Video- und Tonbandaufnahmen während der Sitzung

Hier können Sie Ihre Fragen rund um die Rahmenbedingungen von Psychotherapie (Methoden, Ablauf usw.) anbringen.
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Video- und Tonbandaufnahmen während der Sitzung

Beitrag Fr., 03.07.2009, 18:12

mein psychologe ist in der ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und arbeitet mit einem supervisor. der supervisor besteht darauf, gespräche in der sitzung per kamera oder tonband mitzuschneiden, um die qualitätssicherung zu überprüfen. ich muss nun durch einen vertrag meien einverständiserklärung abgeben und ihn von seiner schweigepflicht entbinden. das alles will ich aber nicht.
bei nichtakzeptanz würde mir keine therapieverlängerung gewährt. der supervisor besteht auf die dokumentation. bänder würden danach gelöscht werden. wie sind meine rechte? muss ich mich filmen lassen ohne gleichzeitig die gefahr einer nichtverlängerung der therapie einzugehen?

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candle
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Beitrag Fr., 03.07.2009, 18:17

3,1415 hat geschrieben:bei nichtakzeptanz würde mir keine therapieverlängerung gewährt.

Das ist schlicht Erpressung. Du mußt gar nichts!

Ich würde mich an Deiner Stelle an die Krankenkasse und Therapeutenkammer wenden.

Ich frage mich auch langsam in welchem Land ich eigentlich lebe?

candle
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Sommer-Stumpenhorst


Silent*
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Beitrag Fr., 03.07.2009, 18:27

Hallo.

Ich schließe mich candle an, melde es.
Kann ja wohl nicht sein sowas :evil:

Würde es nicht zulassen und halt wechseln, wenn es nicht anders geht.

lg

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Beitrag Fr., 03.07.2009, 18:31

also nicht falsch verstehen: ich werde ja nicht rausgeschmissen wenn ich mich nicht filmen lasse...
die therapie wird nur nicht verlängert. 8 sitzungen hätte ich dann noch. man kann das so oder so sehen.
ich persönlich fühle mich jedoch auch erpresst.

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Flugente
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Beitrag Fr., 03.07.2009, 20:53

Also, du musst dich weder filmen noch per Tonband aufnehmen lassen. Und über deine Schweigepflicht entscheidest alleine du. Soweit zu deinen Rechten.

Was soll das heißen mit der Verlängerung? Eine Verlängerung bewilligt die KK und nicht der Therapeut. Also wirst du quasi schon rausgeschmissen nach 8 Stunden. Seit wann bist du in dieser Therapie?

Kein seriöser Supervisor verlangt, dass der Therapeut seine Klienten zu derartigem nötigt.

Pass auf dich auf!!

PS: bist du sicher, dass du mit diesem Typen überhaupt noch weiterarbeiten möchtest?
Eisberg voraus!

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SamuelZ.
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Beitrag Fr., 03.07.2009, 21:05

Wieso hat dich der Psychologe nicht schon im Vorfelde über die Situation aufgeklärt? Finde das von ihm UND dem Supervisor ziemlich unverantwortlich! Ich würde mich in deiner Lage auch erpresst fühlen.

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Stöpsel
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Beitrag Sa., 04.07.2009, 01:12

Hallo,

mein früherer Therapeut war an der Uni und als es über die Kasse laufen sollte (zuvor hab ich selbst gezahlt) wäre es auch nur gegangen, wenn ich mich hätte filmen lassen. Das hatte auch nicht der Therapeut bestimmt, sondern war glaub ich die Auflage für die Kassenzulassung, weil es eben kein normaler niedergelassener Therapeut war. Allerdings sollten die Videos als Lernmaterial dienen, nicht zu Supervisionszwecken wie bei Dir. Ob das bei Supervision wirklich nötig ist, weiß ich auch nicht. Ich war danach ebenfalls bei einer Therapeutin in Ausbildung, da war es jedenfalls nicht nötig, sich filmen zu lassen.
Allerdings finde ich es auch nicht ok, daß Dein Therapeut Dir das nicht vorher gesagt hat. Na ja, so ein Verhalten sind so Erfahrungen, die ich auch schon gemacht habe und die ich gar nicht so selten finde, wo ich mir auch denke, daß es dem Therapeutnedasein widerspricht.

