Vertrauen, Beschleunigung der Therapie

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Nobody_01
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Re: Vertrauen, beschleunigung der Therapie

Beitrag Di., 12.01.2021, 22:59

Ich habs auch nicht abwertend empfunden, ich hab das Problem bei jedem Thema was ich als wichtig empfinde und ansprechen will.
Meistens schreib ich die Themen dann vorhee in ner Mail aber bei dem Thema trau ich mich nicht mal das ....

Sie hätt mir angeboten zur not das Honorar zu Stunden bzw würd es irgendwie auch über die Arge gehen was wohl eine gemeinnützige Gesellschaft ist, was ich aber dann wieder als soziales Schmarozzen empfinde ...
Sei höflich zu allen, Freundschaftlich zu wenigen; und die wenigen sollen sich erst bewähren ehe du ihnen dein Vertrauen schenkst.

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Anna-Luisa
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Beitrag Di., 12.01.2021, 23:20

Nobody_01 hat geschrieben:
Di., 12.01.2021, 22:34
Aufgrund des altersunterschieds wäre es meiner Meinung nach ihr gutes Recht mich zu duzen auch wenn sie es nicht darf ....
Nein, das ist es aber nicht. Selbst Schüler in der Oberstufe dürfen erwarten, dass ihre Lehrer sie siezen. Ich hätte auch die Therapeutin gewechselt, wenn ihr eingefallen wäre, meinen Vornamen zu benutzen.
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Nobody_01
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Beitrag Di., 12.01.2021, 23:32

Anfangs hätt ich es auch nicht in Ordnung gefunden da ich sie noch nicht kannte .... aber inzwischen denk ich da anderst ich erzähl ihr immerhin sachen wo ich nicht mal mit meiner Frau drüber reden kann ....
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Montana
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Beitrag Mi., 13.01.2021, 00:07

Hm. Mein Therapeut duzt mich manchmal, benutzt dabei aber nicht meinen Namen. Umgekehrt würde ich das niemals machen. Weil mich das irritiert hat, habe ich es angesprochen, kenne jetzt den Grund und habe entschieden, dass es ok ist. Wäre es nicht ok, dann wäre es vielleicht möglich, es zu ändern.

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Scars
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Beitrag Mi., 13.01.2021, 09:05

Vielleicht ist dein Wunsch nach dem „Du“ ein Ausdruck wachsender Beziehung zwischen euch? Wenn du es mal ansprichst, dich da hinein wagst, könnte das auch ein Schritt sein, deine Therapie quasi „zu beschleunigen“. Ordentliche Therapeuten machen nicht einfach so irgendwas, also wird sie dir hoffentlich nicht um den Hals fallen und auch wenn du auf die (für dich empfundene) persönliche Ebene rutschst und das erstmal als Gesprächsthema nehmen. Dann könnt ihr das gemeinsam ergründen und vielleicht verändert das auch was in dir und es ist ok, wenn ihr beim Sie bleibt. Du bist sehr wahrscheinlich auch nicht der Erste mit dem Wunsch. Unabhängig davon denke ich, dass ein respektvolles Du besser sein kann als ein grenzüberschreitendenes Sie... Coaches duzen ihre Klienten glaube auch öfters.
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Anna-Luisa
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Beitrag Mi., 13.01.2021, 15:32

Nobody_01 hat geschrieben:
Di., 12.01.2021, 23:32
Anfangs hätt ich es auch nicht in Ordnung gefunden da ich sie noch nicht kannte .... aber inzwischen denk ich da anderst ich erzähl ihr immerhin sachen wo ich nicht mal mit meiner Frau drüber reden kann ....
Das ist unerheblich. Dass "du" wird üblicherweise bei Vertrautheit auf beiden Seiten angeboten. Auch wenn du der Therapeutin viel erzählt hast, würde sie dich ja nicht ins Vertrauen ziehen, wenn sie Liebeskummer hat oder sie sich um ihre Mutter Sorgen macht, die zunehmend dementer wird.
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Montana
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Beitrag Mi., 13.01.2021, 19:55

