Hashimoto und Depression / Angst

Die Psyche spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des körpereigenen Abwehrsystems: immer mehr Krankheiten werden heute als 'psychosomatisch' und damit ggf. psychotherapeutisch relevant betrachtet.
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Lilien
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Re: Hashimoto und Depression / Angst

Beitrag Sa., 26.12.2020, 15:38

Chiana,

ich stimme Anti Lope zu. Es gibt zudem viele Faktoren (u.a. Hormone - wie z.B. Progesteron) die das Gewicht beeinflussen können. Wenn möglich, versuche mal einen Termin in einem Endokrinologikum zu vereinbaren, falls Du da noch nicht sein solltest. Die gucken sich das Gesamtbild an und nicht nur die Schilddrüse.


montagne
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Beitrag Sa., 26.12.2020, 15:47

TSH von 1,7 ist schon im unteren Normbereich. Wie Anti jedoch bemerkt, sagt der TSH Wert alleine wenig aus und ist im Grunde auch nicht entscheidend. T3 und T4 sind entscheidend.
Weiterhin muss realistisch geschaut werden, wieviel Kalorien du aufnimmst und wieviel du ungefähr verbrauchst. Andere Symptome müssen betrachtet werden. Zink, Selen, Vitamin D und B12 sollten betrachtet werden. Dann könnte ungefähr abgeschätzt werden, ob eine Dosiserhöhung probiert werden sollte oder ob ein T4/T3 Kombipräperat Sinn macht oder eben die Ursache woanders liegt.

Alles in allem gehört Hashimoto in die Hand einer darin erfahrenen, bzw. ausgebildeten Endokrinologin.
Zu geringe Dosis ist mist, wissen wir alle. Zu hohe Dosis kann aber auch neben akuten, massiven Nebenwirkungen auch langfristig negative Folgen haben, obwohl man meint die Dosis gut zu vertragen.
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Chiana
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Beitrag Sa., 26.12.2020, 21:32

Ich war beim Hausarzt, der Internist ist. T3 und T4 hat er aber nicht überprüft, nur TSH.
montagne hat geschrieben:
Sa., 26.12.2020, 15:47
Zu hohe Dosis kann aber auch neben akuten, massiven Nebenwirkungen auch langfristig negative Folgen haben, obwohl man meint die Dosis gut zu vertragen.
Welche negativen Folgen könnten das sein?

Im Moment könnten sich mehrere Faktoren auf das Gewicht auswirken, ich bin tatsächlich nicht sicher, ob es an der Schilddrüse liegt.

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Lilien
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Beitrag So., 27.12.2020, 19:06

Wenn Du (insbesondere eigenständig) die Dosis erhöhst, könntest Du in eine Überfunktion rutschen. Auch hier könnten dann Zyklusstörungen, Herzrasen etc. auftreten. Meist eher entgegengesetzte Symptome zur Unterfunktion. Und zum Abnahmen sollen die Tabletten i.d.R. nicht geeignet sein. Zumindest nicht, wenn man nicht zuvor durch eine Unterfunktion an Gewicht zugelegt hat. Mir hat das nie geholfen, ich brauchte aktiv Sport und eine Ernährungsumstellung und nun halte ich mein Gewicht seit mehreren Jahren halbwegs konstant im Normalbereich.

Normalerweise würde man das Blutbild auch nach einer Anpassung der Dosis engmaschig kontrollieren lassen. Wenn, dann versuche es, Dir zuliebe, wie bereits empfohlen, mal beim Endo und nicht im Alleingang.

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Kellerkind
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Beitrag So., 27.12.2020, 19:29

Man sagt, bei Hashimoto soll man sich auf den unteren Normbereich TSH einstellen lassen. Hab sogar schon mit Ärtzen drüber gestritten, ich hab jetzt Werte von 0,3 bis 0,7. Also eigentlich fast schon Überfunktion, wenn es nicht Absicht wäre. Kann euch leider versichern: beim Abnehmen hilt das kein Stück.

