Fokaltherapie bei Anorexia Nervorsa

Bulimie, Anorexie, Adipositas, EDNOS (mehr zur Unterscheidung finden Sie in meinen themenbezogenen Artikeln im Archiv, darüber hinaus finden Sie auf der Website auch Selbsttests zum Thema)
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Philosophia
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Re: Fokaltherapie bei Anorexia Nervorsa

Beitrag Do., 10.09.2020, 17:49

Es ist Unsinn, ich hatte einen BMI von 13 und war therapiefähig (allerdings hatte ich das Untergewicht nicht selbst herbeigeführt...das macht vielleicht nen Unterschied...ich hab nicht gehungert). Jedenfalls war ich aufnahmefähig. Aber jemand, der hungert, der unterdrückt wirklich die Gefühle.
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Marilen
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Beitrag Do., 10.09.2020, 18:08

Am BMI haben sie das nicht festgemacht, nur am körperlichen Zustand, organisch. Erst das organische Problem in den Griff bekommen, dann Gewicht gewinnen und dann psychotherapeutisch arbeiten. Ich war erfahre es wie du, marrymaggie, dann völlig taub zu sein emotional. Mein Krankheitsgewinn. Sicherlich bedingt dadurch wie es dann körperlich aussieht.

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Räbin
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Beitrag Do., 10.09.2020, 20:13

Marilen hat geschrieben:
Do., 10.09.2020, 16:05
Und alle meine Zweifel werden wie von dir auch damit beantwortet, dass es die Erkrankung ist, die das verhindern möchte.
Und ich denke dann immer: ich bin doch nicht nur meine Erkrankung und im Grunde fühle ich mich dann so wie immer schon: ich werde nur als etwas gesehen und nicht als Mensch. Und das tut weh, so, dass ich nichts mehr spüren mag und das heisst: nichts mehr zu mir nehmen.
Liebe Marilen, ich hoffe (und glaube eigentlich auch), dass Du weißt, dass ich Dir nicht wehtun möchte.

Was ich bei Süchten (man streitet ja noch, ob man Anorexie tatsächlich zu den Süchten zählen soll, der Mechanismus bezüglich Belohnungssystem ist aber analog anderer Suchterkrankungen) immer so schwierig finde, ist der (erhebliche) Selbstbetrug. Und dieser Selbstbetrug ist für mich ganz klar die Suchtstimme.

Für mich persönlich gibt es bezüglich Sucht (auch aus eigener Erfahrung) so gar keine Kompromisse, es geht nur (sofern man die Sucht hinter sich lassen möchte), sich klar in die Augen zu sehen, die eigenen Hintertürchen als solche zu entlarven.

Ich glaube, ich verstehe sehr gut den Schmerz, als "etwas" gesehen zu werden, es mag auch sein, dass ich da selbst aus eigener Betroffenheit innerlich sofort in eine Abwehrhaltung gehe, hinter der Du als "gesamter" Mensch dann wirklich etwas verschwindest. Das tut mir ehrlich leid.

Bezüglich Sucht gibt es für mich nur den klaren direkten Weg, es ist bekannt, was im schlimmsten Fall passieren kann. Deshalb empfinde ich auch genau diesen Weg als den mitfühlenden, auch wenn er vordergründig Schmerzliches offenlegt. Und viele wunderbare Facetten Deiner Persönlichkeit außen vor lässt.

Und wenn ich lese, es täte weh, so dass Du nichts mehr spüren magst und dass das hieße, nichts mehr zu Dir nehmen - dann lese ich in aller Sympathie Dir gegenüber die Suchtstimme heraus, die ein bisschen emotional erpresserisch hier versucht zu sagen: wer mir so etwas sagt, tut mir weh und der trägt Verantwortung dafür, wenn ich dann nichts mehr esse, weil ich nichts mehr spüren will.

Es ist mir sehr vertraut. Nimm Dir an, was Du magst und Du für Dich richtig findest, liebe Marilen.

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Marilen
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Beitrag Fr., 11.09.2020, 05:49

Liebe Räbin, guten Morgen

danke, für deinen offenen Beitrag.
Ich könnte viel dazu schreiben aber: es ist mir für diesen Bereich hier zu privat und zu öffentlich.
Aber: ich habe mir etwas raus genommen, das wollte ich dir sagen bevor ich in den Freitag starte und heute und morgen gar nicht dazu komme, dir das zu sagen.

Marilen

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Marilen
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Beitrag Sa., 12.09.2020, 18:39

Ich habe mich entschieden: Nein!
Ich mache es nicht.
Keine Fokaltherapie, keine Stunden bei meiner Analytikerin, überhaupt keine Psychotherapie mehr.
Die Entscheidung fiel heute Nacht nach langem Gespräch mit meinem Mann, meinem Bruder, meiner Schwägerin.
Mein Bruder hat mich gefragt: willst du dir lebenslänglich geben?
Und er meinte damit nicht die Psychotherapie.
Dieser Satz war für mich wie ein Nackenschlag und in mir war: nein.
Ich möchte nicht mehr.
Keine weiteren Interventionen.
Ich bin auf einem guten Niveau, was das Essen angeht
und ich weiß worum es geht.
Das ist genug. Gut genug.
Wir hatten zwei gute Tage und ich möchte mehr DAVON
und nicht lebenslänglich.

Also keine Psychotherapie mehr für mich und: es fühlt sich gut an.

Danke, für den Austausch hier!


Marilen