ist, ein Gutes hat es, er läuft mir nicht über den Weg.

@all
Ich persönlich liebe es in meine Tagträume zu verschwinden, kann es aber nicht immer. Manchmal fehlt mir der letzte Schritt um wirklich eintauchen zu können. Wenn ich aber eine gute Storyline erwische dann bin ich über Stunden weg. Ich habe so ein bisschen die Vermutung, dass es oft auch mit den Hormonen zusammen hängt ob das Tagträumen wirklich gut funktioniert oder nicht.


Jaelle
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Beitrag Do., 23.09.2021, 16:33

Hallo zusammen,

ich weiß schon Jahre, dass meine Traumwelt eine Art Realitätsflucht darstellt und kenne seit heute auch einen Namen dazu. Es ist wirklich verblüffend, wie ähnlich die Berichte zu meinen Erfahrungen sind, und es wäre toll, sich darüber auszutauschen. Theoretisch weiß nur meine Mutter, dass es diese Welt gibt und dass ich dort viel Zeit, ganze Wochenenden, verbringe.
Interessant finde ich auch deine Erzählung, Redwine, da ich häufig als junger Mann agiere, oft aber auch als 10 jähriges Mädchen oder als Außenstehender für alle Personen.
Ich liebe meine Fantasie-Welt und möchte sie nicht verlieren. Gleichzeitig existiert meine reale Welt nur noch aus der Arbeit. Hier konnte ich die Effekte durch freies Arbeiten noch recht unsichtbar halten, aber es kippt. Ich muss für die Zukunft dringend auch einen echten Gesprächspartner finden, denke ich. Fällt mir wirklich schwer. Habt ihr das Problem auch?
Freue mich über einen Austausch.

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Nordic_Jan
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Beitrag Mi., 06.10.2021, 04:27

Sehr schön rauszufinden das man mit dem "Problem" nicht alleine ist

bei mir Hindert mich das schon stark am vorankommen da ich meinen Alltag nicht geregelt kriege weil ich mich oft in Tagträume zurückziehe.....auch auf der Arbeit.
Das Problem: Ich bin Programierrer....wenn ich mit Leerem Blick auf meinen Bildschirm starre gehen meine Kollegen davon aus das ich Arbeite. In Wirklichkeit bin ich aber oft in einer Traumwelt versunken und komme dann mit meiner Arbeit nicht nach.

Die Vorlagen für die Traumwelt kommen oft aus Filmen oder Büchern dich grad lese.
Aber manchmal Spinne ich mir auch etwas aus der Realität weiter.

Habe hier von einigen gelesen die Medikamente einnehmen.
Wo bekommt man den sowas verschrieben?
War mal in behandlung wegen depressionen aber gerade habe ich keinen Arzt.


Jaelle
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Beitrag Fr., 08.10.2021, 07:40

Programmierer ist gut :-) Ich öffne oft eine Pdf mit Gesetzestexten, da ich die nicht so oft scrollen muss! Letztlich ist der Alltag aber das größte Problem, da die soziale Kontrolle wegfällt.
Hat die Behandlung zu Depression etwas gebracht? Wie hast du sie empfunden?

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mondlicht
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Beitrag Sa., 13.11.2021, 01:15

@nordic jan, jaelle

Ich kenne das auch, dass der Alltag sehr leidet unter dem Tagträumen. Ich habe viele Jahre Therapie auf dieses Thema verwendet. Keine Ahnung, ob es für dieses Problem eine allgemeine Erklärung gibt. Wenn man Glück hat, findet man einen guten Therapeuten.

Ich habe mal eine ganz interessante Erfahrung mit einem Antidepressivum gemacht. Das hat mir soziale Kontakte erleichtert und mich in der "Realität" leichter laufen lassen. Das Tagträumen wurde weniger. Ich denke für mich auf jeden Fall, dass das Träumen einen Mangel kompensiert hat. Auf die Frage, was fehlt, findet man wahrscheinlich nur individuelle Antworten. Oft sind es sicher soziale Probleme, also Probleme auf der Beziehungsebene.

Viel Glück! ;-)

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Nordic_Jan
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Beitrag Mi., 17.11.2021, 00:21

welches antidepressivum den? Ein SSRI?

Ich mache gerade eine Therapie bezüglich der schwierigkeiten sozialer kontakte.
Antidepressiva habe ich einige ausprobiert aber nie hatte eines positive effekte.

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mondlicht
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Beitrag Do., 18.11.2021, 12:06

Hallo Nordic_Jan,

ja - ich habe mit Trevilor diese Erfahrung gemacht. Mir hat das gut geholfen (in nicht besonders hoher Dosierung, max. 50 mg).
Ich habe in dieser Zeit sogar ein Praktikum im Ausland gemacht und konnte die sprachlichen Einschränkungen und die Tatsache, eigentlich keine klare Aufgabe zu haben auf diesem Praktikumsplatz, sehr gut bewältigen. :-)