Auf Hochbegabung getestet, aber niemand glaubt mir

Kindheit, Jugend und Ausbildungszeit halten viele Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und Eltern bereit - hier ist der Platz, sich darüber auszutauschen (Beitrags-Haltedauer: 1 Jahr).
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mojito7
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Auf Hochbegabung getestet, aber niemand glaubt mir

Beitrag Do., 17.09.2020, 17:49

Liebe Leute,

Es ist mittlerweile schon länger her, dass mein IQ getestet wurde, da ich damals zu Schulzeiten kaum Leistungen erbracht habe bzw. oft schlechte Noten bekommen habe. Zu meiner Überraschung und (darauf komme ich zurück - auch der meiner Ansprechpersonen) ist mein Ergebnis sehr gut gewesen und mir wurde Hochbegabung attestiert.
Als ich meinen Eltern davon erzählt habe, bzw. ihnen auch das schriftliche Gutachten gezeigt habe, waren sie sehr skeptisch und haben mich komisch behandelt. Es hat sich eher so angefühlt als würden sie so tun, sich darüber zu freuen. (Der Test wurde von einer professionellen Psychologin mehrere Stunden durchgeführt, also sollte es eigentlich valide sein)
Meine Mutter hat mich auch immer als ,durchschnittlich' bezeichnet und sogar danach gesagt, wenn ich wo nicht so erfolgreich war - tja du musst halt akzeptieren, dass manche einfach begabt sind und wir halt eben durchschnittlich- (ich verstehe nicht wieso :kopfschuettel: )
Mein Vater wurde nachdem er das erfahren hat immer mehr zum Besserwisser und hat im Laufe der Zeit (nicht alles unmittelbar danach) so Kommentare geschoben wie -zu intelligente Frauen sind anstrengend und ungeeignet für Partnerschaften- oder -Hochbegabten Menschen fehlt oft woanders was-, -also ich würde mit keiner Frau zusammen sein wollen, die intelligenter ist als ich-...in meiner Gegenwart
Ich hab damals auch einem ,guten Freund' von meinem Testergebnis erzählt, weil mich das damals überrascht hat und ich jmd zum Reden gebraucht habe. Danach hat er das gleich einer anderen Freundin von uns erzählt und sie haben ständig Witze über Hochbegabte gerissen und mich abgewertet. Noch dazu haben sie mir ständig zeigen wollen, dass ich ja eigentlich dumm bin und wie oft ich falsch liege, in was auch immer ich sage.
Ich bin weder arrogant noch asozial und habe sonst niemandem davon erzählt.
Ich habe gemerkt, dass ich mit der Information sehr behutsam umgehen muss, aber dieses Verhalten gegenüber mir hat mich sehr verletzt und nagt bis heute stark an meinem Selbstbewusstsein. Manchmal glaube ich auch das ist falsch und ich hatte irgendwie Glück beim Test (was nicht sein kann, aber Selbstzweifel können dir so viele unnötige Dinge einreden, wie der metaphorische Teufel an der Schulter ^^).
Was würdet ihr in solchen Situationen machen?
Wie kann ich mich emotional selbst schützen?
Wie könnte ich wieder Selbstbewusstsein gewinnen?

Danke im Voraus für euer Verständnis!
Ich freue mich schon auf Rückmeldungen :)

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Kaonashi
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Beitrag Do., 17.09.2020, 18:29

Hallo!

am besten outet man sich mit einer Hochbegabung nur gegenüber anderen Hochbegabten, weil die normal Begabten sofort Panik bekommen, dass jemand schlauer sein könnte als sie selbst. Das ist leider so, und daraus erklären sich solche Reaktionen, wie du sie erlebt hast.

Andere Hochbegabte könnte man bei Mensa kennenlernen, ich nehme an, davon gibt es auch einen Ableger in Österreich.

Längerfristig ist der IQ tatsächlich nicht so wichtig für das Selbstvertrauen. Es ist mehr eine Krücke, zu wissen, wie hoch er ist. Das heißt, wenn man irgendwann mehr Selbstsicherheit gewonnen hat, dann spielt der IQ nicht mehr so eine große Rolle. Man hat dann nicht mehr so das Bedürfnis, ihn zu erwähnen oder über das Thema zu reden. Aber solange man Redebedürfnis hat, ist ein Verein wie Mensa eine gute Hilfe. Dort sind viele sog. "Underachiever".

