Kann die Psyche wirklich all diese Beschwerden auslösen?

Die Psyche spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des körpereigenen Abwehrsystems: immer mehr Krankheiten werden heute als 'psychosomatisch' und damit ggf. psychotherapeutisch relevant betrachtet.
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NiS
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Kann die Psyche wirklich all diese Beschwerden auslösen?

Beitrag Fr., 19.11.2021, 23:18

Hallo zusammen,
ich habe seit der Geburt meiner Tochter im Januar folgende Beschwerden:
- Schwindel
- einseitige Kopfschmerzen hinter dem rechten Auge
- zeitweise taube Finger und Zehen
Ich habe zunächst gedacht, dass das Nachwirkungen von der Spitalanästhesie wären und gehofft, dass sie von selbst weggehen würden.
Nach 3 Monaten mit unveränderten Beschwerden ging ich zu verschiedenen Ärzten (Hausarzt, HNO, Neurologe, Orthopäde, Augenarzt, Kardiologe, Anästhesist in der Geburtsklinik, inzwischen knapp 60 Arztbesuche in 6 Monaten), keiner konnte eine organische Ursache feststellen, lediglich ein leicht auffälliges EKG (ST-Strecken Veränderung und T-Negativierung in mehreren Ableitungen), Herzultraschall und Herz-MRT waren aber ohne Befund. Im Laufe der Monate kamen immer mehr Beschwerden dazu:
- Herzstechen/Brustschmerzen/ Herzrasen/ Herzstolpern/Pochen im Hals/Bauch
- Übelkeit/Verdauungsbeschwerden
- Appetitlosigkeit/ Gewichtsverlust/Schluckbeschwerden
- Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Wirbel- und Rippenblockaden
- Schmerzen im Brustkorb und unter den untersten Rippen (dort kann man auch eine weiche Beule fühlen, die sich verschieben lässt, laut Ultraschall ist es nicht die Milz)
- Taubheitsgefühl, Schwächegefühl und Missempfindungen in sämtlichen Körperteilen
- Sehstörungen, trockene Augen
- brennende Schleimhäute in Nase und Mund
- extrem schwächer werdendes Bindegewebe
- ständige Angst und Panikattacken
- seit Monaten geschwollene Lymphknoten in den Brüsten, unter den Armen und an der Leiste
Da alle Untersuchungen (diverse MRT, Ultraschall, Blutwerte...) immer ohne Befund waren, rollt mein Hausarzt nur noch mit den Augen, wenn ich Mal wieder auf der Matte stehe, um neue Symptome abklären zu lassen, die mich beunruhigen. Er meint es ist alles psychosomatisch und stressbedingt. Bei vielen Symptomen sehe ich auch ein, dass sie von der Psyche kommen können oder psychisch verstärkt werden bzw. ich einfach viel zu sehr auf meinen Körper achte.
Dann muss ich aber immer wieder daran denken, dass Stress allein nicht das EKG verändert, die Lymphknoten anschwellen lässt, das Bindegewebe schwächt oder irgendwas Verschiebbares unter den Rippen wachsen lässt. Und diese Gedanken und Sorgen doch schwer krank zu sein verhindern auch massiv, dass ich Stress reduzieren kann.
Nach jedem Arztbesuch fühle ich mich ganz kurz besser, wenn ich weiß, dass eine schlimme Erkrankung ausgeschlossen wurde, aber das hält nicht lange an, bis neue Symptome auftreten.
Ich stehe auf mehreren Wartelisten für eine Psychotherapie, aber bis auf ein Erstgespräch im Dezember, hat sich dort leider noch nichts ergeben.

Hat jemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht und ggf. Tipps, wie ich mit diesen Ängsten und Symptomen umgehen kann?
Der ganze Quatsch schränkt die Lebensqualität doch ordentlich ein :-(

Viele Grüße,
NiS

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saffiatou
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Beitrag Fr., 19.11.2021, 23:51

Ja, die Psyche vermag einiges. Bei mir war es eine plötzliche Übelkeit. Ich war bei unzähligen Ärzten, im Krankenhaus etc um das abzuklären. Am Ende stellte sich eine Depression heraus. Eine Geburt ist ja auch sehr belastend und eine vollkommene Umstellung, nicht nur hormonell sondern weil plötzlich ein kleines Wesen rund um die Uhr da ist und betreut werden will, dich fordert.

Es ist absolut richtig, dass du vorher alles hast untersuchen lassen, es ist nicht ok, wenn der Arzt nur noch mit den Augen rollt, wenn du zu ihm kommst.

Wenn es noch zu lange hin ist mit dem Erstgespräch, könntest du auch zu einer Beratungsstelle gehen. Aber es ist gut, dass du die Symptome ernst nimmst und etwas unternimmst um dir helfen zu lassen.
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Takli
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Beitrag Sa., 20.11.2021, 10:19

Wenn es dich stark beschäftigt, daß du ernsthaft erkrankt sein könntest, es sich aber nichts finden läßt, dann kann diese Angst auch psychisch bedingt sein. Ich würde ebenfalls vermuten, daß die Geburt ein Auslöser dafür sein kann, sowohl für psychosomatische Beschwerden wie auch für die übersteigerte Aufmerksamkeit auf den Körper. Ich denke mit der Psychotherapie hast du schon den richtigen Weg eingeschlagen.

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Malia
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Beitrag Sa., 20.11.2021, 16:47

Du könntest es als Überbrückung bis zur Psychotherapie mit einem Antidepressivum versuchen.
Ich kenne diese Form der quälerischen Selbstbeobachtung auch, verstärkt seit Beginn der Pandemie.
Wenn ich zu weit in diesen Ängsten und "Symptomen" stecke, hilft die Vernunft nicht mehr.
Es gilt also, frühzeitig diese "Spirale" zu stoppen.
Entspannungstechniken können helfen, weil eine erhöhte Anspannung natrülich alles mögliche im Köper bewirkt.
Es gibt ein paar gute Anleitungen bei YouTube.
Eine Psychotherapie kann dir dabei helfen, die Funktion dieser Ängste zu erkennen.
„Wissen und nichts tun ist wie nicht wissen.“
Dalai Lama


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Pianolullaby
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Beitrag Sa., 20.11.2021, 16:51

Hmm, Migräne ist auch ausgeschlossen, denn eine Migräne kann eine vielzahl dieser Symptome auslösen, und zwar muss nicht jedes Mal dasselbe Symptom vorhanden sein.
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NiS
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Beitrag Sa., 20.11.2021, 21:27

Danke für die Rückmeldungen :)

Der Neurologe hatte auch erst Migräne vermutet, die kann ja auch durch hormonelle Veränderungen entstehen. Aber dadurch, dass sämtliche Symptome täglich auftreten, hielt er Migräne dann doch für unwahrscheinlich und die Triptane, die er mir verschrieben hatte, haben leider auch nicht geholfen :(

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Pianolullaby
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Beitrag Sa., 20.11.2021, 22:39

es gibt einige die fast täglich Migräne haben, bis über 20 KopfschmerzTage pro Monat.
und nicht jeder reagiert auf Triptane. Ich würde mich tatsächlich mal noch in einer SchmerzKlinik vorstellen.
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