Antidepressiva bei BPS

Erfahrungsaustausch zur Begleitmedikation zur Psychotherapie (Psychopharmaka und pflanzliche Mittel). Achtung: dient nicht zur gegenseitigen Medikamentenberatung, die ausschließlich Fachärzten vorbehalten ist. Derartige Beiträge werden aus dem Forum entfernt.
Benutzeravatar

Thread-EröffnerIn
Jolo
sporadischer Gast
sporadischer Gast
weiblich/female, 35
Beiträge: 13
Wohnort: Hamburg
Status: Offline

Antidepressiva bei BPS

Beitrag Sa., 03.04.2021, 10:45

Hallo! Aufgrund von Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und depressiven Episoden möchte ich mir ein Antidepressivum verschreiben lassen. Natürlich lasse ich mich im Vorfeld von einem Psychiater beraten.
Dennoch möchte ich gerne eure Erfahrungen mit Antidepressiva bei einer BPS kennelernen. Mit welchem werdet ihr behandelt, wie sind eure Erfahrungen, welches Antidepressivum nehmt ihr ein?

Gibt es ein mildes Antidepressivum, welches keine Müdigkeit, Abhängigkeit und Gewichtszunahme zur Folge hat?

Vielen Dank!

Benutzeravatar

alatan
Forums-Insider
Forums-Insider
weiblich/female, 45
Beiträge: 395
Wohnort: welt
Status: Offline

Beitrag Sa., 03.04.2021, 11:22

Jolo hat geschrieben:
Sa., 03.04.2021, 10:45
Gibt es ein mildes Antidepressivum, welches keine Müdigkeit, Abhängigkeit und Gewichtszunahme zur Folge hat?
Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal! Das geht nun wirklich nicht!

Was meinst du mit "mild"? Psychopharmaka sind nie mild. Sehr gängig sind SSRI, z. B. Sertralin, Escitalopram und SNRI, z. B. Venlafaxin, Duloxetin, die meistens nicht müde und dick machen (kann aber passieren). Abhängigkeitspotential haben sie alle (muss aber nicht sein).

Benutzeravatar

Shukria
Forums-Insider
Forums-Insider
anderes/other, 38
Beiträge: 280
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Sa., 03.04.2021, 16:30

Antidepressiva haben kein! Abhängigkeitspotential. Allerdings kann man sie nicht einfach absetzen da es Absetzsymptome gibt gerade bei den letzten mg, die denen der ursprünglichen Symptome sehr ähneln. Also nur langsam reduzieren/ausschleichen mit Arzt ist sinnvoll. Aber du brauchst nicht immer mehr oder kommst davon nicht mehr los.

Benutzeravatar

Sinarellas
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 37
Beiträge: 1243
Wohnort: ♄ Saturn ♄
Status: Offline

Beitrag Sa., 03.04.2021, 17:30

Der Entzug ähnelt dem von Benzodiazepinen

Auch Wissenschaftler vom Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen kamen 2011 zu dem Schluss, dass die Entzugsreaktion auf SSRI der auf Benzodiazepine ähnele. Es erscheine sinnvoll, die Beschwerden bei SSRI (wie bei den Benzodiazepinen) als Teil eines Abhängigkeitssyndroms zu betrachten. Den Grund für die Ungleichbehandlung sehen die dänischen Forscher darin, dass die Definition der Abhängigkeit in den Klassifikationssystemen für psychische Störungen geändert worden sei.
https://www.spektrum.de/news/machen-ant ... ig/1626864
Schlussfolgerung: Es gibt eine robuste Datenlage für akute Entzugssyndrome nach Absetzen von Antidepressiva. Rebound-Phänomene sind bislang unzureichend untersucht. Ein Ausschleichen von Antidepressiva über mehr als vier Wochen wird empfohlen.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/20728 ... depressiva

Nur mal so ein paar schnelle lustige Suchen.
..:..

Benutzeravatar

Pianolullaby
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 38
Beiträge: 2216
Wohnort: Schweiz
Status: Offline

Beitrag Sa., 03.04.2021, 18:22

ausserdem gibt es etwa 100 verschiedene AD und jeder Mensch ist anders, und hat andere Komorbiditäten, also NEIN man kann Dir hier nichts raten. Dass muss du wirklich direkt besprechen. Wir sind keine Ärzte `!!!
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum

Benutzeravatar

diesoderdas
[nicht mehr wegzudenken]
[nicht mehr wegzudenken]
weiblich/female, 80
Beiträge: 1464
Wohnort: Deutschland
Status: Offline

Beitrag Sa., 03.04.2021, 19:14

Ich sehe die Aussage, ADs würden nicht süchtig machen auch etwas kritisch.

Ja, sie machen nicht süchtig wie Benzos oder Alk oder sonstwas. Man denkt nicht "ich brauch die nächste Pille oder die nächste Flasche Bier", da ADs ja nicht diesen Soforteffekt haben.

Die Absetzsymptome werden aber meiner Meinung nach auch von Ärzten leichtfertig verschwiegen. Da heißt es nur "das macht nicht abhängig". Wer dann vorher nicht in den Beipackzettel schaut, erfährt von Absetzssymptomen gar nichts. Und selbst wer es liest.... ich finde da wird es eher verharmlosend und als "schnell vorbei" beschrieben.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass AD absetzen ziemlich böse sein kann. Ich habe es einige Male erst gar nicht geschafft und als ich es schließlich geschafft habe, hatte ich massive Absetzsymptome.Also NICHT die Symptome, die ich vorher hatte, sondern Absetzsymptome. Dieses Kribbeln, was viele beschreiben, merkwürdige Gefühle im Kopf bei Augenbewegungen, restless legs syndrom (übel!!!!, quasi nicht mehr möglich auf Arbeit zu gehen).

Ich definiere für mich "macht nicht abhängig" als: ich kann etwas ganz einfach wieder weglassen. Und bei ADs ist das definitiv nicht so. Wobei das bei jedem anders sein kann, sogar bei ein und derselben Person.
Nach diesem Absetzen wollte ich nie mehr ein AD nehmen, da ich das Absetzen nicht nochmal mitmachen wollte. Blöderweise habe ich dann doch nochmal eines genommen (als ein körperliches Symptom von Ärzten als psychisch abgetan wurde.... was es aber nicht war), da ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste. Das Absetzen dieses zweiten ADs war Kinderfasching gegen das Absetzen des ersten (spürbar, aber für mich gut aushaltbar).

Ich finde, bei ADs sollte man sagen: "Die machen nicht auf die Art abhängig wie z.B. Tranquilizer, ABER....."

Ich hatte mal einen Bericht eines Psychiaters (?) gelesen, der meinte, man sollte eigentlich auch bei ADs von Abhängigkeit sprechen, weiß aber den Inhalt nicht mehr genau und finde es auch nicht mehr.

@Jolo: Müdigkeit oder Gewichtszunahme hatte ich bei keinem AD (ich nahm Paroxetin und Venlafaxin; ersteres viele Jahre und Absetzhölle, zweiteres nur ca 1 Jahr und okay beim Absetzen)