Wie sehr beeinflussen Psychopharmaka die Stimmung?

Erfahrungsaustausch zur Begleitmedikation zur Psychotherapie (Psychopharmaka und pflanzliche Mittel). Achtung: dient nicht zur gegenseitigen Medikamentenberatung, die ausschließlich Fachärzten vorbehalten ist. Derartige Beiträge werden aus dem Forum entfernt.
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sgtmax1
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Wie sehr beeinflussen Psychopharmaka die Stimmung?

Beitrag Di., 09.06.2020, 11:28

Mein Facharzt(für Psychotherapie und Psychiatrie) meinte schon des öfteren zu mir ob ich Psychopharmaka verschrieben haben will, da dadurch die Therapie womöglich besser funktionieren würde und bisher habe ich auch immer abgelehnt, allerdings als ich meiner Therapeutin letztens vom "Ritzen" erzählt habe meinte auch sie, ob ich schon mal darüber nachgedacht hätte.

Und tatsächlich habe ich es mir zu dem Zeitpunkt schon ernsthaft überlegt.
Ich habe immer gesagt, ich werde so lange es mir halbwegs gut geht keine Psychopharmaka nehmen, da natürlich hier immer ein gewisses Sucht-Risiko auch besteht.

Um auf den Grund meiner Frage zu kommen.
Ich bin viel im Schauspielbereich unterwegs und man benötigt immer wieder unterschiedliche Gefühle, usw. um eine Rolle gut zu spielen und ich habe einfach die Sorge das mir ein Psychopharmaka dies erheblich erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen würde.

Daher meine Frage, wie stark ist die Beeinflussung durch Psychopharmaka?(im Durchschnitt, mir ist schon klar das es von Patient zu Patient und von Medikament zu Medikament variieren wird)

mfg max


theweirdeffekt
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Beitrag Di., 09.06.2020, 12:01

Hallo Max,

also bei mir hat dadurch das Grübeln aufgehört, ich hatte wenìger Panikattacken und Ängste, war insgesamt stabiler, weshalb ich mich besser auf die Themen in der Therapie einlassen konnte.

Es war aber nicht so als wäre ich wie ein "glücklicher" Zombie durch die Gegend gerannt. Anfangs hatte ich eine Art Emotionsverflachung, ein dickeres Fell, keine gravierenden Ausschläge nach oben oder unten. Das hat sich mit Dauer der Einnahme aber gelegt (ich hab sie ca 2 Jahre genommen).

Dh zwischen Emotionen bei Einnahme und nach Absetzen hab ich keinen Unterschied festgestellt. Ich hab normale Stimmungen gehabt. Also mal super, mal traurig, mal wütend etc. Das ganz normale Biorythmusarsenal.

Ich hatte zum Glück auch keine schlimmen Absetzerscheinungen. Ich habs schon "gespürt", aber verträglich und im Rahmen. Durch die Medis ging (mMn bei mir) bei der Therapie viel weiter.

Alles Gute
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Pianolullaby
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Beitrag Di., 09.06.2020, 20:59

Diese Frage wird Dir niemand beantworten können. Denn es gibt 100.e verschiedene Medikamente, und jedes wirkt anders.
Und ausserdem wirkt es dann auch noch bei jeder Person anders. Das heisst, es gibt für nix eine Garantie oder eben nicht. Du wirst es ausprobieren müssen
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chrysokoll
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Beitrag Mi., 10.06.2020, 10:28

es gibt nicht DAS Medikament
Manche beeinflussen sehr, verflachen auch die Gefühle, andere gar nicht.

Um was genau geht es denn? Antidepressiva? Anderes?
Letztlich kannst nur du die Entscheidung treffen ob du etwas nehmen willst, ob du es probieren willst, ob du auch bereit bist eventuelle Nebenwirkungen zu akzeptieren - und das kann vieles sein.

Und auch ob du das jetzt tatsächlich brauchst, ob du Alternativen siehst damit umzugehen, an dir zu arbeiten.
Psychiater verschreiben gerne und viel, das ist ihr Job. Man muss das nicht unreflektiert befolgen.


theweirdeffekt
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Beitrag Mi., 10.06.2020, 11:17

Meins war übrigens Cipralex.

Aber wie Piano und Chrys schon richtig schrieben: ist natürlich alles sehr subjektiv und individuell verschieden.

Alles Gutw
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alatan
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Beitrag Mi., 10.06.2020, 17:08

chrysokoll hat geschrieben:
Mi., 10.06.2020, 10:28

Psychiater verschreiben gerne und viel, das ist ihr Job. Man muss das nicht unreflektiert befolgen.
Falsch. Weder ist das "ihr Job", noch tun "sie" das gerne und viel. Es gibt etliche Gegenbeispiele.


Candykills
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Beitrag Mi., 10.06.2020, 17:16

Das ist unmöglich zu prognostizieren, wie sich die Einnahme von Antidepressiva bei dir bemerkbar macht. Aber es flacht auf jeden Fall die Gefühlswelt etwas ab.
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Beitrag Do., 11.06.2020, 07:26

Mir ist schon bewusst das die Wirkung von Mensch zu Mensch und von Medikament zu Medikament unterschiedlich sein kann(hab ich ganz am Anfang schon geschrieben), ich wollte nur eure Erfahrungen damit wissen, damit ich mir ungefähr ein Bild davon machen kann.

