Therapeutische Verstrickung

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Zephyr
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Beitrag Mi., 24.11.2021, 12:00

Wie geht es denn deiner Tochter?
AFI hat geschrieben: Sa., 20.11.2021, 14:54 :( man kann es ja alles denken aber warum sagt man so etwas dem Patienten…
Weil es ihm eben nicht um dich ging, sondern um sich selbst. :-((
Und genau da verletzt er das Abstinenzgebot. Denn bei dem geht es ja nicht um irgendwelche starre Regelungen, ob man Emails schreiben darf oder die Tochter kennen lernen darf, oder… Bei dem Abstinenzgebot geht es genau darum, dass alles was in der Therapie geschieht geschehen soll, damit die Patientin heilen kann und dass eigene Bedürfnisse der Therapeuten keine Rolle spielen.
Und das war bei dir leider überhaupt nicht der Fall. :kopfschuettel:
Und Respekt, dass du es geschafft hast, dich da jetzt so zu distanzieren. Das hätten viele, denke ich, in einer weitaus harmloseren Lage nicht geschafft.

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AFI
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Beitrag Mi., 24.11.2021, 13:05

Hallo,

vielen Dank für dein Kommentar.

Das wird mir leider auch immer mehr bewusst und das tut wirklich sehr sehr weh weil ich dachte, dass er mich als Patientin mag und respektiert. Aber da habe ich mich wohl doll getäuscht :(

Gleichzeitig habe ich so viele Fragen an ihn und so viele Dinge, die ich ihm sagen möchte und das das alles jetzt offen bleibt macht mir zu schaffen. Ich habe es also lange noch nicht geschafft. Ich habe ganz oft den Impuls ihm zu schreiben, um ihm meine Fragen zu stellen und ihm meine Meinung zu sagen. Ich hoffe, dass ich da irgendwie drüber hinweg komme. Letztendlich hast du recht egt geht es in der Therapie um die Heilung des Patienten und das war auch 5 Jahre so und mit all dem zum Schluss hat er meinen Zustand wieder verschlimmert :(

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Zephyr
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Beitrag Mi., 24.11.2021, 14:32

AFI hat geschrieben: Mi., 24.11.2021, 13:05
Gleichzeitig habe ich so viele Fragen an ihn und so viele Dinge, die ich ihm sagen möchte und das das alles jetzt offen bleibt macht mir zu schaffen. Ich habe es also lange noch nicht geschafft. Ich habe ganz oft den Impuls ihm zu schreiben, um ihm meine Fragen zu stellen und ihm meine Meinung zu sagen.
Ja, das glaube ich, dass das total weh tut.
Vielleicht hilft es dir das alles aufzuschreiben. Ihm Briefe zu schreiben, die du aber nicht abschickst? Bzw. wenn du sie abschickst, dann vielleicht nicht sofort, sondern, wenn du stabil genug bist um mit jeder möglichen Reaktion darauf auch klar zu kommen. Denn dass du diese Fragen hast, das ist so verständlich. Und auch die Wut. Lass das alles raus und entscheide dann, ob du das konkret an ihn weiter geben willst, oder es einfach nur für dich aufhebst.

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peppermint patty
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Beitrag Mi., 24.11.2021, 15:02

Ich würde die Briefe auf keinen Fall abschicken - weder heute noch in der Zukunft (obwohl ich die Idee des Schreibens gut finde), denn dass ist ein opener und Garant dafür das die Geschichte endlos weitergeht. Never ever.
Manchmal ist es so, dass wir nicht alle Fragen beantwortet bekommen. Das heißt aber nicht, dass wir die Sache nicht trotzdem verarbeiten und „gut ablegen können“.
Und obwohl niemand den Therapeuten hier kennt und ihn gefragt hat, gibt es meiner Auffassung nach, hier schon eine ganze Reihe von Antworten, die vielleicht ehrlicher sind als die Antworten, die du vom Therapeuten bekommen würdest.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute! Schütze sie weiterhin!

