Negative Gedanken

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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Jana303
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Negative Gedanken

Beitrag Sa., 16.11.2019, 13:39

Hello ihr Lieben! Mich würde mal interessieren, wie ihr eure negativen Gedanken und Gefühle unterbrecht? Ich meine, was tut ihr wenn ihr spürt,dass bald eine Panikattacke zukommt? :kopfschuettel:


theweirdeffekt
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Beitrag Sa., 16.11.2019, 19:47

Sie annehmen. So nach dem Prinzip: "hallo Angst, da bist du ja wieder. Ich weiß, dass sich das unangenehm anfühlt mir gefällt das nicht, aber es geht auch wieder vorbei. Ich weiß, dass mein Körper nur mein Bestes will und fühle das jetzt, damits wieder gehen kann". Ablenken etc. hat mir leider nie viel gebracht.

Alles Gute
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cinikus
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Beitrag Sa., 16.11.2019, 19:58

Bist du des Englischen mächtig? Dann suche mal auf youtube Guy Winch. Ist alles gut, was ich bislang von ihm gefunden habe (was leider nicht sehr viel ist).
Unter anderem sagt er, dass Untersuchungen herausgefunden haben, dass bei Grübeleien und Gedankenschleifen eine zweiminütige Unterbrechung hilft. Habe das selbst schon oft erfolgreich ausprobiert, indem ich dann einfach anfange, mathematische Rätsel zu lösen oder rückwärts runterzuzählen (je nachdem, wie stark die Gedanken sind).
Leider habe ich so einen Trick noch nicht gefunden, wenn in erster Linie die Gefühle am Durchdrehen sind. Es hilft (mir) also nur bei negativen Gedanken, nicht unbedingt bei negativen Gefühlen. Aber wenn die Gefühle den Gedanken folgen, dann ist das ein wunderbarer Kniff.
Auch der Anblick des Schlechten kann eine Schulung für das Gute sein! Niccolò Tommaseo


Jenny Doe
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Beitrag Sa., 16.11.2019, 20:02

Hallo Jana303
wie ihr eure negativen Gedanken und Gefühle unterbrecht?
Gedanken, die ich versuche zu unterbrechen, haben meiner Erfahrung nach die Angewohnheit sich besonders gerne, besonders intensiv und häufig nach vorne zu drängen. Mir hilft:
1. Die Gedanken annehmen. Akzeptieren, dass sie da sind.
2. Die Gedanken zu hinterfragen, wie z.B. den Gedanken "ich sterbe". Durch mir selber bewusst machen, dass meine Symptome schon so lange da sind und ich immer noch lebe, kann ich den negativen Gedanken etwas entgegensetzen.
Ich versuche sie somit nicht zu unterbrechen, sondern zu akzeptieren, dasss sie da sind und versuche andere Gedanken zu finden, die ich den negativen entgegensetzen kann.
3. Was ich auch sehr hilfreich finde sind Entspannungsübungen, vor allem dann, wenn negative Gedanken durch meinen Kopf kreisen und angespannte Gefühle auslösen. Genau in diesem Moment zu entspannen und gleichzeitig die negativen Gedanken zulassen hat nach einigem Üben den Effekt, dass negative Gedanken keine Anspannung mehr auslösen, sondern Entspannung. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht und versuche diese Technik gerade wieder anzuwenden, nachdem ich lange Zeit geschlampt habe und negtaiven Gedanken die Gewalt über mich gegeben habe.

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Schnuckmuck
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Beitrag Sa., 16.11.2019, 20:28

Ich mach einfach mein Ding, es gibt einen Tagesablauf, den ziehe ich durch, das ist wie Ergotherapie. Es gibt ein muss, dass erwarte ich, dazu kommt dann die Kür, darüber freue ich mich.

Einfach machen, ablenken, erledigen, dann fühlt man sich besser, weil man nicht untätig feststeckt, sondern etwas bewegt. Schafft, erledigt,

Der andere Mist ist ja eh da. Da kann man dann auch einfach was tun, ändert ja nix, sich einfach dem zu ergeben.

