Meine Eltern schämen sich wegen mir

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit halten viele Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereit - hier ist der Platz, sich darüber auszutauschen (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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nopoint
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Meine Eltern schämen sich wegen mir

Beitrag Sa., 10.08.2019, 17:03

Ich weiß nicht ob mein Beitrag im richtigen Forum ist.
Meine Eltern sehen mich als einen Nichtsnutz und einen Sonderling der im Leben nichts erreichen wird. Mein Vater meinte man sollte mir Tabletten gegen meine Sozialphobie, die mir ein Psychiater diagnostiziert hat, ins Essen mischen. Meine Mutter schämt sich dafür dass ich trotz des Führerscheins den ich besitze nicht mit dem Auto fahre. "Andere Leute die um uns herum wohnen werden sich darüber ihren Teil denken", "Da lachen uns die Leute aus" und "Nur asoziale Fälle haben keinen Führerschein" sagt sie.
Ich fühle mich allein.
.........
Zuletzt geändert von Tristezza am Sa., 10.08.2019, 20:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreffzeile "Wenn sich Eltern schämen" präzisiert.

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Chancen
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Beitrag So., 11.08.2019, 09:15

nopoint,

Kein Wunder, dass du soziale Phobien entwickelt hast, wenn du in einem solchen Umfeld großgeworden bist, in dem deine Eltern so denken, sprechen und handeln.

Dass du dich da allein fühlst, kann ich gut verstehen, denn es ist einsam in einer Familie, in der man nicht wirklich gesehen und angenommen wird, so wie man ist.

Leider kann man sich seine Familie nicht aussuchen und nur in den seltensten Fällen ist man mit einer idealen Familie gesegnet, in der einem Verständnis entgegengebracht wird, wenn man komische Symptome und Zustände hat.

Am besten, du suchst dir außerhalb Unterstützung. Entweder über Freunde oder über eine nette Therapeutin, die diesen anstrengenden Weg mit dir gehen kann. Es git auch Selbsthilfegruppen, aber natürlich ist es mit sozialen Ängsten noch schwieriger, sich dort überhaupt einmal hinzutrauen.

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cinikus
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Beitrag So., 11.08.2019, 09:45

Das klingt wie ein Sozialphobie-Trainings-Camp, was da in deiner Familie abgeht. Genau solche Gedanken sind es doch, die die Sozialphobie schüren. Sich ständig fragen, was die anderen denken, und vor allem dabei IMMER davon ausgehen, dass es nur negativ sein kann.

Schau, dass du schleunigst von da wegkommst und dir ein Leben mit positiveren Menschen aufbaust. Schäm dich nicht, dafür therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Auch der Anblick des Schlechten kann eine Schulung für das Gute sein! Niccolò Tommaseo

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nopoint
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Beitrag So., 11.08.2019, 09:55

@Chancen:
ich habe/hatte bereits jemanden, mit dem ich gern reden wollte und wo es mir recht leicht fiel zu reden/zu schreiben, allerdings nutzte diese person es aus und ihr ist es komplett egal wie es mir geht. ich habe niemanden. ich bin von meinen eltern abhängig, ich kann die meisten dinge nicht alleine machen, weil ich unsicher bin, weil ich nicht oft nicht weiß was auf mich zukommt, was in einer situation passieren könnte.

@cinikus:
mittlerweile passt es ihnen einfach überhaupt nicht mehr, dass ich keinen job habe und es regt sie auf, dass ich keine lust habe mit dem auto zu fahren. wenn ich in meinem zimmer sitze, höre ich wie sie diskutieren. gestern hab ich eben gehört wie mein vater das mit den tabletten gesagt hat.
ich war bereits in therapie, mehrmals, aber die therapeuten passten nicht.

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Chancen
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Beitrag So., 11.08.2019, 10:43

Leider werden soziale Phobien durch Rückzug immer aufrecht erhalten und oft sogar noch schlimmer.
Der jetztige Zustand hört sich unerträglich an. Der einzige sinnvolle Weg führt ins Ungewisse, raus aus der Isolation. Hört sich vielleicht für dich auch unerträglich an, aber so hast du zumindest die Chance, dass alles besser wird. Dein jetztiges isoliertes "Unerträglich" verspricht keine Hoffnung.