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Sydney-b
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Beitrag Mi., 24.11.2021, 18:11

Ich kann mich Peppermint Patty nur anschließen.
Niemals würde ich diese Briefe abschicken. ( Falls du überhaupt welche schreiben möchtest.)
Ehrliche Antworten wirst du eher nicht bekommen, oder er wälzt noch alles auf dich ab.
Ansonsten wird das auch alles eine Never Ending Story und zu einer Kreisgeschichte.

Alles Liebe für euch!

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Winni
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Beitrag Mi., 24.11.2021, 19:03

AFI hat geschrieben: Mi., 24.11.2021, 13:05 Gleichzeitig habe ich so viele Fragen an ihn und so viele Dinge, die ich ihm sagen möchte und das das alles jetzt offen bleibt macht mir zu schaffen. … Ich habe ganz oft den Impuls ihm zu schreiben, um ihm meine Fragen zu stellen und ihm meine Meinung zu sagen…
Liebe AFI,

ich lese hier folgendes zwischen den Zeilen:
- Deine Hoffnung, dass er Deine vielen Fragen beantwortet
- dass er versteht und wertschätzt, was Du ihm sagen willst
- dass er Verständnis für Deinen Zorn hat (wenn Du ihm die Meinung sagst)
- und er Fehler einsieht und alles wieder gut wird…

Für mich hört sich das ein bisschen an wie die Hoffnung einer Heranwachsenden, die sich gegen den autoritären Vater zu Recht aufgelehnt hat. Und die nun hofft, dass der Vater sein Unrecht einsieht und Tochter wieder lieb hat.

Ein nur allzu verständlicher Wunsch. Aber dieser Thera ist nicht Dein Vater, Du keine junge Heranwachsende - und es wird auch nicht wieder „gut“.
Er hat Dir in der Vergangenheit in irgendeiner Form Zuwendung gegeben, die Dir gut getan hat. Behalte dieses Gute in Deinem Herzen. Aber versuche jetzt weiterzugehen, ohne Dich umzudrehen.

Mir fehlt - Deine Tochter. Weiter oben hat jemand gefragt, wie es ihr geht. Ich frage jetzt auch; wie geht es ihr? Ist ihr Leben noch in Gefahr?
Deine Tochter braucht jetzt eine Mutter, die ihr Halt und Stabilität vermittelt. Die in dieser schweren Lebenskrise für sie da ist. Physisch - und psychisch.

AFI, So viel Gutes liegt vor Dir. So viele Möglichkeiten. Ein ganzes Leben. Verzeih Deinem früheren Thera und schau nach vorne. Und hole Dir ggfs. neue Unterstützung, vllt. bei einer Frau. Es kann sich lohnen.

Ich drück Dich!
"An Ärger festhalten ist wie wenn Du an einem Stück
Kohle festhältst mit der Absicht, es nach jemandem zu werfen -
derjenige, der sich dabei verbrennt, bist Du selbst" (Buddha)

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AFI
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Beitrag Mi., 24.11.2021, 20:01

Meiner Tochter geht es zum Glück etwas besser. Jedenfalls reden die Ärzte davon, dass man die Dialyse beenden kann in nächster Zeit und die Krebstherapie weiter fortführen kann und das ist mehr als wir zu hoffen gewagt haben 🙏🏻 Sie schreibt fleißig Briefe mit ihren Kitafreunden und mit dem einen Kinderarzt kommt sie auch sehr gut zurecht :) besuchen ist ja leider nur uns als Eltern derzeit möglich. Aber auch besser so vielleicht bei den ganzen Infekten.

Also es ist ein wenig von dem, was du geschrieben hast aber auch ein wenig anders…

Ich hatte viele viele Jahre einen wirklich sehr guten Therapeuten, zu dem ich ein großes Vertrauen aufgebaut habe und der mir immer sehr kompetent und professionell zur Seite stand. Dann kamen nach 5 Jahren äußere Umstände und eine Zeit, in der ich seine therapeutische Hilfe mehr als alles andere und all die Jahre davor gebraucht habe und weswegen ich ihn gefragt habe, ob er mich weiter unterstützen kann. Nach meinen Erfahrungen, die ich mit ihm gemacht hatte, habe ich nie Zweifel gehabt, dass er mir therapeutisch zur Seite stehen kann, um diese Zeit zu überstehen.

