Neuroleptika/ Zyprexa

Erfahrungsaustausch zur Begleitmedikation zur Psychotherapie (Psychopharmaka und pflanzliche Mittel). Achtung: dient nicht zur gegenseitigen Medikamentenberatung, die ausschließlich Fachärzten vorbehalten ist. Derartige Beiträge werden aus dem Forum entfernt.
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littlebuddha
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Re: Neuroleptika/ Zyprexa

Beitrag Di., 09.06.2009, 11:07

Das Schlimme ist doch irgendwie, dass der Psychiater nicht fragt (und sich wahrscheinlich auch gar nicht dafür interessiert), WARUM man Angst hat bzw. wovor, wie es dazu kam und welche neuen Wege aus der Angst herausführen könnten. Das einzige, was interessiert ist eine schnelle Beruhigung zu finden: Neuroleptika.

Bei Antipsychotika, zu denen ich seit einiger Zeit eine weniger "radikale" Position habe, sollte es doch eigentlich so sein wie mit Zahnschmerztabletten: Man nimmt sie eine ieZeitlang gegen die Schmerzen, bis der Zahnarzt dann das Kariesloch findet, bohrt, zumacht. Dann ist gut und man braucht keine Pillen mehr. Dummerweise erzählt uns die Industrie dass Pillen der einzige Weg sind, weil wir ja ach so biologisch determiniert sind. Ich denke sehr wohl dass es Prädispositionen gibt (zB eine höhere Sensibilität), dass es aber in den meisten Fällen falsch ist zu sagen dass die Potenzialität für Schizophrenie/Depression/etc. von Geburt an in einem Menschen gegeben war.

Es ist mit uns Menschen in etwa wie mit einem Samen: Uns ist eine gewisse (genetische) Grundausstattung gegeben (die sehr wichtig ist). Aber selbst der beste Samen gedeiht nicht, wenn er nicht richtig oder sogar völlig falsch gewässert wird. Wir Menschen kommen auf die Welt mit gewissen Voraussetzungen (ich denke darüber brauchen wir nicht zu diskutieren). Dennoch sind wir nicht von Geburt an "fertig" und von nun an geht alles seinen genetisch determinierten Weg. Familiäre Bedingungen etc. haben meiner Meinung nach doch auch einen Effekt auf die Entwicklung des Kindes. Selbst der beste Samen geht zugrunde, wenn er nicht richtig gewässert wird, und ein schwacher Same kann doch wachsen wenn er richtig gewässert wird.

Warum bin ich so klug und meine Familie ist so uninteressiert und unwissend? Warum studiere ich und will promovieren und der beste Abschluss in meiner Kernfamilie ist dagegen Realschule? Woher kommt meine Fähigkeit? Aus den Genen? Warum habe dann nur ich diese Gene und meine Familie nicht? Zu sagen das meiste steckt in den Genen halte ich aus dieser persönlichen Erfahrung für Unsinn.

Zurück zum Thema: Ich glaube wie Research, viele "Krankheiten" sind von der Industrie "erfunden" bzw. definiert worden, um Pillen abzusetzen. Schwere Störungen wie Schizophrenie/Psychose, denke ich, sind das aber eher nicht. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, wie so was auf mich wirkt: Hatte einen Zeckenbiss! Las danach von FSME. Fühlte mich schlagartig krank und bekam Kopfschmerzen, hatte plötzlich Panik ich sei infiziert. Nur weil ich davon gelesen hatte! Ich denke bei psychischen Störungen könnte es bei manchen Menschen ähnlich sein.
Ich habe aufgehört, für mich alleine zu leben und angefangen, für uns alle zu leben.
Nennt mich Little!


Feenya
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Beitrag So., 27.07.2014, 10:43

Das Schlimme ist doch irgendwie, dass der Psychiater nicht fragt (und sich wahrscheinlich auch gar nicht dafür interessiert), WARUM man Angst hat bzw. wovor, wie es dazu kam und welche neuen Wege aus der Angst herausführen könnten. Das einzige, was interessiert ist eine schnelle Beruhigung zu finden: Neuroleptika. 
Das Zitat muss ich mir merken. Vielleicht brauche ich es nochmal in der Argumentationskette.

Bei meinem Mann war es so, dass er auf Olanzapin von Monat zu Monat immer mehr eingeschränkt wurde. Und dadurch wuchs die Angst, dass er nie wieder gesund werden kann. Und auch nicht mehr von den Medikamenten wegkommt, die ihm gar nicht gut tun. ( Und die er eigentlich nach 6 Monaten wieder weg haben wollte. So wie man Krücken bei Bein- und Fußverletzungen auch nicht jahrelang anwendet.)
Anfang des Jahres hatte er die ersten Angst- und Panikanfälle. Nach 2 Tagen war der Spuk wieder vorbei.
Bis zum März kamen sie aber immer öfters und länger.
Ab da kam mein Mann aus seinen Ängsten gar nicht mehr raus. Waren es im Jänner nur zwei Tage, an denen mein Mann ängstlich war, musste er Ende Mai schon froh sein, wenn er zwei angstfreie ( oder zumindest erträgliche) Tage pro Woche hatte. 5 bis 7 Tage Angst und Panik von morgens bis abends!

Und was macht man in der Psychiatrie? Man geht mit Seroquel beinahe auf die Höchstdosis!

Da entwickelt ein Patient Ängste aufgrund der Nebenwirkung und Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands, und die Psychiatrie hat als Antwort: Neuroleptika, hochdosiert!
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt.

*Albert Einstein*


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Beitrag Mo., 25.11.2019, 17:16

Der Thread ist alt, aber ich habe akut ne Frage, vielleicht nimmt ja noch jemand Zyprexa.

Ich wurde vor drei Wochen relativ schnell von 600 mg Seroquel Prolong auf 15 mg Zyprexa umgestellt. Ich vertrage es gut, hatte am Anfang aber Entzugssymptome vom Seroquel und ein bisschen aufflackerndes psychotisches Erleben von der Umstellung.

Mein Problem ist, dass ich das Zyprexa abends nehme und es ist auch alles gut, morgens nehme ich noch Cymbalta und Solian. Jetzt bekomme ich ab mittags immer so eine innere Unruhe und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dss der Spiegel von Solian und Zyprexa vielleicht zu schnell fällt? Seroquel Prolong wirkte ja 24 Stunden quasi.
Ich habe jetzt als Bedarf mal Atosil genommen, was mich auch ruhiger werden lässt, die Tropfen wirken ja schnell.
Ich möchte nicht direkt meinen Psychiater konsultieren, außer das geht gar nicht mehr weg. Mich würde interessieren, ob auch jemand anderes, der Zyprexa abends nimmt, diese starke innere Unruhe nachmittags spürt.
Ich bin auch bei Cymbalta rapid cycler, es könnte also theoretisch auch sein, dass ich Zyprexa zu schnell verstoffwechsel.
"Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)