Es gibt einige Ratgeber auf dem Markt zum Thema "Abnehmen mit Hashimoto", die ich aber nur bedingt empfehlen würde. Erstens, sind die meisten tief in der Heilpraktikerszene verwurzelt (d.h. unter anderem Anti-Schulmedizin), zweitens kennt man als Diätgeplagter Mensch die Ratschläge eh in- und auswendig: frisch kochen, viel Gemüse, möglichst unverarbeitet, alles Richtunge Paleo, kein Zucker, Blablabla.
Ob man auf Soja, Gluten und Jod verzichten sollte, da sind sie sich zumindest weitgehenst einig, aber da streiten sich die Gemüter eben mit der besagten Schulmedizin. Ich achte darauf, aber nicht 100% streng, eher nur zu 90 bis 95%. Leider kam trotzdem keine Fee, die mir das Abnehmen leichter machte. Da hilft nur LowCarb und viel Ausdauersport, und sobald ich mal nicht hinschaue... SCHWUPS... ein Kilo wieder drauf. Mein Fettverbrennung scheint ansonsten nicht zu existieren.
"Breathe. Focus. Go."

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Lilien
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Beitrag So., 27.12.2020, 19:42

Low Carb (gerade am Abend) hat auch mir am besten geholfen!

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Chiana
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Beitrag So., 27.12.2020, 20:24

Ich nehme seit ein paar Wochen Olanzapin, da steht im Beipackzettel, dass sich die Schilddrüsenwerte verschlechtern können, allerdings, die 1,7 beim TSH hatte ich vorher schon. Nur, seit ich das Olanzapin nehme, nehme ich bald wöchentlich zwei Kilo zu, und das geht nicht, weil ich sowieso zu dick bin. Es kommt wohl alles zusammen. Ich bin außerdem auch in einer "After-Stress-Phase", d.h. ich erhole mich gerade von starkem Stress, den ich im Sommer/Herbst hatte. Das führt bei mir sowieso zu verstärktem Essen.
Am Anfang, als ich das L-Thyroxin erstmalig bekommen habe, so ab 2006 etwa, da hatte ich das Gefühl, dass es das Gewicht zumindest stabilisiert und ich normale Mahlzeiten essen kann, ohne zuzunehmen. Derzeit fühlt es sich wieder so an, dass ich aufpassen kann, soviel ich will, die Waage geht immer nur nach oben, und weniger essen geht wegen dem Olanzapin nicht, das treibt mich zum Essen wie den Junkie zum nächsten Schuss.
Daher muss ich nach den ganzen Feiertagen mit meiner Psychiaterin besprechen, dass ich das Olanzapin weglassen muss, und mit dem Hausarzt, ob man die Schilddrüsenwerte nochmal kontrolliert.


montagne
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Beitrag So., 27.12.2020, 22:52

Klingt so, als solle das dringend mit der Psychiaterin besprochen werden.

Zu langfristigen Nebenwirkungen:
Da wären eine Erhöhung der Herzfrequenz. Das passiert eh und kann ja auch erwünscht sein, wenn der Puls durch die Unterfunktion zu niedrig ist. Wenn die Erhöhung aber zu stark ist, schädigt es natürlich auf Dauer Herz und Gefäße.
Dann haben T3 und T4 sowohl anabole, als auch katabole Wirkung. Wenn die katabole Wirkung überwiegt, baut man schleichend Knochen- und Muskelmasse ab. Schon eine latente Überfunktion ob natürlich oder durch Medis erhöht das Osteoporoserisiko stark.

Ansonsten, ich selbst habe einen TSH von 2.5 bis 2.9. Die Ärztin nennt es suboptimal, wir rennen der Verschlechterung der Werte jedesmal hinterher. Starke Dosiserhöhung ging bei mir aber auch richtig nach hinten los.
Trotz der suboptimalen Werte nehme ich langsam aber stetig ab. Vielleicht nur 1 kg pro Jahr, aber das über 3 bis 4 Jahre sind dann auch Kilos, die weg bleiben. Zumal ich annehme, an Fett wird es mehr gewesen sein, aber durch die teils ababole Wirkung der Schilddrüsenhormone wird das ein oder andere Kilo an Muskelmasse draufgegangen sein, durchs Training aber auch.
Alles in allem ist das ganze extrem individuell und sollte daher von einer Endokrinologin angeschaut werden, die das Gesamtbild zur Kenntnis nimmt.
Wie gesagt wurde TSH alleine sagt kaum was aus. Zumal dieser Regelkreis auch eher langsam ist. Ich hatte bei einem eher mittleren TSH massive Symptome der Überdosierung/Überfunktion.
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