Austausch DIS/DDNOS - Betroffene (Teil 3)

Fragen und Erfahrungsaustausch zu Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie, Bipolaren Störungen ('Manisch-Depressives Krankheitsbild'), Wahrnehmungsstörungen wie zB. Dissoziationen, MPS, Grenzbereichen wie Borderline, etc.

mio
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Re: Austausch DIS/DDNOS - Betroffene (Teil 3)

Beitrag Di., 23.10.2018, 16:05

doppelgängerin hat geschrieben:
Di., 23.10.2018, 09:15
Ist es dir denn dann gelungen, die Kontrolle zu behalten?
Im Großen und Ganzen ja. Aber davor ging es auch drunter und drüber.

Frau Thera hat da nachdem ich da irgendwann dann "taub" in der Stunde sass nen Riegel vorgeschoben, weil so Therapie ja nix bringt, und sich an die "entscheidende Instanz" im Inneren gewandt (Minister für innere Sicherheit) und der versichert, dass sie nichts ohne ihre Zustimmung tun wird. Das hat ziemlich gut funktioniert so insgesamt. Aber auch ich musste dann meine Strategie von "sollen doch die zur Therapie gehen die Therapie brauchen" (ich bring die nur hin) dahingehend ändern, dass wir ALLE an der Therapie teilnehmen müssen.

Ansonsten hatte ich zwar von Anfang an den Vorteil, dass ich schon "in etwa was wusste" (also bereits zu Beginn der Therapie auch von meiner Seite aus ein Minimum an Kontakt da war), aber ich musste mich auch erst daran gewöhnen, die anderen sich "mitteilen" zu lassen. Ich wusste nur eben auch: Wenn ich es nicht tue, dann kann ich mein Leben so wie ich es kannte in die Tonne treten...

Ich habs mit "schreiben lassen" versucht, mit "malen lassen" etc. pp. und das dann eben mit genommen in die Therapie. Am Anfang hatten wir da auch "Hausaufgaben" oder haben das in der Therapie "geübt", mit der Zeit ging es immer besser.

Ich würde zwar nicht behaupten dass ich komplett alles kontrollieren konnte aber ich hatte zumindest keine mich wirklich total erschreckenden Blackouts oder Ausfälle mehr in/nach der Therapie. Ich wusste nicht immer alles, aber die "Randbedingungen" waren save und unter Kontrolle.


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Beitrag Di., 23.10.2018, 16:23

Ne, ich habe mich am Anfang und auch lange Zeit schon ziemlich quer gestellt. Ich wollt einfach gar nix wissen und hören und sehen. Die Amnesie war mir immer recht, weil dann bräuchte ich mich für nix schämen.

Es braucht seine Zeit bis man sich mit der Diagnose und den anderen anfreunden kann. Bei einem dauert es länger, beim anderen geht es schneller. Ich habe heute noch Probleme damit.
Mein einer Jot hat auch der Therapeuton einen Brief morgen für die letzte Stunde geschrieben. Ich werde ihn übergeben, aber niemals lesen und ich will auch nicht wissen was drin steht, weil ich mich sicher in Grund und Boden schämen würde, was mein Kleiner da schreibt.


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Beitrag Di., 23.10.2018, 16:30

Schlendrian hat geschrieben:
Di., 23.10.2018, 16:23
Ich werde ihn übergeben, aber niemals lesen und ich will auch nicht wissen was drin steht, weil ich mich sicher in Grund und Boden schämen würde, was mein Kleiner da schreibt.
Und das akzeptiert Deine Therapeutin so einfach? Spricht sie dann den Kleinen nicht an? Oder haut es Dich dann automatisch "raus" wenn sie den anspricht?


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Beitrag Di., 23.10.2018, 16:43

Wenn sie ihn anspricht schon, aber das wird sie nicht tun, wenn ich sie darum bitte.


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Beitrag Di., 23.10.2018, 16:48

Und wie findet der Kleine das? Macht der dann nicht erst Recht RambaZamba?