Viele Grüße

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Flugente
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Beitrag Sa., 04.07.2009, 09:25

Stöpsel von wem hattest du damals die Auskunft, dass die Therapie nur mit filmen möglich sei? Will sagen, auch Deutschland hat eine Verfassung, ist ein Rechtsstaat. Und gerade bei solch persönlichen Dingen wie bei einer Therapie gefilmt zu werden, gibt es eine ganz klare Linie.

Nur ein Tipp generell: wenn euch solcherart Dinge erzählt werden, dann nehmt nicht alles so kritiklos hin sondern versichert euch durch Rückfragen.

Außer natürlich, es stört euch nicht, wenn ihr während der Therapie aufgenommen werdet.

Da fällt mir noch ein, es heißt, ein Therapeut muss die Sitzungen dokumentieren. Vielleicht gibt es Leute, die das so verstehen, dass sie einen Dokumentarfilm drehen müssen.
Eisberg voraus!

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R.L.Fellner
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Beitrag Sa., 04.07.2009, 11:54

Es gibt meines Wissens nach in Österreich ebenfalls eine Vielzahl von Institutionen, in denen Therapieplätze für Klienten/Patienten gleichzeitig auch Praktikumsplätze für Therapeuten/innen sind - böse Zungen meinen, daß ohne Praktikanten (Psychotherapie, Psychologie, Medizin usw.) und Zivildienstabsolventen das Gesundheitssystem zusammenbrechen würde.

Für in schlechten finanziellen Verhältnissen befindliche KlientInnen hat ein solches Setting den Vorteil, daß diese Sitzungen günstiger oder sogar kostenlos sind, aber wie es auch sonst nur selten wirklich "Kostenloses" auf der Welt gibt, zahlt man auch hier einen Preis, unter anderem gibt es meist eine nur begrenzte Anzahl von Therapieplätzen und für diese eine begrenzte Zahl der möglichen Sitzungen. Und häufig praktizieren als TherapeutInnen eben nur Praktikanten, dann sind häufig auch andere (bereits ausgebildete) Teammitglieder persönlich oder hinter einem Einwegspiegel anwesend, mitunter werden auch einzelne Sitzungen zwecks Supervision auf Video mitgeschnitten.
Selbstverständlich ist dafür aber eine formale Zustimmung der KlientInnen erforderlich. Da das Supervisions- oder Teamsetting jedoch zu den Rahmenbedingungen gehört, klingt es für mich nicht sonderlich überraschend, daß die Therapie nicht fortgeführt wird, wenn KlientInnen dieser Regelung nicht zustimmen (daß es ein "Recht" darauf gibt, dieser Ansicht kann ich mich so generell nicht anschließen, sondern dies hängt von der Ausrichtung der Institution und dem Therapievertrag ab).
I.d.R. können sich eben nur selbstzahlende KlientInnen der besten Therapiebedingungen erfreuen (absolute Verschwiegenheit, kein Datenaustausch, große Flexibilität usw.) - in einem institutionellen, fremdfinanzierten Kontext ist dies schon aus strukturellen Gründen gar nicht möglich.

Wie auch immer: selbstverständlich gehörten sämtliche Rahmenbedingungen am Beginn der Therapie kommuniziert, nicht mittendrin.

Freundliche Grüße,
Richard L. Fellner

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Beitrag Sa., 04.07.2009, 12:18

Herr Fellner das leuchtet irgendwo ein, wenn man quasi an einem Institutsprogramm teilnimmt aber die Eingangsgeschichte, dass der Supervisor Filmaufnahmen verlangt, dass kann ich mir nicht so recht vorstellen.
Eisberg voraus!

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R.L.Fellner
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Beitrag Sa., 04.07.2009, 12:28

Liebe Flugente,

ich schon, und habe dies sogar auch selbst mal im Zuge meiner Praktika so erlebt. Wie gesagt gehörte aber auch nur die prinzipielle Möglichkeit einer solchen Notwendigkeit schon am Beginn kommuniziert, nicht während der laufenden Therapie.

