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Plötzlich nicht mehr sprechen können

Alle Themen, die in keines der obigen Foren zum Thema "Psychische Leiden und Beschwerden" passen.
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sandrita
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Plötzlich nicht mehr sprechen können

Beitrag Di., 13.07.2021, 18:27

Hallo an Alle,

Ich habe eine Frage zum Thema der Unfähigkeit zu sprechen.

Kurze Vorgeschichte. Ich bin seit ca 10 Jahren psychisch krank und die Symptome wurden immer schwerwiegender. Ich bin sowohl in der frühen Kindheit, als auch im Erwachsenenalter traumatisiert wurden und habe davon eine PTBS und eine Emotional instabile Persönlichkeitsstörung davon getragen. Dazu kommen noch ein paar andere Diagnosen, von denen ich aber denke, dass sie für die Frage nicht von Bedeutung sind.

In letzter Zeit dissoziiere ich sehr oft und sehr stark. Ich verlasse dabei teilweise mitten in der Nacht die Wohnung und "wache an einem mir unbekannten Ort wieder auf". Auch der Stupor ist teilweise so stark ausgeprägt, dass schon mehrfach der RTW kam, weil nichts mehr geholfen hat. Mir passiert es sehr oft, dass ich beim Anbahnen einer Dissoziation und währenddessen nicht sprechen kann, selbst dann nicht wenn ich noch einigermaßen klar denken kann. Soweit so gut....das kann ich irgendwie noch nachvollziehen.

In letzter Zeit fällt mir aber immer öfter auch, dass ich ohne einen mir ersichtlichen Grund einfach verstumme. Ich kann dann partout nicht mehr sprechen. Ich kann schreiben und ins Handy tippen und nicken und den Kopf schütteln. Und ich verstehe nicht wo das her kommt und wieso das passiert.

Hat jemand von euch so etwas schonmal erlebt? Vielleicht kann mir auch jemand das ganze erklären und mir eine Idee davon geben, wie ich damit umgehen kann.

Herzlichen Dank.

Viele Grüsse
Sandrita

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Sydney-b
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Beitrag Di., 13.07.2021, 19:17

Durch die Ptbs reagierst du stärker auf Stress.
Der Stress wirkt sich wiederum auf dein Sprachzentrum im Gehirn aus.
Dieses (Sprachzentrum) wird dadurch kurzzeitig unterbrochen.
Deshalb kannst du in solchen Momenten nicht sprechen.

Das war jetzt nur eine grobe Erklärung dazu.

Sobald der Stress nachlässt, kannst du auch wieder sprechen.
Hilfreich sind Im Hier und Jetzt Übungen.

Zum Beispiel: Es ist das Jahr 2021, ich heiße (Name), bin so alt, es ist Sonntag, die Sonne scheint auf meine Haut, ich fühle einen Luftzug auf der Haut, ich bin in Sicherheit, mir geht es gut...Was kaltes/oder heißes Trinken und nachspüren und so weiter
Diese Übungen solltest du eigentlich aus deiner Therapie kennen, wenn nicht, nachfragen und Zuhause dann üben, damit du sie im Notfall anwenden kannst.

Liebe Grüße

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Thread-EröffnerIn
sandrita
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Beitrag Di., 13.07.2021, 19:48

Danke für deine schnelle Antwort. Ja ich kenne die Übungen. Allerdings ist das Stumm sein "ohne Grund" echt neu und ich bin leicht überfordert damit. Aber deine Erklärung macht schon Sinn....

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Pianolullaby
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Beitrag Fr., 16.07.2021, 18:33

Es gibt "kein Stumm sein ohne Grund" auch das hat jeweils einen Grund.
Ist es, weil Du etwas nicht sagen darfst? bsp. ein Satz der aus der Kindheit noch wirkt.
Oder ist es eine Überforderung des Gehirns, weil etwas da ist, was gesagt werden müsste,
und es eine Überforderung wäre, das weiter zu geben.

Ich habe das Regelmässig insbesondere auch dann,
wenn ich meine Extremitäten nicht mehr bewegen kann.
Überprüfe das mal
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum

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MisterZett
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Beitrag So., 18.07.2021, 10:44

sandrita hat geschrieben: Di., 13.07.2021, 18:27 Hat jemand von euch so etwas schonmal erlebt? Vielleicht kann mir auch jemand das ganze erklären und mir eine Idee davon geben, wie ich damit umgehen kann.
Liebe Sandrita

Dein Schicksal spricht mich sehr an, denn vieles von dem, was du über dich beschreibst, kenne ich, aber mein Fall ist natürlich ein wenig anders bestellt. Ich erzähle kurz meine Geschichte:

Ich wurde als Zweijähriges entwurzelt, kam in ein anderes Land mit anderer Sprache, was ein Trauma bewirkt hatte und ich das Sprechen für ein Jahr einstellte. Das hatte weitreichende nachteilige Folgen für die Entwicklung der Konzentrationsfähigkeit und des Gedächtnisses.

Ohne bewusste Erinnerung nagte in mir ein entsagendes Gefühl der Fremdheit, das ich erst nach und nach als ein Gefühl der Heimatlosigkeit begreifen konnte. Die Folge war eine Suche nach Heimat und Unterwegssein. Wege, Straßen und Hinweisschilder auf der Straße zogen mich an. Sie wiesen einen Weg - aber wohin nur, was ist das Ziel, wo komme ich an?

Wie gehe ich damit um? Ich schaffte gerade so den Hauptschulabschluss und eine Handwerkslehre, war damit aber nicht zufrieden, besuchte den Zweiten Bildungsweg, schaffte auch dort mit Glück die Abschlüsse gerade mal so und wurde Student. Aber ich war so sehr überfordert, dass ich nach dem Vordiplom das Studium beenden musste, meine Kräfte waren am Ende, ich war am Ende.

Krankheit brachte die Erlösung, dem Stress und der Unmöglichkeit, für meinen Lebensunterhalt selbst sorgen zu müssen, durch die ich frühberentet wurde.

Die Entsagung im Studium presste mich wie eine Frucht zwar einerseits aus, aber es floss unten ihre Essenz heraus, das war bei mir die Kunst. Mein Schicksal hat meinen Weg aus mir ausgepresst, es ist die Kunst die Ankunft.


Viele Grüße von MisterZett

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Thread-EröffnerIn
sandrita
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Beitrag So., 18.07.2021, 15:35

Oje das tut mir sehr Leid, dass du als kleines Kind schon so empfunden hast. Ich wurde auch direkt nach der Geburt von meiner biologischen Mutter getrennt und habe erst knapp 2 Monate später wieder eine Mutter spüren dürfen. Meine Adoptiveltern haben mich mit jeder Faser ihrer selbst geliebt, aber ich glaube damals ist etwas in diesem kleinem Menschen kaputtgegangen, was sich nicht mehr reparieren lässt.