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Beitrag Di., 23.10.2018, 17:29

Das kann schon sein, dass er dann in meinem Kopf schimpft. Aber davon abgesehen, er kann ja nach vorne kommen, wenn er will. Ich hindere ihn ja nicht dran. Ich denke er will nicht, wenn er ihr nen Brief geschrieben hat. Die kleinen kommen nicht so viel bei ihr nach vorne, obwohl sie sie total lieben. Sie findet halt auch die Kleinen haben nix in der Therapie zu suchen. Das ist nicht so nen GekuSchel bei uns wie das hier von manchen mir kleinen Anteilen und ihren Therapeuten beschrieben wird. Meine Thera arbeitet nicht mit den kleinen.


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Beitrag Di., 23.10.2018, 17:33

Schlendrian hat geschrieben:
Di., 23.10.2018, 17:29
Meine Thera arbeitet nicht mit den kleinen.
Gar nicht?

Also gekuschelt und so wird bei uns ja auch nicht, aber die Kleinen sind schon auch wichtig. Viele der Probleme die wir haben haben ja auch mit deren Problemen zu tun, von daher finde ich es auch wichtig dass die mit einbezogen werden. Nur "ganz allein" geht es halt nicht (so wie ich es naiv am Anfang dachte...), die brauchen den Rest der Mannschaft zur Unterstützung.


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Beitrag Di., 23.10.2018, 17:37

Ne, sie arbeitet eigentlich gar nicht mit denen, weil sie sagt, sie weiß nicht, was die Kleinen in der Therapie sollen. Wenn sie sich mitteilen wollen, können Sie malen und so. Sie schmeißt sie nicht raus, wenn sie da sind. Aber sie provoziert nicht, dass sie nach vorne kommen und so. Und naja, die Kleinen sehen sie als Mama, die wollten wahrscheinlich eh nur kuscheln oder sowas. Es klappt ganz gut, dass sie im Hintergrund bleiben. Wir haben ja eh nie Traumaarbeit oder wirklich Anteilsarbeit gemacht.


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Beitrag Di., 23.10.2018, 17:42

Ok, kommt vielleicht auch ein bisschen drauf an wie klein die Kleinen so sind?

Meine sagt denen zumindest häufig was wenn sie sie wahrnimmt. Oder versucht dann halt so zu sprechen und zu erklären dass die das auch verstehen können. War für mich am Anfang sehr befremdlich, aber nachdem ich gemerkt habe dass das Ruhe reinbringt hab ich das auch ein Stück weit selbst so übernommen.


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Beitrag Di., 23.10.2018, 17:49

Meine Kleinen sind 12, 8 und irgendwas zwischen 2 und 4. mehr Kleine habe ich zum Glück nicht. Der ganz Kleine kann nicht in die Therapie, der ist zu Klein. Für den Mittleren hat sie Spielzeug da, was ich mal mitbrachte, damit sie mit ihm spielen kann. Der 12 jährige ist alt genug für die Therapie, hat aber kein Bock drauf.

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Beitrag Mi., 24.10.2018, 07:43

Was die Kinderanteile angeht, habe ich auch große Angst und Scham. Eigentlich noch mehr, als vor dem aggro-Anteil, weil ich denke, bei dem besteht erstmal nicht so die Gefahr, dass er sich zeigt, der will gar nix wissen von der Therapeutin oder Therapie. Wenn dann haut er wahrscheinlich erstmal gegen mich.

Ich weiß, dass mindestens 1 Kind schon ins Heft geschrieben hat.
Was weiß ich aber nicht.
uaaaaa, ich finde das soooooo peinlich!!!! Das ist, als wäre man plötzlich geistig zurückgeblieben.
Es gab schon Situationen, wo sich Kinder in der Therapie gezeigt haben. Die stecken halt noch volle Kanne in "Früher" fest. War also eher flashbackartig oder so.

Meine Therapeutin ist auch eher pragmatisch veranlagt.
Kuscheltiere , Kinderbücher oder so, wie man es in manchen Praxen oder Kliniken findet, gibt es bei der nicht.
Ich glaube auch von innerer Kindarbeit etc hält sie nicht so viel.
Deshalb hab ich keine Ahnung, wie sie auf so was reagiert. Sie ist halt überhaupt nicht der mütterliche Typ. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so.