Kannst du mit deinem Hausarzt/Psychiater reden, was man noch tun könnte? Am besten auch, du suchst dir einen Therapeuten, mit dem es wirklich passt. Einen, bei dem du dich verstanden und unterstützt fühlst, sodass du kleine Schritte in eine neue Richtung machen kannst.

Sozialphobien kann man überwinden und man kann lernen ein selbstständiges Leben zu führen. Auch wenn du mega viel Schiss davor hast. Das ist ja das Wesen sozialer Ängste ;-)

Ich wünsche dir viel Mut für deinen Weg!

Chancen

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nopoint
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Beitrag So., 11.08.2019, 10:57

isoliert bin ich jetzt nicht, ich bin täglich mit dem zug unterwegs. mir fehlt jemand mit dem ich mich austauschen kann, nicht bloß ein therapeut mit dem ich über probleme rede, sondern jemand der mich wertschätzt, mit dem ich spaß habe.

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ich finde meine eltern passen nicht zusammen und sie haben viel zu schnell ein kind bekommen. meine mutter sagte gestern auch, sie weiß nicht von wem ich dieses "sonderfall-sein" habe.
von ihr kamen auch schon sätze wie "ich steck dich ins heim" "was bist du für ein sonderling, das hätte ich mir nie träumen lassen" "ich kann mich schämen, wenn mich jemand fragt was sie macht, ob sie schon einen job oder den führerschein hat. gut dass ich niemanden antreffe".

meine eltern streiten oft, hauptsächlich deswegen, weil mein vater zu spät nachhause kommt. wenn sie streiten beleidigen sie sich. meine mutter hat meinen vater auch schon ein paar mal angespuckt. oft war ich zwischendrin bzw. daneben und versuchte den streit "unter kontrolle zu halten" bzw. zu verhindern dass mein vater meiner mutter wehtun möchte.

wenn wir im urlaub essen waren meinte meine mutter z.b. auch schon mal "steh jetzt auf und hol dir noch was zu essen!", wenn ich das nicht sofort machte meinte sie "die leute schauen schon, steh jetzt auf!".

angeblich wären meine mutter und mein onkel früher auch schüchtern gewesen, aber nicht so wie ich und so wie meine mutter das rüberbrachte, legte sich das aufeinmal nach der pubertät. meine mutter war im gegensatz zu mir als jugendliche ständig unterwegs, sie hatte eine freundin die sie von lokal zu lokal mitschleppte und am nächsten tag war sie arbeiten. sie musste sich in einem geschäft in der nähe jeden tag etwas zu essen holen. angeblich wären alle in meiner familie etwas ruhiger.


cinikus
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Beitrag So., 11.08.2019, 11:00

nopoint hat geschrieben:
So., 11.08.2019, 10:57
meine mutter sagte gestern auch, sie weiß nicht von wem ich dieses "sonderfall-sein" habe.
Von der Art wie sie dich behandelt.
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Beitrag So., 11.08.2019, 12:39

Mit isoliert meinte ich vor allem, sozial isoliert, also ohne Freunde und Gedankenaustausch ohne Bekannte oder Kollegen, mit denen man auch einmal Belangloses reden und einfach einen Kaffee trinken gehen kann, wenn man möchte.

In so etwas muss man sich einüben. Die meisten machen das schon ihr ganzes Leben lang und sind immer in der Übung. Wenn man sich aber sozial aus lauter Angst und Unsicherheit zurückzieht, muss man all das erst wieder üben. Therapie gehört da auch zur Übung, ist aber vor allem auch Unterstützung, damit man sich wieder Üben traut ;-)

Dass deine Eltern dir so Vorwürfe machen und dich unter Druck setzen ist kontraproduktiv. Wie schon oben gesagt, wenn man solche Eltern hat, dann ist es kein Wunder, wenn man ein (soziale) Störung entwickelt. Das checken deine Eltern aber nicht, sondern hacken lieber noch eine Runde auf dir rum, um mit ihren eigenen Unsicherheiten klar zu kommen.

Nochmal, tut mir leid, dass deine Eltern so schwierig sind.

Wenn du nicht von ihnen abhängig bleiben willst, wird dir nichts anderes übrig bleiben, als dich von ihnen zu empanzipieren. Und dieser Weg geht nur über Mut, Üben und rein ins Ungewisse. Er geht über Therapie, soziale Kontakte und eine Arbeit, die es dir ermöglicht, selbständig zu leben und deine eigenen Entscheidungen zu treffen, ohne ständig deine Eltern im Genick zu haben.