Und dann ist es so schief gelaufen. Unprofessionell, Grenzüberschreitend bis dahin, dass er seine eigenen Bedürfnisse nicht zu meinem besten befriedigt hat. Und ich stehe da in einem der größten Chaos meines Lebens und frage mich was mit meinem Therapeuten los ist und warum er all dies tut. Warum er so den Abstand verliert. In einer Form in der ich Mich gezwungen sehe den Kontakt abbrechen zu müssen und Wo der Therapeut ist den ich 5 Jahre hatte. Was für mich bleibt ist ein riesiges Warum.

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lisbeth
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Beitrag Do., 25.11.2021, 10:49

Hallo AFI,
AFI hat geschrieben: Mi., 24.11.2021, 13:05 Gleichzeitig habe ich so viele Fragen an ihn und so viele Dinge, die ich ihm sagen möchte und das das alles jetzt offen bleibt macht mir zu schaffen. Ich habe es also lange noch nicht geschafft. Ich habe ganz oft den Impuls ihm zu schreiben, um ihm meine Fragen zu stellen und ihm meine Meinung zu sagen. Ich hoffe, dass ich da irgendwie drüber hinweg komme. Letztendlich hast du recht egt geht es in der Therapie um die Heilung des Patienten und das war auch 5 Jahre so und mit all dem zum Schluss hat er meinen Zustand wieder verschlimmert :(
ich kann das total nachvollziehen, diesen Impuls, ihm nochmal bestimmte Dinge besprechen zu wollen, oder was loswerden zu wollen, oder auch noch 1000 Fragen zu stellen. Der Wunsch, dass man das klären könnte. Und dann zu akzeptieren, dass es offen bleibt, das fällt schwer.

Ich habe vor einigen Jahren eine Therapie abrupt beendet, weil es mit der damaligen Therapeutin ziemlich verstrickt war. Das war anders als bei dir, aber auch bei mir hatte sich der Rahmen sehr verschoben und das hat für mich einiges (was vorher gut war und wovon ich profitiert hatte) erstmal für mich kaputt gemacht.

Mit der Zeit und mit mehr Abstand war ich auch wieder mehr in der Lage zu trennen. Zwischen dem Guten aus der Therapie (das ich auch behalte und weiter in mir trage) und dem Ende als es eskaliert ist.

Und auch wenn ich von der Ex-Therapeutin nie erfahren werde, was da auf ihrer Seite los war, hatte ich in der Arbeit mit der aktuellen Therapeutin ein paar AHA-Momente, wo ich anfing so eine Ahnung zu haben, was zwischen der Ex-Therapeutin und mir schief gelaufen ist. Es gab Augenblicke in der aktuellen Therapie, da hat es sich wie eine Wiederholung von der letzten Therapie angefühlt. Und da wurde mir klar, dass ich auch einen gehörigen Teil zu der ganzen Dynamik beigesteuert habe (ohne es wirklich zu wollen).

Das wird bei dir und dem Therapeuten nicht anders gewesen sein. Das meine ich nicht als Vorwurf, sondern das ist ja eigentlich immer so, dass die Beziehungsdynamik in einer bestimmten Konstellation von allen Beteiligten mit beeinflusst wird. Bewusst und vor allem auch unbewusst. Und das ist ja das, was in den psychodynamischen Therapien passieren soll, dass einem die eigene (unbewusste) Komponente bewusster wird, damit man anfangen kann, daran etwas zu verändern. Denn nur bei uns selbst können wir was verändern, den anderen ändern wir nicht.

Mir hat es geholfen, besser zu verstehen, wie sich diese Dynamik entfalten konnte. Das war aber auch nur möglich, weil ich von der aktuellen Therapeutin manchmal auch sehr klare Rückmeldungen gekriegt habe, was mein Verhalten oder das was ich sage (oder auch nicht sage) bei ihr auslöst (was manchmal sehr sehr ungemütlich war).