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Sinarellas
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Beitrag Do., 11.06.2020, 08:34

Ich war gefühlstot bei der einnahme nach einiger Zeit. Mich hat nichts mehr hoch oder herab gehoben im Leben. Das ist prima wenn man überleben will, nicht aber wenn man doch gern menschlich wäre. Klar kjann das bei jedem anders sein, aber das risiko ist hoch dass es dich extrem dämpt.
Wann immer möglich: Erstmal ohne Medikamente.
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Inga
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Beitrag Do., 11.06.2020, 09:36

Nun ja, wenns um reine Erfahrungsberichte geht:

- Medi 1, Neuroleptikum (niedrig dosiert, nicht als Antipsychotikum): Hat mich nach längerer Zeit endlich mal wieder zur Chefin in meinem eigenen Kopf gemacht, d.h. ich hatte eher den Eindruck, dass es mir ermöglicht, meine volle Gefühls-Spannbreite wieder zu leben (und nicht bloss negative Gedanken)

- Medi 2, Benzo: Nur als Bedarfsmedi, das macht ein angenehmes Ruhe-Gefühl, von dem könnte ich mir am ehesten vorstellen, dass es die schauspielerischen Fähigkeiten negativ beeinflusst

- Medi 3 und 4, wieder Neuroleptika, niedrig dosiert: Machen jeweils bissl ruhiger, in Mini-Dosis ist eins davon ein exzellentes Schlafmittel für mich, wirkt sich ansonsten dann nicht weiter aus

- Medi 5, Antidepressivum: Das hat bei mir (und ich bin da eine Minderheit!) fantastische Angstzustände ausgelöst. Also, wenn ich mal, trotz schauspielerischer Null-Begabung, jemanden spielen müsste, die vor Angst fast wahnsinnig wird - das ein paar Tage zu nehmen wäre ideale Voraussetzung. Wir habens dann nach drei Wochen abgesetzt :cool:

Es gab dann noch ein paar andere Experimente von jeweils sehr kurzer Dauer. Ich denke, Du siehst - es kann wirklich völlig unterschiedlich sein. Und vor allem - bevor Du was ausprobierst, kannst weder Du noch Deine Psychiaterin wissen, wie sich ein bestimmtes Medi bei Dir auswirkt.
Aber zu Deiner Beruhigung: Wenn Du ein Medi ausprobierst verpflichtest Du Dich ja nicht dazu, das jetzt ein halbes Jahr oder länger zu nehmen. Wenn Du findest, Du wirst schlechter in Deinem Beruf dadurch, oder auch, wenn Du mit einer Nebenwirkung nicht klarkommst, dann setzt Ihr das halt wieder ab. Und probiert was anderes, oder Du entscheidest, dass Du lieber ohne Medikamente weitermachen willst.

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Joa
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Beitrag Do., 11.06.2020, 13:08

Nehme seit Jahren Antidepressiva, kann aber bis heute nicht sagen, ob die was bringen bzw. in irgendeine Richtung ändern. Klingt bekloppt, schon klar. Hab leider keinen "Normalzustand" als Referenz, da die gesamten letzten zehn Jahre Ausnahmezustand waren. Daher schwer zu sagen. Ich nehme sie trotzdem weiter, da es ohne bestimmt nicht besser ist.

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Pianolullaby
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Beitrag Do., 11.06.2020, 20:33

Die Erfahrungen werden dir nichts bringen, WEIL es so unterschiedlich ist
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Plutani
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Beitrag Do., 11.06.2020, 23:54

Hallo Max,

Sprich unbedingt an, dass du keine abschirmenden oder sedierenden (benommen machende) Medikamente bekommen möchtest, um die Fähigkeit zu Gefühlsäußerungen nicht zu gefährden. Da es viele Menschen gibt, die an einer unruhigen/nervösen Art der Depression (oder z.B. paranoiden Zuständen im Rahmen einer Psychose) leiden, gibt es viele Medikamente, die einen eher herunterfahren, was dann auch zweckfördernd ist. Du wünscht dir das aber eben nicht. Dein Arzt kann das dann für dich berücksichtigen!

Falls es um Antidepressiva geht - lies vielleicht einmal was zu Agomelatin und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Duloxetin oder Venlafaxin oder auch zu MAO-Hemmern durch.
Eine Kombination aus Psychotherapie und Pharmakagabe ist für viele Menschen hilfreich und hat sich in Studien auch als die effektivste Variante erwiesen. Aber das ist, wie schon oft hier erwähnt, eben individuell verschieden.
Ansonsten ist deine Vorsicht aber schon richtig, da alle Medikamente Nebenwirkungen haben können. Aber darüber kann dich dein Arzt gut aufklären und man kann meist gut darauf reagieren (Dosisveränderungen, Medikamentenwechsel).