'Zu früh' für Therapie?

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit halten viele Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereit - hier ist der Platz, sich darüber auszutauschen (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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Moecki
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"Zu früh" für Therapie?

Beitrag Mo., 03.02.2020, 15:35

Hallo meine Freunde,
meine Nichte ist 16 und kam neulich auf mich zu, weil sie eine Therapie machen will.
Sie hat soziale Ängste, was durch den Leistungsdruck in der Schule gerade noch zusätzlich angefeuert wird.
Ich finde aber, sie sollte zunächst andere Dinge versuchen, als zu einer PsychotherapeutIn zu gehen.. Mit 16 schon?

Ich weiß nicht wieso ich da ein komisches Gefühl habe... Ich hab nur früher das Gefühl gehabt, so abhängig von der Therapie zu sein, und der "Abschied" war dann schwer. Ic hhab Angst dass die TherapeutIn für sie eine zu bedeutende Rolle einnimmt!

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Coriolan
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 16:44

Ich finde das schwierig zu sagen - die Pubertät ist für die meisten eine schwere Zeit und ob es da "gleich" eine Therapie braucht, muss man natürlich abwägen.

Ich persönlich wäre froh gewesen, wenn ich in dem Alter schon eine Therapie begonnen hätte, denn als ich von dieser Möglichkeit erfuhr und dann irgendwann eine bekam, war's eigentlich schon viel zu spät und bestimmte Dinge hatten sich da leider in der Persönlichkeit schon zu sehr gefestigt, als dass man da noch viel verändern konnte.

So schnell würde es mit einem Therapieplatz für sie vermutlich eh nicht gehen (mit Kinder-/Jugendtherapeuten schaut's ja meist noch besch... aus).
Oh Herr! Lass Hirn oder Backsteine regnen. Egal. Hauptsache, du triffst!

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stern
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 16:49

Für sie zuständig wäre wohl ein Kinder- und Jugendtherapeut. Es geht nicht hervor, wie gravierend ihre Schwierigkeiten sind, so dass sich keinerlei Aussage treffen lässt. Auf eine Therapie aufgrund des Alters zu verzichten, obwohl sie angemessen wäre, würde andererseits auch keinen Sinn machen. Abhängigkeit, die du beschreibst ist ja auch nicht zwingend. Wenn es vermeidbar ist, würde jedoch auch abraten... aber wie gesagt, man weiß nicht, was mit ihr los ist. Man kann auch mit 16 schon krank sein... dann wäre eine frühzeitig Behandlung sinnvoll. Wenn schulischer Leistungsdruck das hauptsächliche Problem ist, lässt sich vllt. hieran ansetzen... also in so einem Fall sind vllt. eher äußere Umstände das Problem und nicht/weniger eine "innere" Störung.
Liebe Grüsse
stern
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candle.
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 16:51

Hallo Moecki!

Wie sieht es denn mit ihren Eltern aus? Das würde ich dann auch mit denen besprechen in Absprache mit der Nichte.

LG candle
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LovisTochter
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 17:30

Vielleicht wäre es ja eine Möglichkeit ersteinmal eine Beratungsstelle aufzusuchen? Da könnte ja geklärt werden, ob eine Therapie indiziert wäre oder ob eine Beratung ausreichend ist.
Wenn Deine Wohnortangabe stimmt, findest Du hier: https://www.stadt-brandenburg.de/dienst ... -traegern/
Anlaufstellen vor Ort.
Viel Erfolg,
LovisTochter
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Candykills
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 17:36

Ich finde eher, man sollte sowas so früh wie möglich richtig behandeln, als dass es sich manifestiert und sie dann mit 30 vor den Trümmern ihres Lebens steht, weil sie "nix auf die Reihe kriegt" auf Grund sozialer Phobie.
Ein Leben ohne Katze ist möglich...aber sinnlos.

„Aber ich wusste von Anfang an, dass die Arbeit mit Schizophrenen bedeutete, das Rätsel zu studieren, ein Mensch zu sein und seinen Verstand verlieren zu können". (Christopher Bollas)

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Montana
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 21:25

Ich fänd auch die Beratungsstelle sinnvoll. Das Problem bei einer Therapie wäre, dass es die nur mit einer Diagnose gibt. Und damit wäre sie für viele Versicherungen, die sie später vielleicht mal abschließen möchte, "verbrannt". Eine Berufsunfähigkeitsversicherung z.B. oder eine private Zusatzversicherung. Mit 16 hat man die üblicherweise noch nicht und hätte auch kein Geld dafür übrig. Mit dem Einstieg ins Berufsleben wird das langsam interessant. Eine wirklich nötige Therapie darf man ihr natürlich nicht vorenthalten, aber sie zahlt dann einen Preis dafür.

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hysperias
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 23:30

Ich finde, dass ihr auf jeden Fall ihre Bitte um Hilfe ernst nehmen solltet. Viele junge Menschen trauen sich ja gar nicht, zuzugeben, dass sie Probleme haben und es muss sie sicher Mut gekostet haben, auf dich zugegangen zu sein.
Und um eine Therapie anzufangen, muss man ja auch erst einmal eine probatorische Stunde ablegen, um mit dem möglichen Thera zu klären, ob eine Therapie indiziert ist und ob diese bei ihm stattfinden wird.
Wenn sie von sozialen Ängsten spricht, kann das aber eventuell auch mit dem Umfeld zu tun haben. Vielleicht möchtest du sie einmal genauer dazu befragen?
Fantasie, verlass' mich nie!

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Montana
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Beitrag Mo., 03.02.2020, 23:40

Sie weiß aber wahrscheinlich gar nichts über das Problem mit den Versicherungen. Hätte ich in dem Alter jedenfalls nicht. Darum würde ich das mit ihr besprechen und nach Möglichkeiten suchen, die ihr jetzt helfen, aber für später keine Steine in den Weg legen. Soziale Ängste sind in dem Alter sowieso sehr verbreitet. Krankheitswert muss das nicht unbedingt haben und trotzdem wäre es ja gut, ihr damit helfen zu können. Oder mal so formuliert: wer mit 16 auf die Idee kommt, eine Therapie machen zu wollen, und wer das auch noch so rüberbringen kann, der kann verdammt viel mehr als ich mit 16 zustandegebracht hätte. (Ich hätte Hilfe gebraucht. Und ich habe es als schlimmsten Verrat betrachtet, dass ein Arzt meinem Vater ohne mein Wissen und meine Zustimmung genau das gesagt hat.)


montagne
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Beitrag Di., 04.02.2020, 21:09

Es gibt eine Vielzahl an Stellen, die sie und ihre Eltern dazu beraten können: Sozialarbeiterin oder Inklusionspädagogin der Schule, Schulpsychologie, Beratungsstellen, DBZ, niedergelassene KJ Psychotherapeutin, Jugendamt (Stellen nicht nur Kindswohlgefährdung, sondern auch Unterstützungsbedarf nach SGB fest und zahlen entsprechend).

Dort sollte sie sich einwenden, zumal bei Kindern, bzw. Schülern noch ganz andere Maßnahmen in Frage kommen.
Embracing stress is a radical act of selftrust. -Kelly McGonigal