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Beitrag Mo., 29.10.2018, 13:55

Hallo ihr! Seit ich aus der Therapiestunde raus bin (das war 11 Uhr) bin ich fast nur noch am heulen.

Ich fühle mich einfach so einsam mit dem ganzen Müll.
Erst habe ich ewig gebraucht, bis ich ins Reden kam und als ich dann soweit war, war die Stunde auch schon wieder um..

Immerhin konnte ich ihr meine Ängste sagen, dass ich befürchte, blödsinnige Sachen zu machen, dass ich überhaupt Angst habe, in der Therapie zu switchen, weil ich einfach die Kontrolle behalten will, weil ich mich so schäme. Usw.


Ich bin einfach so konfus. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sich die anderen mehr angesprochen fühlen durch die Therapeutin, oder ob es daran liegt, dass ich genauer zuhören, hinschauen usw?? Jedenfalls bemerke ich 1. Immer mehr Dinge im Alltag, die nicht "ich" mache, wo mir tatsächlich Zeit fehlt, oder erinnere Situationen (was ich bis vor kurzem noch verneinte), die für klare Wechsel und andere Anteile sprechen (u ooooo! Ist das Scheizze peinlich!!) teilweise sind diese Geistesblitze sehr unangenehm.

Und 2. Habe ich einfach das Gefühl, dass die anderen teilweise mehr nach vorne drängeln in der Therapie. Manchmal weiß ich schon gar nicht mehr, ob da was nur in meinem Kopf rumtönte, oder ob es schon aus dem Mund rauskam.
Das stresst mich so.

Ich habe das Gefühl, verrückt zu werden.


Mh, ich sollte nochmal aufschreiben, was mich zu diesem Thema bedrückt, dann greifen wir es nächste Stunde wieder auf.
In einer Woche also erst.
Und dazu das Geheule in meiner Birne, weil es noch 1 Woche dauert, weil die Therapeutin soooo vermisst wird.
Jaaa, ich finde es ja selber doof, aber lässt sich nicht ändern.


Wenn ich euch hier manchmal so lese, habe ich das Gefühl, ich stelle mich besonders blöd an. Bei euch klingt das alles viel leichter.
aber ist/ war es sicher nicht. Ich stehe einfach am Anfang. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie es weiter geht, wie ich auch nur einen Schritt weiter gehen kann.


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Beitrag Mo., 29.10.2018, 14:03

Ne, am Anfang war es so schlimm. Und meine Anteile haben die Thera per Telefon terrorisiert, weil sie sie vermissten oder die Therapie ablehnten und sie für ne blöde böse Kuh hielten. Es war alles einfach nur schlimm. Ich hatte null Kontrolle über irgendwas und ALLE Anteile drehten am Rad. Es war einfach ein riesiges Durcheinander, außen und innen und ich wollte das alles gar nicht. Selbst jetzt gab es noch Situation in denen meine Thera mir sagen musste: Herr Schlendrian, sie sind multipel, sie haben Anteile!
Weil ich es wieder abstreite und ablehne. Und teilweise ignoriere ich die auch und mache mein Ding. Geht nur oft daneben :S

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Beitrag Mo., 29.10.2018, 14:31

Danke, schlendi! 🌷
So blöd das klingt, aber es hilft mir, so was zu lesen.

Das verflixte ist aber, dass ich 2 Jahre lang in Therapie gehen konnte und quasi selbst nichts und die Therapeutin nur nach und nach etwas mitbekommen hat von irgendwelchen Wechseln, Anteilen etc.
Uch verstehe einfach nicht, warum das jetzt anders ist Und warum es nicht so bleiben kann, wie es war???


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Beitrag Mo., 29.10.2018, 14:33

Das weiß ich nicht. Bei mir war das von Anfang an so, also der Verdacht auf DIS wurde nach etwa 4 Monaten gestellt. Ich denke deine Anteile hatten keinen Bock auf Therapie oder es war ihnen schlichtweg bis hier egal ?!