Ich kenne es eigentlich nur so, dass das Du darauf basiert, dass man in einem bestimmten Kontext auf derselben Stufe steht. Und dann gilt es quasi automatisch. Das ist so auf der Arbeit und genauso bei einem Hobby, das ich ausübe. Aktuell bin ich in einer Reha und die Patienten duzen sich ebenfalls untereinander. Und da sind jeweils querbeet alle Berufsgruppen vertreten, auch Ärzte und Therapeuten. Ich duze also Ärzte, die ich privat kenne (auch ohne besondere Vertrautheit), nicht aber solche, deren Patientin ich bin. Überschneidungen gibt es da bei mir nicht und die möchte ich auch ganz bewusst nicht.

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Nobody_01
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Beitrag Mi., 13.01.2021, 20:16

Hy danke für die vielen Antworten, sry das ich erst so spät Antworte.

Montana darf ich fragen ob dein Therapeut es einfach so gemacht hat oder hast du es ihm angeboten?

Scars
Wie meinst du das "Ordentliche Therapeuten machen soetwas nicht"
Ich will auch nicht das sie mir um den Hals fällt, auch wenn ich schon mal das Bedürfniss hatte eine Umarmung zu brauchen, bzw einfach ne starke Schulter als meine Beziehung fast zu bruch ging und eig die ganze Stunde nur geheult hab.
Als ich das dann ca 2 Therapiestunden später angesprochen habe meinte sie, dass sie damals nur darauf gewartet hat das ich es anspreche und es evtl möglich gewesen wäre .... (ist auch körpertherapie)

Anna-Luisa
Ich erwarte und will es auch nicht das sie ihre Privaten Probleme vor mir ausbreitet, glaube dann müsst ich mir eine neue Therapeutin suchen, weil ich dann das Gefühl hätte sie kanns Private nicht mehr vom Beruflichen trennen.

Montana
Ich würde meine Therapeutin nicht duzen .... ich würd es nur gern von ihr haben.
Gewisse Ärzte duze ich auch wenn ich ihr Patient bin.
Wie meinst du das " das man in einem gewissen Kontext auf der selben Stufe steht?
Ich glaube nicht das ich mit meiner Therapeutin auf der selben stufe stehe falls du das meinst.
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Montana
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Beitrag Mi., 13.01.2021, 20:55

Er hat das einfach so gemacht.

Ich meine damit, dass in einem anderen Kontext, wenn man nicht Therapeut und Patient ist, kein irgendwie gearteter hierarchischer Unterschied besteht. Die Zahnärztin, die mich behandelt, die sieze ich. Diejenige, die in ihrer Freizeit denselben Sport macht wie ich, nicht. Von ihrem Beruf erfuhr ich erst später durch Zufall. Beim Sport sind wir sozusagen "gleich", der Beruf unwichtig. Sie hört evtl. sogar auf mich bzw. fragt mich um Rat, weil sie relative Anfängerin ist, während ich langjährige Erfahrung habe.
Ich meine nicht, dass du das denkst. Nur, dass nicht immer das Anbieten des Du erforderlich ist, weil es sich in der Regel aus dem Kontext ergibt. Konstellationen, in denen es sich nicht ergibt, aber das Anbieten des Du möglich erscheint, sind nach meiner Erfahrung extrem selten. Mir fällt da spontan nur die Situation ein, wenn man als erwachsene Person seinen Eltern den ebenfalls erwachsenen neuen Lebenspartner vorstellt. Da erscheint es mir vom Gefühl her geboten, aber von den Eltern ausgehend.

