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Zukunftsängste, Verlustängste seit über 1 Jahr

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Phobien, Zwängen, Panikattacken und verwandten Beschwerden.
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Fouché
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Zukunftsängste, Verlustängste seit über 1 Jahr

Beitrag Di., 05.10.2021, 05:58

Objektiv gesehen geht es mir ganz wunderbar.
Subjektiv geht es mir schlecht, und ich versuche das zu verbergen, weil ich es nicht erklären kann. Keiner würde es verstehen.
Ich hatte 2019 ein Horrorjahr, wo sehr viel passiert ist (Todesfall im engsten Umkreis mit allem, was da dran hängt, familiäre Probleme, beruflicher Stress) und habe das mit Unterstützung meines Partners (der wirklich wunderbar ist) super gemeistert. Die Rechnung kam Anfang 2020: Körperlicher Zusammenbruch. Dann kam Corona und ich konnte die Zeit der Lockdowns nutzen um mich zu regenerieren. Dann ging es mir wieder ausgezeichnet.
Seit einem Monat etwa fühle ich mich zunehmend unwohler. Zukunftsängste, Verlustängste, kleine körperliche Beschwerden. Jede Kleinigkeit begann mich zu überfordern. Dann kam wieder ein Zusammenbruch, und mein Arzt warnte mich, dass ich mehr auf mich aufpassen müsse, da alles aufs Herz geht...
Seither bin ich völlig am Boden. Überlege bei jeder Kleinigkeit, ob es mir gesundheitlich schaden könnte, habe Panik vor potentiellen Überforderungen, vermeide alles, was gefährlich sein könnte, möchte im Grunde nur noch schlafen und schlafe auch in jeder freien Minute, was meine Beziehung irgendwann belasten wird.
Dabei bin ich jetzt wieder stabil (medizinisch gesehen), aber die Angst beherrscht mich. Was alles an Katastrophen passieren könnte!
Was ist los mit mir? Was soll ich tun? Wer oder was hilft in so einem Fall?

(Hinweis Admin: Betreffzeile von "Weiß nicht, was mit mir los ist" auf obige präzisiert und Thread in einen passenderen Bereich verschoben. Bitte zukünftig - siehe Netiquette! - möglichst aussagekräftige Betreffzeilen wählen! Danke.)

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Fairness
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Beitrag Di., 05.10.2021, 09:13

Hallo Fouché,

welches Bedürfnis könnte dahinten stecken? Mir kam Überlebenswunsch in die Gedanken, als ich dich las.

Mir hilft, mich örtlich, zeitlich, sozial zu verorten... Wir in Mitteleuropa leben in einem Gebiet, wo es vergleichsweise viel an sozialer Unterstützung gibt. Das ist über lange Zeit bereits so... dieses Jahr waren wir unter anderem Zeugen einer Flutkatastrophe und in dem ganzen Schrecken, haben sich die Nachbarn gegenseitig unterstützt und gehalten... Freiwillige Helfer sind auch dorthin gefahren und die Ortschaften boten den Flutopfern Übernachtungsmöglichkeiten an. Es gibt hier viel Zusammenhalt, auch wenn während des Lockdowns und der Maßnahmen es in normalem Alltag weniger spürbar war, wegen des Abstandes, zeitweiser Veränderung der Gewöhnheiten und der Gesichtsbedeckung, um ein paar Faktoren zu nennen.

Doch es blieb alles in uns Menschen da und wird reaktiviert, wenn es dazu den Anlass oder die Freiheit wieder gibt. Und perspektivisch wird das wieder auch spürbarer. Was für Katastrophen müsste passieren, dass sie wirklich unlösbar wären? Und wie realistisch sind sie, im jeweiligen Hier und Jetzt?

Und, was denkst du darüber?

Lieben Gruß,
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Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist. Dalai Lama

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münchnerkindl
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Beitrag Di., 05.10.2021, 23:51

Fouché hat geschrieben: Di., 05.10.2021, 05:58Die Rechnung kam Anfang 2020: Körperlicher Zusammenbruch. Dann kam Corona und ich konnte die Zeit der Lockdowns nutzen um mich zu regenerieren. Dann ging es mir wieder ausgezeichnet.

Wirklich vollständig?

Und danach bist du wieder so voll durchgestartet?

Evtl warst du noch nicht wieder so stabil wie du dachtest und hast dich danach überfordert?

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Fouché
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Beitrag Do., 07.10.2021, 06:58

Die Sache mit dem Verorten kenn ich auch. Meist funktioniert das gut, aber manchmal reicht nicht einmal mehr das. Der Kopf weiß es, aber Körper und Psyche wissen es scheinbar besser und gehen ihren eigenen Weg...

