Einschüchternde Kollegin - wie kann ich lockerer damit umgehen?

Das Leben ist wesentlich durch unsere Arbeit geprägt. Der Job kann jedoch auch Quelle von Ärger und Frustration sein, oder persönliche Probleme geradezu auf die Spitze treiben...
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Morgenmuffel
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Einschüchternde Kollegin - wie kann ich lockerer damit umgehen?

Beitrag Fr., 26.04.2019, 09:15

Guten Morgen

Ich brauche etwas psychologische Unterstützung von euch. Ich bin generell grad in einer schwierigen Lebensphase (Beziehungsprobleme, nahe am Burnout, aus Überlastungssituation durch 3 Teilzeitjobs, Schlafprobleme) bin auch in einer Gesprächspsychotherapie aber leider ist die Therapeutin in den Ferien und der nächste Termin ist erst Mitte Mai.


Seit April arbeite ich an einem neuen Arbeitsplatz, ich möchte meine Arbeit perfekt machen und lege Wert auf ein respektvolles Miteinander. Ich arbeite im Behindertenbereich und mir ist auch wertschätzender Umgang mit den Klienten sehr wichtig.

Nun arbeitet mit mir i Team eine Frau, welche sehr laut und (für mich) überhaupt nicht respektvoll kommuniziert. Wenn man Fehler macht, dann wird man recht heftig von ihr angegangen.

Ich kann damit Oberhaupt nicht umgehen, mit stockt jedes Mal der Atem, weil ich so erschrecke und mittlerweile habe ich auch Angst irgendetwas falsch zu machen.


Wie kann ich lernen lockerer damit umzugehen?

Sie selbst sagt von sich, sie sei halt so, daran müsse man sich halt gewöhnen. Und ich glaube sie meint es auch nicht böse....
Zuletzt geändert von Tristezza am Sa., 27.04.2019, 11:26, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreffzeile "Strategien um lockerer werden zu können" präzisiert.


shesmovedon
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Beitrag Sa., 27.04.2019, 08:57

Also ich denke, dass es da Sinn machen würde, wenn du in solch einer Situation auch mal sagst: Ich möchte nicht, d ass sie so mit mir sprechen!
Ich kann mir vorstellen, dass das schon Wunder bewirken kann, weiß aber nicht, ob du dich das traust. Aber das wäre halt der lösungsorientierte Schritt.

Locker nehmen beinhaltet Abgrenzung. Das ist natürlich gerade ein guter Übungsplatz für dich, dich abgrenzen zu lernen. Aber das lernt man nicht von heute auf Morgen, das kann Monate bis Jahre in Anspruch nehmen, dass sowas an einem "abprallt" und einen nicht mehr verletzt.
Da du Therapie machst, könntest du dort auch das Thema Abgrenzung ansprechen, deine Therapeutin hat da sicherlich Tipps.
Aus der Verhaltenstherapie gibt es da so einfach Tricks, wie die Glasglocke, die über einem hängt und nichts durchlässt von den Verletzungen.

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Alex79
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Beitrag So., 28.04.2019, 07:39

Schwierige Sache. .. :neutral:
Bei mir war es prinzipiell ähnlich. Ich hatte früher eine Chefin, die wurde nie laut, nicht ein einziges mal. Aber hatte eine beissend ironische Art, die einen psychisch regelrecht sezieren konnte. Ein spottender Kommentar von ihr und du hast dich danach gefühlt wie ein wertloses Stück Dreck. Selbst den gleichgestellten Kollegen der anderen Abteilungen war nie ganz klar ob sie ihre Kommentare nun spöttisch, ironisch oder Wortgetreu meinte.

Vom Gefühl her dürfte es ähnlich wie bei Dir sein. Man fühlt sich eingeengt, machtlos und im höchsten Maße bedrängt. So als würde Dein Gegenüber die natürlichen Grenzen einfach missachten und in Deine Komfortzone eindringen. (Kann ich mir zumindest denken)

Ein Schritt wäre, wie mein Vorposter schon erwähnte, Deiner Kollegin ganz klare Grenzen aufzusetzen und ihr bewusst zu machen, dass sie Dich mit ihrem Verhalten Dir gegenüber denunziert, abwertet. Denn auch wenn sie hundertmal "so ist wie sie ist", es gibt Glasklare Gesellschaftliche Regeln die ein friedliches Miteinander auf Augenhöhe ermöglichen. Wenn sie diese (teils) ungeschriebenen Regeln mit Füßen tritt, ist es Dein gutes Recht, sie daran zu erinnern, dass, wenn auch sie gleichwertig und respektvoll behandelt werden will, sie diese Regeln beherzigen sollte.

