Warum werden Psychotiker nicht zwangseingewiesen?

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.

Maskerade
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Re: Warum werden Psychotiker nicht zwangseingewiesen?

Beitrag Sa., 10.08.2019, 13:57

Kommt mir hier echt vor, wie pure Provokation der Threaderstellerin.
Liebe Grüße, Maskerade

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Atmen - Durchhalten - Sein

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Lieblingsuli
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Beitrag Mo., 12.08.2019, 07:36

Wie kommst du darauf? Bei mir wurde eine Psychose diagnostiziert. Ich hatte ja geschrieben, dass ich Olanzapin einnehme. Hast du das nicht gelesen?

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Pianolullaby
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Beitrag Mo., 12.08.2019, 22:39

Trotzdem provozierst du ohne Ende Uli,
und v.a. kannst Du dich null einfühlen, denn sonst könnte man auch dich
zwangseinweisen, vllt würde Dir das gefallen=?
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stern
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Beitrag Di., 13.08.2019, 06:21

Jemanden vor einen Zug zu stoßen wäre ein Grund, jemanden aus den Verkehr zu ziehen. Problem ist eher, dass nicht jede Tat oder Tatabsicht vorher erkenn- oder absehbar ist. Nicht jeder ist allerdings eine Gefahr für sich oder andere. Beim German Wings Pilot wird öfters von u.a. einer Psychose gesprochen. Beim Zugtäter ebenfalls, aber nicht gesichert. Wenn die Tat zu befürchten gewesen wäre, wären Maßnahmen ergriffen worden - seinen es polizeiliche oder psychiatrische. Psychose ist auch nicht Psychose, würde ich sagen. Im Anfangsstadium bzw. im nicht hochakuten Stadium schaffen es manche evtl. noch, sich nach außen unauffällig zu verhalten. Das Gewaltrisiko ist bei Psychosen und Suchterkrankungen erhöht (siehe Quelle... leuchtet mir auch ein, wenn Substanzen oder Erkrankungen die Steuerungsfähigkeit beeinträchtigen), vgl.

https://www.aerztezeitung.de/medizin/kr ... taten.html

Eine reine Wahrscheinlichkeit oder Risiko reicht aber natürlich nicht für Zwangsmaßnahmen.
Liebe Grüsse
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Beitrag Do., 15.08.2019, 08:16

Es tut gut, unaufgeregte Beiträge zu diesem Thema zu lesen. Ein wenig mehr Verstand und weniger Gefühl würde uns allen gut tun.


Candykills
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Beitrag Do., 15.08.2019, 11:51

Ich bin Psychotiker und zum Beispiel überhaupt nicht gewalttätig, auch nicht, wenn ich stockakut bin. Dann ziehe ich mich ganz zurück und so ist es bei ganz vielen Psychotikern. Ein geringer Anteil ist gewalttätig in der akuten Phase. Es gibt keinen Grund Psychotiker einfach aus dem Verkehr zu ziehen, wenn sie akut sind (auch wenn das für das unmittelbare Umfeld manchmal sicher leichter wäre).
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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 15.08.2019, 12:21

Lieblingsuli hat geschrieben:
Do., 15.08.2019, 08:16
Es tut gut, unaufgeregte Beiträge zu diesem Thema zu lesen. Ein wenig mehr Verstand und weniger Gefühl würde uns allen gut tun.
Deswegen erstaunt mich auch die für diesen Thread gewählte Überschrift.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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stern
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Beitrag Do., 15.08.2019, 13:53

Und ich kenne Menschen (Psychotiker), die dann nicht nur suizidgefährdet sind, sondern (obwohl das nicht dem Wesen im nicht psychotischen Zustand entspricht) auch aggressiv werden (mit ungeahnter Kraft). Psychose ist eben nicht Psychose... in einem Fall ist der Suizid sogar geglückt. Es besteht dann eben ein erhöhtes Risiko. Und Prognosen sind auch nur Prognosen und keine Gewissheiten. Typischerweise ging dann ein eigenmächtige Absetzen der Medikamente voraus (was bei dieser Störung auch häufiger der Fall zu sein scheint, unverantwortlicherweise).
Für Psychosen und Suchterkrankungen bleibt jedoch ein erhöhtes Gewaltpotenzial auch nach Berücksichtigung der genannten Risikofaktoren bestehen. Hier könnte es also in der Tat eine kausale Beziehung zwischen Erkrankung und Gewaltausbrüchen geben.
https://www.aerztezeitung.de/medizin/kr ... taten.html