Ich habe mich in den letzten Tagen bewußt/unbewußt "verlangssamt". Druck und Streß rausgenommen wo es nur ging. Vermutlich habe ich mich überfordert, weil ich mich eben besser fühlte.
Vielleicht muss ich Geduld lernen...

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Fairness
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Beitrag Do., 07.10.2021, 07:21

Fouché hat geschrieben: Do., 07.10.2021, 06:58 Der Kopf weiß es
...und glaubt es...(?)

Gute Besserung und lieben Gruß an dich. 🌺
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Fouché
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Beitrag Sa., 09.10.2021, 05:56

Der Kopf glaubt es auch. Die Psyche glaubt es nicht, und der Körper auch nicht. Danke für die Wünsche.

Es ist ein ewiges Auf- und Ab. Einen Tag geht es mir ganz gut, dann passiert wieder irgendeine Kleinigkeit und ich bekomme sofort Herzrasen und Panik vor Überforderung und Krankheit. Dann kommt die Verzweiflung, ob ich je wieder belastbar werden werde und natürlich das Grübeln. Dabei sind das wirklich nur Kleinigkeiten, die ich früher mit links nebenbei erledigt habe, die mich jetzt in solche Zustände versetzen. Was kann mir helfen? Ein Mediziner, ein Therapeut oder einfach nur Ruhe?

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lisbeth
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Beitrag Sa., 09.10.2021, 07:31

Ich würde dir schon raten, mal mit einem Profi zusammen (Therapeut/in) da draufzuschauen. Dein Zusammenbruch ist eine Reaktion auf körperliche und psychische Überlastung. Da können schon mal die Sicherungen rausknallen. Du hattest "Glück" dass dann Corona kam und sich für dich in dieser Zeit vieles verlangsamt und entzerrt hatte. Aber das waren die äußeren Bedingungen, die da günstig für dich waren. An dir selbst und deinen Haltungen und Einstellungen hast du nichts verändert, sondern genau da weiter gemacht wo du aufgehört hast. Deshalb fühlt es sich jetzt auch wieder so an, als ob du kurz vorm nächsten Zusammenbruch stehst...

Deine Haltungen und Einstellungen sind aber der einzige Hebel, an dem du effektiv etwas verändern kannst. Sonst werden dir die Sicherungen wieder und wieder rausfliegen. Und auch in immer kürzeren Abständen (Q: eigene Erfahrung).
Und, so unangenehm so ein Zusammenbruch ist: Dass die Sicherung rausfliegt hat ja auch eine Schutzfunktion. Und um beim Vergleich zu bleiben, wenn bei dir im Haus immer wieder die Sicherung rausfliegt, dann wirst du einen Elektriker beauftragen, der sich die Leitungen mal genauer anschaut und ggfls. auch repariert oder neu verlegt, oder? Genau das solltest du dir selbst auch gönnen.
When hope is not pinned wriggling onto a shiny image or expectation, it sometimes floats forth and opens.
― Anne Lamott

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Beitrag Sa., 09.10.2021, 09:33

Fouché hat geschrieben: Sa., 09.10.2021, 05:56 Es ist ein ewiges Auf- und Ab. ... Dabei sind das wirklich nur Kleinigkeiten, die ich früher mit links nebenbei erledigt habe, die mich jetzt in solche Zustände versetzen.
Vielleicht gibt es Bereiche in deinem Leben, welche sich besser anfühlen, als früher. Ich glaube dir, dass sich für dich in deinem Leben etwas gebessert hat, wie du es in deinen Posts angedeutet hast. Es liest sich jedoch weniger danach, dass ich es als stabil bezeichnen würde. Manchmal, wenn sich etwas innerlich löst, taucht das Nächste auf, was gelöst werden braucht... Du weißt nun jedoch, dass dir langsamer machen hilft.

Mein ehemaliger Therapeut hat mir mal bildlich beschrieben, dass psychische Schwierigkeiten wie eine Zwiebel sind. Sie haben mehrere Schichten und man arbeitet sich durch diese durch, bis man bei sich selbst ankommt, in dem inneren und auch äußeren Kontext.

Das ist vermutlich nicht ungewöhnlich. An deiner Stelle würde ich mir einen Psychotherapeuten suchen und seine beratende Begleitung in Anspruch nehmen, und schauen, wie wir mir effektiv möglichst gut helfen können, um für diese Phase sinnvollen Abschluss zu finden. Alles Liebe.
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