Viele Grüße

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candle.
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Beitrag Do., 17.09.2020, 18:39

Hallo!

Wie kommst du denn JETZT auf das Thema, wenn der Test schon ein paar Jahre her ist? Und was machst du heute um deine Intelligenz gut zu leben?

LG candle
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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 17.09.2020, 18:55

Warum ist der Test denn wichtig für dich? Was hat dir das Ergebnis gebracht?

Mir wurde im Zuge eines solchen Tests mal attestiert, ich hätte eine besondere mathematische Begabung. Dabei bin ich ausgestiegen, als mein Mathelehrer Buchstaben an die Tafel malte! :-D

Einen einzigen Test würde ich nicht für besonders aussagekräftig halten. Solltest du aber doch hochbegabt sein, wirst du in der Mensa auf Gleichgesinnte stoßen - die dir helfen können, deine Begabung auch entsprechend zu nutzen.
Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.
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lisbeth
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Beitrag Do., 17.09.2020, 19:18

Wie hätte denn dein Umfeld reagieren sollen, deiner Meinung nach? Was hättest du dir von ihnen gewünscht?

'Hochbegabung' an sich sagt ja erstmal nicht viel über das aus, was du dann im Leben tatsächlich schaffen wirst. Das Etikett sagt erstmal nur etwas aus über die Voraussetzungen, die du mitbringst. Erreicht hast du damit noch gar nichts. Der Nobelpreis muss trotzdem noch erarbeitet werden, um es mal überspitzt zu formulieren... Oder anders ausgedrückt: Auch wenn jemand super musikalisch ist und ein absolutes Gehör mitbringt, wird sie nicht automatisch erfolgreiche Konzertpianistin.

Die Natur hat dir offensichtlich gute Voraussetzungen mitgegeben, was logisches Denken, Gedächtnisleistung usw. angeht. Über andere Fähigkeiten sagt so ein IQ-Test recht wenig aus. Was du am Ende daraus machst, hängt von dir selbst ab.

Und wer bist du, wie siehst du dich, wenn du deinen IQ mal außen vor lässt? Hast du davon eine Ahnung?
Solange wir leben, bleibt das Beste immer möglich.

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Joa
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Beitrag Do., 17.09.2020, 19:29

Hi mojito,

was mich eher nachdenklich stimmt und mir persönlich von der Thematik her wichtiger erscheint, ist der abwertende Umgang deiner Familie mit dir. Das was du über deine Eltern schreibst klingt wirklich nicht schön. Wohnst du noch zu Hause?

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mojito7
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Beitrag Do., 17.09.2020, 19:56

Liebe Leute,

Danke schon mal für eure Kommentare!
Ich wollte mit meinem Post eigentlich nicht zeigen, wie wichtig mir mein IQ ist, sondern dass es mich kränkt, wie sehr diese Eigenschaft von mir herabgewertet wurde und dass das ziemlich an meinem Selbstbewusstsein nagt.
Mir ist das jetzt wieder eingefallen, weil ich mir vor kurzem wieder solche Kommentare anhören musste.
Ich würde am liebsten eine emotionale Mauer bauen, an der diese Sprüche abprallen:/ .
Außerdem bin ich so antriebslos, dass ich noch immer nicht produktiv geworden bin und versucht habe, mein Potential auszuschöpfen.

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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 17.09.2020, 19:59

mojito7 hat geschrieben:
Do., 17.09.2020, 19:56
Ich wollte mit meinem Post eigentlich nicht zeigen, wie wichtig mir mein IQ ist, sondern dass es mich kränkt, wie sehr diese Eigenschaft von mir herabgewertet wurde und dass das ziemlich an meinem Selbstbewusstsein nagt.
Dein IQ ist aber doch keine Eigenschaft von dir.