Risiko beinhaltet, dass das nicht jeder gewaltätig wird... aber die Wahrscheinlichkeit ist erhöht. Auch Wahrscheinlichkeiten sagen nichts über den Einzelfall aus.
Liebe Grüsse
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stern
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Beitrag Do., 15.08.2019, 14:08

Es gibt keinen Grund Psychotiker einfach aus dem Verkehr zu ziehen, wenn sie akut sind (auch wenn das für das unmittelbare Umfeld manchmal sicher leichter wäre).
Doch, wenn sie für sich oder andere zur Gefahr werden können... hast du eine Vorstellung, wie man die Sicherheit bewerkstelligen kann, wenn jemand gar nicht mehr absprachefähig ist, und seiner eigenen paranoiden Welt lebt und auf allen erdenklichen Wegen versucht das Haus zu verlassen, aggressiv wird, einen Arzt(besuch) als Teil der Verschwörung erachtet (und mithin eine Behandlung verweigert wird), ein Ausbüchsen im hochgradig verwirrten Zustand nachts im eisigen Winter vllt. sogar gelingt... usw. Einsperren wäre grds. auch Freiheitsberaubung. Daher gibt es Gerichte die selbst beim besten Willen der Angehörigen über Maßnahmen entscheiden müssen bzw. können (im Fall einer ohnehin schon bestehenden gesundheitlichen Betreuung o.ä. ist das mW leichter, eine Behandlung zu initiieren). Macht mit dem Umfeld uU auch was, das es sich nicht immer einfach "leicht" machen will...
Liebe Grüsse
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stern
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Beitrag Do., 15.08.2019, 14:58

Vor allem blieb eines weitgehend ausgeklammert: die Gewalt von psychisch kranken Menschen innerhalb einer Klinik im Rahmen ihrer stationären Behandlung. Und die Gewalt innerhalb einer Familie oder Angehörigengruppe.

Diese Untersuchungen werden heute nachgeholt - und verändern das Bild nicht unerheblich.
...

Bei der Frage: Welche psychiatrischen Krankheitsbilder sind besonders beteiligt, ergibt sich nach neuen Untersuchungen folgende Reihenfolge:

An erster Stelle stehen Menschen mit Alkohol-, Rauschdrogen- und Medikamentenmissbrauch bzw. -abhängigkeit sowie mit einer Persönlichkeitsstörung (...).

Im Weiteren gliedern sich in diese Gruppe die Schizophrenie-Erkrankten ein, die ebenfalls häufiger betroffen sind als die Durchschnittsbevölkerung (siehe unten). Wird ein schizophren Erkrankter zusätzlich zum Alkoholiker oder Rauschgiftabhängigen, was leider nicht so selten ist (...), dann kann sich das Gewalt-Potential noch erheblich verdichten.

Sehr unterschiedlich werden dagegen die Gewalttaten hirnorganisch Erkrankter und geistig Behinderter eingestuft. ...

Wer sind die Opfer?

Opfer von Bedrohungen, tätlichen Angriffen und Körperverletzungen sind besonders jene Personen, die den Kranken am nächsten stehen:

Das sind insbesondere Mütter (...), ferner Geschwister, Väter und andere Angehörige in den eigenen vier Wänden.

In der Klinik sind es meist die Therapeutinnen und Therapeuten jeglicher Disziplin. ...

Im öffentlichen Leben sind es jene Personen, die mit auffälligem Verhalten nicht zuletzt beruflich konfrontiert werden wie Polizeibeamte, andere Beauftragte der Ordnungsbehörden, aber auch Verkäufer, Angehörige von Verkehrsbetrieben usw.
http://www.psychosoziale-gesundheit.net ... ewalt.html

Es handelt sich also nicht nur um die spektulären Taten, die dann in den Medien zu lesen sind. Sondern auch in solchen Fällen kann sich die Frage stellen, kann man auf eigene Faust (auch als Behandler, weil ja auch Therapeuten genannt sind) ausreichend für sich und den Kranken sorgen.
Liebe Grüsse
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Beitrag Do., 15.08.2019, 15:06