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Jana303
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Beitrag Sa., 16.11.2019, 23:32

Danke für eure Antworten.
Es ist leider auch so dass ich unter Albträumen leide. Es ist so mühsam wenn man dann jeden Morgen gerädert und genervt aufwacht.
Ich muss dazu sagen es gab leider vor eineinhalb Jahren einen Todesfall. Meine beste Freundin wurde auf offener Straße ermordet und hinterlässt ein minderjähriges Kind.
Wir kannten uns seit unserer Kindheit. Seitdem kämpfe ich mit mir und meinen psychischen Aussetzern. Die Panikattacken sind weniger aber diese leere und Albträume, Anspannung usw machen mich müde.
In meiner Trauerzeit haben mich eigentlich die meisten allein gelassen von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Wenn ich heute noch von meiner Freundin rede dann höre ich auch oft " das ist jetzt schon 1.5 jahre her lass gut sein, lass sie endlich los..." Solche Sätze verletzen mich weil ich sie nicht loslassen kann und will. Denkt ihr es gibt eine vorgeschriebene Zeit für Trauer oder wie ist das?


theweirdeffekt
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Beitrag So., 17.11.2019, 08:22

Das ist eine schlimme Geschichte. Ich denke das sagt dir dein Bauchgefühl und deine Seele, wielange du trauern musst/brauchst. Das kommt mMn auch so in Wellen. Da läufts eine Zeit gut, so nach dem Prinzip "das wars jetzt". Und danach kommt doch wieder eine Phase der Traurigkeit.

Warum kannst/willst du sie nicht loslassen? Welche Gefühle tauchen da auf?
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Jenny Doe
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Beitrag So., 17.11.2019, 09:19

Hallo Jana,
Meine beste Freundin wurde auf offener Straße ermordet und hinterlässt ein minderjähriges Kind.
ja, es gibt eine "vorgeschriebene" Trauerfrist, die sich jedoch mit jeder DSM-Auflage ändert und für die Diagnose Depression gibt.
Was du erlebt hast, dass deine beste Freundin ermordet wurde, dafür gibt es keine "Trauerfrist". Diese "Trauerfrist" gilt für die Vergabe der Diagnose Depression. Dass du Albträume, Gereiztheit, Anspannung, Aussetzer, Angst, Panikattacken, ... hast spricht eher dafür, dass es für dich ein psychisch sehr belastendes Ereignis war. Ob es ein Trauma war und bei Dir eine PTBS vorliegt, das müsste ein Psychotherapeut bei dir überpüfen. Du musst ja nicht "nur" um den Tod eines Menschen trauern, du hast zudem mitbekommen, dass sie ermordet wurde. Das ist mehr als "nur" trauern. Du hast was Schlimmes erlebt, und da kann man nicht sagen "Damit muss du in der und der Frist abgeschlossen haben".
Was du erleben musstest ist schon ziemlich heftig. Kann ich total verstehen, dass du dich unverstanden fühlst wenn dir jemand sagt "Lass los". Ich glaube nicht dass dir geholfen ist, wenn du nur versuchst deine negativen Gedanken zu unterbrechen. Was du erlebt hast schreit förmlich danach verarbeitet werden zu wollen, darüber reden zu wollen, nicht mehr alleine sein zu wollen mit dem Erlebten, verstanden werden zu wollen, ein offenes Ohr finden zu wollen, ... Ich würde dir raten dich an einen Psychotherapeuten zu wenden, der dir dabei hilft die Erfahrung zu verarbeiten.