Wenn du ihn selber als solche ansiehst, kommt mir schon der Gedanke, dass du das vielleicht sehr stolz betrachtest - und gekränkt bist, weil anderen das unwichtig ist. Warum erzählst du das überhaupt herum? Was hast du davon - was haben andere davon?
Zuletzt geändert von Anna-Luisa am Do., 17.09.2020, 20:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag Do., 17.09.2020, 20:01

@Anna-Luisa

Du hast Recht, ich hab eigentlich Intelligenz gemeint
Das war nicht ganz treffend formuliert ^^

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Beitrag Do., 17.09.2020, 20:12

@Anna-Luisa

Hast du meinen ganzen Text gelesen?
Niemand weiß davon außer meine Eltern und zwei Freunde von mir.
Meine Eltern hätten das sowieso erfahren, weil ich damals noch minderjährig war und die Psychologin ihnen meine damaligen Probleme schildern musste.
Dem einen Freund von mir hab ich das erzählt, weil ich das nach Jahren von Zweifeln an meiner Intelligenz nicht glauben konnte und verwirrt bin. Ich wollte mit jmd einfach darüber reden, so wie man das mit Freunden eben macht...hab dann eh bemerkt dass das keine gute Idee war, aber immerhin auch, dass ich falsche Freunde hatte.
Ich will das nicht als besonders wichtig darstellen, bzw mich besser darstellen als andere. Es verletzt mich eher, deshalb so abgewertet zu werden.
Aber du denkst ja anscheinend auch, dass ich mich damit wichtigtun möchte...

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candle.
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Beitrag Do., 17.09.2020, 20:21

Ich denke, was verständlich ist, dass deine Hochbegabung hilft vielleicht auch um den Selbstwertgefühl zu erhöhen. Aber die Erkenntnis alleine hilft nicht weiter, wenn es keine Förderung oder Anerkennung dafür gibt in Kindheit und Jugend.

Als Erwachsene kannst du dich aber allein auf den Weg machen, vielleicht mit Hilfe einer Psychotherapie und Freunden, die du vielleicht bei Mensa triffst oder Uni.

Du bist noch jung genug um deine Potenziale zu entfalten. Und dabei werden im Laufe der Zeit Menschen merken was du auf dem Kasten hast.

LG candle
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Beitrag Do., 17.09.2020, 20:23

mojito7 hat geschrieben:
Do., 17.09.2020, 20:12
@Anna-Luisa

Hast du meinen ganzen Text gelesen?
Niemand weiß davon außer meine Eltern und zwei Freunde von mir.
Ob ich deinen ganzen Text gelesen habe? Ja. Aber ich habe den Eindruck, dass du zu stolz bist - als für dich das Beste daraus zu machen. Ich hatte zuvor bereits den Eindruck, dass du deiner möglichen hohen Intelligenz zu viel Bedeutung beimisst. Verstärkt hat es sich, als du Intelligenz als Eigenschaft bezeichnet hast. Das halte ich für einen Freudschen Verschreiber.
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Beitrag Do., 17.09.2020, 20:28

Danke @candle 💜
Ich hoffe ich finde eine passende Beschäftigung der ich nachgehen kann 🙌🏻

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mojito7
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Beitrag Do., 17.09.2020, 20:39

@Anna-Luisa

Interessant wie du mich einschätzt.
Ich war in der Vergangenheit eher blockiert etwas zu tun, weil ich trotzdem noch voller Zweifel war und gedacht habe, dass ich eh scheitern oder versagen werde.
Das hat nichts mit Stolz zu tun, sondern eher gegenteilig.. sich wie ein Versager zu fühlen.
Und ganz ohne Wertung- Intelligenz ist eine Eigenschaft.
Eine von vielen Eigenschaften die deine Persönlichkeit ausmachen und ich finde sie nicht wichtiger als andere.
Aber wenn man halt besonders in der Hinsicht negative Kommentare zu hören bekommt, dann ist man verletzt und beschäftigt sich damit ...

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Anna-Luisa
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Beitrag Do., 17.09.2020, 20:51

mojito7 hat geschrieben:
Do., 17.09.2020, 20:39
Aber wenn man halt besonders in der Hinsicht negative Kommentare zu hören bekommt, dann ist man verletzt und beschäftigt sich damit ...
Du kannst doch aber gar nicht für andere sprechen. Mich beschäftigen negative Kommentare nicht. Geschweige denn, dass sie mich verletzen.

Ich fand es auch interessant zu lesen, dass du den Kommentar deiner Mutter offenbar als negativ ansiehst, die von einem Durchschnitt ausging. Offenbar findest hast du das bereits traurig bzw. negativ gefunden...
Zuletzt geändert von Anna-Luisa am Do., 17.09.2020, 20:58, insgesamt 1-mal geändert.
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