Freundliche Grüße,
R.L.Fellner

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candle
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Beitrag Sa., 04.07.2009, 12:40

Hallo!

So ist es für mich nachvollziehbar wie es Herr Fellner schreibt. Und jetzt weiß ich eben nicht wie es wirklich bei 3,1415 gelaufen ist. Das führt dann immer zu einem Hochschwappen einer einseitigen Meinung. :red:

Ich kannte mal einen angehenden Zahnarzt bei dem ich hätte auch "Klient" sein dürfen- kostenlos. Das liegt zwar etwas anders, aber ein bißchen ähnlich vielleicht.

candle
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Flugente
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Beitrag Sa., 04.07.2009, 13:44

Manchmal wären ein paar Hintergrundinfos von den Threaderstellern ganz nützlich. Ich bin von einer "normal" laufenden Therapie ausgegangen, in der plötzlich der Therapeut mit diesen Aufnahmeforderungen gekommen ist. Oder war es vielleicht doch ganz anders? Egal, 3,1415 du weißt jetzt wie die grundsätzliche Lage aussieht.

Alles Gute weiterhin
Flugente
Eisberg voraus!

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Stöpsel
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Beitrag Mo., 06.07.2009, 21:00

Hallo,

also, bei mir war es so, daß der Therapeut faktisch der Leiter der Ambulanz war (hat insofern also nichts mit Praktikant und kostenlos zu tun, und in Deutschland gibt es ja genug Möglichkeiten, über Kasse Therapie zu machen, ohne daß man sich filmen lassen muß)
R.L.Fellner hat geschrieben:Da das Supervisions- oder Teamsetting jedoch zu den Rahmenbedingungen gehört, klingt es für mich nicht sonderlich überraschend, daß die Therapie nicht fortgeführt wird, wenn KlientInnen dieser Regelung nicht zustimmen (daß es ein "Recht" darauf gibt, dieser Ansicht kann ich mich so generell nicht anschließen, sondern dies hängt von der Ausrichtung der Institution und dem Therapievertrag ab).


Eben, so sehe ich es auch.

R.L.Fellner hat geschrieben:Wie auch immer: selbstverständlich gehörten sämtliche Rahmenbedingungen am Beginn der Therapie kommuniziert, nicht mittendrin.


Hm, da merke ich erst jetzt, daß das bei mir ja auch der Fall war (also, daß es mir erst mittendrin gesagt wurde -aber gut, wenn das das einzige Problem gewesen wäre, hätte sich da sicher eine Lösung gefunden). Na ja, die ganze Situation war damals so verkorkst. Aber auch wenn diese frühere Therapie aktuell in Therapie hin und wieder noch eine Rolle spielt, habe ich mit der Sache jetzt ziemlich abgeschlossen.

Viele Grüße

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hungryheart
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Beitrag Di., 18.08.2009, 10:08

es kann übrigens auch nur im interesse des patienten sein, dass ein supervisor mit im spiel ist.
jemand der von außen die sache anschaut und den therapeuten coachend berät und anleitet.
dass das viel besser geht, wenn der supersivor sich die interaktion therapeut/patient auf einem film anschauen kann dürfte allen einleuchten (denn sonst ist der supervisor ja allein auf die schilderungen des therapeuten angewiesen. wenn nun der therapeut klagt,"mit patient x komme ich nicht weiter, der ist so schwierig und arbeitet nicht mit" und der supervisor entdeckt auf dem film der therapiestunde kommunikationsfehler des therapeuten, die dem thera nicht bewusst sind, nur mal so als beispiel, ist doch am allermeisten dem patienten gedient.
(abgesehen davon, dass der supervisor ebenfalls der schweigepflicht unterliegt.)

wer sich darüber beschwert, muss sich auch beschweren, wenn ein assistenzarzt einen unklaren befund mit einem erfahrenen kollegen bespricht, dem oberarzt oder dem chef vorstellt.
in der behandlung des patienten unterliegen die alle der schweigepflicht und wenn ein junger, unerfahrender kollege fälle mit erfahrenen kollegen bespricht, hat das a) für den patienten nur vorteile und ist in vielen fällen b) auch vorgeschrieben
Nimm was du willst und zahl dafür.