Damit du da hin kommst, ist Unterstützung vermutlich notwendig. Oder du gehst in die Bücherei und borgst dir Bücher zum Thema Ängste, Sozialphobie, Depressionen, Therapie, Entwicklungsmöglichkeiten aus, damit du dir dort Anregungen holen kannst.

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Beitrag So., 11.08.2019, 17:38

cinikus hat geschrieben:
So., 11.08.2019, 11:00
nopoint hat geschrieben:
So., 11.08.2019, 10:57
meine mutter sagte gestern auch, sie weiß nicht von wem ich dieses "sonderfall-sein" habe.
Von der Art wie sie dich behandelt.

Fulluote aus Gründen:

Exakt deshalb.
jepfe Pfelle meipfe Köpfepfs ipfs glüpflipf :stumm: :stumm: :stumm: :stumm:

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Beitrag So., 11.08.2019, 17:40

So. Du bist 18 Jahre alt, also volljährig.

Das beste, was Du tun kannst, ist diesen ganze Kladderadatsch zur Seite zu schieben, Deine 7 Zwetschgen (sorry, Zwetchken) zu packen und auszuziehen.

Aus.

Geh da weg, Du warst lange genug dort, offensichtlich macht Dich das krank.
jepfe Pfelle meipfe Köpfepfs ipfs glüpflipf :stumm: :stumm: :stumm: :stumm:

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rainyday
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Beitrag Mo., 12.08.2019, 01:38

Hallo nopoint,

deine Mutter hat offenbar ein sehr sehr geringes Selbstvertrauen. Das hat leider auf dich abgefärbt. Räumlicher Abstand tut da sehr gut!
Erkundige dich mal, welche Möglichkeiten du hast, auszuziehen. Arbeitslosengeld, Kindergeld, betreute WG, ...?

Viel Grüße
rainy
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Beitrag Mo., 12.08.2019, 21:08

es stimmt schon, dass ausziehen besser wäre als weiterhin zuhause zu bleiben. leider ist das leichter gesagt als getan. ich hab mehrere probleme die das verhindern.
einerseits will ich dass sich was ändert, andererseits will ich nicht so recht was tun, ich hätte gern, dass sich von selbst alles ändert, was natürlich nicht passieren wird.
ich hätte gern einfach nur meine ruhe.

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Pianolullaby
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Beitrag Mo., 12.08.2019, 22:37

tja nein ändern wird sich null, wenn Du es nicht tust, denn geflogen kommt nämlich gar nichts,
und schon gar nicht ohne Dein zutun.
Also falls du was willst, was ich noch nicht glaube, dann hebe dein popo und tue was.
Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum

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rainyday
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Beitrag Mo., 12.08.2019, 23:07

Miese Situationen ändern sich meist nur dahingehend von selbst, dass sie noch schlechter werden. Du kannst natürlich so lange warten, bis dein Leidensdruck so enorm groß ist und die Situation daheim dermaßen eskaliert, dass Flucht die einzige Rettung ist.
Informiere dich doch erstmal, welche Hilfen es für dich konkret gibt und wie dein Leben in Zukunft aussehen könnte.
Stell dir vor, du würdest eine Million erben und könntest dir was kaufen, wo du ganz allein wärst. Alles was du brauchst würdest du bequem und kontaktfrei übers Internet bestellen. Du hättest die totale Ruhe, aber wäre das nicht öde wie im Grab? Ohne Herausforderungen wirst du dich keinen Zentimeter weiterentwickeln.

LG rainy
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Beitrag Do., 15.08.2019, 17:28

als ich den beitrag schrieb suchte ich nicht wirklich eine lösung, ich wollte in dem moment einfach nur mit jemandem reden. ich kann mich einfach nicht überwinden etwas zu ändern. vorallem weil ich mich in meiner haut/meinem körper nicht wohlfühle. ich habe auch diese hemmungen in meinem gesicht, mal mehr, mal weniger. das fing vor ein paar jahren an.
ich glaube ich bin schnell überstimuliert. manchmal fühlt sich das was um mich herum ist, unwirklich an.