Stern, ich rede von Psychotikern wie mir, die nicht gefährdend sind.
Ich glaube, ich als Psychotiker, kann gut beurteilen, was da in einem passiert.
Du hast es noch nie selber erlebt in deinem Kopf.
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Beitrag Do., 15.08.2019, 15:23

Und ich beziehe mich Untersuchungen bzw. objektive Quellen. Es ist absurd, wenn du dich zum Maßstab machen willst. Psychose ist nicht Psychose... nicht jeder wird dein Wahnsystem teilen, logisch. Wie gesagt, ich kenne auch Psychotiker... nicht jeder hat die Krankheit überlebt... oder es gab Aggressionen, die nicht dem Wesen (ohne Psychose) entsprachen, usw. Um das ebenfalls nicht zu generalisierten bezog ich mich auf Untersuchungen, die es dazu gibt. Daher gibt unter bestimmten Umständen auch Zwangsmaßnahmen, weil ein Teil auffällig wird, was man nicht (mehr) andere in den Griff bekommt. Es ist auch nicht selten, dass der Arzt dann ebenfalls als Bedrohungen angesehen wird und eine freiwillige Behandlung nicht mehr zugestimmt wird. Das entscheiden dann Gerichte, nicht die Angehörigen... die den Weg sicherlich auch nicht unbedingt in Erwägung ziehen, um es sich selbst leicht zu machen.
Zuletzt geändert von stern am Do., 15.08.2019, 15:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag Do., 15.08.2019, 15:27

Was ist eigentlich dein Problem?
Natürlich gibt es gewalttätige Psychotiker, selbst- und fremdgefährdend. Aber das ist eine Minderheit, also tu hier nicht so, als wüsstest du besser, w ie die Realität aussieht.
Und ich nehme nicht mich als Maßstab. Ich kenne sehr viele Psychotiker, sicher mehr als du. Denn du warst noch nie wegen einer Psychose stationär, Selbsthilfegruppe oder ähnlichem, sondern ziehst ständig die selbe Ursprungsquelle heran. Eine Quelle ist nicht die einzige Wahrheit.
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Beitrag Do., 15.08.2019, 15:28

Ich habe kein Problem, sondern antworte auf das Thema!!! Dazu habe ich neben eigenen Erfahrungen (!!) mit Psychotikern Untersuchungen verlinkt, eben um diese nicht zu generalisierten und zwecks Objektivität. :!!: Netter Versuch, das ungültig zu erklâren wollen, was nicht ins eigene Bild passt. Auch das Umfeld leidet mitunter stark unter dies Erkrankung... bis hin zum Selbstmord des Erkrankten oder zur Fremdgefährdung (siehe oben ). Sehe doch mal von dir ab... es geht hier nicht um dich persönlich.
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Beitrag Do., 15.08.2019, 15:49

Die Opfer sind dann vor allem (wenn auch oft "nur" kurzfristig) die nächsten Angehörigen und später besonders die Schwestern, Pfleger und Ärzte in den psychiatrischen Kliniken und Abteilungen.

Dort ergeben dann aber auch entsprechende Untersuchungen, dass rund drei Viertel aller männlichen und mehr als die Hälfte aller weiblichen schizophren Erkrankten, die klinisch behandelt werden mussten, durchaus zu aggressivem Verhalten neigen können: Männer ausgeprägter und folgenschwerer, besonders bei langen Krankheitsverläufen, mit ständiger Wiederaufnahme und nicht zuletzt durch Alkoholmissbrauch und Rauschdrogenkonsum gebahnt. Außerdem nimmt im Gegensatz zu "seelisch gesunden Kriminellen" das erhöhte Gewalttatenrisiko mit zunehmendem Alter bei Schizophrenen nicht ab.
http://www.psychosoziale-gesundheit.net ... ewalt.html

Finde ich auch plausibel, denn sonst müsste man sie nicht stationär-psychiatrisch versorgen. Prophylaktisch unterbringen geht natürlich nicht (als provokant empfinde ich die Frage jedoch nicht), sondern darüber wird dann im Einzelfall entschieden, ob das nötig ist. Wenn man Behandler angeht oder (z.B. Depressive) mit Suizid drohen, wird die Luft immer dünn.
Zuletzt geändert von stern am Do., 15.08.2019, 15:53, insgesamt 1-mal geändert.
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