Wenn dies nicht möglich ist und Du Dich innerlich nicht "kräftig" und standhaft genug fühlst, ihr das neutral aber bestimmt klar zu machen, würde ich mich an euer beider Vorgesetzte(n) wenden und ihm Deine Situation schildern. Sie notfalls auch dazu holen lassen, damit es in einem neutralen Umfeld aus der Welt geschafft werden kann.

Sollte das nicht helfen, oder der Chef / die Chefin nicht bereit sein, zu vermitteln, oder Deine Kollegin uneinsichtig bleiben, würde ich ihr eigenes Verhalten mal spiegeln, nur um zu gucken wie sie darauf reagiert. Denn oftmals reagieren Menschen auf ihre eigene destruktive Verhaltensweise oft perplex. :-D

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Blume1973
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Beitrag So., 28.04.2019, 07:50

Sollte das nicht helfen, oder der Chef / die Chefin nicht bereit sein, zu vermitteln, oder Deine Kollegin uneinsichtig bleiben, würde ich ihr eigenes Verhalten mal spiegeln, nur um zu gucken wie sie darauf reagiert. Denn oftmals reagieren Menschen auf ihre eigene destruktive Verhaltensweise oft perplex. :-D
Ehrlich gesagt, bin ich mit solchen Menschen so (wie oben beschrieben) immer am Besten gefahren.
Alles andere war leider vergeblich. Auch, wenn diese Art nicht schön ist.

Und am aller Besten zusätzlich, ist es Gleichgültigkeit zu zeigen.

Lg Blume
Die einzigen wirklichen Feinde des Menschen, sind seine negativen Gedanken.

Albert Einstein

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feenstaub
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Beitrag So., 28.04.2019, 07:55

Morgenmuffel hat geschrieben:
Fr., 26.04.2019, 09:15

.. ich möchte meine Arbeit perfekt machen..
Ein ziemlich hoher bis unmöglicher Anspruch, finde ich. Überall arbeiten immer nur unperfekte Menschen, die unperfekte Arbeit machen.
Anscheinend habt ihr ja schonmal über ihre Art gesprochen, da sie ja selbst sagt, damit muss man klarkommen?
Wie würde sie reagieren, wenn du sagst, dass du aber eben nicht so gut damit klar kommst und es dich immer wieder verunsichert?
VG

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Shenmi
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Beitrag So., 28.04.2019, 11:22

Ich finde die Idee, ihr ihr Verhalten zu spiegeln, gut. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich aber davon absehen, ihr zu sagen, dass Du Schwierigkeiten mit ihrem Verhalten hast. Damit zeigst Du einen Schwachpunkt von Dir und wenn sie Dir sowieso nicht wohl gesonnen ist, wird sie genau in diese Kerbe schlagen. Versuch, sie zu ignorieren. Dann laufen ihre Aktionen ins Leere und das wird ihr den Spaß daran verderben. Vielleicht habt Ihr ja eine Mitarbeiter Vertretung, die diesen Namen auch verdient und Du könntest Dich an diese wenden. Alles Gute!


Wünsch dir was

sagte die gute Fee

Alt und weise
möchte ich werden
und unerschrocken

Eine eigensinnige Alte
mit silbernen Haaren
ohne Strümpfe
in lila Sandalen
Und Lachfalten
möchte ich haben
Ganz viele


(Anne Steinwart)

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lisbeth
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Beitrag So., 28.04.2019, 12:45

Ich bin ja immer ein großer Fan dafür, zu allererst bei mir selbst zu schauen, was ich verändern kann, denn darauf habe ich wirklichen Einfluss, während ich die Kollegin nicht dazu zwingen kann, sich zu ändern.