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Beitrag Mi., 13.01.2021, 21:32

Ich kann das mit dem Du verstehen. Allerdings nur beidseits.
Es schafft halt eine gewisse Nähe und sorgt auf meiner Seite dafür, dass ich offener werden kann, vielleicht auch etwas "echter", spontaner. Wenn ich einen Therapeuten duzen würde, wäre es für mich wohl einfacher auch unangenehmes anzusprechen oder auch speziell, wenn mich mal am Therapeuten etwas stören würde.

Für mich ist duzen sowieso ziemlich normal. Bei mir auf Arbeit wird auch jeder geduzt. Auch ohne dass man es sich anbietet. Es ist einfach Normalität - da würde man eher krumm angeschaut würden, wenn man mit Sie ankäme.

Gibt ja auch z.B. Physiotherapeuten, die duzen. Und welche die siezen. Ich fand immer das duzen besser.

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Beitrag Mi., 13.01.2021, 21:47

diesoderdas hat geschrieben:
Mi., 13.01.2021, 21:32
Wenn ich einen Therapeuten duzen würde, wäre es für mich wohl einfacher auch unangenehmes anzusprechen oder auch speziell, wenn mich mal am Therapeuten etwas stören würde.
Für mich ist es genau umgekehrt. Mir gibt gerade die Distanz durch die Förmlichkeit Sicherheit. Das ist ganz ähnlich wie mit körperlichem Abstand. Mir kommt es sehr entgegen, dass das Händeschütteln abgeschafft ist.
Ich frage mich allerdings, ob das irgendwann nochmal wieder anders wird. Oder ob es einfach dabei bleibt, dass es nicht gemacht wird, selbst wenn es nicht mehr gefährlich ist. Weil sich Gepflogenheiten einfach ändern.

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diesoderdas
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Beitrag Mi., 13.01.2021, 21:58

Montana hat geschrieben:
Mi., 13.01.2021, 21:47
Mir kommt es sehr entgegen, dass das Händeschütteln abgeschafft ist.
Ich frage mich allerdings, ob das irgendwann nochmal wieder anders wird. Oder ob es einfach dabei bleibt, dass es nicht gemacht wird, selbst wenn es nicht mehr gefährlich ist. Weil sich Gepflogenheiten einfach ändern.
Das dürfte von mir aus auch so bleiben :lol:

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Scars
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Beitrag Do., 14.01.2021, 10:12

Nobody_01 hat geschrieben:
Mi., 13.01.2021, 20:16
Wie meinst du das "Ordentliche Therapeuten machen soetwas nicht"
Mir ist kein besserer Ausdruck eingefallen, dass „seröse/gute/vernünftige“ Therapeuten nicht einfach irgendetwas ausagieren sondern drüber sprechen. Das sollte zur Beruhigung dienen, wie sie eben auf deinen Wunsch reagieren könnte. :lol:
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Montana
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Beitrag Do., 14.01.2021, 11:26

Ja, der Wunsch schreit geradezu danach, angeschaut werden zu wollen. Das kann sehr interessant und wertvoll sein. Und am Ende sehr viel mehr positives bewirken, als es das Duzen selbst evtl. tun würde. Dazu muss man aber erstmal den Mut aufbringen, ihn auszusprechen. Es gibt in der Tat viel mehr Möglichkeiten, wie die Antwort lauten könnte, als "Ja" oder "Nein".

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kaputt
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Beitrag Do., 14.01.2021, 11:59

Mir hat einmal eine Therapeutin das Du angeboten. Das hat vom Gefühl für mich nichts geändert. Nähe und Distanz hängt meinercMeinung nicht vom Du ab sondern welcher Umgang generell in der Stunde herrscht. Ein anderer Therapeut mit dem ich jahrelang gearbeitet habe, war mir vom Gefühl her viel näher obwohl wir beim Sie geblieben sind.

In Punkto Vertrauen solltest du dir einfach sie Zeit nehmen die du brauchst. Ich bin da auch nicht so schnell bei. Damit das nicht falsch ankommt am besten mal ansprechen