Und inzwischen habe ich eine Ahnung, was dann auch auf Seiten der Ex-Therapeutin passiert sein /könnte/. Wie wir uns beide miteinander verstrickt haben. Was ich ihr im Kontakt "angeboten" habe (unbewusst) und worauf sie eingestiegen ist (vielleicht sogar bewusst, aber in 'guter' Absicht, nicht realisierend, dass sich das verheddert, weil sie ihre eigene Kompetenz überschätzt, weil sie auch nur ein Teil des Bildes sieht, oder weshalb auch immer...) Das ist manchmal auch einfach "Pech", dass in einer Konstellation so ziemlich alles ineinanderpasst nach dem Schlüssel/Schloss-Prinzip - im negativen Sinne. Dafür machen Therapeuten eigentich ihre jahrelange Ausbildung, damit sie ihre blinden Flecken besser kennenlernen und solche Konstellationen besser abwenden können. Leider passiert es trotzdem, dass es sich verknotet und dass der Knoten auch nicht mehr auflösbar ist.

Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo es mir weitgehend "egal" ist, was auf Seiten der Ex-Therapeutin *genau* passiert ist. Der neugierige Teil in mir will es natürlich immer noch gerne wissen. Aber ich "brauche" es nicht mehr unbedingt, als Bedingung, um mich lösen zu können oder um weiter zu gehen.

Von daher: Es wird besser. Und wenn du es brauchst, dann hole dir Unterstützung dazu, da brauchst du keine falsche Scham zu haben. Ich hatte bei der Suche nach einer neuen Therapeutin echt Angst, dass ich verurteilt werde, warum ich dieses Kuddelmuddel so lange mitgemacht habe. Davon war keine Spur, bei keinem der Vorgespräche, die ich danach geführt habe. Im Gegenteil: Es hat mir geholfen, dass Fachleute ganz klar gesagt haben: Sowas sollte und darf nicht passieren, und das wäre Verantwortung der (Ex-)Therapeutin gewesen, nicht Ihre.

Alles Gute!
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― Anne Lamott

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Solage
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Beitrag Fr., 26.11.2021, 01:08

lisbeth hat geschrieben: Do., 25.11.2021, 10:49
Von daher: Es wird besser. Und wenn du es brauchst, dann hole dir Unterstützung dazu, da brauchst du keine falsche Scham zu haben. Ich hatte bei der Suche nach einer neuen Therapeutin echt Angst, dass ich verurteilt werde, warum ich dieses Kuddelmuddel so lange mitgemacht habe. Davon war keine Spur, bei keinem der Vorgespräche, die ich danach geführt habe. Im Gegenteil: Es hat mir geholfen, dass Fachleute ganz klar gesagt haben: Sowas sollte und darf nicht passieren, und das wäre Verantwortung der (Ex-)Therapeutin gewesen, nicht Ihre.

Alles Gute!
Hallo AFI,
ich schließe mich Lisbeth an. Ich hatte auch Angst, dass ich verurteilt werde, dass mir nicht geglaubt wird. Der Ethikverein hat mich auch unterstützt.

Mehrere Therapeuten hatten ganz klar Stellung bezogen und trotzdem suchte ich noch lange nach Antworten und Erklärungen. Fühlte mich schuldig.
Ich bin immer noch beim Folgetherapeuten nach fast 8 Jahren. So einfach wegstecken konnte ich es nicht.
Mein jetziger Therapeut sagte einmal zu mir: Frau Solage, wenn Sie versuchen den übergriffigen/missbräuchlichen Therapeuten zu verstehen, dann haben Sie schon verloren!

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Shukria
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Beitrag Fr., 26.11.2021, 06:09

Es ist ja auch ein klassisches Symptom der emotionalen Verstrickung den anderen um jeden Preis verstehen zu wollen. Obwohl das an der Konstellation nichts ändert, weil sich damit der andere nicht ändert.

Wenn es anfängt dir egal zu werden, drüber zu stehen, dich nicht mehr in eine emotionale Überforderung reindreht - dann bist du auch aus der Verstrickung größtenteils raus.

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münchnerkindl
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Beitrag Fr., 26.11.2021, 17:25

Shukria hat geschrieben: Fr., 26.11.2021, 06:09 Es ist ja auch ein klassisches Symptom der emotionalen Verstrickung den anderen um jeden Preis verstehen zu wollen. Obwohl das an der Konstellation nichts ändert, weil sich damit der andere nicht ändert.