Vielleicht ist auch dein eigener Umgang mit Fehlern ein Teil des Problems? Du schreibst, dass du deine Arbeit "perfekt" machen möchtest. Nur gibt es "perfekt" leider nicht, wo Menschen am Werk sind, liegt in der Natur des Menschseins. Wenn alles andere als "perfekt" für dich innerlich ein Problem darstellt und für dich innerlich nicht sein darf, reagierst du auf die Kritik der Kollegin natürlich auch mit viel mehr innerlichem Aufruhr (kenne ich auch). Dann ist jede Kritik und jeder Hinweis auf einen Fehler sofort pure Vernichtung.

Vielleicht, wenn du es schaffst, innerlich eine andere Haltung zu deinen Fehlern zu finden (im Sinne von "Fehler passieren", und es kommt dann darauf an, einen angemessenen und verantwortungsvollen Umgang damit zu finden), ist es dann auch möglich, dass du ihre Ansagen nicht mehr als ganz so bedrohlich empfindest? Oder dass du dann auch eher in der Lage sein wirst, von ihr einen anderen Ton einzufordern, weil sie inhaltlich zwar recht haben mag, aber dass man das bitteschön auch anders mitteilen kann.
In dem Maß wie wir anfangen, Fragen anders zu stellen, werden wir auch neue Antworten finden.


mio
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Beitrag Do., 02.05.2019, 20:31

Morgenmuffel hat geschrieben:
Fr., 26.04.2019, 09:15
Wenn man Fehler macht, dann wird man recht heftig von ihr angegangen.
Hast Du das Problem nur wenn sie mit Dir so spricht oder hast Du es auch, wenn sie mit anderen so spricht? Und haben die anderen das auch?

Grundsätzlich ist es natürlich so, dass es Verhaltensweisen gibt die klar NICHT gehen. Also grundlos (wirklich) aggressiv reagieren (anschreien, beleidigen, Dinge durch die Gegen werfen, Launen auslassen). Und es gibt Verhaltensweisen die sich sozusagen in so einer Art "persönlichem Empfindsamkeitsbereich" bewegen. Da würde ich erst mal versuchen nüchtern zu kucken was vorliegt.

Wenn es sich um echte Aggressivität handelt dann finde ich dass das auch klar gesagt werden sollte, dass so ein Verhalten nicht geduldet wird von Dir und zwar ganz egal wen es betrifft. Wenn es mehr Deine eignen Befindlichkeiten sind, dann würde ich eher schauen, woher die kommen.

Also zB. mal zu schauen woher es kommt dass Du Angst hast Fehler zu machen. Die scheinst Du ja so oder so schon zu haben wenn Du immer alles perfekt erledigen willst (was schlicht schier übermenschlich wäre, also von Haus aus schon zuviel Druck erzeugt). Wenn jemand Dich "einfach nur" direkt und klar auf einen Fehler hinweist dann kannst Du auch lernen, dass nicht all zu persönlich zu nehmen sondern einfach ebenso klar zu reagieren indem Du zB. sagst: Ja, das war ein Fehler. Tut mir leid. Ich werde ihn soweit möglich korrigieren bzw. mich darum bemühen dass das in Zukunft nicht mehr vor kommt. Also ruhig und sachlich Verantwortung übernehmen, sofern Du wirklich einen Fehler gemacht hast und Dich darum bemühen diesen in Zukunft zu vermeiden. Wenn Du dabei Unterstützung brauchst (in Form von Information, Anleitung, was auch immer) dann würde ich das auch klar formulieren ohne selbst angriffig zu werden.

Wenn es ihr wirklich nur darum geht dass sie eine Korrektur des Fehlers möchte dürfte das ausreichen um sie zu "beschwichtigen" und vielleicht reagiert sie mit der Zeit dann auch insgesamt etwas "entspannter".

Wenn es ihr um persönlichen Frustabbau oder Macht geht wäre das hingegen ganz klar Schikane und sollte in welcher Form auch immer unterbunden werden. Sei es durch klare Ansagen von Dir oder aber durch Deine Vorgesetzten. Sowas musst Du Dir wenn auf alle Fälle nicht bieten lassen.

