Rosarote Therapiebrille

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.

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Rosarote Therapiebrille

Beitrag Sa., 01.08.2020, 14:32

Hallo,

Ich wende mich an alle die, die Erfahrung haben und die gerne teilen möchten.
Gerade leide ich extrem unter meine rosarote Therapiebrille. Seit 1 1/2 Jahr gehe ich 1 Mal die Woche zur Therapie (PA). Ich habe das Gefühl, dass ich die Therapeutin immer mehr idealisiere, was auch nicht sehr schwer ist, denn sie lässt sich richtig auf mich ein. Das kannte ich bisher so noch nie. Zwar bin ich sehr gut vernetzt, trotzdem ist es nochmal anders. Das klingt super oder? Aber ich merke gleichzeitig, wie mein Bedürfnis steigt, genau das zerstören zu wollen. Ich wandele zwischen zwei extreme. Ihr nahe sein zu wollen, aber auch das Ganze beenden zu wollen. Dieses Hin und her gerissen sein, legt mich im Alltag ziemlich lahm. Das heißt, dass ich sehr damit beschäftigt bin und in Tagträumerei verfalle und mein präsentsein immer mehr drunter leidet. Mir fehlt gerade die Idee daraus zu kommen. Selbst bei schönen Unternehmungen finde ich immer wieder eine Möglichkeit in die Träumerei einzutauchen. Ich will das nicht, aber es ist wie zog.
Ich hoffe ihr kennt das auch? Und könnt mir da Tipps geben?

Merci fürs Lesen
L.

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Philosophia
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 14:38

Das würde ich ansprechen in der Therapie, gerade wenn du eine PA machst. Ich frage mich, warum du das bisher wohl bisher noch nicht gemacht hast. Über was redest du, wenn nicht über das, was brennt?
"Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." - Albert Schweitzer


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Beitrag Sa., 01.08.2020, 18:01

Hallo Philosophia (schöner Name)
Danke für dein Interesse. Bisher habe ich es nicht angesprochen, weil zum Einen, wenn ich bei der T. bin sich andere Gespräche vordrängen und zum Anderen, ich glaube, hat es auch etwas mit Scham zu tun.
Wenn du sagst "gerade wenn du eine PA machst" ist es dann speziell ein Thema in der PA oder warum legst du da so einen Fokus drauf? Machst du auch eine?

Grüße
L.

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Philosophia
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 18:24

Weil in der PA die Beziehung zwischen Analytikerin und Patientin sehr im Fokus ist - denn damit können am besten innere Veränderungen erzielt werden, wenn im Hier und Jetzt Konflikte bearbeitet werden, die gerade da sind, wie dieser, den du beschreibst.
Ich wollte meine Analyse auch immer wieder beenden, weil ich Angst vor der Nähe hatte.
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 19:28

Und hat sich der Gedanke, es beenden zu wollen, irgendwann gelegt? Was hat dich dann doch da gehalten?

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Philosophia
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Beitrag Sa., 01.08.2020, 22:32

Ich wollte an mir arbeiten, deswegen war ich doch da - und das hieß auch, das zu bearbeiten. Ich habs besprochen. Und ja, ich wollte dann nicht mehr beenden - nur dann als wirklich das Ende ran kam.
Es ist wirklich essentiell solche Dinge mit deiner Analytikerin zu besprechen. Das hat einen Grund, warum du dieses Problem hast.
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Beitrag So., 02.08.2020, 15:05

Ich kann mich erinnern, dass ich in den ersten paar Wochen meiner Analyse auch so eine kleine Schwärmerei entwickelt habe.

Ich habe auch manchmal den Impuls, "wegzulaufen", habe das auch manchmal thematisiert, muss aber auch sagen, dass ich da mitunter nur vor mir selbst weg laufen wollte - irgendwann fing ich an, nach entsprechenden Erfahrungen mit mir selbst, meinen Unwillen zur Therapie als Vorstufe zu unbequemen, neuen Erkenntnissen zu betrachten - was dann auch meistens so kam :lol:

Die andere Frage ist, wann ich mich tatsächlich lösen sollte - ich sehe nämlich durchaus verschiedene Fortschritte und habe mittlerweile auch Bestrebungen, meine Stundenzahl von drei pro Woche zu reduzieren und mir mehr Raum für mein Leben jenseits von Therapie zu verschaffen - habe dies aber bisher nur einmal so in den Raum gestellt, und er hat dies als Frage erstmal auf mich zurück geworfen (so nach dem Motto "Kennen Sie das irgendwoher, wenn Sie einfach nicht mehr wissen, was Sie sagen sollen"). Wenn das Thema für mich wieder aktueller wird, werde ich aber stärker dranbleiben (wobei ich noch nicht weiß, ob er für eine Stundenreduktion überhaupt aufgeschlossen ist oder ich nur die Wahl zwischen ganz oder gar nicht habe) - ich finde es als Patient aber wichtig, dass die Therapie genauso lange geht, wie man es selbst braucht,


Sehr
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Beitrag So., 02.08.2020, 15:18

"(wobei ich noch nicht weiß, ob er für eine Stundenreduktion überhaupt aufgeschlossen ist oder ich nur die Wahl zwischen ganz oder gar nicht habe)"

Es ist deine Therapie und dein Leben (jenseits von Therapie), welchem du mehr Raum geben möchtest, das ist dein gutes Recht, warum sollte er darüber bestimmen sollen/dürfen - oder wollen.

An deiner Stelle würde ich mich mit dem Gedanken der Reduktion noch mal intensiver befassen und entscheiden. Das kommt ja nicht von irgendwo.
[wegzudenken, mehr nicht]