Ich denke da handelt es sich weniger um den echten Wunsch das was in der anderen Person vorgeht zu verstehen sondern darum, dass man da irgendwas reindeuteln kann, was auf eine echte positive Motivation hindeutet und sein Verhalten dann doch irgendwie entschuldigt.

Die Abgründe die sich da dann ggf bei genauerer Betrachtung auftun will man da dann doch eher weniger sehen weil dann müsste man ja eingestehen dass man auf einen Blender und Missbraucher reingefallen ist.

Es ist eigentlich ziemlich einfach nachzuvollziehen was in solchen Leuten vorgeht. Es ist aber so unschön dass es wenig Spass macht sich damit zu beschäftigen.

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lisbeth
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Beitrag Sa., 27.11.2021, 10:54

münchnerkindl hat geschrieben: Fr., 26.11.2021, 17:25 Die Abgründe die sich da dann ggf bei genauerer Betrachtung auftun will man da dann doch eher weniger sehen weil dann müsste man ja eingestehen dass man auf einen Blender und Missbraucher reingefallen ist.
Deine schwarz-weißen Entweder-Oder-Perspektiven sind immer wieder frappierend, MüKi.

Es gibt auch Grauzonen, und ja, das ist viel komplizierter, weil da das Gute und das nicht so Gute so dicht nebeneinander existieren. Und auch beides gleichzeitig existiert und sich eben nicht automatisch "cancelt". Und ja, in solchen Situation ist als Betroffene das Bedürfnis groß, das verstehen zu wollen. Wie kann das sein? Wie konnte das passieren? Auch wenn man weiß, dass man es nie komplett verstehen wird. Genauso wie Eltern grundsätzlich das Beste für ihr Kind wollen und trotzdem in bestimmten Situationen unfähig sind und dem Kind (unbeabsichtigt) schaden.

Nicht jede entgleiste Therapie ist wegen missbräuchlicher *Absicht* des/der Therapeuten/in daneben gegangen.
Und ich glaube schon, dass die Therapeuten bei vielen gescheiterten Therapien ursprünglich in bester Absicht gehandelt haben. Aber (leider) zuviele blinde Flecken oder zuwenig Selbstreflexion mitgebracht haben, um wirklich zu kapieren, welche Dynamik sich da gerade entwickelt und was sie dazu beisteuern. Das würde ich von zielgerichtetem Handeln und sadistischem Machtmissbrauch nochmal ganz klar abgrenzen wollen. Also eher Unfähigkeit als Absicht.
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Beitrag So., 28.11.2021, 23:05

Es ist doch sehr schlimm, was dieser Therapeut bei AFI anrichtet: Er sagt ihr, dass er sie liebt und dass er sich nicht von ihr trennen kann. Er sagt ihr, dass er Gegenstände, die ihn an sie erinnern aus der Praxis entfernen muss.
Er sagt ihr, dass seine Frau ein Problem mit dem Kontakt hat. Wobei der Therapeut ja Schweigepflicht hat und seine Frau AFI gar nicht kennen dürfte.

Er sagt AFI, dass seine Frau an dem Wochenende nicht da ist und er deshalb ihre Tochter besuchen kann.

ER SAGT IHR DAS ALLES!

Und ich glaube nicht, dass dieser Therapeut so naiv und verblödet ist, nicht zu wissen, was er mit so einem Verhalten anrichten kann.
Es wirkt auf mich so, dass er ganz genau weiß was er anrichten kann.

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Beitrag So., 28.11.2021, 23:21

Eine gescheiterte Therapie wie Lisbeth schreibt, muss nicht missbräuchlich sein.

Eine entgleiste Therapie ist es aber doch. Wenn TherapeutInnen eben nur noch sich sehen und nicht mehr die Patientin.

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Beitrag So., 28.11.2021, 23:26

Mir fällt noch ein, dass Unfähigkeit von Therapeuten nicht als Entschuldigung für deren Fehlverhalten herhalten darf. Nicht entschuldigen, was mir warum angetan wurde,