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Jana303
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Beitrag So., 17.11.2019, 10:45

Ich bin schon in Therapie. Ich habe auch regelmäßig Kontakt zum Kind und ihrer Familie und das tut mir gut weil wir das gemeinsam verarbeiten.
Ich glaube, es ist auch die Tatsache, das sie und ich kurz vor ihrem Tod einen großen Streit hatten und es leider nicht mehr zur Versöhnung kam. Deshalb mache ich mir vielleicht Vorwürfe.
Ich kann noch nicht loslassen, weil sie mir eben fehlt. Wir waren ja fast Seelenverwandt und sowas wie Schwestern.
Naja, ich mache viel Spaziergänge und lenk mich schon ab mit Freunden usw. Ich finde es nur schlimm wenn man mir sagt so quasi" jetzt lass los endlich du wirst sonst krank bla bla bla" nur weil ich sie eben öfter erwähne wenn ich in Erinnerung schwelge.
Man ist im Leben eben immer von denen enttäuscht, von denem man es am wenigsten erwartet hätte.
Das wollt ich nur mal loswerden.
Danke fürs lesen und antworten.Es tut gut alles rauszulassen...


theweirdeffekt
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Beitrag So., 17.11.2019, 17:17

Es ist auch wichtig sowas rauslassen zu können. Vielleicht kannst du ihr einen Brief schreiben, ihn vorlesen und verbrennen und ihn in den Himmel schicken. Da könntest du den Streit ausräumen. Sie wird dir wahrscheinlich nicht mehr böse sein, wenn ihr Seelenverwandte wart, ist unterm Strich doch jede Meinungsverschiedenheit eine Nichtigkeit. Aber dir täts vielleicht gut.
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cinikus
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Beitrag So., 17.11.2019, 19:40

Jana303 hat geschrieben:
So., 17.11.2019, 10:45
Man ist im Leben eben immer von denen enttäuscht, von denem man es am wenigsten erwartet hätte.
Anders herum: Nur jene können uns enttäuschen, von denen wie viel erwartet haben. Heißt, dass du viele Menschen um dich hast, die du schätzt und an die du hohe Erwartungen hattest. Die haben sie enttäuscht, weil sie doch nicht deiner Illusion von ihnen entsprechen. Das tut wohl weh, aber es zeigt dir auch die Realität. Die Menschen haben sich nicht geändert, du hast sie idealisiert und nun siehst du die Wahrheit. Das ist eine Stärke, die dir in deinem weiteren Leben hilft. Du hast Menschenkenntnis hinzugewonnen, wenn du es schaffst, das zu verstehen.

Was dieses furchtbare Schicksal deiner Freundin betrifft, schlägt das genau in diese Kerbe. Die meisten Menschen haben die Erwartung, dass die Welt ein friedlicher, ungefährlicher Ort ist. Das ist sie aber nicht. Die meisten nur bevorzugen die Illusion. Das ist nicht verkehrt. Wenn alle glauben, die Welt wäre friedlich und ungefährlich, ist sie es bis zu einem gewissen Grad auch. Ebenso, wie man mit Menschen besser klarkommt, wenn man das Beste in ihnen sieht. Aber dann kommt eben die Realität. Die meisten Menschen können damit umgehen, wenn jemand an Altersschwäche stirbt, oder ein relativ alter Mensch an Krebs. Mord oder das Sterben von Kindern aber sprengt die Erwartung an eine friedliche, gute Welt in den meisten Köpfen. Die Reaktion ist, dass sie es ausblenden. Weil sie damit nicht umgehen können, wollen, und ja auch nicht müssen, solange sie nicht persönlich betroffen sind. Ich meine, ehrlich, das kann einem ja wirklich die Laune verderben. Es ist ihnen schlicht emotional zu viel.
So gesehen bist du stark. Du hast die Stärke, dich damit zu konfrontieren, dich damit zu beschäftigen. Klar ist das hart. Aber du kannst es. Du machst es. Du tust nicht so, als wäre nichts passiert, oder steigerst dich in selbstschädigendes Verhalten. Du arbeitest das durch und nimmst die Probleme in Kauf, die damit einhergehen, wie eben Albträume und Ängste. Ich würde sagen, in Anbetracht dieser Umstände wäre es eher seltsam, keinerlei Ängst oder Albträume zu haben. Nun kann das irgendwann von alleine abklingen, wenn du das Thema aufgearbeitet hast. Oder du verrennst dich darin, falls in deinem Leben sonst nichts ist, das dich genug fordert/braucht. Dann wäre es gut, dir Hilfe zu holen. So oder so wirst du Strategien entwicken (müssen), damit zu leben. Denn das musst du. Und so eine Erfahrung nimmt man mit bis ins Grab. Du wirst also eine Strategie entwickeln müssen, die dich stärkt. Die Fähigkeit, zwischen Wahrheit und Illusion zu unterscheiden, und vielleicht sogar bewusst wählen zu können, welchem man sich hingibt, kann verdammt viel Macht sein.