Mehr als dass Du Verantwortung für Dein Handeln übernimmst und Dich bemühst vermeidbare Fehler zu vermeiden kann niemand von Dir verlangen. Und meist geht es wenn sowas "verlangt" wird auch gar nicht um die Fehler als solche sondern um die "schlechte Laune" des Gegenübers und gegen die bist Du eh "machtlos" wenn Du so willst. Da hilft dann nur abgrenzen.

Wie gesagt: Ich würde erst mal überprüfen was vorliegt. Geht sie wirklich zu weit? Oder bist Du einfach besonders angreifbar weil Du selbst so einen überhöhten Anspruch an Dich hast (der dann auch gerne an andere gestellt wird by the way...)?

Oft stören sich Menschen auch einfach an Dingen/Verhaltensweisen die ihnen selbst fehlen. Dh. Deine Kollegin könnte sich an Deiner "überkorrekten Art" stören, weil sie sich dadurch selbst unter Druck gesetzt fühlt, aber auch Du könntest Dich an ihrer "Lockerheit" und "Direktheit" in Bezug auf bestimmte Dinge stören, weil Dir das fehlt.

Im Besten Falle könnt ihr beide was voneinander lernen denke ich mal. :)

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Beitrag Do., 02.05.2019, 22:03

Morgenmuffel hat geschrieben:
Fr., 26.04.2019, 09:15
Wie kann ich lernen lockerer damit umzugehen?

Sie selbst sagt von sich, sie sei halt so, daran müsse man sich halt gewöhnen. Und ich glaube sie meint es auch nicht böse....
Ja, ein Grund von vielen, warum ich Menschen hasse.

Man kann diesen Menschen normal und respektvoll sagen, dass ihr verhalten einem nicht gefällt usw.
Hab aber noch nie erlebt, dass sich solche Menschen ändern. Hab eher die Erfahrung gemacht, dass das einfach nur verschwendete Energie ist.


Deshalb innerliche und äußere Distanz zu solchen Menschen. Also aus dem Weg gehen, wo es geht (nicht diese Menschen verändern wollen... damit belastet man sich nur unnötig, kettet sich quasi an sie, jeder ist selbst für sein EIGENES Handeln verantwortlich)
Und ab und zu mal zwischendurch Grenzen setzen...

Also zum Beispiel, wenn sie wirklich übertreibt mit ihrem Rumgepampe...

"So und nächstes Mal bitte in einem normalen Ton. Danke."

Ich finde man sollte sich wehren. Was soll schon passieren?
Geld und Job sind niemals wichtiger als die eigene Würde und Psyche.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf

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Morgenmuffel
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Beitrag Sa., 04.05.2019, 10:40

Herzlichen Dank für eure Antworten.
Ja es wäre an der Zeit, dass ich mich nun für mich einsetzen würde, undderr Kollegin sagen könnte, dass ich nicht so angesprochen werden möchte.

Das habe ich gestern auch so mit meiner Therapeutin besprochen.
Ich denke, dass dies das Fernziel sein wird. Aber im Moment war und bin ich wie gelähmt von der Angst, die in mir hervorgerufen wurde. Wahrscheinlich werde ich da an eine frühere Situation erinnert.

Im Moment spüre ich einfach Angst, generell einen Fehler zu machen und vor allem davor, wenn ich wieder mit ihr zusammen arbeiten werde. Im Mai wird das nur ganz wenig sein. Aber gestern gab es den Juni Plan......da arbeitenwier fast jeden Tag zusammen.......

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Beitrag Mi., 22.05.2019, 13:45

In der Zwischenzeit merke ich, dass ich nicht mehr dort arbeiten kann.

Ich habe bereits eine Bewerbung losgeschickt für eine andere Stelle. Besser geht es mir nicht, ich habe ständig Angst vor der Arbeit, dass ich Fehler mache, dass ich mit der komischen Kollegin zusammenarbeiten muss, dass ich womöglich in der Probezeit künden muss, dass ich noch länger dort bleiben muss.......es fühlt sich grad alles so Angsterfüllt an.
Ich habe ein paar Tage frei, kann es aber überhaupt nicht geniessen, es zieht sich alles in mir zusammen.
Heute Morgen war ich in der Therapie, sie war leider heute nicht so hilfreich für mich.