Vielleicht hilft es dir, dich auf philosophischer Ebene mit dem Guten und dem Bösen zu beschäftigen. Ist vor allem bei PTBS ein heißer Tipp. Ich empfehle da gerne Jordan B Peterson.
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Jana303
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Beitrag So., 17.11.2019, 20:47

Du hast Recht. So habe ich das ganze nicht betrachtet

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Jana303
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Beitrag So., 17.11.2019, 21:53

Es ist auch die Einsamkeit die meine seele frisst. Wenn man sich nicht verstanden fühlt von keinem.
Meine Therapeutin hört mir zwar zu bei den Sitzungen aber ich habe keine Antworten auf meine vielen Fragen über Gott und die Welt...manchmal hab ich sogar das Gefühl verrückt zu werden.
Obwohl es schwer ist denke ich kann man jeden inneren Dämon besiegen oder??? Schwerer Kampf


cinikus
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Beitrag So., 17.11.2019, 22:14

Jana303 hat geschrieben:
So., 17.11.2019, 21:53
... aber ich habe keine Antworten auf meine vielen Fragen über Gott und die Welt ...
Ich wage zu behaupten, so geht es jedem. Die muss sich jeder erarbeiten, und es dauert ein Leben lang. Wäre auch nicht fein, hätte man alle Antworten. Unter anderem ist das Leben genau das: Sich die Antworten auf Fragen durch das Leben zu beantworten. Versuch und Irrtum. Ausprobieren. Denken. Fühlen. Erfahren. Vor allem ist jeder Mensch anders, und eine Antwort die dem einen helfen kann, bringt einen anderen nicht ansatzweise weiter. Habe das schon selbst oft miterlebt. Ich finde eine Antwort total lebensverändernd toll und erzähle sie in meiner Begeisterung herum, und irgendwie bewirkt das bei den anderen nichts. Umgekehrt haben mir schon Leute ihre weltbewegenden Erkenntnisse erzählt, und ich dachte nur: so what? Ein Therapeut kann dir eigentlich auch nur helfen, die Antworten selbst zu finden. Deswegen fragen diese Typen ja so nervig nach bis ins kleinste Detail. Weil sie wollen, dass man ganz tief gräbt. In sich selbst. Weil die Antworten dort liegen. Weil wir nichts anderes haben, als unser eigenes Gehirn, um mit der Welt fertig zu werden. Uns nützen mitunter also die Weisheiten anderer nichts, wenn sie mit unserem eigenen Hirn nicht kompatibel sind. Okay, es gibt ein paar Sachen, die sind recht universal und kommen bei den meisten an. Das sind dann die netten Texte in religiösen Büchern, oder eben diese Lebensweisheitensprüche, die auf Facebook und Co grassieren. Aber gerade, wenn man ein bisschen von der Masse abweicht, wird es schon schwierig. Und dann hängt es auch noch von den eigenen Erfahrungen ab. Ich verstehe heute Sätze, mit denen habe ich viele Jahre nichts anfangen können. Umgekehrt finde ich heute Weisheiten banal und wenig hilfreich, die ich mal für lebensverändernd hielt. Also eine Antwort muss nicht nur zur Person passen, sondern hat auch ihr kleines Zeitfenster, in der sie angenommen werden kann.
Sieh es nicht als Fehler oder dass es falsch ist, dass du so viele Fragen hast, auf die du noch keine Antworten hast, sondern als eine Stärke. Du hast viel herauszufinden. Es gibt nichts Schlimmeres, als keine Fragen mehr stellen zu können. Das passiert bei schwerden Depressionen. Je mehr Fragen, umso interessanter die Welt, umso mehr zu entdecken, umso mehr zu leben. Kinder leben uns das vor.
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